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Tomaten aus Stecklingen vermehren: Gratis-Pflanzen in zwei Wochen

Aus einem abgebrochenen Geiztrieb wird eine neue Tomatenpflanze. So bewurzelst du Tomatenstecklinge im Wasserglas oder direkt in Erde – schnell, gratis und sort

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 7. August 20266 Min Lesezeit
Tomaten aus Stecklingen vermehren: Gratis-Pflanzen in zwei Wochen

Eine Tomatenpflanze zu vermehren kostet dich weder Saatgut noch Geduld über Wochen – nur einen Trieb, den du beim Ausgeizen ohnehin abschneidest. Tomaten gehören zu den dankbarsten Pflanzen zum Klonen: Ein abgebrochener Seitentrieb im Wasserglas oder in feuchter Erde wird in kürzester Zeit zur eigenständigen Pflanze. Und weil es ein Steckling ist, bekommst du exakt dieselbe Sorte wie die Mutterpflanze – ohne das Kreuzungs-Glücksspiel der Aussaat.

Warum sich Tomaten so leicht klonen lassen

Nahaufnahme eines Tomatenstängels mit kleinen Höckern und weißen Wurzelansätzen entlang des unteren Stamms.
Die kleinen Höcker am Stängel sind schlafende Wurzeln – genau das macht das Klonen so leicht

Schau dir den unteren Stängel einer kräftigen Tomate genau an: Du entdeckst kleine Höcker und Bläschen. Das sind Wurzelanlagen (Adventivwurzeln), die nur darauf warten, in Kontakt mit Feuchtigkeit oder Erde zu kommen. Sobald ein Stängelabschnitt in Wasser oder feuchtem Substrat steckt, treiben aus diesen Anlagen echte Wurzeln.

Deshalb wachsen Tomaten auch so gut, wenn du sie beim Pflanzen tief setzt – der eingegrabene Stängelteil bildet zusätzliche Wurzeln. Genau diese Fähigkeit machst du dir beim Klonen zunutze. Kein Bewurzelungspulver, keine Spezialtechnik nötig: Ein gesunder Trieb, Wasser oder Erde, etwas Wärme – mehr braucht es nicht.

Den richtigen Trieb wählen: Geiztriebe nutzen

Eine Hand zeigt auf einen Geiztrieb, der in der Astgabel zwischen Haupttrieb und Blattansatz einer Tomatenpflanze wächst.
Der Geiztrieb sitzt in der Blattachsel – als Steckling wird aus dem Ausbruch eine neue Pflanze

Am einfachsten nimmst du einen Geiztrieb – jenen Seitentrieb, der in der Blattachsel zwischen Haupttrieb und einem Blattstiel wächst. Bei Stabtomaten brichst du diese ohnehin regelmäßig aus, damit die Pflanze ihre Kraft in die Früchte steckt. Statt sie auf den Kompost zu werfen, machst du daraus neue Pflanzen.

Für einen guten Steckling gilt:

  • Lass den Geiztrieb etwas länger werden als beim normalen Ausgeizen – etwa 10 bis 15 Zentimeter geben genug Stängel zum Bewurzeln.
  • Nimm ihn von einer gesunden, kräftigen Pflanze ohne Anzeichen von Krankheiten wie Braunfäule.
  • Trenne ihn morgens ab, wenn die Pflanze prall mit Wasser versorgt ist.
  • Zwick oder schneide ihn sauber ab und entferne die unteren Blätter, sodass ein Stück nackter Stängel bleibt.

Auch die abgeschnittene Spitze eines Haupttriebs oder ein beim Aufbinden abgebrochener Trieb funktioniert – nichts muss auf den Kompost, was noch Wurzeln schlagen kann.

Steckling im Wasserglas bewurzeln

Ein Tomatensteckling im klaren Wasserglas auf der Fensterbank, am unteren, entblätterten Stängel bilden sich weiße Wurzeln.
Im Wasserglas kannst du zusehen, wie die Wurzeln wachsen – nach ein bis zwei Wochen ist er pflanzbereit

Die anschaulichste Methode: Stell den Steckling in ein Glas Wasser. So gehst du vor:

  1. Untere Blätter entfernen, damit kein Blatt unter Wasser liegt – untergetauchtes Laub fault und trübt das Wasser.
  2. Den Stängel so tief ins Glas stellen, dass mehrere Zentimeter nackter Stiel im Wasser stehen, die Blätter aber trocken bleiben.
  3. Ans helle Fenster stellen, aber nicht in die pralle Mittagssonne – sonst heizt sich das Glas auf.
  4. Das Wasser alle zwei bis drei Tage wechseln, damit es sauerstoffreich und klar bleibt.

Nach ein bis zwei Wochen zeigen sich weiße Wurzeln. Sobald sie zwei, drei Zentimeter lang sind, topfst du den Steckling in Erde. Der einzige Haken: Wasserwurzeln sind zarter als Erdwurzeln und müssen sich nach dem Umtopfen erst umstellen. Halte die Erde die ersten Tage darum gleichmäßig feucht.

