Löwenzahnwurzel ernten und verwenden: Kaffee, Tee und Tinktur aus dem Herbstgarten
Im Herbst steckt in der Löwenzahnwurzel am meisten drin. So gräbst du sie heil aus, röstest Kaffee daraus, setzt Tee und Tinktur an und lagerst sie richtig.

Die meisten kennen den Löwenzahn nur als gelben Störenfried im Rasen oder als zartes Salatblatt im Frühling. Doch unter der Rosette sitzt der eigentlich spannende Teil: eine fleischige Pfahlwurzel, die im Herbst vollgepackt ist mit Inulin, Bitterstoffen und Kalium. Genau jetzt, wenn die Pflanze ihre Reserven für den Winter nach unten verlagert, holst du das Beste aus ihr heraus — als Kaffee-Ersatz, als verdauungsfördernder Tee oder als Tinktur. Und weil Löwenzahn bei uns überall wächst, kostet dich das nichts außer etwas Buddeln.
Warum die Wurzel im Herbst am wertvollsten ist

Löwenzahn ist eine mehrjährige Pflanze, die den Sommer über Zucker in den Blättern produziert und ihn zum Herbst hin in der Wurzel einlagert. Dieser Speicherstoff ist Inulin — ein Mehrfachzucker, der im Herbst bis zu 40 Prozent des Wurzelgewichts ausmachen kann. Inulin ist ein Ballaststoff, der die Darmflora füttert, und beim Rösten verwandelt er sich in die malzig-karamelligen Aromen, die den Löwenzahnkaffee ausmachen.
Dazu kommen die Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe, die dem Löwenzahn seinen wissenschaftlichen Beinamen officinale (also "als Heilmittel verwendet") eingebracht haben. Sie regen Speichel- und Gallenfluss an und gelten traditionell als verdauungsfördernd. Die Wurzel enthält außerdem viel Kalium — bis zu 4,5 Prozent — weshalb sie in der Kräuterkunde als leicht harntreibend beschrieben wird.
Der praktische Punkt für dich: nach dem ersten Frost ist der Inulingehalt am höchsten. Wer im zeitigen Frühjahr, kurz vor der Blüte, gräbt, erwischt ebenfalls noch gut gefüllte Wurzeln. Im Hochsommer dagegen ist die Wurzel dünn und faserig — dann lohnt sich das Ausgraben kaum.
Sammeln ohne Reue: der richtige Standort

Löwenzahn ist ein Zeiger für nährstoffreiche, oft verdichtete Böden — und leider wächst er besonders gern genau dort, wo du ihn nicht ernten solltest: an Wegrändern, auf Hundewiesen und an Straßen. Die Wurzel zieht Schadstoffe aus dem Boden, und was Hunde und Autoabgase hinterlassen, willst du nicht in der Tasse haben.
Sammle deshalb nur an Stellen, die du kennst: den eigenen Garten, eine ungespritzte Streuobstwiese, einen Waldrand fernab der Straße. Faustregel: mindestens einige Meter Abstand zu Straßen und Hundepfaden, und keine Flächen, die konventionell gedüngt oder mit Pestiziden behandelt werden.
Nimm nur, was du brauchst, und lass genug stehen. Ein paar Rosetten pro Standort auszugraben, tut einem gesunden Bestand nicht weh — im Rasen wächst Löwenzahn ohnehin schneller nach, als den meisten lieb ist. Trag beim Sammeln ruhig Handschuhe: Der weiße Milchsaft färbt die Finger braun und kann bei empfindlicher Haut leicht reizen.
So gräbst du die Pfahlwurzel heil aus

