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Amarant anbauen und ernten: Zierpflanze, Blattgemüse und Korn in einem

Amarant liefert Blätter wie Spinat, Körner wie Quinoa und Blütenschweife fürs Beet. Aussaat, Standort, Ernte und Verarbeitung – alles in einem Guide.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 12. Oktober 202610 Min Lesezeit
Amarant anbauen und ernten: Zierpflanze, Blattgemüse und Korn in einem

Es gibt wenige Pflanzen, bei denen man im Juni Blattgemüse schneidet, im August eine Blütenkerze bewundert, die den halben Vorgarten überragt, und im Oktober eine Tüte Körner in den Küchenschrank stellt. Amarant kann das alles – und steht in deutschen Gärten trotzdem fast nur als Zierpflanze, weil kaum jemand weiß, dass man ihn auch essen darf.

Dabei ist Amarant genau die Art Kultur, die in heißen, trockenen Sommern noch liefert, wenn der Salat längst geschossen ist. Er wurzelt tief, verträgt Hitze, braucht wenig Wasser und wächst in einer Saison von der Fensterbank bis auf zwei Meter. Was du brauchst: eine sonnige Ecke, etwas Geduld beim Dreschen und die Bereitschaft, im Frühjahr ein paar hundert Sämlinge wieder herauszuziehen.

Amarant ist nicht Kugelamarant

Die erste Hürde steht schon im Gartencenter. Dort liegen zwei völlig verschiedene Pflanzen unter ähnlichen Namen: Der echte Amarant (Amaranthus) – bei uns auch Fuchsschwanz genannt – bildet lange, dichte Blütenschweife oder aufrechte Kerzen und große, weiche Blätter. Der Kugelamarant (Gomphrena globosa) dagegen trägt kleine, papierartige Pompon-Blüten auf drahtigen Stielen und hat schmales, hartes Laub.

Beide sind einjährig, beide schön. Aber nur Amaranthus ist eine Nutzpflanze. Wenn auf dem Etikett „Gomphrena" steht, hast du eine reine Trockenblume gekauft – kein Blattgemüse und keine Körner.

Links eine schlanke Amarantpflanze mit langen hängenden Blütenschweifen, rechts ein kompakter Kugelamarant mit kleinen runden Pompon-Blüten.
Zwei Pflanzen, ein Name im Handel – nur die linke landet auf dem Teller

Innerhalb der Gattung lohnt es sich, die Namen einmal sortiert zu haben, weil die Sortenbezeichnungen im Handel durcheinandergehen:

  • Amaranthus caudatus – Garten-Fuchsschwanz, die bekannte Form mit den langen, hängenden Schweifen
  • Amaranthus cruentus – Rispen-Fuchsschwanz, aufrechtere Blütenstände, verbreitetste Körnerart
  • Amaranthus hypochondriacus – Trauer-Fuchsschwanz, straffe Kerzen, die besten Korn-Erträge in kühleren Sommern
  • Amaranthus tricolor und Amaranthus blitum – Gemüse-Amarant, auf Blattmasse selektiert, bleibt niedriger

Einjährig – und kommt trotzdem jedes Jahr wieder

Amarant ist eine frostempfindliche einjährige Pflanze. Der erste Nachtfrost im Oktober beendet sie zuverlässig. Trotzdem musst du in der Regel nur einmal säen: Amarant hat eine ausgeprägte Neigung zur Selbstaussaat, und eine einzige ausgereifte Pflanze bringt je nach Art 100.000 bis 200.000 Samen hervor.

Im folgenden April stehen dann Hunderte winzige Sämlinge mit rötlichen Stängeln dort, wo letztes Jahr die Mutterpflanze war. Die guten behältst du, die anderen wanderst du als Microgreens in den Salat oder auf den Kompost. Wer das nicht will, schneidet die Fruchtstände konsequent ab, bevor sie aufplatzen.

Ein Wort zur Herkunft, weil es erklärt, warum die Pflanze so robust ist: Amarant stammt aus Mittel- und Südamerika und war dort über Jahrtausende Grundnahrungsmittel – bei Mayas, Azteken und Inka stand er neben Mais und Bohnen. Nach der Kolonialisierung wurde der Anbau untersagt und geriet für mehrere Jahrhunderte in Vergessenheit. Was heute als „Superfood-Neuheit" im Regal steht, ist also eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt.

