Tomatenpflanzen schneiden – so geht es richtig

Deine Tomatenpflanzen wachsen munter und werden dabei auch immer breiter. Angesichts des grünen Dschungels im Beet fragst Du Dich: Muss man Tomaten eigentlich schneiden? ‘Ausgeizen’, ‘Entblättern’ und ‘Entspitzen’ nennt der Gärtner den Schnitt bei Tomaten in der Fachsprache. Hier erfährst Du, warum diese Schnittmaßnahmen notwendig sind und wie Du sie richtig durchführst.

So schneidest Du Deine Tomaten

Welche Nährstoffe brauchen Tomatenpflanzen?

Stell Dir einen Quadratmeter Deines Tomatenbeetes vor. Du möchtest auf dieser Fläche ein Kilo Tomaten ernten? Dafür benötigst Du 3 Gramm Stickstoff, 4 Gramm Magnesium, 3,8 Gramm Kalium und 0,5 Gramm Phosphat. Das klingt sehr kompliziert? Keine Sorge, ganz so exakt müssen diese Werte natürlich nicht sein. Deine Pflanzen sind mit einem gut und ausgewogen gedüngten Boden auf jeden Fall zufrieden. Einseitige und übertriebene Tomaten-Düngung hingegen kann ihnen schaden.

Von Natur aus sehr wuchsfreudig hat Solanum lycopersicum über die Jahrhunderte ihre eigene Strategie entwickelt, um gut durchs Leben zu kommen. Die ursprüngliche Form unserer Tomate stammt aus Süd- und Mittelamerika und wächst eher buschig. 

Sie bildet viele Seitentriebe, die erst in die Höhe wachsen, sich mit zunehmender Länge aber Richtung Boden bewegen und so der Pflanze Halt geben. Die Triebe können mehrere Meter lang werden. Sie kriechen über die Erde und können gar Wurzeln bilden. 

Das natürliche Ziel der Tomatenpflanze ist nicht die Produktion von möglichst vielen Früchten, sondern – wer mag es ihr verdenken – ein schönes, langes Leben. Um die Fortpflanzung zu sichern, reichen wenige kleine Früchte schließlich völlig aus.

Schneiden sorgt für eine reiche Ernte

Wir Menschen haben beim Tomatenanbau natürlich ganz andere Ziele vor Augen: Schön, große und wohlschmeckende Früchte sollen die Pflanzen tragen, hohe Erträge bringen bei einem möglichst geringen Platzbedarf. 

Die meisten unserer Tomatensorten sind daher durch Zucht und Selektion verändert, um unseren Ansprüchen gerecht zu werden. Dennoch wohnt den Pflanzen noch die ursprüngliche Tendenz inne, eher in die Breite, als in die Höhe zu wachsen. 

Deshalb geizen wir die Tomatenpflanzen aus und bringen sie so dazu, einen aufrechten Haupttrieb zu entwickeln, an dem kürzere, stabile Seitentriebe sitzen, die reichlich Früchte bilden. Um diese ideale Wuchsform zu erreichen, brechen wir die Jungtriebe aus, die laufend aus den Blattachseln sprießen.

Die Pflanze verwendet ihre Energie somit nicht für die Entwicklung neuer Triebe, sondern für das Wachstum der Früchte.

Stabtomaten brauchen Halt

Hochwachsende Tomatensorten brauchen weniger Platz und bringen eine reichere Ernte. Unterstütze die Pflanze gleich nach dem Auspflanzen mit einem Tomatenstab, an dem Du sie festbinden kannst. Optimal sind Stützen aus Kunststoff oder Metall – bei Holzstäben besteht die Möglichkeit, dass sich Krankheitserreger oder Schädlinge einnisten. 

Damit Deine Tomatenpflanzen gesund bleiben, solltest Du alle Stützen am Ende jedes Gartenjahres desinfizieren. Zum Befestigen der Pflanzen am Stab eignen sich Bast, Pflanzenklammern oder auch ausgediente Damenstrümpfe aus Nylon. 

Wer Spiralstäbe verwendet, erspart sich das Anbinden. Die Pflanzen können sich ohne Hilfe daran hochranken. Du musst sie nur von Zeit zu Zeit etwas lenken und die wachsenden Triebe an den richtigen Platz schieben.

Schnittmaßnahmen im Lauf eines Tomatenlebens

Entferne Triebe und Blätter am besten bei warmer und trockener Witterung. Die ideale Tageszeit ist der Morgen, da so die entstandenen Wunden bis zum Abend Zeit haben abzutrocknen. Sobald es kühler und feuchter ist, können sich Pilzkrankheiten leichter ausbreiten.

Ziehe Deine Tomaten eintriebig

Für eine reiche Ernte, sollte die Pflanze möglichst nur einen Haupttrieb besitzen. Um diese Wuchsform zu erreichen, musst Du alle Konkurrenztriebe rechtzeitig entfernen. Je früher Du das machst, desto besser lässt sich die Tomate leiten. Darüber hinaus entstehen beim Abbrechen kleinere Triebe auch kleinere Wunden, die schneller heilen. 

Nachdem sich die Jungpflanze an ihrem neuen Pflanzplatz im Beet eingewöhnt hat, kannst Du mit dem Formen der Tomate beginnen. Sobald die Pflanze die ersten Knospen bildet, weißt Du, dass es Zeit für die ersten Schnittmaßnahmen ist.

