Gemüse

Tomaten veredeln: So ziehst Du die stärksten Tomatenpflanzen

AKTUALISIERT:

Machen wir uns nichts vor – Tomaten sind empfindliche, wärmebedürftige Gewächse. Damit sie auch in unseren Breiten zuverlässig gute Erträge bringen, kannst Du Deine Pflanzen veredeln. Klingt schwierig? Ist es aber nicht. Erfahre, wie Du aus kränkelnden Mimosen robuste, vitale und äußerst ertragreiche Tomatenpflanzen machst. 

Mit unserer Anleitung ist die Tomaten-Veredelung keine Hexerei!

Vorteile veredelter Tomaten

So wird‘s gemacht

Veredeln - Schritt für Schritt

Du benötigst

  • kleine Pflanztöpfe
  • Saaterde
  • ein scharfes Messer
  • Alkohol zum Desinfizieren
  • Keramikstäbchen oder Silikonclips zum Verbinden der Pflanzen
  • eine Sprühflasche
  • eine transparente PET-Flasche

1. Bereite saubere Anzuchttöpfe mit einem Durchmesser von etwa acht Zentimetern vor und fülle sie mit Aussaaterde. Um die sensiblen Jungpflanzen zu schützen, kannst Du das Substrat in der Mikrowelle oder im Backofen sterilisieren.

2. Säe erst die Unterlagssorte aus. Gib in jeden Topf ein Samenkorn und bedecke es etwa fingerdick mit Erde. Befeuchte das Substrat mithilfe einer Sprühflasche und stelle die Töpfe an einen warmen Ort.

3. Fünf bis sieben Tage später säest Du die Edelsorte aus.

4. Wenn beide Pflänzchen etwa sieben bis zehn Zentimeter hoch sind und mindestens drei entwickelte Laubblätter haben, kann die eigentliche Veredelung beginnen.

5. Desinfiziere Deine Hände. Nimm ein scharfes Teppichmesser oder eine Rasierklinge und desinfiziere das Schnittwerkzeug ebenfalls.

6. Schneide die Unterlage oberhalb der Keimblätter mit einem waagrechten Schnitt ab.

7. Nun schneidest Du die Edelsorte oberhalb der Keimblätter durch. Die Schnittflächen sollten den gleichen Durchmesser haben.

8. Die beiden Pflanzen werden mit einem Keramikstäbchen oder mit einem Veredelungsclip, einem doppelten Röhrchen aus Silikon, verbunden.

9. Stütze das Pflänzchen mit einem Schaschlik-Stäbchen und befeuchte das Substrat mit der Sprühflasche.

10. Stelle die veredelte Jungpflanze an einen hellen, warmen Platz und stülpe eine abgeschnittene, durchsichtige PET-Flasche darüber.

Wenn das Wetter nicht mitspielt

In verregneten Sommern sieht die Tomatenernte oft mager aus. Pilze, Viren und Nematoden machen den Pflanzen besonders bei kühler Witterung zu schaffen und führen im schlimmsten Fall sogar zum Totalausfall. Du hast genug vom ewigen Bangen um die Früchte? Wildtomaten wären eine Lösung.

Sie gelten als widerstandsfähig gegen bodenbürtige Tomatenkrankheiten und kommen mit Kälte gut zurecht. Nicht einmal Spätfröste können den Pflanzen etwas anhaben. Auch karge Böden stellen kein Problem für die robusten Gewächse kein Problem dar. Der Haken ist die Größe ihrer Früchte.

Diese sind häufig nur in etwa so groß wie Johannisbeeren und damit nicht gerade das, was Du Dir in Deinem Tomatensalat vorstellst. Mit ihrem ausgesprochen buschigen Wuchs finden Wildtomaten in kleineren Gärten nicht genug Platz.

Aus zwei mach eins

Wenn Du nur die unerschütterliche Vitalität der Wildform mit den großen saftigen Früchten der sensiblen Stabtomaten kombinieren könntest! Das kannst Du tatsächlich machen. 