Dutzende winzige Amarantsämlinge mit rötlichen Stängeln keimen dicht an dicht aus dunkler Erde neben einem alten Pflanzenstängel.
Einmal ausgesamt, kommt Amarant jedes Jahr von selbst – manchmal reichlicher als gewünscht

Blätter ernten: das Spinat-Gemüse, das keiner kennt

Die erste Ernte liegt lange vor der Blüte. Etwa acht Wochen nach der Aussaat kannst du die ersten Blätter schneiden – bei Gemüsesorten wie Amaranthus tricolor sogar schon früher als Baby-Leaf.

Die Faustregel: Junge Blätter bis etwa zehn Zentimeter Länge sind zart genug für die rohe Verwendung. Sie schmecken mild, leicht erdig, ein bisschen wie junger Mangold, und passen in Salat, Pesto oder aufs Brot. Alles was größer ist, gehört in die Pfanne oder in den Topf: Suppe, Eintopf, Curry, Spinat-Ersatz in der Gemüsequiche.

Ältere Blätter solltest du vor dem Verzehr blanchieren. Wie viele Blattgemüse lagert Amarant mit zunehmendem Alter Oxalsäure und Nitrat in den Blättern ein; zwei Minuten kochendes Wasser und abgießen entschärfen das deutlich. Das ist derselbe Grund, aus dem du großen Spinat nicht roh in Mengen isst.

Am besten schneidest du zwischen Juni und Juli, bevor die Pflanze in die Blüte geht. Wer die Triebspitzen regelmäßig köpft, bekommt mehr Seitentriebe und ernte-fähigere Blätter – allerdings auf Kosten der Blütenkerze. Entscheide dich pro Pflanze: eine für die Küche, eine für die Optik.

Hände schneiden junge, etwa zehn Zentimeter lange Amarantblätter von einer buschigen grün-roten Pflanze, vorne ein flacher Korb mit geernteten Blättern.
Jung geschnitten schmecken die Blätter mild – alte brauchen heißes Wasser

Auch die Blütenstände selbst sind essbar, solange sie noch im Knospenstadium sind – von Juli bis September. Gedünstet erinnern sie an Brokkoli-Röschen, nur zarter. Das ist der Teil, den fast niemand nutzt und der am meisten überrascht.

Die Körner: Pseudogetreide, das kein Getreide ist

Amarant gehört botanisch zu den Fuchsschwanzgewächsen, nicht zu den Gräsern. Er ist damit – wie Quinoa und Buchweizen – ein Pseudogetreide: Man nutzt die Samen wie Getreidekörner, aber sie enthalten kein Gluten. Für Menschen mit Zöliakie ist das der entscheidende Punkt.

Ernährungsphysiologisch ist Amarant tatsächlich stark, und das ohne Marketing-Dehnung: Das Eiweiß enthält alle essenziellen Aminosäuren in einem für Pflanzen ungewöhnlich günstigen Verhältnis – inklusive Lysin, das in Weizen und Mais knapp ist. Dazu kommen nennenswerte Mengen Eisen, Calcium, Magnesium, Zink und Mangan sowie ein hoher Ballaststoffanteil und ungesättigte Fettsäuren.

Geschmacklich liegt er zwischen Nuss und Malz, deutlich milder als Quinoa und ohne dessen seifigen Nachgeschmack – Amarant trägt keine Saponine in der Samenschale, du musst ihn also nicht vorher waschen.

Wichtig ist nur eins: Amarantkörner werden nicht roh gegessen. Sie enthalten unerhitzt schwer verdauliche Inhaltsstoffe. Die Grundzubereitung ist simpel – mit der doppelten Menge Wasser aufsetzen und 20 bis 30 Minuten leise köcheln lassen, bis die Körner glasig sind und ein feines Schlürfgeräusch beim Umrühren entsteht. Daraus wird:

  • Frühstücksbrei mit Apfel und Zimt, der länger satt macht als Haferflocken
  • gepuffter Amarant – in einer trockenen, sehr heißen Pfanne löffelweise aufpoppen wie Mini-Popcorn
  • Beilage statt Reis oder Couscous
  • Bindemittel für Gemüsebratlinge, weil der gekochte Brei klebt
  • Basis für Schokopudding, wenn man ihn lange genug kocht
Keramikschale mit winzigen hellen Amarantkörnern neben einer kleineren Schale gepufftem Amarant und einem Holzlöffel auf einem Holztisch.
Die Körner sind kleiner als Senfsaat – und nach 25 Minuten Kochzeit ein vollwertiges Getreide-Ersatz

Dreschen, reinigen, lagern

Die Körnerernte ist der Teil, an dem die meisten aussteigen – unnötigerweise, denn es braucht nur ein Sieb und eine flache Schale.

