Pflanzentipps

Lauberde selber machen: aus Herbstlaub wird torffreie Gartenerde

Herbstlaub ist kein Abfall, sondern Rohstoff. So setzt du Laubkompost an, beschleunigst die Rotte und nutzt die fertige Lauberde als Mulch, Bodenverbesserer und

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 8. September 20267 Min Lesezeit
Lauberde selber machen: aus Herbstlaub wird torffreie Gartenerde

Wenn im Oktober die Blätter fallen, beginnt für viele die lästigste Gartenarbeit des Jahres – dabei harkst du gerade den wertvollsten Rohstoff zusammen, den dein Garten umsonst hergibt. Aus Herbstlaub wird mit etwas Geduld Lauberde: ein dunkler, krümeliger Humus, den Gärtnerinnen früher als „Waldgold" gehandelt haben. Er lockert schwere Böden, speichert Wasser in sandigen und ersetzt teuren, klimaschädlichen Torf in der Anzucht. Du musst dafür fast nichts tun – nur das Laub am richtigen Ort sammeln und den Pilzen ihre Zeit lassen.

Was Lauberde ist – und warum sie Torf ersetzt

Lauberde entsteht anders als normaler Kompost. In einem heißen Komposthaufen zersetzen Bakterien Küchen- und Grünabfälle in wenigen Wochen bei bis zu 60 Grad. Laub dagegen wird vor allem von Pilzen abgebaut, und die arbeiten langsam und kühl. Diese „Kaltrotte" dauert länger, liefert dafür aber einen besonders feinen, stabilen Humus, der die Bodenstruktur nachhaltig verbessert.

Genau das macht Lauberde so wertvoll als Torfersatz. Torf wird in Mooren abgebaut, die über Jahrtausende gewachsen sind – beim Abbau entweichen große Mengen CO₂, und die Lebensräume sind unwiederbringlich zerstört. Lauberde hat eine ähnlich lockere, wasserspeichernde Struktur wie Torf, ist leicht sauer und kostet dich keinen Cent. Nebenbei bringt sie Spurenelemente und Nährstoffe zurück in den Boden, die der Baum sich übers Jahr aus der Tiefe geholt hat. Wer torffrei gärtnern will, hat mit dem eigenen Herbstlaub die einfachste Quelle direkt vor der Haustür.

Zwei Haende halten dunkle, kruemelige fertige Lauberde ohne erkennbare Blattreste, feine weisse Pilzfaeden schimmern durch den Humus.
So sieht das Ziel aus: dunkler, waldbodenartiger Humus statt matschiger Blaetter.

Welches Laub sich eignet – und welches Geduld braucht

Nicht jedes Blatt verrottet gleich schnell. Dünnes, weiches Laub zersetzt sich innerhalb eines Jahres: Obstbaumblätter, Ahorn, Linde, Birke, Hainbuche, Erle, Esche und Ulme sind ideal. Sie enthalten wenig Gerbstoffe und viel leicht abbaubares Material.

Ledriges, gerbstoffreiches Laub braucht länger – oft zwei bis drei Jahre. Dazu gehören Eiche, Walnuss, Rosskastanie, Platane und Buche. Ihre Blätter sind dick, wachsig oder voller Gerbsäure, die die Pilze bremst. Das ist kein Grund, sie wegzuwerfen: Sammle sie am besten separat, häcksle sie und gib ihnen einen eigenen, geduldigeren Haufen. Walnusslaub steht im Ruf, mit dem Farbstoff Juglon das Wachstum anderer Pflanzen zu hemmen – dieser Stoff baut sich bei vollständiger Verrottung aber ab, sodass gut durchgerottetes Walnusslaub in Maßen bedenkenlos in den Garten darf.

Finger weg solltest du nur von Laub aus stark befahrenen Straßenrändern lassen, weil es Schadstoffe und Streusalz enthalten kann. Kranke Blätter mit Pilzbefall wie Sternrußtau an Rosen gehören ebenfalls nicht auf den langsamen Laubhaufen, sondern in die Biotonne.

Verschiedene Herbstblaetter liegen sortiert am Boden: duenne Ahorn-, Linden- und Obstbaumblaetter neben ledrigen Eichen-, Platanen- und Walnussblaettern.
Duennes Laub verrottet schnell, ledriges und gerbstoffreiches braucht deutlich laenger.

