Pflanzentipps

Himbeeren vermehren: Ausläufer, Absenker und Steckhölzer

Himbeeren kostenlos vermehren: Ausläufer abstechen, Ruten absenken, Steckhölzer schneiden – mit dem richtigen Zeitpunkt und der richtigen Rute klappt es zuverlä

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 3. September 20265 Min Lesezeit
Himbeeren vermehren: Ausläufer, Absenker und Steckhölzer

Himbeeren gehören zu den dankbarsten Beeren im Garten – und zu den großzügigsten. Eine gesunde Pflanze schenkt dir jedes Jahr Nachwuchs, den du nur noch einsammeln musst. Ob du deine Reihe verlängern, Pflanzen an Nachbarn verschenken oder eine besonders leckere Sorte sichern willst: Vermehren kostet dich außer etwas Geduld nichts. Du brauchst weder teures Jungpflanzen-Sortiment noch Bewurzelungspulver. Wichtig ist nur, dass du die richtige Methode zur richtigen Jahreszeit wählst – und die richtige Rute erwischst.

Sommer- oder Herbsthimbeere? Das entscheidet alles

Zwei Himbeerruten nebeneinander, eine mit Früchten an verholzten Seitentrieben, eine mit Früchten an den Rutenspitzen.
Sommer- oder Herbsthimbeere entscheidet, welche Rute du anfassen darfst

Bevor du zum Spaten greifst, klär, welchen Typ du im Beet hast. Sommerhimbeeren tragen an den zweijährigen Ruten – also an den Trieben, die im Vorjahr gewachsen sind. Die diesjährigen grünen Ruten sind ihr Nachwuchs für die nächste Ernte, an ihnen darfst du nicht herumschneiden. Herbsthimbeeren tragen dagegen an den Spitzen der einjährigen Ruten und werden im Spätwinter komplett bodennah zurückgeschnitten.

Für die Vermehrung ist dieser Unterschied vor allem beim Zeitpunkt wichtig. Ausläufer und Absenker kannst du bei beiden Typen im Herbst gewinnen. Willst du dagegen oberirdische Ruten als Steckholz nutzen, greifst du zu ausgereiften einjährigen Trieben – bei der Sommerhimbeere zu denen, die im nächsten Jahr eigentlich tragen würden. Nimm dafür nie mehr als ein, zwei Ruten pro Pflanze, sonst kostet es dich Ernte.

Ausläufer abstechen – der einfachste Weg

Ein Spaten trennt senkrecht im Boden die Wurzelverbindung zwischen Mutterpflanze und einem jungen Himbeer-Trieb.
Senkrecht abstechen – so bekommt der Ausläufer eigene Wurzeln mit

Himbeeren breiten sich von Natur aus über Wurzelausläufer aus. Rund um eine etablierte Pflanze schieben sich jedes Jahr neue Triebe aus dem Boden, oft einen halben Meter oder weiter von der Mutter entfernt. Genau diese Ausläufer sind dein einfachstes Vermehrungsmaterial.

Suche im frühen Herbst einen kräftigen, gesunden Jungtrieb aus, der schon eigene Blätter gebildet hat. Stich mit einem scharfen Spaten senkrecht in den Boden und trenne die unterirdische Wurzelverbindung zur Mutterpflanze durch. Hebe den Trieb dann mitsamt einem ordentlichen Wurzelballen aus – je mehr Wurzeln dranbleiben, desto sicherer wächst er an. Solche Ausläufer kannst du sofort an ihren neuen Platz setzen.

Ein Haken: Viele moderne, großfruchtige Sorten bilden absichtlich kaum noch Ausläufer, damit sie nicht wuchern. Schwarze Himbeeren machen gar keine. Wenn deine Pflanze keinen Nachwuchs schiebt, ist das kein Fehler von dir – dann führt der Weg über Absenker oder Steckhölzer.

Absenker: Ableger für ausläuferfaule Sorten

Eine lange Himbeerrute liegt in einer flachen Erdrinne und ist mit einem Metallhaken fixiert, die Spitze schaut heraus.
Absenken funktioniert auch bei Sorten, die keine Ausläufer machen

Wenn keine Ausläufer kommen, überredest du die Rute selbst zum Wurzeln. Für einen Absenker biegst du einen langen, biegsamen Jungtrieb zum Boden, entblätterst den mittleren Abschnitt und legst ihn in eine flache Mulde. Diesen Teil bedeckst du mit Erde und fixierst ihn mit einem Stein oder einem gebogenen Draht, sodass nur die Triebspitze herausschaut.