Ausgeizen – so machst Du es richtig

Auch zum Entfernen der jungen Konkurrenztriebe benötigst Du keine Schere. Solange die Triebe noch klein sind, lassen sie sich spielend leicht mit der Hand entfernen. 

Gehe dabei folgendermaßen vor:


"Aus Geiztrieben lassen sich neue Tomaten ziehen. Stelle fünf bis zehn Zentimeter lange Ableger in ein Wasserglas und pflanze sie ein, sobald sie Wurzeln gebildet haben. Wässere sie regelmäßig – bald sind sie so groß wie Mutterpflanze."
Mein Tipp

"Wer seine Tomaten nicht ausgeizen möchte, wählt eine entsprechende Sorte. Bei Buschtomaten, Wildtomaten und manchen Balkon- und Cocktailtomaten kann auf das Ausgeizen verzichtet werden."
Hinweis

Welche Sorten müssen nicht ausgegeizt werden?

Stabtomaten gelten als Hochleistungspflanzen und müssen regelmäßig ausgegeizt werden. Wer den Tomatenanbau entspannter angehen möchte, wählt Buschtomaten oder Wildtomaten. Diese Sorten wachsen von Natur aus strauchartig. Sie sehen zwar nicht so ordentlich aus wie ihre stramm hochgezogenen Brüder und Schwestern, doch sie wachsen und gedeihen und tragen köstliche, wenn auch etwas kleinere Früchte. Auch bei vielen Cocktailtomaten und bei kompakten Züchtungen, wie bei den Balkon- und Zwergtomaten fällt das Ausgeizen weg.

Entfernen der unteren Blätter

Sobald Deine Tomaten eine Wuchshöhe von etwa 70 Zentimetern erreicht haben, solltest Du die Blätter im unteren Bereich der Pflanze entfernen. 

Knapp über dem Boden erhalten die Blätter zu wenig Sonnenlicht und kränkeln leicht. Zusätzlich spritzt in diesem Bereich immer wieder Gießwasser hoch, was die Ausbreitung von Pilzkrankheiten begünstig. 

Die alten, geschwächten Blätter sind bieten Pilzsporen eine ideale Angriffsfläche. Gib den Krankheitserregern keine Chance, indem Du die untersten Blätter regelmäßig entfernst.

Tomaten behutsam entblättern

Wenn das Laub besonders dicht wächst, kannst Du einige Blätter entfernen. So kann die Luft besser zirkulieren und Tau schneller abtrocknen. Da Pilzsporen ein feuchtes Umfeld brauchen, um zu keimen, erschwerst Du Pilzkrankheiten auf diese Weise die Ausbreitung. 

Blattwerk, das krank oder von Schädlingen befallen ist, muss umgehend entfernt und im Hausmüll entsorgt werden.
Im oberen Bereich der Pflanze solltest Du keine gesunden Blätter entfernen. Bei zu starker Sonneneinstrahlung können die Früchte sonst ohne das schützende Laub einen Sonnenbrand erleiden.


"Tomatenlaub ist ein hervorragendes Mulchmaterial. Verteile die entfernten Blätter und Triebe im Wurzelbereich Deiner Tomatenpflanzen. Auch andere Gewächse profitieren von dieser Mulchschicht. Verwende ausschließlich gesunde Pflanzenteile zum Mulchen!"
Mein Tipp

Entspitzen – eine weitere gängige Schnittmaßnahme

Profigärtner unterscheiden bei Tomaten zwischen determinanten und indeterminanten Sorten. 

Eine determinante Tomate erreicht die sortentypische Wuchshöhe und stellt danach das Längenwachstum ein. Nachdem die letzten Früchte ausgereift sind, endet das Leben dieser Pflanze. 

Indeterminante Tomaten hingegen wachsen einfach immer weiter. Ihre Früchte reifen langsamer, während ständig neue entstehen. Die Pflanzen bilden laufend neue Seitentriebe und werden höher und höher – wenn Du sie lässt. 

Du kannst das Höhenwachstum unterbinden, indem Du die Triebspitzen kappst. Weil es gar nicht so einfach ist, herauszufinden, zu welchem Typ eine Tomatensorte gehört, empfiehlt es sich, generell im Spätsommer die Triebe einzukürzen, damit Du die letzten Tomaten noch vor dem Kälteeinbruch ernten kannst.

Wann Du auf Schnittmaßnahmen verzichten kannst

Du wohnst in einer milden Gegend mit niederschlagsarmem Weinbauklima? 

Zusätzlich hast Du genügend Platz im Garten und legst keinen Wert auf Spitzenerträge. Dann lass Deine Tomaten einfach wachsen, wie es die Natur vorgesehen hat. 

Die Pflanze bleibt dabei niedrig und breitet sich, teils am Boden liegend, aus. In einem guten Gartenjahr kannst Du auf diese Weise durchaus eine reiche Ernte erzielen, auch wenn die Tomaten etwas kleiner bleiben und nicht alle Früchte ausreifen. 

Auf jeden Fall sparst Du Dir eine Menge Arbeit und kannst Deine Tomaten bei ihrem natürlichen Wuchsverhalten beobachten.

Fazit

Das Schneiden und Ausgeizen von Tomaten ist nicht schwierig. Jeder Hobbygärtner kann diese einfachen Pflegemaßnahmen leicht erlernen. 

So lässt sich der vorhandene Platz im Beet optimal nutzen und Du erzielst gute Erträge. Wer auf das Schneiden seiner Tomaten lieber verzichten möchte, wählt buschig wachsende, robuste Sorten.

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