Diese Stauden solltest du niemals teilen — und wie du sie stattdessen vermehrst
Manche Stauden gehen beim Teilen ein — Pfahlwurzler, verholzende Halbsträucher und Empfindliche. Welche du in Ruhe lässt und wie du sie über Aussaat, Stecklinge

Es gibt Gartenfehler, die kommen von außen — ein später Frost, ein verregneter Sommer, ein Standort, der doch zu schattig war. Und es gibt Fehler, die entstehen, weil man etwas schlicht nicht wusste. Einer davon: den Spaten anzusetzen und eine blühfreudige Staude teilen zu wollen, die sich gar nicht teilen lässt — und sie dabei zu töten. Denn während viele Stauden das Teilen nicht nur vertragen, sondern regelrecht brauchen, um vital zu bleiben, gibt es eine Gruppe, die genau das übelnimmt.
Der Grund liegt fast immer in der Wurzel. Pflanzen mit einer Pfahlwurzel, verholzende Halbsträucher und solche mit brüchigen, saftgefüllten Wurzeln haben keinen Horst, den man mit dem Spaten in zwei lebensfähige Hälften trennen kann. Statt frisch auszutreiben, faulen die verletzten Stücke oder vertrocknen. In diesem Beitrag gehe ich die wichtigsten dieser Stauden durch — nach Wurzeltyp sortiert — und zeige dir für jede, wie du sie stattdessen vermehrst: über Aussaat, Stecklinge oder Absenker.
Warum sich manche Stauden nicht teilen lassen

Beim Teilen trennt man einen Wurzelballen so, dass jedes Teilstück eigene Wurzeln und eigene Austriebsknospen behält. Das funktioniert bei Stauden mit faserigem oder rhizombildendem Wurzelwerk — Astern, Taglilien, Storchschnabel, Frauenmantel — hervorragend: Der Horst wächst von der Mitte nach außen, die Ränder sind der jüngste, vitalste Teil, und jedes abgestochene Stück mit Trieb und Wurzeln wächst weiter.
Bei einer Pfahlwurzel gibt es diesen teilbaren Horst nicht. Die Pflanze hängt an einer einzigen, tief reichenden Hauptwurzel — durchstichst du sie, sind beide Hälften verloren. Ähnlich liegt der Fall bei verholzenden Halbsträuchern wie Lavendel und Salbei, deren Basis mit den Jahren zu Holz wird und aus altem Holz nicht mehr austreibt, und bei Stauden mit brüchigen, wasserreichen Wurzeln, die den Schnitt schlicht nicht überleben. Die gute Nachricht: Für jede dieser Gruppen gibt es eine passende, oft sogar einfachere Vermehrungsmethode.
Pfahlwurzler: Indigolupine, Diptam, Mannstreu und Co.

Die klassischen Pfahlwurzler wirken oberirdisch oft wie teilbare Horste — unter der Erde hängen sie aber an einer einzigen Wurzel. Dazu gehören:
- Indigolupine (Baptisia australis): Trotz vieler Stängel bildet sie eine einzige tiefe Pfahlwurzel. Vermehrung über Aussaat, am besten im Herbst, denn die Samen haben eine harte, wachsartige Schale.
- Diptam (Dictamnus albus): Diese langlebige Waldsteppen-Staude wächst aus einer kräftigen, langen Pfahlwurzel. Vermehrung nur über Aussaat — Geduld nötig, bis zur ersten Blüte vergehen ein paar Jahre.
- Mannstreu / Edeldistel (Eryngium): bildet eine tiefe, rübenartige Pfahlwurzel, die sich nicht teilen lässt. Aussaat im Herbst oder Frühjahr gelingt zuverlässig.
- Steppenkerze (Eremurus): Ihre spinnenartig ausladenden Speicherwurzeln vertragen kein Teilen. Über Aussaat (Blüte erst nach mehreren Jahren) oder gekaufte Wurzelstöcke.
- Ballonblume (Platycodon grandiflorus): hat mehrere fleischige Pfahlwurzeln, die das Teilen übelnehmen. Aussaat im Herbst, Blüte im zweiten Jahr.
- Herbst-Anemone (Anemone hupehensis): Über die tiefe, kräftige Wurzel lässt sie sich kaum teilen — und weil ihr ein zentraler Stängel fehlt, sind auch Stecklinge schwierig. Am einfachsten über Aussaat; die watteartigen Samenstände im Spätherbst sind hübsch zu ernten. (Etablierte Horste breiten sich mit der Zeit über Wurzelausläufer selbst aus.)
- Nachtkerze (Oenothera macrocarpa): bildet eine Pfahlwurzel. Warte, bis sich am Rand Ableger bilden, und trenne diese ab, während sie noch mit der Mutterpflanze verbunden sind — oder säe aus.
Der gemeinsame Nenner: Diese Pflanzen setzt man einmal an den richtigen Platz und lässt sie dort stehen. Sie danken es mit Langlebigkeit.
Fleischige und Rüben-Wurzeln: Schleierkraut und Verwandte

