Mitte Mai bis Mitte Juni sind die wichtigsten Wochen im Gartenjahr — und gleichzeitig die heimtückischsten. Alles sieht üppig, grün und perfekt aus. Die Frühlingsblüher sind fertig, die Sommerstars stehen in den Startlöchern. Aber genau jetzt entscheidet sich, ob der August ein stressiger Daueralarm-Garten wird oder ob du in den Liegestuhl darfst.
Diese Anleitung listet sieben konkrete Aufgaben mit Zeitfenstern, Mengenangaben und Werkzeug — angewandt im DACH-Klima, nach den Eisheiligen, vor der Sommerhitze. Wer in den nächsten zwei Wochenenden alle sieben durchzieht, hat den halben Sommer schon im Voraus erledigt.
Warum jetzt — das Spätfrühlings-Fenster

Der Spätfrühling ist die Übergangsphase zwischen zwei Garten-Modi. Im Beet stehen gleichzeitig die letzten kühlheitsliebenden Kulturen (Salate, Spinat, Radieschen, frühe Erbsen) und die ersten wärmeliebenden (Tomaten, Paprika, Auberginen, Gurken, Bohnen). Beide brauchen unterschiedliche Pflege, beide ziehen Nährstoffe aus demselben Boden, beide stehen einer Hitze entgegen, die in zwei Wochen kommt.
Das Spätfrühlings-Fenster ist konkret:
- Mitte Mai bis Mitte Juni in den meisten Lagen.
- Anfang Mai bis Ende Mai im milden Weinbauklima (Rheintal, Bodensee, Mosel).
- Ende Mai bis Anfang Juli in raueren Lagen (Alpenvorland, Mittelgebirge, Norddeutsche Tiefebene).
Warum dieses Fenster so wichtig ist:
- Die Frühjahrsregen sind bald vorbei. Im Juni kippt das Wetter oft in mehrere Wochen Trockenheit — die Bewässerungsinfrastruktur muss bis dahin stehen.
- Schädlinge sind im Anflug. Kohlweißling, Blattläuse, Kürbisbohrer, Schnecken legen jetzt Eier oder kommen aus dem Winterquartier — wer jetzt vorbeugt, hat im Juli kein Problem.
- Junge Pflanzen werden aktiv groß. Tomaten, Paprika und Co. brauchen jetzt Stützen, Schnitt und Dünger — alles geht später schwerer.
- Unkraut steht jetzt noch im Drei-Sekunden-Stadium. In zwei Wochen ist es ein Drei-Wochen-Job.
Wer den Mai zu entspannt nimmt, zahlt im Juli mit Frustration. Wer ihn nutzt, hat einen selbstlaufenden Sommergarten. Daher die Liste.
1. Nachdüngen — die zweite Runde

Die meisten Gärtnerinnen düngen einmal im März/April mit reifem Kompost oder Hornspänen und denken: erledigt. Falsch. Nach sechs bis acht Wochen sind die meisten organischen Nährstoffe abgebaut oder ausgewaschen — und genau jetzt brauchen die Pflanzen einen Nachschlag.
Was du wo gibst:
- Salate, Spinat, Radieschen (Endphase, Schwachzehrer): nichts mehr, lass sie auslaufen.
- Erbsen, Bohnen (Leguminosen): nichts — die binden Stickstoff selbst.
- Zwiebeln, Knoblauch, Lauch: eine kleine Handvoll Hornmehl pro Quadratmeter, hilft beim Zwiebelaufbau.
- Tomaten, Paprika, Auberginen (Starkzehrer): zwei Handvoll Hornspäne plus eine Schicht reifer Kompost rund um die Pflanze.
- Kürbisgewächse, Mais, Kohl: dasselbe — die brauchen am meisten.
- Starkblühende Stauden (Phlox, Rittersporn, Astern): eine Handvoll organischer Volldünger oder Brennnesseljauche 1:10 als Gießdüngung.
Wie du es einarbeitest:
- Mulch zurückziehen rund um die Pflanze (wenn schon gemulcht).
- Düngermenge gleichmäßig auf der Beetfläche verteilen, nicht direkt am Stängel.
- Mit der Hacke flach einarbeiten — nur die obersten 3 cm, nicht tief umgraben.
- Gut wässern — sonst macht der Dünger nichts.
- Mulch wieder zurück an seinen Platz.