Steckling direkt in Erde bewurzeln

Ein Tomatensteckling steckt tief in einem Topf mit feuchter Anzuchterde und wurde angegossen.
Direkt in Erde gesteckt, entfällt das Umgewöhnen – die Wurzeln bilden sich gleich am richtigen Ort

Schneller und robuster geht es oft direkt in der Erde – vor allem bei kräftigen, größeren Stecklingen:

  1. Einen Topf mit feuchter, nährstoffarmer Anzucht- oder Kräutererde füllen.
  2. Den entblätterten Stängel tief einsetzen, gut ein Drittel bis die Hälfte in die Erde. Je mehr Stängel Kontakt hat, desto mehr Wurzeln bilden sich.
  3. Kräftig angießen und den Topf an einen hellen, warmen Platz ohne pralle Sonne stellen.
  4. Die Erde konstant feucht halten – nie austrocknen lassen, aber auch keine Staunässe.

In den ersten Tagen lässt der Steckling die Blätter oft etwas hängen, weil er noch keine Wurzeln hat. Das ist normal. Wer will, stülpt eine durchsichtige Tüte oder ein umgedrehtes Glas darüber, um die Luftfeuchte hochzuhalten – dann welkt er weniger. Sobald frische Blätter treiben, hat er Wurzeln gebildet. Der Vorteil dieser Methode: Die Wurzeln entstehen gleich an Ort und Stelle, das Umgewöhnen entfällt.

Der beste Zeitpunkt und wie schnell es geht

Eine Reihe kleiner Töpfe mit jungen, bewurzelten Tomatenstecklingen, die frische neue Blätter treiben.
Bei sommerlicher Wärme legen die Stecklinge schon nach wenigen Tagen mit neuem Wuchs los

Tomatenstecklinge bewurzeln am besten, wenn es warm ist – ideal sind 20 bis 25 Grad. Im Hochsommer geht es am schnellsten, oft in nur einer Woche. Im Frühling oder Herbst dauert es entsprechend länger.

Sinnvoll ist das Klonen vor allem in zwei Situationen:

  • Mitte bis Ende der Saison, wenn du von einer besonders gut tragenden oder gesunden Pflanze schnell Nachschub willst – etwa als Ersatz für ein krankes Exemplar oder für eine zweite, späte Ernte.
  • Für eine Herbstkultur im Gewächshaus oder auf der Fensterbank, wo die Klone bei mildem Wetter noch Früchte ansetzen.

Bedenke aber: Ein Ende Juli gesteckter Klon hat draußen nur begrenzt Zeit bis zu den ersten Frösten. In milden Weinbaulagen reicht es oft noch für eine kleine Ernte, in rauen Lagen eher nicht. Im Gewächshaus oder Topf, den du bei Kälte hereinholst, sieht die Rechnung besser aus.

Junge Klone abhärten und auspflanzen

Eine junge, getopfte Tomatenpflanze steht zum Abhärten an einem geschützten Platz im Freien vor einem Gartenbeet.
Erst schrittweise ans Freie gewöhnen, dann auspflanzen – sonst bekommen die zarten Blätter einen Schock

Ein bewurzelter Steckling, der drinnen oder im Schatten herangewachsen ist, darf nicht abrupt in die volle Sonne. Sonst bekommen die weichen Blätter einen Sonnenbrand. Härte ihn über etwa eine Woche ab: erst ein paar Stunden an einen geschützten, halbschattigen Platz im Freien, dann täglich länger und sonniger.

Zum Auspflanzen setzt du den Klon – wie jede Tomate – tief, damit sich am eingegrabenen Stängel weitere Wurzeln bilden. Ein Stützstab und eine Handvoll reifer Kompost ins Pflanzloch geben ihm einen guten Start. Weil der Klon genetisch mit der Mutterpflanze identisch ist, kennst du Sorte, Wuchsform und Geschmack schon genau.

Tomaten über den Winter bringen

Ein getopfter Tomatensteckling wächst im Herbst an einem hellen Fenster unter einer Pflanzenlampe.
Ein Herbst-Steckling auf der Fensterbank verschafft dir einen Vorsprung in die nächste Saison

Mit dem Steckling-Trick kannst du eine Lieblingssorte sogar über den Winter retten. Nimm im Spätsommer oder Frühherbst einen gesunden Geiztrieb, bewurzle ihn und ziehe die Jungpflanze im Topf auf einer hellen Fensterbank weiter.

Damit sie durchhält, braucht sie im Winter zwei Dinge: Licht und Wärme. Ein Südfenster reicht in der dunklen Jahreszeit oft nicht aus – eine Pflanzenlampe hilft, damit der Trieb nicht vergeilt (also lang, dünn und blass wird). Blüht die Pflanze drinnen, kannst du von Hand bestäuben: Zupf vorsichtig an den offenen Blüten oder streich mit einem weichen Pinsel von Blüte zu Blüte, damit sich Früchte bilden.

Im Frühjahr steht dann schon eine kräftige, sortenechte Pflanze bereit, während andere gerade erst ihre Samen in die Anzuchterde legen. Aus einem einzigen Trieb, den du sonst kompostiert hättest, ist so ein Vorsprung von Wochen geworden.

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