Laubkompost ansetzen: Korb, Sack oder Haufen

Am einfachsten sammelst du das Laub in einem Drahtkorb aus Maschendraht – ein Meter Durchmesser reicht für einen Hausgarten. Das Gitter hält die Blätter zusammen, lässt aber Luft und Regen durch. Fülle das Laub locker ein, tritt es nicht fest, denn die Pilze brauchen Sauerstoff. Wichtig ist, dass der Haufen feucht bleibt: In trockenen Herbst- und Frühjahrsphasen gießt du ihn gelegentlich durch, sonst passiert monatelang nichts.

Hast du keinen Platz für einen Korb, tun es auch stabile Laub- oder Jutesäcke. Stich ein paar Löcher hinein, fülle feuchtes Laub ein und stell die Säcke in eine ruhige Ecke – nach einem Jahr hast du fertige Lauberde zum Herausschütten. Wer nur wenig Laub hat, mischt es einfach unter den normalen Kompost. Dort wirkt es als lockere „braune" Struktur zwischen den feuchten Küchenabfällen und verbessert die Durchlüftung des ganzen Haufens.

Ein hüfthoher Drahtkorb steht in der Gartenecke und wird locker mit feuchtem Herbstlaub befuellt, daneben eine Giesskanne.
Ein einfacher Maschendrahtkorb haelt das Laub zusammen und laesst trotzdem Luft heran.

Schneller fertig: häckseln, feucht halten, Stickstoff

Wenn dir zwei Jahre zu lang sind, kannst du die Rotte deutlich beschleunigen. Der wirksamste Hebel ist Häckseln: Fahr mit dem Rasenmäher mit Fangkorb über eine dünne Schicht trockenes Laub, dann ist es zerkleinert und der Grasschnitt gleich mit dabei. Die größere Oberfläche gibt den Pilzen mehr Angriffsfläche, gehäckseltes Laub ist so oft schon nach einem Jahr fertig.

Der zweite Hebel ist Stickstoff. Reines Laub ist sehr kohlenstoffreich, den Zersetzern fehlt der Stickstoff zum Arbeiten. Eine Handvoll Hornspäne pro Schicht, etwas frischer Rasenschnitt oder ein paar Schaufeln reifer Kompost bringen sowohl Stickstoff als auch die nötigen Bodenlebewesen mit. Halte den Haufen dabei gleichmäßig feucht wie einen ausgewrungenen Schwamm – zu trocken bremst die Pilze, zu nass drückt die Luft heraus und es beginnt zu faulen.

Ein Rasenmaeher mit Fangkorb faehrt ueber eine Schicht trockenes Herbstlaub und haeckselt es zu kleinen Stuecken.
Einmal mit dem Rasenmaeher druebergefahren – gehaeckseltes Laub verrottet fast doppelt so schnell.

Woran du erkennst, dass die Lauberde reif ist

Fertige Lauberde ist dunkelbraun, krümelig und riecht nach Waldboden – nicht sauer, nicht faulig. Einzelne Blattstrukturen sind kaum noch zu erkennen, das Material zerfällt in der Hand zu feinem Humus. Ein sicheres Zeichen ist auch, dass der Haufen stark zusammengesackt ist: Aus einem prall gefüllten Korb wird eine flache Schicht.

Prüf ruhig in die Mitte, denn der Haufen rottet von innen nach außen. Während das Zentrum nach einem Jahr schon fein und dunkel ist, hängen an den Rändern oft noch halb zersetzte Blätter. Die kannst du einfach zurück in den nächsten Ansatz geben. Für die Anzucht siebst du die reife Lauberde durch ein grobes Gartensieb, damit Zweige und grobe Reste hängen bleiben – als Mulch darf sie ruhig gröber bleiben.

Haende sieben dunkle, verrottete Lauberde durch ein grobes Holzsieb ueber einer Schubkarre, grobe Zweige bleiben oben liegen.
Fertig ist die Lauberde, wenn sie fein durchs Sieb rieselt und nach Waldboden riecht.

