Gemüse

Buschbohnen im Pflanzturm: 60 Pflanzen auf einem Quadratmeter

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Bohnen gehören für mich zu den dankbarsten Gemüsen überhaupt – nur fressen sie im Beet viel Platz. Stangenbohnen klettern zwar in die Höhe, brauchen aber ein stabiles Gerüst, und Buschbohnen breiten sich flach aus. Die Lösung, mit der ich seit ein paar Jahren die beste Ernte pro Fläche hole, ist ein Pflanzturm: gestapelte Pflanzgefäße mit einzelnen Taschen, in die ich meine liebsten Buschbohnen setze. Das Ergebnis ist verblüffend – und für Balkon, Terrasse oder einen winzigen Garten fast die einzige Möglichkeit, sich richtig satt an frischen Bohnen zu ziehen.

Warum Buschbohnen im Turm mehr bringen als Stangenbohnen am Beet

Vergleich zwischen einem kleinen Bohnenbeet mit wenigen Stangenbohnen und einem dicht bepflanzten Pflanzturm mit vielen Buschbohnen.
Buschbohnen brauchen keine Rankhilfe – gestapelt bringen sie deutlich mehr pro Fläche.

Buschbohnen bleiben mit 30 bis 50 Zentimetern niedrig und brauchen keine Rankhilfe – genau das macht sie fürs Stapeln perfekt. In einen typischen Pflanzturm mit einzelnen Taschen setze ich zwei Pflanzen pro Tasche. Über alle Etagen komme ich so auf rund 60 Pflanzen auf gut einem Quadratmeter Stellfläche. Zum Vergleich: Auf derselben Grundfläche im Beet wären es mit Stangenbohnen am Gerüst vielleicht 18 bis 24 Pflanzen.

Der Trick ist simpel: Der Turm nutzt Luft statt Boden. Statt sich in die Fläche auszudehnen, wächst die Ernte nach oben. Und weil die Bohnen aus dem Beet verschwinden, wird dort Platz frei für alles, was wirklich breit werden will – Rosenkohl, Kohlrabi oder Kürbis. Am Ende ernte ich mehr Bohnen als vorher und habe trotzdem mehr Beet übrig.

Den richtigen Pflanzturm auswählen

Hände befüllen die einzelnen Pflanztaschen eines noch leeren, gestapelten Pflanzturms mit dunkler Erde.
Jede Etage braucht genug Substrattiefe und Löcher, durch die Wasser ablaufen kann.

Nicht jeder Turm taugt für Gemüse. Worauf es ankommt: Jede Etage sollte mindestens 20 bis 25 Zentimeter Substrattiefe bieten, sonst wurzeln die Bohnen zu flach und trocknen ständig aus. Ebenso wichtig sind Abzugslöcher an jeder Tasche – Staunässe lässt die Wurzeln faulen, und im geschlossenen Gefäß passiert das schneller als im Beet.

Achte außerdem auf Standfestigkeit: Ein voll bepflanzter, gewässerter Turm ist erstaunlich schwer und kopflastig. Ein breiter Fuß oder eine Bewässerung, die von oben durch alle Etagen sickert, macht das Leben leichter. Stell den Turm an einen sonnigen, warmen Platz – Bohnen wollen Wärme, im Halbschatten bleiben die Erträge mager. Material ist Geschmackssache; robuster recycelter Kunststoff oder Terrakotta halten beide viele Jahre.

Torffreie Erde – und warum Bohnen ihren Dünger selbst machen

Behandschuhte Hände halten dunkle torffreie Erde neben einem Bohnenwurzelballen mit kleinen rundlichen Knöllchen an den hellen Wurzeln.
Die kleinen Knöllchen an den Wurzeln sind die hauseigene Stickstofffabrik der Bohne.