Mengenfaustregel: Was in eine hohle Hand passt, ist eine „Handvoll“. Pro Quadratmeter genügen ein bis zwei Handvoll Hornspäne — mehr ist Verschwendung und kann sogar Pilzerkrankungen fördern.
Bezugsquellen für hochwertigen organischen Dünger im DACH-Raum: Oscorna Animalin, Cuxin DCM, Neudorff Azet. Lokal: jede gut sortierte Gärtnerei führt Hornspäne ab 3 € pro Kilo.
2. Bewässerung planen — bevor die Hitze kommt

Im Mai stehen die letzten verlässlichen Regenwochen des Jahres. Ab Juni kann jede Woche Trockenheit bringen, und im Juli/August ist Gießen in vielen Regionen vier- bis fünfmal pro Woche Pflicht — wenn du es per Hand machst, kostet das zwei Stunden täglich.
Die Alternativen, in aufsteigender Komfortstufe:
- Gießkanne mit Brause: nostalgisch, aber 100 m² wässern dauert 30–45 Minuten. Bei zwei mal pro Woche im Juli eine Stunde Arbeit pro Tag.
- Gartenschlauch mit Brause: schneller, aber Wasser geht in die Tiefe nur durch lange Standzeit. Außerdem nass die Blätter — Pilz-Risiko.
- Tropfschlauch (perlend): einfach am Beet entlanglegen, Hahn aufdrehen. Wasser geht direkt in den Boden, keine nassen Blätter, 30–50 % weniger Wasserverbrauch als Brause.
- Tropfsystem mit Einzeltropfern: für Kübel, Tomaten und Hochbeete. Pro Pflanze einer einzelner Tropfer, 2 l/h ist Standard.
- Wifi-Zeitschaltuhr mit Wettervorhersage: Eve Aqua, Gardena Smart Water Control, Bewässerungscomputer mit Hunter HC — die schalten sich aus, wenn Regen angesagt ist, und morgens um 5 Uhr für 30 Minuten ein. Investition 80–200 €, spart eine ganze Saison Arbeit.
Was du jetzt konkret machst:
- Bestandsaufnahme: Welche Beete brauchen Wasser? Hochbeete trocknen schneller als Bodenbeete, Kübel schneller als Hochbeete, sonniges Gemüse mehr als Schattenstauden.
- System auslegen: Tropfschläuche entlang der Reihen verlegen — bevor die Pflanzen so groß sind, dass man durch den Bestand kriechen muss.
- Testlauf: einmal komplett durchspülen und prüfen, ob alle Tropfer wirklich Wasser geben. Verstopfungen sind häufig nach dem Winter.
- Zeit programmieren: Bewässerung morgens zwischen 5 und 7 Uhr, wenn der Boden kühl und das Verdunstungsrisiko minimal ist.
Faustregel Wassermenge im Sommer: 15–20 l/m² pro Wässerung in einem kompletten Durchgang einmal pro Woche — viel besser als kleine Schlucke täglich. Tieferes Wässern fördert tiefes Wurzelwachstum, oberflächliches Wässern hält die Wurzeln oben und macht die Pflanze trockenheitsanfälliger.
Regenwasser sammeln: Wenn du es nicht schon hast — jetzt aufstellen. Eine Regentonne (300 l) reicht für drei Tage Gemüsegarten in der Trockenphase. IBC-Container (1.000 l) gibt es gebraucht ab 60 € und reicht zwei Wochen.
3. Mulchen — drei Zentimeter gegen alles

Wenn du in dieser Liste nur eine einzige Aufgabe ausführen kannst: nimm diese. Eine drei Finger dicke Mulchschicht im Mai macht im Juli und August den Unterschied zwischen einem entspannten Garten und einem täglichen Notfalleinsatz.
Was Mulchen bewirkt:
- Beikraut unterdrücken: Lichtarmer Mulch verhindert die Keimung von 80–90 % der Unkrautsamen.
- Verdunstung reduzieren: bis zu 70 % weniger Wasserbedarf unter einer dicken Mulchschicht.
- Bodenleben fördern: Regenwürmer und Bodenbakterien arbeiten unter dem Mulch durchgehend, statt in der Sonne auszutrocknen.
- Verschlämmung verhindern: Starkregen klatscht nicht direkt auf nackten Boden — die Krume bleibt locker.
- Auswaschung reduzieren: Nährstoffe werden weniger ausgespült.