Die Löwenzahnwurzel ist eine Pfahlwurzel, die locker 30 Zentimeter tief reicht und in ausgewachsenem Zustand bis zu einem Meter lang werden kann. Wer einfach am Blatt zieht, hält gleich nur die Rosette in der Hand und lässt den wertvollsten Teil im Boden.
Such dir für die erste Ernte große Pflanzen mit breiter Blattrosette aus — sie haben die dicksten Wurzeln. Steck einen Unkrautstecher oder einen schmalen Spaten senkrecht direkt neben die Pflanze und lockere den Boden ringsum, bevor du ziehst. In schwerem, verdichtetem Lehm hilft es, vorher zu wässern oder nach einem Regentag zu graben — feuchte Erde gibt die Wurzel leichter frei.
Zieh die gelockerte Pflanze dann langsam und gerade nach oben. Bricht die Wurzel trotzdem ab, ist das kein Beinbruch: Jedes im Boden verbliebene Stück treibt im Frühjahr wieder aus, du verlierst also nur ein bisschen Ernte, nicht die Pflanze. Schüttle die grobe Erde ab und schneide die Blätter direkt über dem Wurzelhals weg — die zarten Blätter kannst du separat in der Küche verwenden.
Wurzeln reinigen und vorbereiten

Frisch ausgegrabene Wurzeln sind erdig und oft von feinen Seitenwürzelchen durchzogen. Leg sie zuerst für ein paar Minuten in eine Schüssel mit kaltem Wasser — das weicht die anhaftende Erde auf und macht das Putzen deutlich leichter. Danach schrubbst du jede Wurzel unter fließendem Wasser mit einer Gemüsebürste sauber.
Große, dicke Wurzeln kannst du dünn schälen, wenn du sie zu Kaffee rösten willst — das gibt ein reineres Aroma. Die Schalen und die kleineren Wurzeln musst du dann nicht wegwerfen: Sie eignen sich bestens für Tee oder Tinktur. So verwertest du die ganze Ernte.
Für die Weiterverarbeitung schneidest du die sauberen Wurzeln in etwa erbsengroße Stücke oder dünne Scheiben. Je kleiner die Stücke, desto schneller und gleichmäßiger trocknen und rösten sie — und desto besser lösen sich später die Inhaltsstoffe im Wasser. Verarbeite die Wurzeln möglichst zügig, denn frisch geschnitten verlieren sie schnell an Frische und laufen an.
Löwenzahnkaffee rösten

Der Löwenzahnkaffee ist der Klassiker unter den Wurzel-Rezepten — koffeinfrei, magenfreundlich und mit einem malzigen, leicht bitteren Geschmack, der an Zichorie oder Malzkaffee erinnert. Verteil die geputzten, in Scheiben geschnittenen Wurzeln auf einem mit Backpapier belegten Blech und röste sie im Backofen bei rund 180 Grad. Nach etwa 20 bis 30 Minuten sind die Stücke durch und färben sich von hellbraun bis tief schokoladenbraun.
Wichtig ist, dass die Scheiben ungefähr gleich dick sind, sonst verbrennen die dünnen, während die dicken noch hell bleiben. Rühr zwischendurch einmal um. Je dunkler du röstest, desto kräftiger und bitterer wird der Kaffee — probier dich an eine mittlere Röstung heran und passe beim nächsten Mal an. Alternativ geht das Rösten auch in einer trockenen Pfanne, dann musst du aber ständig dabeibleiben und rühren.
Die abgekühlten, gerösteten Stücke mahlst du in einer Kaffee- oder Gewürzmühle fein. Für eine Tasse nimmst du etwa einen gehäuften Teelöffel Pulver, übergießt es mit kochendem Wasser und lässt es ein paar Minuten leicht köcheln, bevor du es abseihst. Das gemahlene Pulver hält sich luftdicht mehrere Monate — röste also ruhig gleich einen größeren Vorrat.
Löwenzahnwurzel-Tee für die Verdauung