Fülle den Turm mit einer guten torffreien Gemüseerde. Torf abzubauen zerstört wertvolle Moore und setzt viel CO₂ frei – für ein Gemüse, das ohnehin genügsam ist, gibt es keinen Grund dazu. Bohnen sind nämlich Leguminosen und damit Schwachzehrer: Sie leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobium), die sich an ihren Wurzeln ansiedeln und Stickstoff direkt aus der Luft binden. Die Pflanze düngt sich in Sachen Stickstoff also weitgehend selbst.

Für dich heißt das: Zu viel stickstoffreicher Dünger ist kontraproduktiv. Er treibt üppiges Laub, aber wenig Hülsen. In frischer Topferde fehlen die passenden Bakterien manchmal noch. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann das Saatgut vor der Aussaat mit einem Rhizobium-Impfmittel behandeln – Pflicht ist das nicht, aber es hilft besonders dort, wo vorher nie Bohnen standen.

Aussaat nach den Eisheiligen: zwei Samen pro Tasche

Zwei pralle Bohnensamen werden mit dem Finger etwa zwei Zentimeter tief in die feuchte Erde einer Pflanztasche gedrückt.
Zwei Samen pro Tasche – so füllt sich der Turm später ohne Lücken.

Bohnen sind frostempfindlich und keimen nur in warmer Erde. Säe deshalb erst nach den Eisheiligen Mitte Mai, wenn kein Nachtfrost mehr droht und die Erde mindestens 10 Grad hat. Steck in jede Tasche zwei Samen, rund zwei bis drei Zentimeter tief, und halte die Erde gleichmäßig feucht. Nach etwa acht bis vierzehn Tagen zeigen sich die kräftigen Keimlinge.

Wer früher starten will, zieht die Bohnen zwei bis drei Wochen im Haus in kleinen Töpfen vor und setzt sie nach den Eisheiligen um – das bringt die Ernte spürbar nach vorne. Und wer den ganzen Sommer ernten möchte, sät gestaffelt nach: Bis Ende Juli lassen sich Buschbohnen noch legen, dann gibt es frische Hülsen bis in den Oktober. Nach dem Auflaufen häufle ich die jungen Pflanzen bei etwa 10 Zentimetern Höhe leicht an, das gibt ihnen im Turm zusätzlichen Halt.

Gießen – der kritische Punkt im Turm

Eine Person gießt am Morgen die oberste Etage eines Pflanzturms mit Buschbohnen, das Wasser sickert zu den Wurzeln nach unten.
Morgens gießen und ans Untere denken – die oberen Etagen trocknen am schnellsten aus.

Das ist die Stelle, an der Turmkultur anders funktioniert als das Beet: Die kleinen Erdmengen in den Taschen trocknen schnell aus, und die oberen Etagen zuerst. An heißen Tagen gieße ich täglich, in Hitzeperioden auch morgens und abends. Die alte Beet-Faustregel „einmal die Woche durchdringend“ gilt im Turm nicht.

Gieße am besten morgens und immer an die Basis der Pflanzen, nicht über die Blätter. Nasses Laub am Abend ist eine Einladung für Pilzkrankheiten wie Brennfleckenkrankheit oder Rost. Besonders wichtig wird die gleichmäßige Wasserversorgung während der Blüte und der Hülsenbildung – gerät die Pflanze da unter Trockenstress, wirft sie Blüten ab und die Ernte bricht ein. Eine Mulchschicht und ein Turm, dessen Bewässerung das Wasser nach unten durchreicht, nehmen dir hier viel Arbeit ab.

Mulchen und ab der Blüte richtig düngen

Buschbohnen in einer Turmetage mit einer dünnen Schicht angetrockneten Rasenschnitts um die Stängel und ersten weißen Blüten.
Ab der Blüte zählen Kalium und Phosphor – Stickstoff besorgt die Pflanze selbst.

Sobald die Sämlinge ein paar Zentimeter hoch sind, lege ich eine dünne, leichte Mulchschicht um die Stängel – angetrockneter Rasenschnitt oder feiner Häcksel eignen sich gut. Der Mulch hält die Feuchtigkeit im Substrat, kühlt die Wurzeln und dämmt Unkraut. Wähle ihn nur fein und locker genug, damit die zarten Keimlinge noch durchkommen.