Der Erntezeitraum liegt zwischen Anfang September und Mitte Oktober. Der richtige Moment ist nicht am Kalender, sondern an der Pflanze zu erkennen: Die Fruchtstände sind dann trocken und spröde, die Farbe ist von leuchtend rot oder grün nach bräunlich umgeschlagen, und wenn du mit der Hand durch den Blütenstand streifst, fallen Körner heraus. Genau dieser Test entscheidet. Zu früh geerntet reifen die Samen nicht nach, zu spät geerntet liegen sie im Beet.

So gehst du vor:

  1. Fruchtstände abschneiden und für etwa eine Woche kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort aufhängen – Dachboden, Garage, trockene Scheune. Ein Leinentuch oder eine Papiertüte darunter fängt frühe Ausfälle auf.
  2. Dreschen heißt hier: Fruchtstände über einer flachen Schale zwischen den Händen ausreiben oder im Tuch klopfen und schütteln. Die Körner lösen sich leicht.
  3. Reinigen mit zwei Sieben – ein gröberes hält Stängel und Spelzen zurück, ein feineres lässt Staub durch. Den restlichen Spreu bläst man an einem windigen Tag draußen vorsichtig weg.
  4. Nachtrocknen: Die Körner noch ein paar Tage dünn auf einem Tablett ausbreiten. Feucht eingelagerter Amarant schimmelt.
  5. Lagern in luftdichten Gläsern, kühl und dunkel. Vor dem Kochen immer kurz daran riechen – muffig heißt wegwerfen.

Ein Teil der Ernte wandert natürlich ins Saatgut-Glas für das nächste Jahr. Amarant ist samenfest, solange nicht mehrere Arten direkt nebeneinander blühen.

Getrocknete braune Amarant-Fruchtstände werden über einer flachen Schale ausgerieben, daneben stehen ein Küchensieb und ein Schraubglas.
Klopfen, sieben, trocknen – mehr Technik braucht die Körnerernte nicht

Sorten für Beet, Topf und Teller

Weltweit sind rund 800 Amarant-Formen beschrieben, im deutschen Saatguthandel ist die Auswahl überschaubar – aber sie reicht für alles. Bei Bingenheimer Saatgut, ReinSaat, Sperli und Kiepenkerl findest du samenfeste Sorten; in Staudengärtnereien eher die rein dekorativen.

Für die Körnerernte in unseren Sommern:

  • 'Golden Giant' (A. hypochondriacus) – hell, ertragreich, bis 1,8 m
  • 'Plainsman' – kompakter, zuverlässig reifend, gute Wahl in raueren Lagen
  • 'Hopi Red Dye' – tiefrot, ursprünglich als Färbepflanze genutzt, reift gut aus

Für Blattmasse:

  • Amaranthus tricolor, oft als „Chinesischer Spinat" verkauft – bleibt niedrig, buschig, rot-grün marmoriert
  • 'Calalloo' – auf Blattnutzung selektiert, verträgt mehrfachen Schnitt

Fürs Staudenbeet und für die Vase:

  • 'Dreadlocks' und 'Fat Spike' (A. caudatus) – die dramatischen, bodenlangen Schweife
  • 'Pygmy Torch' – aufrechte dunkelrote Kerze, bleibt unter 60 cm, perfekt für Töpfe und Balkonkästen
  • 'Hot Biscuits' und 'Copperhead' (A. cruentus) – bronzefarben bis kupferbraun, wunderbar in Herbststräußen und als Trockenblume

Die hohen Sorten geben im Beet genau das, was spät im Jahr fehlt: vertikale Struktur. Zwischen Gräsern, Sonnenhut und Dahlien übernimmt Amarant ab August die Höhe – und steht als Trockengerüst noch im November, wenn alles andere liegt.

Beet mit mehreren Amarant-Sorten: aufrechte dunkelrote Blütenkerzen, lange hängende Schweife und eine bronzeorange blühende Form zwischen Gräsern.
Im Staudenbeet ersetzt Amarant jede Dahlie – und ist dabei noch essbar

Aussaat und Standort: so einfach wie Tomaten, nur robuster

Vom Zeitplan her behandelst du Amarant wie eine Tomate – nur dass er danach weniger Arbeit macht.

