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Stabtomaten: Die 7 häufigsten Fehler — und wie du sie vermeidest

Stabtomaten wachsen die ganze Saison weiter und verzeihen andere Fehler als Buschtomaten. Die sieben Stolperfallen bei Stütze, Ausgeizen, Abstand und Düngung.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 5. August 20268 Min Lesezeit
Stabtomaten: Die 7 häufigsten Fehler — und wie du sie vermeidest

Stabtomaten sind die Kletterkünstler unter den Tomaten: Sie wachsen von der Pflanzung bis zum ersten Frost immer weiter, bilden Rispe um Rispe und werden im Beet locker zwei Meter hoch, im Gewächshaus auch mal drei. Genau das macht sie so ertragreich — und genau deshalb verzeihen sie andere Fehler als eine kompakte Buschtomate, die im Juli fertig gewachsen ist. Wer eine Stabtomate wie eine Buschtomate behandelt, verschenkt die halbe Ernte oder erntet krankes, mickriges Zeug. Diese sieben Fehler sehe ich jedes Jahr am häufigsten.

Warum Stabtomaten andere Fehler verzeihen als Buschtomaten

Vergleich zweier Tomatenpflanzen nebeneinander: links eine über kopfhohe Stabtomate am Stab, rechts eine niedrige, kompakte Buschtomate im Topf.
Links Stabtomate, rechts Buschtomate — der Wuchs entscheidet, welche Pflege sie braucht

Der Unterschied steckt im Wuchs. Buschtomaten (determinierte Sorten) haben ein eingebautes Ende: Der Trieb schließt mit einer Blütenrispe ab, die Pflanze bleibt niedrig, trägt in einem konzentrierten Schwung und braucht kaum Pflege — kein Ausgeizen, oft nicht mal eine Stütze. Stabtomaten (indeterminierte Sorten) kennen dieses Ende nicht. Die Triebspitze wächst weiter, solange es warm und hell ist, und bildet dabei an jeder Blattachsel einen neuen Seitentrieb.

Diese Wuchskraft ist Segen und Falle zugleich. Eine Stabtomate baut über Monate ein enormes Gerüst auf, das getragen, gelenkt und versorgt werden will. Lässt du sie machen, entsteht ein undurchdringlicher Dschungel aus Blättern, in dem kaum Früchte reifen und Pilze beste Bedingungen finden. Die meisten Sorten im Handel — Fleisch-, Cocktail- und klassische Salattomaten wie 'Harzfeuer', 'Berner Rose' oder 'Green Zebra' — sind Stabtomaten. Wenn du nicht sicher bist, was du hast: Steht auf dem Etikett „Stabtomate" oder wächst die Pflanze im Juni schon deutlich über ihre Nachbarn hinaus, gelten die folgenden Regeln.

Fehler 1: Die Stütze ist zu kurz oder zu wackelig

Hohe Tomatenpflanze knickt einen dünnen Spiralstab, der unter dem Gewicht der fruchtschweren Spitze durchbiegt.
Ein zu dünner Stab hält die Spitze nicht — die Pflanze kippt genau dann, wenn sie am meisten trägt

Der häufigste Anfängerfehler: ein 1,20-Meter-Stäbchen aus dem Baumarkt-Dreierpack, das im Juli hoffnungslos überwachsen ist. Eine Stabtomate braucht eine Stütze, die mindestens 1,80 bis 2 Meter aus dem Boden ragt — und die 30 bis 40 Zentimeter tief und fest genug steckt, um eine fruchtschwere Pflanze auch im Sommergewitter zu halten. Tonkinstäbe aus Bambus sind günstig und stabil, Spiralstäbe aus Metall führen den Trieb ohne Anbinden, im Gewächshaus leitest du die Pflanze am elegantesten an einer senkrechten Rankschnur hoch, die oben am Rahmen befestigt ist und um die du den Trieb regelmäßig wickelst.

Zwei Dinge werden dabei oft falsch gemacht. Erstens: Der Stab kommt erst rein, wenn die Pflanze schon steht — und beschädigt beim Einstecken die Wurzeln. Steck die Stütze beim Pflanzen mit ein, dann wächst die Tomate von Anfang an daran hoch. Zweitens: zu selten angebunden. Alle 20 bis 30 Zentimeter gehört der Trieb locker mit weichem Bast oder Schnur fixiert — in einer Achterschlaufe, damit der Stängel nicht am Stab scheuert. Wer erst anbindet, wenn die Pflanze schon hängt, muss den vollbeladenen Trieb hochbiegen und knickt ihn dabei gern ab.

