Blaukorn für den Rasen – ja oder nein?

Du wünschst Dir einen üppig-grünen Rasenteppich, der Deine Nachbarn vor Neid erblassen lässt und Passanten zum Staunen bringt? Bei der Erfüllung dieses Traums soll Dir Blaukorn helfen. Schließlich ist der Dünger für seine durchschlagende Wirkung bekannt. Doch ist Blaukorn-Dünger tatsächlich empfehlenswert? Und was musst Du bei der Anwendung beachten?

Blaukorn als Rasendünger?

  • Blaukorn ist ein Mineraldünger aus dem Chemielabor
  • der Mehrnährstoffdünger enthält Stickstoff, Phosphat und Kalium
  • das wasserlösliche Granulat wirkt schnell und intensiv
  • allerdings hält die Wirkung nur kurz an
  • auf Dauer schadet Blaukorn dem Boden und der Umwelt
  • verwende Blaukorn, wenn überhaupt, nur kurzfristig
  • Achtung, Blaukorn ist in hoher Dosis gesundheitsschädlich für Mensch und Tier!

Das blaue Wunder

Die warme Jahreszeit steht vor der Tür und Dein Rasen sieht traurig aus? Kraftlose, blasse Halme bevölkern eher spärlich die Fläche. Blaukorn, so heißt es, kann innerhalb kürzester Zeit diesen trostlosen Anblick in einen saftigen, tiefgrünen Englischen Rasen verwandeln. Was ist dran, an der Mär vom blauen Wunderkorn, ist es wirklich eine gute Wahl für die Düngung Deiner Grünfläche? 

Schnelle Erfolge

Tatsächlich ist Blaukorn eines der am häufigsten verwendeten Düngemittel im professionellen Gartenbau. Das hat natürlich seinen Grund: Blaukorn enthält die drei Grundnährstoffe, die Pflanzen für ihr Wachstum benötigen, in hoch konzentrierter, wasserlöslicher Form. Innerhalb weniger Tage entfaltet der Dünger seine Wirkung – Mangelerscheinungen lösen sich in Luft auf, der Rasen wächst rasant und nimmt eine tiefgrüne Farbe an. 

Nur von kurzer Dauer

Nach zwei bis drei Wochen ist der Zauber jedoch meist schon wieder vorbei. Erhalten die Gräser nun keinen Nachschub, sehen sie bald wieder so kümmerlich aus, wie zuvor. Das verleitet natürlich dazu, abermals zur Blaukorn-Packung zu greifen, um den tollen Effekt, den die kleinen blauen Kügelchen auf Deine Grünfläche hatten, wiederzuerlangen und zu erhalten.

Und es wirkt auch diesmal – Dein Rasen erstrahlt erneut in leuchtendem Grün. Allerdings können bei zu häufiger Anwendung die Wurzeln der Gräser verbrennen. Um dies zu verhindern, solltest Du mindestens fünf Wochen abwarten, bevor Du ein weiteres Mal mit Blaukorn düngst. Während dieser Wartezeit lässt die Wirkung allerdings bereits nach, Dein Rasen verblasst und zeigt wieder all die altbekannten Mangelerscheinungen.

Was ist Blaukorn?

Bei Blaukorn handelt es sich um einen sogenannten Mehrnährstoffdünger, einen chemisch hergestellten Volldünger. Meist wird das Düngemittel als Granulat verwendet, es ist jedoch auch in flüssiger Form erhältlich. Der Industriedünger enthält die Kernnährelemente Stickstoff, Phosphor und Kalium und gilt als Universaldünger, der für alle Garten- und Kübelpflanzen verwendet werden kann. Je nach Hersteller befinden sich im Blaukorn-Dünger noch weitere Spurenelemente wie zum Beispiel Magnesium oder Schwefel. 