Welcher Mulch wofür:
- Stroh (am häufigsten): perfekt für Erdbeeren, Tomaten, Zucchini, Kürbis. 8–10 € pro Ballen (15 kg) — reicht für etwa 10 m².
- Rasenschnitt (kostenlos!): nur angewelkt verwenden, niemals frisch (verfault, riecht, zieht Stickstoff). Dünn auftragen, mehrfach pro Saison nachlegen.
- Laubmulch (im Herbst gesammelt): ideal für Gehölz-Beete, Stauden, Beerensträucher.
- Holzhäcksel (Rindenmulch ist anders — Vorsicht): für Wege, Sträucher, Rosenbeete. Nicht für Gemüse, da er Stickstoff bindet.
- Schafwolle: teuer, aber genial für Tomaten und Paprika. Hält Schnecken ab.
Was du nicht tust:
- Plastik-Mulch: spart Wasser, aber heizt den Boden ungesund auf und schadet dem Bodenleben.
- Frische Rindenmulch ums Gemüse — bindet Stickstoff und macht die Pflanzen gelb.
- Mulch direkt am Stängel: 5 cm Abstand lassen, sonst Fäulnis.
Mengenfaustregel: 3 cm dick auf nacktem Boden, 5 cm dick unter Stauden, 8 cm dick um Sträucher und Bäume. Im Lauf der Saison sackt die Schicht zusammen — also tendenziell lieber etwas dicker auflegen.
Auch in DACH-Gärten unterschätzt: Mulchen reduziert die Anzahl der Bodenwasserschüsse im Sommer drastisch — bei dicker Mulchung reicht einmal pro Woche ergiebiges Wässern selbst in Hitzewellen.
4. Jäten, jetzt sofort

Beikraut im Mai ist ein Drei-Sekunden-Problem. Beikraut im Juni ist ein Drei-Minuten-Problem. Beikraut im Juli ist ein Drei-Wochen-Problem. Die Mathematik dieser Aufgabe ist die brutalste in der ganzen Liste.
Was jetzt am Werk ist:
- Vogelmiere (Stellaria media): macht schneller Samen als jede andere Beikrautpflanze — innerhalb von vier Wochen blüht und versamt sie. Jetzt ist sie noch klein und flach, die Wurzeln gehen leicht raus.
- Hirtentäschel, Knöterich, Hahnenfuß: gleiche Logik.
- Löwenzahn: tiefe Pfahlwurzel — jetzt noch leicht herauszubekommen, in vier Wochen reißt die Wurzel und treibt durch.
- Quecke, Ackerwinde, Giersch: das Schlachtfeld. Unterirdische Ausläufer. Diese Beikräuter kannst du nicht „einmal weghacken“ — du musst sie ausstechen und jede zwei Wochen überprüfen.
Die richtige Reihenfolge:
- Nach dem Regen oder kräftigem Gießen — die Erde ist weich, Wurzeln lassen sich ziehen.
- Mit der Handhacke flach über den Boden ziehen — schneidet die Keimlinge unter der Bodenoberfläche ab. Das nennt sich „Krümeln“ und ist das Effizienteste, was du tun kannst.
- Wurzelunkraut ausstechen: Löwenzahn, Quecke, Giersch — mit einem Wurzelstecher oder einem schmalen Spaten. Nicht abreißen, sonst treibt es durch.
- In den Kompost: vor der Blüte ja, nach der Blüte nein (Samen überleben Kompost!). Blühende oder samende Pflanzen in den Restmüll oder die Biotonne.
Faustregel: Jede Woche 30 Minuten Jäten im Mai/Juni — und du hast für den Rest der Saison fast nichts zu tun. Wer wartet, jätet im Juli drei Stunden auf einmal und ist trotzdem nicht fertig.
Hilfreich: zur Jätsaison eine kleine Krume an einer immer gut zugänglichen Stelle stehen lassen (z. B. einen Korb mit kleiner Hacke, Handschuhen und einem Eimer). Senkt die mentale Schwelle, „kurz mal“ durchzugehen.
5. Pinzieren, geizen, kneifen — die Schere im Detail

Drei Wörter für dasselbe Prinzip: Wachstumsspitzen kontrolliert entfernen, damit die Pflanze kompakt und ertragreich wird statt langbeinig und mickrig. Im Mai/Juni geht das bei allem Wichtigen.
