Dekoration

Blumen trocknen: So gelingen Trockensträuße aus dem eigenen Garten

Blumen aus dem eigenen Beet trocknen: der beste Erntezeitpunkt, die schoensten Arten und vier Methoden von Lufttrocknen bis Silicagel fuer Straeusse, die halten

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 31. Juli 20268 Min Lesezeit
Blumen trocknen: So gelingen Trockensträuße aus dem eigenen Garten

Ein Strauß, der nach dem Sommer nicht auf dem Kompost landet, sondern den ganzen Winter über auf der Fensterbank steht: Genau das leisten getrocknete Blumen. Sie sind nichts Neues, aber sie sind wieder überall zu haben, oft als Bund aus fernen Ländern, gebleicht, gefärbt und lange gereist. Dabei wächst der beste Rohstoff dafür direkt vor der Haustür. Wer die richtigen Arten zur richtigen Zeit schneidet und passend trocknet, bekommt Sträuße, die monatelang halten und dabei nach dem eigenen Garten aussehen.

Warum Trockenblumen aus dem eigenen Beet die bessere Wahl sind

Gekaufte Trockenblumen sehen im Laden makellos aus, haben aber oft eine lange Reise hinter sich. Ein großer Teil des Sortiments kommt aus Übersee, wird gebleicht und anschließend neu eingefärbt, damit die Farben knallen. Diese Bündel legen tausende Kilometer zurück, bevor sie in der Vase landen.

Im eigenen Garten sieht die Rechnung anders aus. Du schneidest bei Sonne, bindest den Strauß am selben Tag und weißt genau, was drinsteckt: keine Bleiche, keine Färbebäder, keine Transportwege. Nebenbei erntest du nur, was ohnehin blüht, und lässt genug für Bienen und Schwebfliegen stehen. Und anders als bei einem Schnittblumenstrauß, der nach einer Woche welkt, hält die getrocknete Version eine ganze Saison. Das ist die nachhaltigste Deko, die ein Beet hergeben kann.

Haende schneiden bunte Gartenblumen in einen Weidenkorb, im Hintergrund ein sonniges Blumenbeet mit Insekten.
Wer im eigenen Beet schneidet, spart lange Transportwege und weiss, was drinsteckt

Wann du für Trockensträuße erntest

Der Erntezeitpunkt entscheidet über das Ergebnis mehr als jede Methode. Schneide die Blüten, sobald sie vollständig geöffnet, aber noch frisch sind. Warte nicht, bis sie ihren Höhepunkt überschritten haben: Was schon leicht schlapp in den Strauß kommt, sieht getrocknet erst recht müde aus. Bei manchen Arten wie Strohblumen erntest du sogar besser eine Spur früher, weil sie beim Trocknen noch weiter aufgehen.

Die beste Tageszeit ist der späte Vormittag. Warte, bis der Tau abgetrocknet ist, aber ernte vor der prallen Mittagshitze. Feuchtigkeit auf den Blättern begünstigt später Schimmel, und schlaffe, sonnengestresste Blüten erholen sich nicht mehr. Ein warmer, trockener Spätsommertag ist ideal, weil die Luft dann viel Feuchtigkeit aufnimmt und das Trocknen schneller geht. Verarbeite die Blumen möglichst direkt nach dem Schnitt weiter, statt sie stundenlang liegen zu lassen.

Eine Hand erntet fruehmorgens mit der Gartenschere gerade aufgebluehte Strohblumen und violette Statice.
Erntereif ist eine Bluete kurz nach dem vollen Aufbluehen, nicht wenn sie schon nachlaesst

Diese Blumen und Gräser trocknen besonders schön

Grundsätzlich lässt sich fast jede Blume trocknen, aber nicht jede sieht danach noch gut aus. Am besten funktionieren Arten mit von Natur aus wenig Wasser in den Blütenblättern, also alles, was papierartig, strohig oder samenständig ist.