Das Zauberwort heißt Veredelung

Dabei setzt Du zwei unterschiedliche Pflanzen zu einer zusammen und kannst dadurch von den Vorteilen beider Sorten profitieren.

Auf eine robuste Unterlage, die sich durch kräftige Wurzeln, Stresstoleranz und gute Gesundheit auszeichnet, wird eine moderne Edelsorte mit großen saftigen Früchten gepfropft. 

Die beiden verwachsen zu einer Pflanze mit widerstandsfähigem Wurzelwerk, niedrigem Pflegebedarf und köstlichen Tomaten.

Die neue Pflanze, die Du durch die Veredelung geschaffen hast, zeigt sich unempfindlich gegenüber Bodenpilzen und Nematoden. Über ihre kräftigen Wurzeln kann sie sich selbst besser mit Wasser und Nährstoffen versorgen. 

So hast Du weniger Arbeit und kannst die Stabtomate gar zweitriebig ziehen. Leite neben dem Haupttrieb auch einen Nebentrieb hoch. So erhältst Du deutlich größere Erträge, ohne die Pflanze zu schwächen.

Kaufen oder selber machen?

Heute gibt es beim Gärtner und im Gartenfachmarkt immer öfter veredelte Jungpflanzen zu kaufen. 

Diese sind um einiges teurer als normale Tomatenpflanzen. 

Der höhere Preis ist aber gerechtfertigt, schließlich ist die Veredelung aufwendig. Der Kauf veredelter Tomaten lohnt sich, da Du mit einer reicheren Ernte bei einem geringeren Pflegeaufwand rechnen kannst.

Experimentierfreudige Hobbygärtner können Geld sparen, indem sie ihre Tomaten selbst veredeln. Es geht dabei aber noch um viel mehr, als um eine günstige Lösung. Bei der Veredelung lernst Du viel über Pflanzen, Biologie und über die Methoden der vegetativen Vermehrung im professionellen Gartenbau.

Die richtige Unterlage

Neben den verschiedenen Wildtomaten eignen sich ganz besonders die speziell als Veredelungsunterlagen gezüchteten Sorten ‘Vigomax‘ F1, ‘Spirit‘ F1 und ‘Estamino‘ F1. Im gut sortierten Fachhandel kannst Du Saatgut für diese Unterlagen auch in Kleinpackungen für Hobbygärtner kaufen. 

Solltest Du nicht fündig werden, kannst Du auch Wildtomaten als Unterlage aussäen.

"Zum Ausprobieren sind Veredelungs-Sets ideal. Sie enthalten Samen für die Unterlage und Silikonclips zum Verbinden der Pflanzen. Meist eigenen sie sich auch zum Veredlen von Auberginen."
Mein Tipp

Die optimale Edelsorte

 

Während die Veredelung recht zuverlässig vor Wurzelkrankheiten sowie Bodenbakterien und -schädlingen schützt, kann die Pflanze dennoch an der Kraut- und Braunfäule erkranken. Die Pilzsporen greifen hier die Tomate nicht von unten her an, sondern befallen das Laub und die Früchte.

Davor kann selbst die kräftigste Unterlage Deine Tomaten nicht beschützen. Wähle daher eine Edelsorte, die möglichst widerstandsfähig gegen diese Pilzkrankheit ist. Als sehr tolerant gegen die lästige Kraut- und Braunfäule gelten folgende Sorten:

Wer sich für weniger robuste Sorten entscheidet, sollte seine Tomatenpflanzen überdachen. Das macht sich vor allem in regenreichen Gegenden bezahlt.

Mehr Tomatensorten findest Du hier im Überblick.

"Achte darauf, beim Verbinden der Pflanzen die Unterlage nicht mit der Edelsorte zu verwechseln!"
Hinweis

Nachsorge

Unter der Plastikhaube entsteht ein feuchtwarmes Gewächshausklima. Die hohe Luftfeuchtigkeit die lässt die beiden Pflanzenteile rasch zusammenwachsen. Die Pflanze darf dabei nicht in der prallen Sonne stehen, sie braucht es aber unbedingt schön hell. 