Tomaten (Stabtomaten — Cocktail-, Salat-, Fleischtomaten):
- Geiztriebe ausbrechen: alle Seitentriebe, die in den Blattachseln entstehen, mit Daumen und Zeigefinger abknipsen, solange sie noch klein sind (< 5 cm).
- Wann: sobald sie zu sehen sind, einmal pro Woche.
- Vorteil: die Pflanze investiert in Früchte statt in Holz, die Triebe bleiben luftig und trocknen schnell nach Regen (Krautfäule-Prävention).
- Achtung: bei Buschtomaten (Cherrytomaten in Töpfen, Determinate) nicht ausgeizen — die brauchen alle Triebe.
- Mehr dazu in unserem Beitrag zum Florida-Weave-Stützsystem.
Paprika und Chili:
- Erste Blüte ausbrechen: die ganz erste Blüte (die „Königsblüte“) wegknipsen, sobald sie auftaucht.
- Vorteil: die Pflanze verzweigt sich stärker und bringt am Ende mehr und größere Früchte.
- Zusätzlich: bei großen Sorten den Haupttrieb über dem fünften Knoten kappen, damit sich der Strauch bildet.
Kräuter:
- Basilikum: ganz oben nicht die Spitze abknipsen — du stutzt knapp über einem Blattpaar. Aus jedem geernteten Trieb wachsen zwei nach. Verdoppelt den Ertrag.
- Schnittlauch: alle 2–3 Wochen auf 3 cm zurückschneiden — treibt frisch und mild durch, sonst wird er hart und holzig.
- Petersilie, Dill, Koriander: Blütenstände sofort entfernen, sobald sie auftauchen — dann bleibt das Laub zart.
- Salbei, Thymian, Rosmarin: jetzt einen leichten Formschnitt, um ein Drittel einkürzen — das verhindert das Verholzen von innen.
Stauden — die „Chelsea Chop“:
- Spätsommer-blühende Stauden wie Phlox, Astern, Wandelröschen, Sonnenhut, Anemonen jetzt um etwa ein Drittel zurückschneiden.
- Vorteil: spätere, aber viel kompaktere und üppigere Blüte. Die Pflanzen kippen nicht um.
- Die Methode stammt aus der Chelsea Flower Show (London, Ende Mai) — daher der Name, perfekt fürs deutsche Klima übertragbar.
6. Stützen anbringen — bevor die Pflanzen es brauchen

Der vermeidbarste Fehler im Sommergarten: erst stützen, wenn die Pflanze umfällt. Da ist es zu spät. Stützen gehören jetzt rein — solange die Pflanze noch durch den Stütz-Rahmen wächst, nicht umgekehrt.
Wer Stützen braucht:
- Pfingstrosen: Stützringe oder Tomatenkäfige um die Pflanze, bevor die Knospen schwer werden. Erste Maihälfte ist ideal.
- Stockrosen, Rittersporn, Lupinen: ein Bambusstab mit Schnur längsseitig — verhindert das Knicken bei Gewitter.
- Tomaten: Tomatenstäbe (Spiralstäbe aus verzinktem Stahl, Tonkin-Stäbe als Holzalternative). Pro Pflanze ein Stab, mindestens 1,80 m lang, 40 cm tief in den Boden.
- Paprika, Auberginen: kürzere Bambusstäbe (1,20 m), eingebunden mit weichem Bast.
- Erbsen, Bohnen: Rankhilfen aus Schilfrohr, Reisig oder Tonkin-Stäben — schon bei der Aussaat mit eingeplant.
- Gurken: Schnur-Rankhilfen im Gewächshaus, Maschendraht im Freiland.
- Kürbis, Melone: Kübel-Rebzweige am Spalier ziehen, falls vertikal gepflanzt — sonst leer auf dem Boden.
Material:
- Bambusstäbe (2–3 €/Stab, 5 Jahre Lebensdauer): solider Allrounder.
- Tonkin-Stäbe (besser nachhaltig, etwas teurer): dieselbe Funktion, robusterer Bambus aus China.
- Spiralstäbe verzinkt (15 €/Stab): hält 20+ Jahre, perfekt für Tomaten.
- Selbstgemachte Reisig-Stütze: aus Haselnussschnitt, Schwarzdorn, Birke — kostenlos, ästhetisch, hält eine Saison.
Praktischer Tipp: Beim Setzen der Pflanze den Stab gleichzeitig mit einsetzen — du beschädigst sonst später die Wurzeln, wenn du ihn nachträglich reinstößt. Bei Tomaten ist das eine eiserne Regel: Stab in das Loch, Pflanze daneben, festtreten — fertig.
