Dekoration

Blumen trocknen: drei Methoden für lang haltbare Sträuße

Vom kopfüber aufgehängten Bund bis zur farbtreuen Trocknung im Kieselgel: welche Blüten sich eignen, wann du erntest und welche Methode für welches Ergebnis die

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 28. Juli 20266 Min Lesezeit
Blumen trocknen: drei Methoden für lang haltbare Sträuße

Ein Strauß, der nicht nach einer Woche im Biomüll landet, sondern den ganzen Winter über auf der Kommode steht — dafür brauchst du keine Spezialausrüstung, sondern nur den richtigen Zeitpunkt, ein bisschen Geduld und Dinge, die du wahrscheinlich schon zu Hause hast. Welche Methode du wählst, hängt vor allem davon ab, ob du auf einen rustikalen Look aus oder auf möglichst kräftige, originalgetreue Farben.

Welche Blumen sich zum Trocknen eignen

Auf hellem Holz nebeneinander liegende Schnittblumen zum Trocknen: [Lavendel](/pflanzen/zierpflanzen/lavendel/), halb offene [Rosen](/pflanzen/zierpflanzen/rosen/), Strandflieder, Strohblumen, eine Hortensiendolde und ein Ziergras.
Feste, eher trockene Blüten gelingen am zuverlässigsten

Nicht jede Blüte eignet sich gleich gut. Sorten mit von Natur aus festem, eher trockenem Blütengewebe machen am wenigsten Ärger, weil sie kaum Wasser verlieren müssen und ihre Form behalten. Zu den zuverlässigsten Kandidaten aus dem Garten gehören:

  • Lavendel — der Klassiker, duftet auch getrocknet monatelang.
  • Rosen — behalten Form und Farbe erstaunlich gut, besonders halb geöffnete Knospen.
  • Schleierkraut — luftig, leicht, ideal als Füller im Trockenstrauß.
  • Hortensien — die großen Dolden sind perfekte Blickfänger und trocknen fast von allein.
  • Strandflieder (Statice) — papierartige Blüten, die ihre Farbe kaum verlieren.
  • Strohblume — quasi zum Trocknen geboren, hält Jahre.
  • Sonnenhut und Rittersporn — bringen kräftiges Gelb und Blau.
  • Schafgarbe — flache Schirme, die im Bund toll wirken.
  • Silbertaler (Lunaria) — die silbrigen Samenscheiben sind ein Herbst-Highlight.
  • Ziergräser und Samenstände — geben Struktur und Bewegung.

Vollgestopfte, sehr fleischige Blüten wie manche Dahlien oder Zinnien sind kniffliger — sie gelingen fast nur mit Trockenmittel (dazu unten mehr). Als Faustregel gilt: Je zarter und wasserreicher die Blüte, desto eher brauchst du eine der schnelleren Methoden.

Wann und wie du für die Trocknung erntest

Hände schneiden am Morgen voll aufgeblühte, makellose Rosen und Lavendel im Garten, der Tau ist bereits abgetrocknet.
Am besten am späten Vormittag ernten — trocken, aber noch nicht welk

Der Erntezeitpunkt entscheidet über das Ergebnis, noch bevor die eigentliche Trocknung beginnt. Schneide am späten Vormittag: früh genug, dass die Sonne die Blüten noch nicht welk gemacht hat, aber spät genug, dass der Tau vollständig abgetrocknet ist. Restfeuchte auf den Blättern ist die häufigste Schimmelursache.

Wähle Blüten, die gerade voll aufgehen oder eben aufgeblüht sind — überreife, schon leicht welke Exemplare zerfallen beim Trocknen. Nimm nur gesunde, makellose Stiele ohne Schädlingsspuren oder Druckstellen. Und ganz wichtig: Verarbeite sie sofort. Je länger frisch geschnittene Blumen herumliegen, desto schlechter trocknen sie. Entferne überschüssiges Laub schon beim Ernten — Blätter trocknen unregelmäßig und schimmeln leicht.

Lufttrocknung: die einfachste Methode

Mit Schnur gebundene kleine Blumenbündel hängen kopfüber in einem luftigen, halbdunklen Dachraum.
Dunkel und luftig aufhängen — Licht bleicht die Farben aus, Wärme fördert Schimmel

Die Lufttrocknung ist die klassische, komplett kostenlose Methode — und die richtige, wenn du den rustikalen, naturbelassenen Look magst. Sie erhält die Form gut, die Farben verblassen dabei aber merklich ins Gedämpfte.

So geht's: Fasse gleichartige Blumen zu kleinen, lockeren Bündeln zusammen und binde sie am Stielende mit einem Gummiband oder einer Schnur. Ein Gummiband hat den Vorteil, dass es sich mitzieht, wenn die Stiele beim Trocknen dünner werden — sonst rutscht der Bund heraus. Häng die Bündel kopfüber an einem Ort auf, der drei Bedingungen erfüllt:

  • dunkel — Licht bleicht die Farben aus,
  • luftig — gute Luftzirkulation beugt Schimmel vor,
  • kühl und trocken — Wärme und Feuchte fördern Fäulnis.

Ein selten genutzter Raum, der Dachboden oder ein Schrank mit Luftschlitzen sind ideal. In feuchten Räumen hilft ein Luftentfeuchter. Je nach Blütenart und Luftfeuchte dauert es ein bis drei Wochen, bis alles durchgetrocknet ist. Die Blüten sind fertig, wenn sich die Stiele raschelnd trocken anfühlen und nichts mehr biegsam-feucht ist.