Zusammensetzung

Zur einfacheren Erkennung sind die wasserlöslichen Körner blau eingefärbt. Standardmäßig ist Blaukorn folgendermaßen zusammengesetzt:

  • 12 % Stickstoff (Nitrat-Stickstoff und Ammonium-Stickstoff)
  • 12 % Phosphat
  • 17 % Kalium
  • 2 % Magnesium

Für die Anwendung im Hobbygarten empfiehlt sich das Blaukorn Novatec (14+7+17+2), da bei diesem Mittel die Umwandlung von Ammonium-Stickstoff in Nitrat-Stickstoff verzögert ist und dadurch weniger Nitrat in Grundwasser gelangt. Somit ist diese Variante umweltschonender als herkömmlicher Blaukorndünger.

Wirkung

Kommt das blaue Granulat mit Wasser in Berührung, löst es sich auf und gibt seine Nährstoffe an die Wurzeln ab. Stickstoff kurbelt das Wachstum der Rasengräser an und verleiht ihnen im Handumdrehen eine üppig-grüne Farbe. Phosphor kräftigt die Wurzeln und sorgt dafür, dass sie sich gut verzweigen. Kalium macht den Rasen widerstandsfähig gegen Trockenheit und Kälte sowie gegen Pilze und Bakterien. Deine Grünfläche wird belastbarer, die Halme wachsen dichter und sehen gesund aus. Jedoch ist dieser schöne Anblick wie gesagt nicht von Dauer.

Mineralischer Dünger aus dem Labor

Da Blaukorn rein chemisch hergestellt ist, enthält es keinerlei organische Materialien. So zeigt das Mittel zwar unglaublich rasch Wirkung, verliert diese aber ebenso schnell wieder. Organische Substanzen hingegen wirken deutlich langsamer, haben allerdings eine Art Depoteffekt: Stoffe pflanzlichen oder tierischen Ursprungs werden nach und nach von den im Boden lebenden Mikroorganismen zersetzt und dabei in Humus umgewandelt, der die Pflanzen langfristig mit Nährstoffen versorgt und beim Luft- und Wärmehaushalt des Bodens eine wichtige Rolle spielt.

Keine Dauerlösung

Ob Blaukorn für Deinen Garten infrage kommt, hängt von Dir und Deiner Einstellung zum Thema Düngung und Umweltschutz ab. Wenn Du von dem Mittel als schnellem Problemlöser begeistert bist, kannst Du Dir die Vorzüge von Blaukorn durchaus zunutze machen. Gib Deinem Rasen im Frühjahr einen Kickstart mit dem blauen Granulat und erfreue Dich nach spätestens zwei Wochen an der intensiven Wirkung. Sei Dir aber bewusst, dass Blaukorn keine Dauerlösung für Deinen Rasen ist!

Vorsicht, umweltschädlich!

Die hoch dosierten, künstlichen Nährstoffe führen auf Dauer zu einer Überdüngung des Bodens. Die Bodenlebewesen vertragen die stark konzentrierte Nährstoffkombination gar nicht gut. Eine regelmäßige Anwendung von Blaukorn kann das Bodenleben gar zum Erliegen bringen. Bei starkem Regen oder überreichlichem Gießen werden die Nährstoffe rasch ins Grundwasser ausgewaschen. Das über das Trinkwasser aufgenommene Nitrat kann vom Körper in Nitrit umgewandelt werden, welches als potenziell gesundheitsgefährdend gilt.

Vorteile

  • wirkt sehr schnell
  • intensive Wirkung
  • einfache Handhabung
  • kostengünstig
  • enthält die drei Grundnährstoffe in wasserlöslicher Form
  • die Wasseraufnahme der Gräser wird beschleunigt

Nachteile

  • Gefahr der Überdüngung des Bodens
  • gesundheitsschädlich für Menschen und Tiere
  • die enthaltenen Nitrate und Schwermetalle können ins Grundwasser gelangen
  • kann den pH-Wert des Bodens senken
  • schädigt bei langfristiges Anwendung das Bodenleben
  • die Bodenstruktur leidet
  • dadurch nimmt die Bodenfruchtbarkeit ab

Was gibt es vor der Anwendung zu bedenken

Wenn Du Deinen Rasen mit Blaukorn düngen möchtest, solltest Du zu allererst feststellen, ob es Deinem Boden tatsächlich an den enthaltenen Nährstoffen mangelt. Nicht immer ist nämlich Nährstoffmangel schuld am kümmerlich wachsenden Rasen. Diverse Pflegefehler und sogar eine Überdüngung der Grünfläche könnten die Ursache für das traurige Aussehen Deiner Grünfläche sein. Entnimm eine Bodenprobe und sende sie an ein Institut, das Bodenanalysen durchführt. 

