Zierpflanzen

Sommerspiere im Hochsommer ausputzen: So kommt die zweite Blüte

Warum die Japanische Spiere nach einem kurzen Schnitt im Juli noch einmal blüht, welche Spiere du dafür ausputzen darfst und wie du dabei vorgehst.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 5. August 20268 Min Lesezeit
Sommerspiere im Hochsommer ausputzen: So kommt die zweite Blüte

Die Japanische Spiere ist einer dieser Sträucher, die im Juni loslegen, den halben Garten in Rosa tauchen und dann Mitte Juli einfach aufhören. Muss sie aber nicht. Mit einem Schnitt, der bei einem ausgewachsenen Strauch keine zehn Minuten dauert, holst du dir eine zweite Blüte, die bis in den Herbst reicht. Der Trick ist simpel, aber er funktioniert nur bei der richtigen Spiere und nur zum richtigen Zeitpunkt.

Warum ein Sommerschnitt die Spiere erneut zum Blühen bringt

Zweig einer Sommerspiere mit braun verblühten Dolden direkt neben frisch rosa aufgehenden Blütenknospen.
Fällt der Samenansatz weg, steckt die Pflanze ihre Kraft zurück in neue Blüten

Eine Blüte ist für die Pflanze kein Selbstzweck, sondern der Weg zum Samen. Sobald die rosaroten Dolden verblüht sind, schaltet die Spiere um und steckt ihre Energie in die Samenreife. Für sie ist die Sache damit erledigt: Auftrag erfüllt, kein Grund, noch einmal zu blühen.

Genau da setzt du an. Schneidest du die verblühten Blütenstände weg, bevor die Samen reifen, fehlt der Pflanze der Abschluss. Sie reagiert, als wäre die Fortpflanzung noch nicht gelaufen, und schiebt neue Blütenknospen nach. Das ist derselbe Mechanismus, den du vom Ausputzen der Stauden kennst, nur dass ein Strauch länger durchhält und den ganzen Spätsommer nachlegen kann. Du überlistest die Spiere also nicht mit Chemie oder Dünger, sondern mit einer Schere und dem richtigen Timing.

Nur die Sommerspiere reagiert — Frühjahrsblüher nicht ausputzen

Vergleich zweier Spieren: links rosarote Doldenblüten der Sommerspiere, rechts weiße Blüten der Frühjahrsspiere an überhängenden Zweigen.
Rosa Dolden an den Triebspitzen heißt ausputzen, weiße Bögen im Mai heißt Finger weg

Bevor du zur Schere greifst, musst du wissen, welche Spiere vor dir steht, denn der Trick klappt nur bei den Sommerblühern. Das ist vor allem die Japanische Spiere (Spiraea japonica) mit ihren flachen, rosa bis karminroten Doldenrispen an den Triebspitzen. Sie und ihre Sorten blühen am diesjährigen Holz, also an dem, was in dieser Saison neu ausgetrieben ist. Bekannte Namen sind 'Anthony Waterer' mit dunkelrosa Blüten, 'Little Princess' als kompakte Kissenform, 'Froebelii', 'Goldflame' und 'Magic Carpet' mit farbigem Laub oder 'Shirobana', die weiße und rosa Blüten am selben Strauch trägt. Alle diese Sorten kannst du ausputzen und zur Nachblüte bringen.

Die weiß blühenden Frühlingsspieren dagegen lässt du in Ruhe. Prachtspiere und Schneespiere, im Handel oft als Brautspiere verkauft, blühen im Mai an überhängenden Zweigen und setzen ihre Knospen bereits im Vorjahr am alten Holz an. Schneidest du sie im Sommer, kappst du die Blüte fürs nächste Frühjahr. Diese Sträucher schneidest du ausschließlich direkt nach der Blüte im Mai oder Juni, und ein Ausputzen für eine zweite Blüte gibt es bei ihnen nicht. Die einfache Merkregel: Rosa Dolden an den Spitzen im Sommer darfst du ausputzen, weiße Blütenbögen im Frühling nicht.

Der richtige Zeitpunkt: nach der ersten Blüte

Sommerspiere im Juli mit überwiegend verblühten, braun werdenden Blütendolden im warmen Sonnenlicht.
Sobald die erste Blüte braun kippt, meist im Juli, ist der Moment zum Ausputzen da

Der Startschuss ist der Moment, in dem die erste Blüte deutlich abkippt. In den meisten Gärten ist das Mitte bis Ende Juli, in milden Weinbaulagen eher etwas früher, im rauen Alpenvorland oder in Höhenlagen ein paar Tage später. Verlass dich nicht auf den Kalender, sondern auf den Strauch: Wenn die Mehrzahl der Dolden von Rosa in ein stumpfes Braun umschlägt, ist der Zeitpunkt da.