Fehler 2: Ausgeizen aufschieben oder ganz vergessen

Finger zwicken einen kleinen jungen Geiztrieb in der Blattachsel zwischen Haupttrieb und Fruchtast heraus.
Solange der Geiztrieb klein ist, reicht ein Zwicken mit den Fingern — keine Schere nötig

Ausgeizen heißt: die Seitentriebe entfernen, die in den Blattachseln zwischen Haupttrieb und Blatt sprießen — die sogenannten Geiztriebe. Wer das lässt, bekommt aus einer Pflanze fünf, jeder Trieb kämpft um dieselbe Kraft, und am Ende hängen überall relativ kleine, spät reifende Früchte in einem dichten Blätterberg.

So gehst du vor: Fahr die Pflanze ein- bis zweimal pro Woche ab und knips die Geiztriebe aus, solange sie jung und klein sind — bei drei bis fünf Zentimetern lassen sie sich mühelos mit den Fingern knapp über der Achsel abzwicken, eine Schere brauchst du nur bei verholzten Trieben. Mach das am besten morgens, dann trocknen die kleinen Wunden über den warmen Tag ab und bieten Pilzen weniger Angriffsfläche. Verwechsle den Geiztrieb nicht mit einem Fruchtstand: Der Fruchttrieb kommt direkt aus dem Haupttrieb, der Geiztrieb sitzt im Winkel zwischen Blatt und Stamm.

Wichtig für die Abgrenzung zu deinen anderen Tomaten: Cocktail- und Wildtomaten dürfen ruhig mehrtriebig wachsen, und Buschtomaten geizt man gar nicht aus — bei denen würdest du dir die Ernte wegschneiden. Nur die klassischen Stabtomaten profitieren vom konsequenten Ausgeizen.

Fehler 3: Zu eng gepflanzt

Zu eng stehende Tomatenpflanzen mit dicht ineinander wachsendem Laub, ein Maßband auf dem Boden zeigt den knappen Abstand zwischen zwei Stängeln.
Wo sich das Laub berührt, trocknet nichts mehr ab — Pilzsporen lieben genau diese Enge

Im Mai sehen die kleinen Jungpflanzen verloren aus, und die Versuchung ist groß, sie mit 30 Zentimeter Abstand ins Beet zu quetschen. Zwei Monate später berühren sich die Blätter, nach jedem Regen bleibt das Laub stundenlang nass, und die Kraut- und Braunfäule hat freie Bahn. Stabtomaten brauchen Luft: Plane 50 bis 60 Zentimeter in der Reihe und 80 bis 100 Zentimeter zwischen den Reihen ein, damit nach einem Guss alles wieder abtrocknet und du überall zum Ausgeizen und Ernten hinkommst.

Enger geht nur mit Disziplin: Wer strikt eingeizt und jede Pflanze eintriebig an einer Schnur hochzieht, kann die Abstände etwas verringern. Aber dann muss das Ausgeizen wirklich jede Woche sitzen — sonst kippt der Zeitgewinn beim Pflanzen in einen Pilzherd um. Im Zweifel gilt: lieber eine Pflanze weniger, dafür jede gesund.

Fehler 4: Die unteren Blätter dranlassen

Untere Blätter einer Tomatenpflanze sind entfernt, der Stängel ist die ersten 30 bis 40 Zentimeter über dem Boden kahl.
Ein kahler unterer Stamm hält Spritzwasser und Pilzsporen vom Laub fern

Die Kraut- und Braunfäule kommt fast immer von unten. Die Sporen sitzen im Boden und spritzen bei Regen oder beim Gießen mit den Wassertropfen aufs unterste Laub — und von dort arbeiten sie sich hoch. Deshalb: Entferne die untersten Blätter, sobald die Pflanze gut angewachsen ist, sodass die ersten 30 bis 40 Zentimeter des Stängels kahl über dem Boden stehen. Das nimmt der Fäule die erste Landebahn und verbessert die Luftzirkulation am Fuß der Pflanze.

Zieh das über die Saison mit. Gelbe, fleckige oder schon von unten welkende Blätter kommen konsequent weg — sie leisten nichts mehr und sind nur Eintrittstor für Krankheiten. Übertreib es aber nicht in der oberen Hälfte: Die Blätter rund um die Rispen liefern den Zucker, aus dem die Früchte ihren Geschmack ziehen, und beschatten die Tomaten vor dem Aufplatzen. Kahlrasieren macht die Pflanze nicht gesünder, sondern hungrig und sonnenbrandgefährdet — unten kahl, oben belaubt ist die Regel.