Bindemittel:
- Bast (natur, ungefärbt): die beste Wahl. Verrottet im Kompost.
- Bindedraht ummantelt: hält länger, weniger nachhaltig.
- Tomato-Clips: bei Spiralstäben praktisch, nicht bei Bambus.
- Nylonschnur: hält ewig, ist aber Mikroplastik beim Verrotten — Vorsicht.
Bindeknoten: nicht zu fest. Der Stängel muss bei Wind und Wachstum noch atmen können. Achterschlinge statt Würger. Faustregel: Daumen passt zwischen Schnur und Stängel.
7. Schädlinge — jetzt schon vorbeugen

Im Mai sind die meisten Schädlinge noch im Anflug oder erst gerade ausgeschlüpft. Wer jetzt einmal pro Woche durch den Garten geht und gezielt schaut, erspart sich im Juli die großen Notfallaktionen.
Was du wo suchst:
- Kohlweißling-Eier: gelbe Eipakete an den Blattunterseiten von Kohlrabi, Wirsing, Brokkoli, Rosenkohl. Abkratzen oder Blatt komplett entfernen.
- Blattläuse: an den jungen Triebspitzen von Rosen, Lupinen, Paprika, Beerensträuchern. Mit dem Wasserschlauch abspülen (kräftig, mehrmals); bei kleinem Befall Marienkäferlarven aussetzen.
- Schnecken: an Salaten, jungem Kohl, Hostas, Funkien. Abendrunde mit der Taschenlampe und Eimer; Schneckenkorn mit Eisen-III-Phosphat ist haustier-sicher (nicht das alte Methiocarb!).
- Erdflöhe: kleine Löcher in Rucola, Radieschen, jungen Kohlblättern. Engmaschiges Insektennetz auflegen, regelmäßig wässern (mögen es feucht nicht).
- Kürbisbohrer: noch nicht akut, aber: junge Kürbispflanzen jetzt mit Aluminiumfolie am Stängelansatz umwickeln (Fliege legt Eier dort) — präventiv die wichtigste Maßnahme.
Defensive Maßnahmen — proaktiv:
- Kohl- und Salatbeete mit engmaschigem Insektenschutznetz (0,8–1,3 mm Maschenweite) abdecken. Wichtig: vor dem ersten Befall drauflegen, sonst sperrst du die Schädlinge ein.
- Reihen mit Mischkultur auflockern: Kohl neben Tomaten, Möhren neben Zwiebeln, Salat neben Knoblauch. Schädlinge orientieren sich nach Geruch — Verwirrung bremst sie.
- Steingärten und Stein-Inseln für Eidechsen und Kröten: natürliche Schneckenfresser.
- Vogelhäuser und Sitzstangen: Meisen und Spatzen fressen Hunderte Raupen pro Tag in der Brutzeit.
- Blütenpflanzen für Nützlinge: Phacelia, Borretsch, Ringelblume, Kornblume, Süßes Steinkraut (Lobularia). Diese ziehen Schwebfliegen, Florfliegen, Schlupfwespen an — die natürlichen Räuber der Blattläuse.
Was du nicht tust in dieser Phase:
- Keine chemischen Pestizide. In einem proaktiv und biologisch geführten Garten brauchst du keine — und einmal eingesetzt, kippt die Balance über Jahre.
- Keine Hausmittel mit Seife oder Spülmittel auf empfindlichen Blättern (Tomatenblätter, junge Salate verbrennen).
- Kein Neem-Öl über Blüten — schädigt auch Bienen.
Bei Bacillus thuringiensis (Bt, bei starkem Raupenbefall): nur gezielt und abends ausbringen, dann tagsüber keine Bienen unterwegs. Wirkt nur auf Raupen, ist für alle anderen Insekten unbedenklich.
Ein Plan für zwei Wochenenden

Sieben Aufgaben klingt nach viel, ist aber in zwei normale Garten-Wochenenden machbar. Ein konkreter Plan:
Wochenende 1 — die Infrastruktur:
- Samstag Vormittag (2 h): Tropfschlauch / Bewässerung verlegen, Wifi-Timer programmieren, alle Tropfer testen.
- Samstag Nachmittag (2 h): Stützen anbringen — Tomatenstäbe, Pfingstrosenringe, Bohnenrankhilfen.