Lauberde als Mulch und Bodenverbesserer

Du musst nicht warten, bis das Laub vollständig verrottet ist. Schon halb zersetztes Laub ist ein hervorragender Winter-Mulch. Eine etwa fingerdicke Schicht auf abgeernteten Gemüsebeeten und rund um Stauden schützt den Boden vor Verschlämmung durch Winterregen, hält ihn locker und unterdrückt Unkraut. Darunter finden Regenwürmer und Bodenlebewesen Nahrung und ziehen den Humus nach und nach in die Erde – im Frühjahr ist die Fläche krümelig und lockerer als jede umgegrabene.

Die fertige, gesiebte Lauberde ist ein universeller Bodenverbesserer. In sandige Böden eingearbeitet, wirkt sie wie ein Schwamm und hält Wasser und Nährstoffe länger fest. In schwere Lehmböden gemischt, lockert sie das Gefüge und verbessert die Drainage, sodass die Wurzeln nicht mehr im Staunässe-Matsch stehen. Zwei bis drei Liter pro Quadratmeter, flach eingeharkt, reichen völlig – Lauberde düngt nicht stark, sondern arbeitet an der Struktur, und das ist auf Dauer wertvoller als ein schneller Nährstoffschub.

Behandschuhte Haende verteilen eine dicke Schicht dunkler Lauberde rund um ueberwinternde Gemuesepflanzen in einem [Hochbeet](/garten/hochbeet/).
Als Winter-Mulch schuetzt Lauberde den Boden und fuettert nebenbei das Bodenleben.

Torffreie Anzucht- und Kübelerde

Hier spielt Lauberde ihre größte Stärke aus. Gesiebte, reife Lauberde ist locker, luftig und nährstoffarm – genau das, was Sämlinge zum Keimen brauchen. Zu viele Nährstoffe lassen junge Wurzeln faul werden, weil sie nicht nach Nahrung suchen müssen; in magerer Lauberde bilden sie ein kräftiges, feines Wurzelwerk aus. Damit ist sie eine kostenlose, torffreie Anzuchterde, für die du sonst im Baumarkt bezahlst.

Für Kübelpflanzen mischst du dir daraus ein gutes Substrat selbst: etwa zwei Teile reifer Kompost, zwei Teile Lauberde und ein Teil grober Sand oder Perlite für die Drainage. Weil Lauberde leicht sauer reagiert, ist sie außerdem ideal für Moorbeetpflanzen wie Rhododendron, Heidelbeeren, Hortensien sowie für Farne und Waldstauden, die den sauren, humosen Waldboden lieben. Für Kräuter und mediterrane Pflanzen, die es magerer und kalkhaltiger mögen, gibst du stattdessen etwas mehr Sand und eine Prise Gesteinsmehl dazu.

Eine Anzuchtschale mit feiner, gesiebter Lauberde auf der Fensterbank, in ordentlichen Reihen keimen kleine gruene Saemlinge.
Magere, lockere Lauberde ist eine kostenlose torffreie Anzuchterde fuer die Aussaat.

Ein Laubhaufen für Igel und Insekten

Räum im Herbst nicht jeden Winkel leer. Ein Teil des Laubs ist an Ort und Stelle am wertvollsten: Unter Sträuchern, an Hecken und in ruhigen Beetecken liegen gelassen, wird es zum Winterquartier. Igel verkriechen sich zum Überwintern tief in Laub- und Reisighaufen, Kröten, Molche, Spinnen und unzählige Insekten überdauern die kalte Zeit zwischen den Blättern. Auch die Puppen vieler Schmetterlinge und die Nützlinge, die im Frühjahr Blattläuse fressen, sitzen genau dort.

Ein loser Haufen aus Laub und ein paar Ästen in einer stillen Ecke stört niemanden und kostet dich nichts – im Gegenteil, du sparst dir Arbeit. So schließt sich der Kreislauf: Was du an Laub nicht zu Lauberde verarbeitest, arbeitet als Lebensraum weiter und wird über die Jahre ganz von selbst zu Humus. Ordnung im Garten und ein lebendiger Boden sind eben kein Widerspruch, sondern eine Frage der Dosierung.

Ein lockerer Laub- und Reisighaufen liegt unter einem kahlen Strauch, ein Igel verkriecht sich halb sichtbar in den Blaettern.
Ein Teil des Laubs bleibt liegen: als Winterquartier fuer Igel, Kroeten und Insekten.
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