Die Klassiker fürs Beet:

  • Strohblume (Helichrysum): die Trockenblume schlechthin, in Weiß, Gelb, Orange, Rosa und Rostrot, erntereif von August bis Oktober.
  • Statice (Meerlavendel, Limonium): papierne Blüten, die ihre Farbe nahezu unverändert behalten.
  • Schleierkraut: luftiger Füller, der jedem Strauß Volumen gibt.
  • Lavendel: hält Form und Duft und ist einer der dankbarsten Kandidaten.
  • Hortensie: die großen Dolden sind perfekte Blickfänger, am besten spät im Jahr ernten, wenn sie sich schon pergamentartig anfühlen.
  • Rittersporn: bringt die seltene Farbe kräftiges Blau in den getrockneten Strauß.
  • Schafgarbe (Achillea): flache Dolden in Gelb und Rostrot, extrem formstabil.
  • Silberblatt (Lunaria): die durchscheinenden Samenstände sind ein Deko-Klassiker für den Winter.

Dazu kommen Ziergräser, Fenchel- und Alliumsamenstände sowie Mohnkapseln, die als Struktur wirken. Auch Rosen, Dahlien, Ringelblumen und Kornblumen lassen sich trocknen, brauchen aber meist die Silicagel-Methode, um Form und Farbe zu halten.

Verschiedene trocknungsgeeignete Blumen wie Strohblume, Statice, Schleierkraut, Hortensie, Lavendel und Schafgarbe liegen sortiert auf Leinen.
Papierartige Blueten und Samenstaende halten die Farbe am besten

Kopfüber an der Luft trocknen

Das Lufttrocknen ist die einfachste und günstigste Methode und für Strohblume, Statice, Lavendel, Schleierkraut und die meisten Gräser die erste Wahl. Du brauchst nichts außer den Blumen, etwas Bindegarn und einem passenden Raum.

So geht es: Entferne die unteren Blätter und binde die Stiele zu kleinen, lockeren Bündeln, nach Sorten sortiert. Kleine Bündel trocknen gleichmäßiger und schimmeln seltener als dicke Büschel. Häng sie kopfüber auf, damit die Stiele gerade bleiben und nicht zur Blüte hin abknicken. Der ideale Ort ist dunkel, trocken und gut durchlüftet, etwa ein Dachboden, ein Abstellraum oder eine Kammer. Dunkelheit ist dabei kein Detail, sondern der wichtigste Punkt für die Farbe.

Je nach Art und Luftfeuchtigkeit dauert das Ganze zwei bis vier Wochen. Fertig ist eine Blume, wenn sich Stiel und Blüte trocken und leicht raschelnd anfühlen. Kontrolliere zwischendurch, ob das Garn beim Schrumpfen der Stiele nicht einschneidet, und zieh es bei Bedarf nach.

Kleine Blumenbuendel haengen kopfueber an einem Holzbalken in einem luftigen, halbdunklen Dachraum zum Trocknen.
Kopfueber und im Dunkeln bleiben Stiele gerade und Farben kraeftig

Mit Silicagel trocknen: für pralle Farben und Form

Wenn du dreidimensionale Blüten wie Rosen, Dahlien, Pfingstrosen oder Ringelblumen erhalten willst, ist Silicagel die beste Methode. Das feine Granulat entzieht der Blüte die Feuchtigkeit, stützt sie dabei aber von innen, sodass sie nicht in sich zusammenfällt. Das Ergebnis: die Farbe bleibt fast wie frisch, und die Form bleibt voll.

Und so funktioniert es: Fülle eine luftdichte Dose ein paar Zentimeter hoch mit Silicagel. Schneide die Stiele kurz, entferne Laub und setze die Blüten hinein, große kopfüber oder aufrecht, flache mit der Blüte nach oben. Riesele dann vorsichtig weiteres Granulat über und zwischen die Blütenblätter, bis alles komplett bedeckt ist. Verschließe die Dose und stell sie kühl und trocken. Nach fünf bis vierzehn Tagen sind die Blüten fertig. Gieße das Granulat vorsichtig ab und pinsle Reste mit einem weichen Pinsel weg.

Silicagel gibt es im Bastelbedarf, oft mit Farbindikator, der anzeigt, wenn das Granulat gesättigt ist. Praktisch: Es lässt sich im Backofen wieder trocknen und viele Male wiederverwenden. Als günstigere Alternative funktioniert auch unparfümiertes Katzenstreu aus Silikat, für empfindliche Blüten ist das feine Silicagel aber die sanftere Wahl.