Nimm nach etwa einer Woche die Haube stundenweise ab und gewöhne die Jungpflanze langsam an das veränderte Klima.

Wenn die Tomate austreibt und wächst, ist die Veredelung gelungen. Gratulation – Du hast es geschafft! Nun darfst Du Deine selbst gezogene Supertomate bald im Freiland auspflanzen. Zweitriebig gezogen kann Deine veredelte Tomate bei guter Pflege den doppelten Ertrag bringen.

Heilungsphase nach der Veredelung: So gelingt das Anwachsen

Nach dem Veredelungsvorgang ist eine sorgfältige Nachsorge essenziell. 

In den ersten 48–72 Stunden sollten die Pflanzen in einem feuchten, warmen Umfeld gehalten werden, idealerweise bei 22–30 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 85–95 %.

Eine Abdeckung mit einem schwarzen Tuch kann helfen, die Transpiration zu reduzieren und die Heilung zu fördern.

Die „Tomoffel“: Tomaten auf Kartoffeln veredeln

Die sogenannte „Tomoffel“ ist ein echtes Highlight für experimentierfreudige Gärtner:innen. Dabei wird die oberirdisch wachsende Tomatenpflanze auf eine Kartoffelpflanze veredelt, sodass beide Pflanzenarten an einem einzigen Exemplar wachsen.

Das Ziel: Oben fruchtige Tomaten ernten und gleichzeitig unter der Erde Kartoffeln ausgraben – und das alles mit nur einer Pflanze!

Damit dieses spannende Projekt gelingt, ist eine sorgfältige Auswahl der Sorten entscheidend. Am besten funktionieren robuste Kartoffelsorten wie ‘Agria’ oder ‘Linda’ als Unterlage, kombiniert mit kompakten, ertragreichen Tomatensorten wie ‘Phantasia’ oder ‘Primabell’.

Wichtig ist, dass beide Pflanzen in etwa gleich dicke Stiele haben, um eine saubere Veredelung zu ermöglichen.

Veredelt wird meist mit der Seitenspaltmethode: Der Kartoffeltrieb wird mittig eingeschnitten, der Tomatentrieb keilförmig angeschnitten und in die Öffnung eingeführt. Danach wird alles fest mit einem Veredelungsclip oder Silikonring fixiert.

In den ersten Tagen nach der Veredelung sollte die Pflanze unbedingt an einem warmen, feuchten Ort stehen – ideal sind 24–28 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit. Eine transparente Abdeckung hilft beim Anwachsen.

Besonders wichtig: Nach dem Anwachsen darf der Trieb der Kartoffelpflanze nicht erneut austreiben, da sonst die Kraft in die Kartoffeltriebe fließt. Diese müssen regelmäßig entfernt werden, um den Tomatentrieb zu stärken.

Wer alles richtig macht, wird mit einer außergewöhnlichen Pflanze belohnt – eine echte Attraktion im Garten und ein spannendes Experiment für Groß und Klein!

Häufige Fehler beim Veredeln und wie man sie vermeidet

  • Unpassende Schnittflächen: Die Schnittflächen von Unterlage und Edelsorte sollten identisch sein, damit die Kambiumschichten exakt aufeinanderliegen.

  • Unzureichende Fixierung: Eine lockere Verbindung kann das Anwachsen verhindern.

  • Falsche Umweltbedingungen: Zu niedrige Luftfeuchtigkeit oder Temperaturen können die Heilung beeinträchtigen.

Achte darauf, sauberes Werkzeug zu verwenden und die Pflanzen während der Heilungsphase gut zu überwachen.

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Foto des Autors

Ich habe das Projekt Pflanzentanzen ins Leben gerufen, weil ich mich gerne im Garten & auf dem Balkon als Hobby-Gemüse-Gärtner austobe. Am liebsten nerve ich meine Freundin damit, unseren Balkon mit Tomaten, Chillies und Snackgurken zu verwuchern.

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