Etwas sanfter geht der Ableger: Dabei legst du den bodennahen Trieb zunächst nur in eine Rinne, ohne ihn zu bedecken. Sobald an den Blattknoten neue Triebe austreiben, füllst du die Rinne mit Erde auf. Beide Methoden eignen sich für Winter und Frühjahr. Hat der abgesenkte Abschnitt genug eigene Wurzeln gebildet – das prüfst du durch vorsichtiges Nachgraben –, trennst du ihn von der Mutterpflanze und pflanzt ihn um.

Steckhölzer und Wurzelschnittlinge im Herbst

Mehrere blattlose, etwa 15 Zentimeter lange Himbeer-Steckhölzer stecken aufrecht in einem Topf mit feuchtem Sand.
Steckhölzer überstehen den Winter im Sand und wurzeln im Frühjahr

Nach dem Laubfall lohnt sich das Steckholz. Schneide dafür ausgereifte, einjährige Ruten in 10 bis 20 Zentimeter lange Stücke, jeweils direkt unter einem Blattknoten. Diese Hölzer lagerst du über den Winter aufrecht in einem Topf mit feuchtem, nährstoffarmem Sand an einem kühlen, frostfreien Ort. Im Frühjahr, wenn sich an den Schnittstellen erste Wurzelansätze zeigen, kommen sie ins Beet.

Noch weniger Aufwand machen Wurzelschnittlinge, die du zwischen Oktober und Dezember gewinnst. Grabe ein Stück Wurzel aus, schneide es in etwa 10 Zentimeter lange Abschnitte und lege sie waagerecht rund fünf Zentimeter tief in sandige Anzuchterde. Halte das Ganze frostgeschützt und gleichmäßig feucht. Aus den schlafenden Knospen an der Wurzel treiben im Frühjahr neue Pflanzen. Ein Nährstoff-Turbo ist beim Anwurzeln nicht nötig – magere Erde treibt die Wurzelbildung sogar besser an als eine gedüngte.

Welche Rute taugt zum Vermehren?

Nahaufnahme einer frisch geschnittenen Himbeerrute mit hellgrünem, saftigem Inneren, daneben eine braune, trockene Schnittstelle.
Grün und saftig innen: nur so eine Rute treibt Wurzeln

Der häufigste Grund, warum Stecklinge nicht anwachsen, ist eine tote Rute. Mach vor jedem Schnitt die Schnittprobe: Eine vermehrungsfähige, noch lebende Rute ist innen hellgrün und saftig. Zeigt sich am Schnitt dagegen ein bräunliches, trockenes Mark, ist der Trieb bereits ausgezehrt und wird niemals Wurzeln bilden – egal wie sorgfältig du ihn behandelst.

Achte außerdem auf Gesundheit. Vermehre grundsätzlich nur von kräftigen, virus- und pilzfreien Pflanzen; Rutenkrankheiten und Wurzelfäule wandern sonst direkt in deinen Nachwuchs. Jüngere Mutterpflanzen liefern zuverlässigeres Material als alte, überständige Stöcke, die oft schon Degenerationserscheinungen zeigen. Und noch ein rechtlicher Punkt: Sortengeschützte Züchtungen darfst du nicht vermehren – bei Standardsorten und alten Landsorten bist du dagegen frei.

Jungpflanzen richtig setzen und das erste Jahr begleiten

Eine bewurzelte junge Himbeerpflanze wird in ein frisches, mit [Kompost](/garten/kompost/) vorbereitetes Beet gesetzt, daneben eine Gießkanne.
Neuer Standort statt alter Himbeerplatz – das beugt Müdigkeitsschäden vor

Himbeeren sind mit sich selbst unverträglich. Setze deine Jungpflanzen deshalb nie dorthin, wo schon Himbeeren standen – im alten Boden reichern sich Wurzelkrankheiten und Ausscheidungen an, die den Neuzugang ausbremsen. Wähle einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit lockerem, humosem Boden und arbeite reifen Kompost ein. Rechne pro Pflanze mit gut einem Quadratmeter Fläche, damit später Luft durch die Reihe zieht und Pilzkrankheiten keine Chance haben. Wer die Ausbreitung im Griff behalten will, setzt eine Wurzelsperre.

Im ersten Standjahr steckt die junge Pflanze ihre ganze Kraft in Wurzeln und neue Ruten. Wenn schon früh einzelne Blüten erscheinen, knipse sie ab – so investiert die Pflanze in ein stabiles Fundament statt in ein paar frühe Beeren. Gieße in Trockenphasen regelmäßig, aber ohne Staunässe, am besten morgens und direkt an den Wurzelbereich. Für den vollständigen Weg von der Jungpflanze zur üppigen Reihe hilft dir der Ratgeber Himbeeren anbauen weiter. Ab dem zweiten Jahr wirst du dann für deine Geduld mit der ersten eigenen Ernte belohnt.

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