Warte nicht zu lange. Sind die Samen erst gereift, ist die Pflanze mit dem Programm durch, und ein später Schnitt bringt dann keinen so kräftigen Nachschub mehr. Umgekehrt musst du nicht auf die letzte verblühte Dolde warten, ein kleiner Anteil frischer Blüten stört den Schnitt nicht. Wichtig ist nur, dass du vor der Samenreife dran bist, denn genau das ist der Hebel für die zweite Runde.

Zwei Wege: laufend oder in einem Rutsch

Hände putzen mit einer kleinen Schere einzelne verblühte Blütenköpfe einer Sommerspiere aus, dahinter ein glatt geschorener Strauch.
Entweder laufend einzelne Dolden abknipsen oder den ganzen Strauch in einem Durchgang scheren

Für die Nachblüte gibt es zwei Arbeitsweisen, und beide führen zum Ziel. Beim laufenden Ausputzen knipst du einzelne verblühte Dolden ab, sobald sie braun werden, über die ganzen Wochen verteilt. Das hält den Strauch durchgehend adrett und liefert eine gleichmäßige, tröpfchenweise Blüte. Der Preis ist, dass du immer wieder ran musst.

Der zweite Weg ist der Sommerschnitt in einem Durchgang. Du wartest, bis der Großteil der ersten Blüte durch ist, und nimmst dann den ganzen Strauch auf einmal vor. Das ist die Methode für alle, die nicht ständig mit der Schere um den Busch schleichen wollen: einmal zehn Minuten investiert, danach schiebt die Spiere geschlossen nach. Bei größeren oder mehreren Sträuchern ist das klar die entspanntere Variante, und optisch bekommst du einen gleichmäßigen zweiten Schub statt vieler kleiner Nachzügler.

Egal welchen Weg du wählst, stell dich auf eine ehrliche Erwartung ein: Die zweite Blüte fällt schwächer aus als die erste. Sie ist ein hübscher Bonus für den Spätsommer, kein zweiter Volltreffer. Wer das weiß, ist nicht enttäuscht, sondern freut sich über die Zugabe.

So schneidest du die Sommerspiere richtig

Scharfe Bypass-Gartenschere schneidet einen Spierentrieb dicht über einem gesunden grünen Blattpaar ab.
Immer knapp über einem Blattpaar oder einer Seitenknospe schneiden, nie in den kahlen Trieb

Nimm eine scharfe, saubere Gartenschere, bei kleinlaubigen Sorten geht auch eine feine Heckenschere. Sauber heißt: vorher Klingen abwischen und bei Bedarf desinfizieren, damit du keine Pilzsporen von Strauch zu Strauch trägst. Eine stumpfe Schere quetscht die Triebe, und quetschte Schnittstellen sind Einfallstore für Krankheiten.

Setz die Schere knapp unter der verblühten Dolde an, und zwar direkt über dem nächsten gesunden Blattpaar oder einer Seitenknospe. Von dort treibt die Spiere neu aus. Wer es dichter und runder mag, geht ein bis zwei Fingerbreit tiefer und formt den Strauch beim Ausputzen gleich mit, indem er überstehende Triebe einkürzt. Schneide nie in den kahlen, blattlosen Bereich der Zweige, dort bricht der Neuaustrieb nur zögerlich. Für einen ausgewachsenen Strauch brauchst du in einem Rutsch etwa zehn Minuten, mehr Wissenschaft steckt nicht dahinter.

Nachdüngen, damit die zweite Blüte auch kommt

Hand verteilt dunklen, krümeligen Kompost rund um den Fuß eines Spierenstrauchs auf dem Beetboden.
Eine Handvoll Kompost nach dem Schnitt liefert die Energie für den zweiten Blütenschub

Zweimal blühen kostet die Pflanze Kraft, und die musst du ihr zurückgeben. Am nachhaltigsten machst du das mit einer Handvoll reifem Kompost, den du flach in den Wurzelbereich einarbeitest und leicht angießt. Der Kompost liefert Nährstoffe langsam und verbessert nebenbei den Boden. Wer mag, ergänzt einen organischen Dünger, der nicht nur auf Stickstoff setzt, sondern auch Kalium enthält, denn Kalium unterstützt die Blütenbildung, während reiner Stickstoff vor allem Blattmasse treibt.