Beim Düngen gilt die Bohnenregel: Stickstoff besorgt die Pflanze selbst, gefragt sind Kalium und Phosphor. Diese beiden Nährstoffe fördern Blüten und Hülsen. Sobald die ersten Blüten aufgehen, gebe ich deshalb einen kaliumbetonten organischen Dünger – etwa verdünnte Beinwelljauche oder einen organischen Tomatendünger. Im Beet düngt man Bohnen kaum, im begrenzten Turm-Substrat ist eine maßvolle Nachdüngung ab der Blüte aber sinnvoll, weil die Nährstoffe hier schneller erschöpft und ausgewaschen sind.

Ernten und richtig zubereiten

Hände pflücken junge grüne und gelbe Bohnenhülsen von einem Pflanzturm in einen Weidenkorb, viele Hülsen hängen noch an den Pflanzen.
Regelmäßig junge Hülsen pflücken hält die Pflanze wochenlang in Produktion.

Je nach Sorte kannst du etwa acht bis zehn Wochen nach der Aussaat zum ersten Mal ernten, frühe Sorten schaffen es in gut sechs Wochen. Pflücke die Hülsen jung und zart, solange die Samen darin noch nicht dick durchgedrückt sind. Das Wichtigste: regelmäßig ernten. Jede reife Hülse, die du an der Pflanze lässt, signalisiert ihr „fertig“ – erntest du dagegen alle paar Tage ab, schiebt sie über Wochen immer neue Blüten und Hülsen nach.

Ein Punkt, der oft untergeht: Rohe grüne Bohnen sind giftig. Sie enthalten das Eiweiß Phasin, ein Lektin, das Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen kann. Deshalb Bohnen immer gut durchgegart essen – etwa zehn bis fünfzehn Minuten sprudelnd kochen zerstört das Phasin zuverlässig, das Kochwasser gießt du weg. Sanftes Dünsten reicht dafür nicht. Was du nicht sofort verbrauchst, lässt sich nach kurzem Blanchieren prima einfrieren.

Kompakte Sorten für den Pflanzturm

Frisch geerntete Bohnenhülsen nach Sorten sortiert auf einem Holztisch: grüne, gelbe, violette und gesprenkelte Hülsen.
Grün, Gelb, Violett oder gesprenkelt – im Turm lassen sich mehrere Sorten mischen.

Fürs Stapeln eignen sich alle klassischen Buschbohnen, weil sie von Natur aus kompakt bleiben. Bewährt haben sich bei mir die grüne, frühe ‚Saxa‘ und die langhülsige, zarte ‚Maxi‘. Wer Farbe mag, nimmt ‚Berggold‘, eine goldgelbe Wachsbohne, oder ‚Purple Teepee‘ mit violetten Hülsen – letztere sind zwischen dem grünen Laub herrlich leicht zu finden und werden beim Kochen grün. Für Trockenbohnen zum Einlagern passen borlotto-artige Sorten mit gesprenkelten Kernen.

Achte beim Kauf auf samenfestes, torffrei und regional gezogenes Saatgut – bei Anbietern wie Bingenheimer, ReinSaat oder Sperli wirst du fündig. Ein schöner Nebeneffekt des Turms: Du kannst mehrere Sorten gleichzeitig ziehen und Etage für Etage grüne, gelbe und violette Hülsen mischen, ohne dass es im Garten mehr Platz kostet.

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Foto des Autors

Ich habe das Projekt Pflanzentanzen ins Leben gerufen, weil ich mich gerne im Garten & auf dem Balkon als Hobby-Gemüse-Gärtner austobe. Am liebsten nerve ich meine Freundin damit, unseren Balkon mit Tomaten, Chillies und Snackgurken zu verwuchern.

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