Anders als bei zarten Blättern oder Blüten reicht bei der harten Wurzel kein einfacher Aufguss — die Bitterstoffe lösen sich am besten heraus, wenn du die Wurzel kurz mitkochst (ein sogenanntes Dekokt). Gib dazu etwa einen bis zwei Teelöffel getrocknete Wurzelstücke auf eine Tasse Wasser, bring das Ganze auf und lass es fünf bis zehn Minuten leicht köcheln. Danach seihst du ab.
Wer die getrocknete Wurzel lieber nur zieht, statt sie zu kochen, übergießt rund vier bis zehn Gramm mit heißem Wasser und lässt sie zehn bis fünfzehn Minuten stehen. In der traditionellen Kräuterkunde wird dieser Bittertee zwei- bis dreimal täglich getrunken, gern eine halbe Stunde vor einer üppigen Mahlzeit — die Bitterstoffe bringen Speichel und Gallenfluss in Gang und stimmen den Magen auf das Essen ein.
Der Geschmack ist deutlich herb, das gehört dazu und ist der Sinn der Sache. Wenn er dir zu streng ist, misch die Wurzel mit etwas Pfefferminze, Fenchel oder einem Stück getrockneter Orangenschale. Zucker oder Honig würden die Bitterwirkung dagegen teilweise aufheben. Bei Gallensteinen oder anderen Beschwerden der Gallenwege besprich die Anwendung besser vorher ärztlich.
Tinktur ansetzen

Eine Tinktur ist die haltbarste und konzentrierteste Art, die Bitterstoffe der Wurzel zu konservieren — praktisch, weil ein paar Tropfen genügen und das Fläschchen jahrelang hält. Füll dazu ein sauberes Schraubglas etwa zur Hälfte mit klein geschnittener Wurzel und gieß es mit hochprozentigem, trinkbarem Alkohol auf, bis alles gut bedeckt ist. Doppelkorn oder Wodka mit rund 40 Prozent funktionieren gut; wer es stärker mag, nimmt Weingeist.
Verschließ das Glas, beschrifte es mit dem Datum und stell es vier bis sechs Wochen an einen dunklen, zimmerwarmen Ort. Schüttle es alle paar Tage kurz durch. Danach seihst du durch ein feines Sieb oder ein Tuch ab und füllst die fertige Tinktur in dunkle Tropffläschchen.
Traditionell nimmt man zehn bis zwanzig Tropfen in etwas Wasser, ein- bis dreimal täglich vor dem Essen, wieder als bitterer Verdauungsanstoß. Kühl und dunkel gelagert bleibt die Tinktur mindestens ein bis zwei Jahre wirksam. Ein hübsch etikettiertes Fläschchen ist außerdem ein feines Mitbringsel für alle, die gern selbst Bitter mischen oder mit Wildkräutern experimentieren.
Trocknen und richtig lagern

Wenn du nicht die ganze Ernte sofort zu Kaffee, Tee oder Tinktur verarbeitest, trocknest du den Rest für den Vorrat. Verteil die geputzten, klein geschnittenen Stücke in einer Lage auf einem Gitter oder Tuch und stell sie an einen luftigen, schattigen Ort — direkte Sonne bleicht die Wurzel aus und kostet Aroma. In einem Dörrgerät bei rund 40 bis 50 Grad geht es schneller und zuverlässiger.
Die Wurzel ist durch, wenn die Stücke hart und brüchig sind und beim Biegen glatt durchbrechen, statt gummiartig nachzugeben. Das dauert je nach Größe und Methode einige Tage an der Luft oder wenige Stunden im Dörrgerät. Gut durchgetrocknet ist entscheidend, denn Restfeuchte führt im Glas zu Schimmel.
Füll die trockenen Stücke in saubere Schraubgläser, beschrifte sie mit Inhalt und Datum und lagere sie dunkel, trocken und luftdicht. So halten sie mühelos bis zur nächsten Saison. Röste oder mahle immer nur die Menge, die du bald brauchst — als grobe Stücke bleiben Aroma und Inhaltsstoffe am längsten erhalten.