Vorkultur im Haus: März bis April, hell und warm bei 20 bis 25 °C. Das Saatgut ist winzig, deshalb nur hauchdünn mit Erde übersieben oder einfach andrücken; Amarant keimt besser mit Licht. Gleichmäßig feucht halten, nicht nass. Nach zwei bis drei Wochen pikieren.

Direktsaat ins Beet: Ende April bis Mitte Mai, also rund um die Eisheiligen. Davor bringt es nichts – der Boden ist zu kalt, die Keimlinge stehen still. Saattiefe etwa 0,5 cm, später auf 30 bis 60 cm Abstand vereinzeln, bei den hohen Körnersorten eher 60.

Standort: volle Sonne. Halbschatten geht, kostet aber Blüte und damit Korn. Der Boden soll locker, durchlässig und nährstoffreich sein – auf verdichteten, staunassen Stellen bleibt Amarant mickrig. Ein windgeschützter Platz, etwa vor einer Mauer oder Hecke, ist bei den zwei Meter hohen Sorten kein Luxus: Die Pflanze wurzelt mit einer kräftigen Pfahlwurzel gut, aber ein voll ausgereifter, nasser Blütenstand ist schwer und kippt im Herbststurm gern seitlich ab. Ein Bambus- oder Tonkinstab, einmal früh gesetzt, erledigt das Thema.

Pflege: fast keine. In der Jugend unkrautfrei halten, danach beschattet Amarant sich selbst. Eine Kompostgabe im Frühjahr reicht; wer stark stickstoffbetont düngt, bekommt weiches Blatt und wenig Korn. Gegossen wird in der Anwuchsphase – später ist Amarant eines der trockenheitstauglichsten Gemüse überhaupt, weil er als C4-Pflanze bei Hitze besonders effizient arbeitet. Wenn dich das Thema interessiert, lohnt der Blick auf weiteres trockenheitsverträgliches Gemüse für heiße Sommer.

Hände streuen feines Amarantsaatgut dünn auf feuchte Anzuchterde in einer kleinen Saatschale auf der Fensterbank, daneben eine Gießkanne mit Brausekopf.
Nur hauchdünn abdecken: Amarantsaat ist winzig und will Licht und Wärme

Wo Amarant Probleme macht – und was dagegen hilft

Die Liste ist kurz, aber nicht leer.

Blattläuse sind das häufigste Thema, meist an den jungen Triebspitzen und auf den Blattunterseiten. Bei leichtem Befall genügt ein scharfer Wasserstrahl; bei stärkerem hilft eine Lösung aus Schmierseife (etwa 1 EL auf 1 l Wasser), gründlich auch von unten gesprüht und nach einer Woche wiederholt. In einem insektenfreundlichen Garten erledigen Marienkäferlarven, Schwebfliegen und Florfliegen das meist von selbst – ein Grund mehr, nicht zu früh zu Mitteln zu greifen.

Echter Mehltau zeigt sich als mehlig-weißer Belag auf der Blattoberseite, vor allem bei zu engem Stand und warmen, feuchten Nächten. Luftiger pflanzen ist die beste Vorbeugung; befallene Blätter entfernen, nicht auf den Kompost. Nematoden und Raupenfraß kommen vor, bleiben aber Randerscheinungen.

Das eigentliche Risiko ist die Selbstaussaat. Einige Amarant-Arten – vor allem der Zurückgekrümmte Amarant (Amaranthus retroflexus) – gelten in der Landwirtschaft als hartnäckiges Ackerunkraut, und auch die Gartenformen samen sich großzügig aus. Das ist in einem Hausgarten kein Drama, verlangt aber eine Entscheidung: Entweder du schneidest die Fruchtstände ab, bevor sie reif aufplatzen, oder du lebst mit dem Sämlingsteppich und dünnst ihn im April aus. Wer direkt an eine landwirtschaftliche Fläche grenzt, sollte sich für die erste Variante entscheiden.

Nahaufnahme der Unterseite eines Amarantblatts mit einer kleinen grünen Blattlauskolonie an der Blattader, daneben eine Marienkäferlarve.
Blattläuse sind das einzige regelmäßige Problem – und meist erledigen sie die Nützlinge