Eine eigene Erwähnung verdient das Rispige Schleierkraut (Gypsophila paniculata) — die zarte Schleierwolke, die in keinem Sommerstrauß fehlt. So filigran die Blüten wirken, so tief und kräftig ist die Pfahlwurzel darunter. Sie entwickelte sich, um in den sandigen, trockenen Herkunftsgebieten der Pflanze an Wasser zu kommen, und lässt sich nicht teilen. Vermehrt wird über Aussaat; im Handel gibt es gefüllt blühende Sorten allerdings nur als veredelte Pflanzen, die samenecht nicht nachzuziehen sind.
Ähnlich verhält sich die Nachtkerze, die schon oben genannt wurde: fleischige Speicherwurzel, kein teilbarer Horst. Die Regel für alle Stauden mit Rüben- oder Speicherwurzel lautet: Sobald du beim Ausgraben auf eine dicke, saftige Einzelwurzel stößt statt auf ein Geflecht feiner Faserwurzeln, leg den Spaten weg und greif zur Aussaat oder — wo möglich — zu Wurzelschnittlingen. Letztere sind etwas für Fortgeschrittene: ein Stück gesunde Wurzel im Winter waagerecht in Anzuchterde legen und feucht halten. Für die meisten Gärtner ist die Aussaat der einfachere und verlässlichere Weg.
Verholzende Halbsträucher: Lavendel, Salbei, Rosmarin, Heiligenkraut

Die zweite große Gruppe sind die mediterranen Halbsträucher, die man landläufig zu den Stauden zählt. Sie werden am Fuß mit den Jahren holzig, und altes Holz treibt nicht wieder aus — teilt man sie, hat man zwei kahle Holzstümpfe, die nicht anwachsen.
- Lavendel (Lavandula): hat zwar keine tiefe Pfahlwurzel, aber ein kompaktes Wurzelwerk und mag es überhaupt nicht, gestört oder versetzt zu werden.
- Echter Salbei (Salvia officinalis): verholzt am Fuß und will nach dem Anwachsen in Ruhe gelassen werden.
- Rosmarin (Salvia rosmarinus): wie Salbei ein verholzender Halbstrauch, der das Teilen nicht verträgt und danach kümmert.
- Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus): verholzt am Fuß, Teilen ist zwecklos.
Für alle vier ist die Methode dieselbe und denkbar einfach: Stecklinge oder Absenker. Schneide im Frühsommer nicht blühende, halb verholzte Triebspitzen von etwa zehn Zentimetern, entferne die unteren Blätter und stecke sie in sandige Anzuchterde — bei Lavendel und Rosmarin bewurzeln so die meisten Stecklinge. Noch bequemer ist das Absenken: einen tief sitzenden Trieb zum Boden biegen, an einer Stelle leicht anritzen, mit einem Stein oder Draht fixieren und mit Erde bedecken. Nach einigen Wochen bildet der Trieb dort eigene Wurzeln und kann von der Mutterpflanze getrennt werden — ganz ohne Eingriff in den Wurzelballen.
Empfindliche Wurzeln: das Tränende Herz

Nicht jede unteilbare Staude hat eine Pfahlwurzel. Das Tränende Herz (Lamprocapnos spectabilis, früher Dicentra spectabilis) hat stattdessen brüchige, saftgefüllte Wurzeln, die den Stress des Teilens fast nie überstehen. Wer den Horst mit dem Spaten durchsticht, erlebt meist, dass beide Teile mickern oder ganz eingehen. Dazu kommt, dass die Pflanze ohnehin empfindlich auf Wurzelstörung reagiert und im Sommer von selbst einzieht — was Anfänger schon oft für ein Absterben gehalten haben.
Vermehren lässt sich das Tränende Herz auf zwei Wegen. Erstens über Stecklinge von nicht blühenden Trieben im Frühjahr, die man in feuchte Anzuchterde steckt. Zweitens über Aussaat, wobei die Samen eine Kältephase (Stratifikation) brauchen — am einfachsten, indem man frisch geerntete Samen im Herbst direkt aussät und dem Winter überlässt. Beides ist geduldiger als ein schneller Spatenstich, aber im Gegensatz zum Teilen führt es überhaupt zum Ziel. Ansonsten gilt auch hier: einmal gut platziert, will das Tränende Herz vor allem eines — in Ruhe gelassen werden.
Selbstaussäer, die die Arbeit von allein machen