Trockenmittel: die beste Methode für kräftige Farben

Eine Blüte wird in einer luftdichten Dose mit feinem Kieselgel bedeckt, daneben ein Pinsel und ein Beutel feiner Sand.
Im Trockenmittel bleiben Form und Farbe am besten erhalten

Wenn dir die Farbe wichtig ist, führt kein Weg an einem Trockenmittel vorbei. Es entzieht der Blüte die Feuchtigkeit so schnell, dass die Farbpigmente kaum Zeit haben zu verblassen — das Ergebnis kommt dem frischen Original am nächsten. Drei Trockenmittel funktionieren gut, alle aus Drogerie, Baumarkt oder Küchenschrank:

  • Kieselgel (Silikat) — das feinkörnige Granulat aus den kleinen Tütchen in Schuhkartons und Vitamindosen. Im Bastelladen ist es teuer; deutlich günstiger ist Silikat-Katzenstreu, das chemisch dasselbe ist. Varianten mit Farbindikator zeigen an, wann das Granulat gesättigt ist. Trockenzeit: rund 5 bis 16 Tage. Blüten kommen sehr schön heraus, wirken aber manchmal leicht zusammengedrückt.
  • Feiner Sand — der günstige Klassiker aus Omas Zeiten. Sauberer, feiner, trockener Vogel- oder Quarzsand stützt die Blüte allseitig und erhält die Form besonders gut. Er arbeitet langsamer als Kieselgel, ist dafür überall zu haben und wiederverwendbar.
  • Borax — trocknet farbtreu und ist leicht genug, um Blütenblätter nicht zu zerdrücken. Allerdings ist Borax in der EU als bedenklicher Stoff eingestuft und im freien Verkauf eingeschränkt; wenn du damit arbeitest, halte es von Kindern und Lebensmitteln fern. Für die meisten reichen Kieselgel und Sand völlig aus.

Du brauchst außerdem eine luftdicht verschließbare Dose und einen weichen Pinsel. So gehst du vor: Fülle den Boden der Dose fingerdick mit Trockenmittel. Schneide die Stiele kurz, entferne das Laub und lege die Blüten mit der schönen Seite nach oben hinein. Riesele nun vorsichtig weiteres Trockenmittel rundherum und zwischen die Blütenblätter, bis die Blüte vollständig bedeckt ist — ohne sie zu quetschen. Verschließe die Dose und stell sie kühl und trocken. Nach Ablauf der Zeit hebst du die Blüten behutsam heraus, schüttelst sie leicht ab und entfernst den Rest mit dem Pinsel. Das Trockenmittel lässt sich mehrfach verwenden.

Blüten pressen: flach für Karten und Bilder

Blüten liegen zwischen Löschpapier in einem aufgeschlagenen schweren Buch, daneben eine fertig gepresste Blüte als Lesezeichen.
Gepresste Blüten werden flach — ideal für Karten, Lesezeichen und Bilder

Pressen ist die richtige Methode, wenn du flache Blüten willst — für selbst geschöpftes Papier, Lesezeichen, Karten oder Bilder unter Glas. Du brauchst nur ein paar schwere Bücher und saugfähiges Papier (Löschpapier, Zeitungspapier oder Küchenkrepp; Backpapier verhindert Flecken im Buch).

Leg die Blüte zwischen zwei Lagen saugfähiges Papier und ordne die Blütenblätter dabei sorgfältig — so, wie sie später aussehen sollen. Schieb das Ganze in ein schweres Buch und beschwere es zusätzlich mit weiteren Büchern oder Gewichten. Nach ein bis vier Wochen ist die Blüte durchgetrocknet. Bei saftigen Blüten tauschst du das Papier in den ersten Tagen alle paar Tage aus, wenn es feucht wird — das beschleunigt und verhindert Stockflecken. Wer öfter presst, ist mit einer klassischen Blumenpresse aus zwei Holzplatten und Flügelschrauben schneller.

Getrocknete Blüten in Form bringen und aufbewahren

Getrocknete Blüten werden über dem Dampf eines Luftbefeuchters in Form gebracht, daneben Trockenblüten in beschrifteten Gläsern.
Ein kurzer Dampfstoß richtet zerdrückte Blüten wieder auf

Manchmal kommen die Blüten aus dem Trockenmittel etwas platt oder verbogen. Das lässt sich retten: Halte die getrocknete Blüte ein paar Sekunden über den warmen Dampf eines Luftbefeuchters oder eines Topfes mit heißem Wasser und forme die Blütenblätter dann vorsichtig mit den Fingern nach. Lass sie danach vollständig abtrocknen, bevor du sie weiterverarbeitest — sonst hält die neue Form nicht.

Für die Aufbewahrung gilt dasselbe wie bei getrockneten Kräutern: luftdicht, dunkel und trocken. Blüten, die du nicht sofort in einen Strauß steckst, lagerst du am besten flach in verschließbaren Dosen oder Gläsern, damit sie nicht zerbrechen und keine neue Feuchtigkeit ziehen. Fertige Trockensträuße stellst du nicht in die pralle Sonne und nicht über die Heizung — dann behalten sie ihre Farbe am längsten. Einmal im Jahr vorsichtig ausschütteln oder mit dem Fön auf kalter Stufe entstauben, und dein Sommerstrauß begleitet dich durch mehrere Winter.

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