  • entnimm an etwa 10 verschiedenen Stellen je eine Probe
  • die Proben sollten aus etwa 10 bis 15 cm Tiefe stammen
  • vermische die Proben in einem Eimer
  • fülle die vom Labor angegebene Menge in eine Plastiktüte
"Gib beim Einsenden der Bodenprobe den Ort der Entnahmen und die Tiefe als Anhaltspunkte für die Analytiker an."
Mein Tipp

Düngen mit Blaukorn

Das Ergebnis der Bodenanalyse hat Deine Vermutung bestätigt, dass es Deinem Rasen an Stickstoff, Phosphor und Kalium mangelt? Dann kannst Du Deine Grünfläche, wenn Du das möchtest, mit Blaukorn düngen. 

Der beste Zeitpunkt

  • dünge Deinen Rasen zwischen Mitte März und Ende April mit Blaukorn
  • es sollte bereits frostfrei und angenehm warm sein
  • Hitze, Trockenheit und aggressive Sonneneinstrahlung hingegen sind kontraproduktiv
  • der Rasen sollte beim Ausbringen des Düngers möglichst trocken sein
  • idealerweise ist für die nächste Zeit Regen angesagt

Wer den Dünger später im Jahr verwenden möchte, sollte dabei unbedingt auf eine kühlere Periode warten. Wird Blaukorn bei sonniger und heißer Witterung ausgebracht, besteht die Gefahr, dass Dein Rasen verbrennt! 

"Im Sommer empfehlen sich besonders die Abendstunden eines kühleren Tages zum Düngen mit Blaukorn. Wässere den Rasen im Anschluss reichlich."
Mein Tipp

Blaukorn richtig ausbringen

  • Lies Dir vor der Anwendung die Angaben des Herstellers zur Dosierung genau durch. Verwende auf keinen Fall mehr Blaukorn, als empfohlen! Hier ist wirklich weniger mehr. Wird Blaukorn überdosiert, lässt die hohe Salzkonzentration die Rasenwurzeln absterben. Statt des erträumten grünen Teppichs erhältst Du dürre, braune Halme und einen übersäuerten Boden.

  • Für eine gleichmäßige Verteilung empfiehlt sich ein Streuwagen. Stelle den Streuwagen richtig ein und wiege den Dünger genau ab. Fahre die Fläche zügig ab und vermeide Überlappungen.

  • Beim Ausbringen sollte der Rasen zwar trocken, aber nicht ausgetrocknet sein. Weil das Produkt nicht länger auf der Grünfläche liegen bleiben sollte, musst Du, wenn es nicht bald nach der Düngung regnet, den Rasen wässern. Durch den Kontakt mit Wasser löst sich das Granulat auf und sickert in den Boden.

"Wer keinen Streuwagen besitzt und nur einen kleinen Garten hat, kann auch flüssiges Blaukorn kaufen. Mische das Produkt nach Packungsanweisung mit Wasser und verteile es mit einer großen Gießkanne mit Brause."
Mein Tipp

Verantwortungsvoller Umgang mit Blaukorn

Blaukorn ist keine natürliche Substanz, sondern wird im Chemielabor künstlich hergestellt. Das Mittel kann in höherer Konzentration der Gesundheit schaden. Es darf also auf keinen Fall verzehrt werden.  Halte daher Kinder und Haustiere von einem mit Blaukorn gedüngten Rasen fern. Verwahre den Dünger stets außer Reichweite von Kindern! Während manche Blaukorn-Produkte sehr gesundheitsschädlich sind, sind andere etwas harmloser. Sei dennoch stets vorsichtig und verantwortungsbewusst im Umgang mit dem Dünger.