Eine ganze Reihe der unteilbaren Stauden nimmt einem die Vermehrung fast vollständig ab, weil sie sich zuverlässig selbst aussäen. Man muss nur wissen, welche Sämlinge man stehen lassen darf.
- Akelei (Aquilegia): Manche Arten haben reine Pfahlwurzeln, andere eine Mischung aus Faserwurzeln und zentraler Pfahlwurzel — teilen lässt sich keine gut. Muss man aber auch nicht: Akelei sät sich so willig aus, dass im Beet ständig Nachschub steht. Samen im Frühjahr oder Herbst.
- Lupine (Lupinus): klassischer Pfahlwurzler, nicht teilbar. Lässt man die Samenstände stehen, sät sie sich selbst aus; alternativ sammelt man die reifen Samen und legt sie im Herbst — dann spart man sich das Anrauen der harten Schale und die Kältebehandlung, die bei Frühjahrsaussaat nötig wäre.
- Herbst-Anemone und Nachtkerze (siehe oben) breiten sich über Ausläufer beziehungsweise Selbstaussaat ebenfalls von allein aus.
Das Prinzip: Statt einzugreifen, lässt du die Natur arbeiten. Wer im Spätsommer ein paar Samenstände stehen lässt, hat im Folgejahr junge Pflanzen genau dort, wo Licht und Boden ihnen zusagen. Überzählige Sämlinge lassen sich klein und mit vollständiger Wurzel leicht umsetzen — ganz anders als der geteilte Altbestand, der oft nur schwer wieder anwächst.
Vermehren ohne Teilen: Aussaat, Stecklinge, Absenker

Fasst man die Alternativen zusammen, bleiben drei Methoden, die alle ohne einen Spatenstich in den Wurzelballen auskommen:
Aussaat ist der Weg für fast alle Pfahlwurzler — Indigolupine, Diptam, Mannstreu, Ballonblume, Schleierkraut, Akelei, Lupine. Achte auf die Besonderheiten: harte Samenschalen (Lupine, Indigolupine) profitieren von Herbstaussaat, manche Arten brauchen eine Kältephase. Rechne bei tief wurzelnden Arten mit ein bis mehreren Jahren bis zur ersten Blüte — dafür bekommst du besonders standfeste, langlebige Pflanzen.
Stecklinge sind erste Wahl bei den verholzenden Halbsträuchern und beim Tränenden Herz: nicht blühende Triebspitzen im Frühsommer schneiden, unten entlauben, in sandige Erde stecken, feucht und halbschattig halten. Absenker sind die bequemste Variante für Lavendel, Salbei, Rosmarin und Heiligenkraut — ein Trieb wird am Boden fixiert, bewurzelt dort und wird erst danach abgetrennt. Der Vorteil aller drei Methoden gegenüber dem Teilen: Die Mutterpflanze bleibt unversehrt stehen und blüht ungestört weiter, während der Nachwuchs an anderer Stelle heranwächst.
Wann du gar keine Staude teilen solltest

Zum Schluss eine Regel, die selbst für die klassisch teilbaren Stauden gilt: Teile niemals eine geschwächte Pflanze. Wenn eine Staude unter Trockenheit, Staunässe, Hitze, Frostschäden oder einem falschen Standort leidet, ist das Teilen zusätzlicher Stress, den sie oft nicht verkraftet. Bring die Pflanze zuerst wieder zu Kräften — gieße, mulche, korrigiere den Standort — und teile erst, wenn sie sichtbar vital ist.
Das richtige Zeitfenster ist außerdem kühles, feuchtes Wetter, also zeitiges Frühjahr oder früher Herbst, nicht die pralle Sommerhitze. Und bevor du überhaupt zum Spaten greifst, lohnt der kurze Blick unter die Erde: Findest du beim vorsichtigen Freilegen ein faseriges Wurzelgeflecht, kannst du bedenkenlos teilen. Stößt du auf eine einzelne tiefe Pfahlwurzel oder einen verholzten Fuß, dann lass die Pflanze stehen und greif zu Aussaat, Steckling oder Absenker. So sparst du dir enttäuschte Lücken im Beet — und die Staude dankt es dir mit Jahren zuverlässiger Blüte.