- Sonntag Vormittag (2 h): Mulchen — Stroh / Rasenschnitt verteilen, dabei nachdüngen (Hornspäne unter den Mulch).
Wochenende 2 — die laufende Pflege:
- Samstag (3 h): einmal komplett durchjäten, Schädlingsrundgang, präventive Insektennetze aufziehen.
- Sonntag (1 h): pinzieren, geizen, kneifen — Tomaten, Paprika, Basilikum, Stauden.
Danach wöchentlich 30 Minuten für Geiztriebe, kurze Schädlingskontrolle und Spot-Jäten. Der Garten läuft fast von alleine.
Wer nur ein Wochenende hat: Priorität 1 ist Mulchen + Tropfbewässerung. Diese beiden Schritte allein machen die Hälfte des Sommerstresses obsolet.
Häufige Fragen
Was ist, wenn die Eisheiligen bei mir später sind?
In raueren Lagen (Alpenvorland, Mittelgebirge über 500 m, Norddeutsche Tiefebene mit Spätfrostgefahr) verschiebt sich das Spätfrühlings-Fenster um zwei Wochen nach hinten. Tomaten und Paprika erst Ende Mai pflanzen, Mulchen entsprechend später. Schädlingsrundgang trotzdem schon im Mai starten — die Schädlinge folgen ihrem eigenen Zeitplan.
Brauche ich wirklich alle sieben Aufgaben?
Nicht zwingend. Die wichtigsten drei sind: Mulchen, Bewässerung planen, Schädlingsvorbeugung. Wer nur Zeit für drei Sachen hat, macht diese — der Rest lässt sich verteilt unterm Jahr nachholen oder wird durch die ersten drei stark vereinfacht.
Wie oft muss ich nachmulchen im Sommer?
Stroh und Häcksel: einmal kräftig im Mai reicht meist bis September. Rasenschnitt dünn auftragen — alle 2–3 Wochen eine kleine Lage frisch nachlegen, je nachdem wie oft du mähst.
Mulch und Schnecken — gibt es da nicht ein Problem?
Frischer Rasenschnitt und feuchter Laubmulch können Schnecken anziehen, ja. Lösung: trocken arbeiten (Rasenschnitt vor dem Auftragen einen Tag in der Sonne abtrocknen lassen) und Stroh statt Laub um besonders gefährdete Pflanzen (Salat, junger Kohl). Bei akutem Problem: Schneckenkorn mit Eisen-III-Phosphat (Sluggo, Ferramol) — wirkt schnell und ist haustier-unbedenklich.
Was tun, wenn ich im Urlaub bin und niemand gießt?
Drei Strategien: (1) Bewässerungscomputer an Tropfschlauch — funktioniert auch ohne Aufsicht, läuft morgens 30 Minuten. (2) Dicke Mulchschicht (5 cm) reduziert den Wasserbedarf so weit, dass der Garten 7–10 Tage übersteht. (3) Tonkrüge (Olla) eingegraben — funktionieren auch unbeaufsichtigt, geben Wasser nach Bedarf an die Wurzeln ab.
Kann ich mehr Hornspäne geben als angegeben?
Lieber nicht. Zu viel Stickstoff macht die Pflanzen mastig — viel Blattmasse, wenig Frucht, anfälliger für Blattläuse und Pilze. Halte dich an die Faustregel eine bis zwei Handvoll pro Quadratmeter — wenn die Pflanzen wirklich kümmern, mit Brennnesseljauche nachhelfen (schneller wirksam als Hornspäne).
Welche Werkzeuge brauche ich für die Spätfrühlings-Aufgaben?
Die Grundausstattung reicht: Bypass-Gartenschere (z. B. Felco 2), Handhacke, Wurzelstecher, Bastrolle, Gießkanne oder Tropfschlauch, Eimer für Beikraut. Für Mulchen reicht ein Eimer oder eine Schubkarre. Werkzeuge regelmäßig reinigen und desinfizieren — siehe unsere Hinweise zum Strauchschnitt im Frühjahr.
Quellen und weiterführende Infos
- Mein schöner Garten: Garten-Checkliste Mai und Juni.
- NDR Ratgeber Garten: Was im Mai im Gemüsegarten zu tun ist.
- Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG): Kleingarten-Tipps für Spätfrühling.
- Plantopedia: Mulchen — die wichtigsten Materialien im Vergleich.
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG): Bewässerung im Hausgarten — Methoden und Wassermengen.