Den Grundstein legst du schon im Frühjahr: eine Gabe reifer Kompost oder ein paar Hornspäne beim Austrieb versorgen den Strauch über die erste Blüte hinweg. Die zweite, leichte Portion nach dem Sommerschnitt ist dann der gezielte Schub für die Nachblüte. Übertreib es nicht, die Japanische Spiere ist ein genügsamer Strauch, der auf normalem Gartenboden oft ganz ohne Zusatzdünger auskommt. Zu viel Dünger bringt dir weiches, anfälliges Wachstum statt mehr Blüten, und dünnt der Regen den überschüssigen Stickstoff ins Grundwasser aus, hat niemand etwas davon.

Eine Regel ist dabei fest: Ab August keinen Stickstoff mehr. Was jetzt noch frisch austreibt, muss bis zum Frost ausreifen und verholzen. Späte Düngergaben treiben weiches Holz, das der erste Kälteeinbruch zurückfrieren lässt.

Wann du aufhörst — und die letzten Blüten stehen lässt

Sommerspiere im Herbst mit rostbraunen trockenen Samenständen und rötlich gefärbtem Laub im flachen Morgenlicht.
Die letzten Dolden stehen lassen: Sie sind Winterschmuck und Vogelnahrung zugleich

Irgendwann im Frühherbst stellst du das Ausputzen ein. Sobald die Spiere spürt, dass die Tage kürzer werden, fährt sie ohnehin herunter und bereitet sich auf die Winterruhe vor. Jetzt noch zu schneiden würde nur weichen Neuaustrieb anregen, der den ersten Frösten nicht standhält.

Lass die letzten Blüten deshalb bewusst stehen. Sie reifen zu Samen, und die trockenen Samenstände sind gleich doppelt wertvoll: Sie sehen mit Raureif überzogen im Winterbeet schön aus und liefern Vögeln in der kalten Jahreszeit etwas Nahrung. Dazu kommt der Wert der Blüte selbst. Die offenen Doldenblüten der Sommerspiere werden von Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen angeflogen, weil sie über Wochen leicht erreichbaren Nektar liefern. Wer bis in den Herbst blühen lässt, verlängert diese Nektarquelle genau in die Zeit, in der im Garten sonst wenig blüht.

Ehrlich bleiben gehört aber dazu: Die Japanische Spiere ist ein eingeführtes Gehölz, keine heimische Art. Sie ist ein netter Nektarspender im Hochsommer, aber keine spezialisierte Wildbiene ist auf sie angewiesen. Wenn du ohnehin neu pflanzt und den Insekten etwas Gutes tun willst, sind heimische Blühgehölze wie Weißdorn oder Gemeiner Schneeball die wertvollere Wahl. Steht die Spiere schon im Garten, ist sie als Ergänzung trotzdem willkommen.

Vergreiste Spiere: der Verjüngungsschnitt im Frühjahr

Im Frühjahr auf etwa 20 Zentimeter zurückgeschnittene Sommerspiere mit kurzen Stummeln und ersten austreibenden Knospen.
Alle paar Jahre radikal auf den Stock setzen, dann treibt die Sommerspiere wieder dicht durch

Das sommerliche Ausputzen hält die Blüte am Laufen, ersetzt aber nicht den großen Schnitt. Weil die Japanische Spiere am diesjährigen Holz blüht, verträgt und braucht sie im zeitigen Frühjahr einen kräftigen Rückschnitt. Der beste Termin ist Februar oder März, bevor der Neuaustrieb loslegt, an einem frostfreien Tag.

Kürz den ganzen Strauch dann beherzt auf etwa 15 bis 20 Zentimeter ein und nimm totes, dünnes oder sich kreuzendes Holz komplett heraus. Das klingt radikal, ist für diesen Strauch aber genau richtig: Aus der Basis treiben kräftige neue Ruten, die im selben Jahr blühen und den Strauch dicht und kompakt halten. Verzichtest du Jahr für Jahr darauf, verkahlt die Spiere von innen, wird sperrig und blüht nur noch an den Spitzen. Ein solcher Verjüngungsschnitt alle paar Jahre, kombiniert mit dem Ausputzen im Sommer, hält die Sommerspiere über Jahrzehnte in Form und Blüte.

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