Eine Rose und eine Dahlie werden in einer luftdichten Dose vorsichtig mit weissem Silicagel bedeckt, daneben ein weicher Pinsel.
Silicagel stuetzt die Bluete von innen und eignet sich fuer pralle, dreidimensionale Formen

Blüten pressen für Karten und Rahmen

Gepresste Blüten sind kein Strauß, aber eine schöne Verwertung für zarte, flache Blumen wie Stiefmütterchen, Veilchen, Cosmea oder einzelne Blütenblätter. Sie eignen sich für Grußkarten, Lesezeichen, Bilderrahmen und Serviettentechnik.

Leg die Blüte zwischen zwei Lagen saugfähiges Papier, etwa Löschpapier oder Küchenkrepp, und richte sie so aus, wie sie später aussehen soll. Dann kommt das Ganze in ein dickes, schweres Buch, beschwert mit weiteren Büchern. Nach ein paar Tagen lohnt ein Blick: Ist das Papier feucht, tausch es aus, damit sich kein Schimmel bildet. Nach zwei bis vier Wochen sind die Blüten flach und trocken. Heb sie flach in einer luftdichten Dose auf, bis du sie brauchst. Wer es eilig hat, presst zwischen zwei Keramikfliesen für rund zwei Minuten in der Mikrowelle, das erfordert aber etwas Fingerspitzengefühl.

Gepresste Veilchen und Cosmea liegen flach zwischen Pergamentpapier in einem dicken Buch, daneben eine gestaltete Karte.
Flach gepresst werden zarte Blueten zu Deko fuer Karten und Bilderrahmen

Express-Methode: Backofen und Mikrowelle

Wenn es schnell gehen muss, hilft Wärme, allerdings ist das die riskanteste Variante. Zu viel Hitze lässt die Blüten schrumpeln, verbrennt die Ränder oder bräunt die Farbe. Der Trick liegt in niedriger Temperatur und Geduld.

Im Backofen legst du die Blüten einlagig auf ein Blech und trocknest sie bei rund 30 bis 40 Grad mit einem Kochlöffel in der Tür, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Umluft hilft, wenn sie sich niedrig genug einstellen lässt. Je nach Blüte dauert das mehrere Stunden, also nicht nebenbei laufen lassen, sondern regelmäßig kontrollieren. Noch gleichmäßiger arbeitet ein Dörrautomat: Die niedrigste Stufe eignet sich gut, weil die Temperatur konstant bleibt und die Luft zirkuliert. Für die schnelle Presstechnik funktioniert auch die Mikrowelle zwischen zwei Fliesen, dann aber nur in sehr kurzen Intervallen.

Blueten liegen auf einem Backblech bei leicht geoeffneter Ofentuer, im Hintergrund ein Doerrautomat mit Bluetentabletts.
Nur niedrige Hitze und offene Tuer, sonst schrumpeln die Blueten

Farbe halten, Schimmel vermeiden, Sträuße pflegen

Egal welche Methode: Zwei Dinge entscheiden über die Haltbarkeit. Das erste ist Dunkelheit. Licht und direkte Sonne bleichen getrocknete Blumen schneller aus, als einem lieb ist. Trockne deshalb im Dunkeln und stell den fertigen Strauß später an einen halbschattigen Platz, nicht auf die sonnige Fensterbank. So bleiben die Farben monatelang lebendig.

Das zweite ist gute Luft. Feuchtigkeit im Bündel ist die Hauptursache für Schimmel, deshalb kleine Bündel binden, gut durchlüften und nur vollständig getrocknete Blumen einlagern. Wer Blüten längere Zeit aufbewahren will, gibt sie mit einem Trockenmittelbeutel in eine luftdichte Dose.

Beim Trocknen werden Blüten oft leicht zusammengedrückt. Ein warmer Wasserdampf, etwa aus einem kleinen Luftbefeuchter, hilft: Halte die Blüte ein paar Sekunden in den Dampf und forme die Blätter vorsichtig zurück, dann vollständig trocknen lassen, bevor du bindest. Zum Schluss brauchen Trockensträuße nur wenig Pflege. Ab und zu vorsichtig den Staub abpusten oder mit einem weichen Pinsel abnehmen, sonst nichts. Auf diese Weise trägt ein einziger Sommertag im Garten die Farbe des Beets bis weit in den nächsten Frühling.

Ein fertiger Trockenstrauss steht in einer Keramikvase im Halbschatten, eine Hand richtet eine Bluete mit etwas Wasserdampf.
Halbschatten statt Fensterbank haelt die Farben monatelang lebendig
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