Fehler 5: Über die lange Saison hungern lassen

Aus einer Gießkanne wird flüssiger organischer Tomatendünger an den Fuß einer großen, fruchtenden Tomatenpflanze gegeben.
Ab der ersten Blüte fressen Stabtomaten durch — alle zwei bis drei Wochen nachlegen

Eine Buschtomate ist nach ihrem Erntestoß fertig — eine Stabtomate produziert bis Oktober und ist entsprechend hungrig. Wer ihr nur beim Pflanzen etwas Kompost mitgibt und dann nichts mehr nachlegt, sieht ab Hochsommer die Quittung: blasse Blätter, kleinere Früchte, faderer Geschmack. Der Klassiker ist die Gelbfärbung der älteren Blätter — ein Zeichen, dass der Stickstoff aufgebraucht ist.

Grundlage ist ein gut vorbereitetes Pflanzloch mit reifem Kompost und etwas Hornspänen als Langzeitquelle. Ab der ersten Blüte legst du dann regelmäßig nach: alle zwei bis drei Wochen eine Gabe organischer Flüssigdünger wie verdünnte Brennnesseljauche, Beinwelljauche oder ein Tomatendünger über das Gießwasser. Achte auf einen kaliumbetonten Dünger — Kalium schiebt Fruchtansatz und Geschmack, zu viel Stickstoff dagegen treibt nur Blattmasse und macht die Pflanze anfällig. Und übertreib es nicht: Überdüngung zeigt sich in dunkelgrünem, gekräuseltem Laub und wenig Früchten. Regelmäßig und maßvoll schlägt einen einzelnen Kraftakt.

Fehler 6: Zu spät oder gar nicht köpfen

Eine Hand kappt mit der Schere die oberste Triebspitze einer hohen Stabtomate, zwei Blätter über der obersten Rispe bleiben stehen.
Rund um Mitte August gekappt, steckt die Pflanze die Kraft in die vorhandenen Früchte

Weil die Stabtomate nie von selbst aufhört, wächst sie im Spätsommer weiter in die Höhe und bildet oben immer neue Blüten — die aber keine Chance mehr haben, bis zum Frost auszureifen. Diese Spättriebe ziehen nur Kraft aus den Früchten, die schon hängen. Deshalb kappt man die Spitze: Köpfen heißt, den Haupttrieb rund um Mitte August (im Freiland; im Gewächshaus zwei bis drei Wochen später) etwa zwei Blätter über der obersten Rispe abzuschneiden, die noch reif werden soll.

Ab da steckt die Pflanze ihre Energie in das, was schon da ist: Die vorhandenen Früchte reifen schneller und werden größer. Der Fehler ist selten, zu früh zu köpfen — meist wird es zu spät oder gar nicht gemacht, und die Pflanze verzettelt sich bis zum ersten Frost in grünen Mini-Tomaten, die niemand mehr rot bekommt. Nach dem Köpfen tauchen an den Achseln übrigens gern neue Geiztriebe auf; die geizt du weiter aus, damit die gewonnene Kraft nicht gleich wieder in Blattwerk fließt.

Fehler 7: Reife Früchte zu lange hängen lassen

Eine Hand pflückt eine voll ausgereifte rote Tomate von der Rispe, daneben hängen weitere reife und halbreife Früchte.
Wer regelmäßig erntet, hält die Pflanze im Blüh- und Fruchtmodus

Der letzte Fehler klingt harmlos, kostet aber real Ertrag: reife Tomaten aus Bequemlichkeit an der Pflanze lassen. Voll ausgefärbte Früchte, die hängen bleiben, platzen beim nächsten Regen auf, locken Wespen und Fruchtfliegen an — und signalisieren der Pflanze, dass genug „Nachwuchs" da ist, was den Ansatz neuer Blüten bremst. Je öfter du erntest, desto mehr Blüten und Früchte bildet die Pflanze nach.

Geh in der Hauptsaison also alle zwei bis drei Tage durch und nimm alles ab, was reif oder fast reif ist — Tomaten reifen auf der Fensterbank problemlos nach. Halbreife oder angeplatzte Früchte kommen ebenfalls runter, bevor sie faulen und Pilze anziehen. So bleibt die Pflanze im Blüh- und Fruchtmodus, statt in den Erhaltungsmodus zu schalten — und trägt bei einer gesunden Stabtomate bis weit in den Herbst.

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