  • Blaukorn enthält Nitrat, das den Magen-Darm-Trakt reizen und Erbrechen und Durchfall auslösen kann.
  • Wird Nitrat zu Nitrit umgewandelt, kann dies zur Bildung krebserregender Nitrosamine führen.
  • Bei Säuglingen kann Nitrit den Transport von Hämoglobin und damit auch den Sauerstofftransport im Köper behindern. In diesem Fall droht Erstickungsgefahr!

Alternativen zu Blaukorn

Verwende Blaukorn lediglich als kurzeitige Lösung um den Rasen schnell auf Vordermann zu bringen. Sobald sich das blaue Granulat aufgelöst hat, ist es Zeit für eine organische Düngung. So förderst Du das Bodenleben, baust eine nährende Humusschicht auf und sorgst dafür, dass der Rasen weiterhin gepflegt und attraktiv aussieht, wenn die Wirkung des Blaukorns wieder nachlässt. Einmal jährlich sparsam eingesetzt, richtet Blaukorn keine Umweltschäden an. Wenn es Dir gelingt, Deinen Boden ins Lot zu bringen, möchtest Du vielleicht bald ganz auf Blaukorn verzichten.

Organische Düngemittel

Organische Rasendünger geben ihre Nährstoffe langsamer an den Boden ab. Du kannst Deinen Rasen dadurch nicht so leicht überdüngen. Zwar setzt die Wirkung nicht sofort ein, dafür profitiert Dein grüner Teppich länger davon. Mit organischer Düngung verbesserst Du darüber hinaus die Bodenstruktur, da die Entstehung von Ton-Humus-Komplexen gefördert und die Puffern von Nährstoffen optimiert wird. Ein vitaler Boden sorgt dafür, dass die Nährstoffe von den Pflanzen gut aufgenommen werden können und verringert das Risiko von Pflanzenkrankheiten.

Organische Düngemittel, die Du anstelle von Blaukorn oder auch in Kombination damit einsetzen kannst, sind:

  • reifer, fein gesiebter Kompost (etwa 1 Liter pro m²)
  • Hornspäne oder Hornmehl
  • Pflanzenjauchen (aus Brennnessel, Beinwell etc.)
  • fertige organische Dünger aus dem Handel

Am einfachsten sind fertig gemischte organische Rasendünger aus dem Gartenmarkt anzuwenden. Sie enthalten alle essenziellen Nährstoffe, die Dein Rasen benötigt. Hier kannst Du zwischen einem stickstoffbetonten Rasendünger für die Frühjahrsdüngung und einen Herbst-Rasendünger mit erhöhtem Kalium-Gehalt wählen.

Mulchen statt Düngen

Auch das Mulchmähen stellt eine lohnenswerte Alternative zum intensiven Einsatz mineralischer Düngemittel wie Blaukorn dar. Ein spezieller Mulchmäher zerhäckselt das Schnittgut mittels eines zweiten Schnittwerks fein und lässt es dann wieder auf den Rasen rieseln. Dort verrottet das abgemähte Gras, wo es dem Rasen als Dünger dient und so den Nährstoffkreislauf wieder schließt. Du musst also das Mähgut nicht entsorgen, sondern kannst einen Großteil des Nährstoffbedarfs Deines Rasens damit decken. Das spart Zeit und Geld und schont die Umwelt.

Organisch-mineralische Rasendünger

Bei den meisten Rasendüngern handelt es sich heute um organisch-mineralische Dünger, die die Vorteile beider Düngemethoden vereinen: Der mineralische Anteil sorgt für eine schnelle Wirkung, die organischen Bestandteile verleihen dem Dünger eine gewisse Langzeitwirkung. Die Gefahr einer Überdüngung ist mit diesen Mitteln stark verringert. Gleichzeitig wirken sich die organischen Komponenten positiv auf das Bodenleben aus. 

Fazit

Ob Du Dich für die Düngung mit Blaukorn entscheidest, liegt bei Dir. Das populäre Düngemittel überzeugt mit seiner schnellen und intensiven Wirkung, ist jedoch eher eine kurzfristige Lösung für Deinen Rasen. Gesundheit- und umweltbewusste Hobbygärtner sehen sich besser nach nachhaltigen Alternativen mit Langzeitwirkung um.

Kategorien Rasen

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