Gemüse

Artischocken pflanzen – Alles über Anbau & Pflege

AKTUALISIERT AM:

Ihre Knospen gelten als Delikatesse. Aber nicht nur kulinarisch, sondern auch optisch hat die Artischocke einiges zu bieten: Mit ihrem silbrigen Laub und den pompösen violetten Blüten ist sie ein Blickfang im Beet und ein Bienenmagnet. Hier erfährst Du, wie Du die prächtige Heilpflanze erfolgreich im Garten kultivierst.

So gelingt der Anbau von Artischocken

Die Königin im Gemüsebeet

Artischocken (Cynara scolymus) sind gleich in mehrfacher Hinsicht eine Bereicherung für den Garten: Das feinherbe Aroma der Hüllblätter und die nussige Milde der Blütenböden macht das mediterrane Gemüse bei Feinschmeckern heiß begehrt. Von alters her findet die Artischocke Verwendung als Heilpflanze. 

Blickfang, Leckerbissen & Bienenweide

Zugleich besitzen die bizarren Gewächse hohen Zierwert. Mit ihren großen silbergrünen Laubblättern füllen sie Lücken im Beet. Die attraktiven violetten Röhrenblüten bringen leidenschaftliche Gärtner zum Staunen und machen in der Vase eine tolle Figur. Sie verströmen einen wunderbaren Duft, der Bienen, Hummeln und Falter magisch anzieht.

Essbare Korbböden & Hüllenblätter

Bei der Artischocke werden nicht ausgereifte Früchte, sondern die Blüten im Knospenstadium geerntet. Sowohl die unteren Teile der Hüllblätter als auch die fleischigen Blütenböden, die sogenannten Artischockenherzen, sind genießbar. Nicht für den Verzehr geeignet sind hingegen die feinen Härchen, das „Heu” im Inneren der Knospen.

Imposanter Korbblütler

Die stattlichen Pflanzen haben einen distelartigen Wuchs. Je nach Sorte und Standort können sie bis zu zwei Meter hoch werden, meist bleiben sie jedoch deutlich niedriger. Im Herbst des ersten Jahres bilden sie bodennah eine Blattrosette aus, die sich aus gefiederten, bis zu 80 Zentimeter langen Laubblättern zusammensetzt. Die Unterseite der Blätter ist grau behaart.

Prächtige Blüte mit köstlichem Herz

Im Laufe des folgenden Sommers treibt die Artischocke hochaufragende Stängel mit Blütenständen aus. Falls die Knospen nicht geerntet werden, öffnen sich die lilavioletten Röhrenblüten.

Ursprünglich stammt die dornenbesetzte Schönheit aus dem Mittelmeerraum. In geeigneten Lagen überstehen die Pflanzen auch hierzulande den Winter und bringen in den Folgejahren noch mehr Blüten. Nach etwa fünf Jahren lässt die Blühfreudigkeit jedoch deutlich nach.

Wann Artischocken pflanzen?

In Gegenden mit Weinbauklima lässt sich die Pflanze auch in unseren Breiten kultivieren. Die ideale Pflanzzeit ist im Frühjahr nach den Eisheiligen. Da es in unseren Breiten zu kalt für eine Direktsaat ist, werden Artischocken üblicherweise auf der Fensterbank vorgezogen. 

Säen, teilen oder kaufen?

Wer lieber eine fertige Jungpflanze kaufen möchte, sollte sich im Frühjahr im Gartenmarkt umsehen. Exemplare, die bereits ein Jahr alt sind, können noch im selben Sommer geerntet werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Teilung einer älteren Pflanze. Stich mit dem Spaten ein Teilstück mit mindestens zwei Trieben ab und setze es am gewünschten Platz ein.

Vermehren durch Teilung

Zeitsparender als die Aussaat ist die Vermehrung der Artischocke durch Teilen. Dazu trennst Du im Frühjahr mit einem scharfkantigen Spaten oder mit dem Messer Teilstücke mit mindestens zwei Trieben von der Mutterpflanze ab. Kürze die Blätter um etwa ein Viertel ein und pflanze sie in derselben Tiefe wie die Mutterpflanze ein. Die Teilung dient zugleich als Verjüngung der Staude.

Vorziehen

Beim Vorziehen von Artischocken kannst Du gar nicht früh genug loslegen. Ab Januar darf es schon losgehen. Weiche die Samen 24 Stunden vor der Aussaat ein, dann keimen sie rascher. Die Korbblütler zählen zu den Tiefwurzlern, daher sollten die Pflanztöpfe entsprechend tief sein.

Fülle die Schalen mit Anzuchterde. Lege jeden Samen in ein eigenes Pflanzgefäß, denn das Pikieren wird nicht gut toleriert. Die Saattiefe beträgt je nach Sorte etwa ein bis zwei Zentimeter. Bei Temperaturen von 18 bis 20 Grad Celsius erfolgt bald die Keimung. Während der nächsten Wochen benötigen die Keimlinge viel Licht.

Auspflanzen

Mit dem Umsiedeln in den Garten solltest Du Dich bis Mitte Mai gedulden. Nach den Eisheiligen, wenn keine Spätfröste mehr drohen, fühlen sich die stubenverwöhnten Jungpflanzen im Freiland richtig wohl. In den Wochen zuvor empfiehlt es sich, die Töpfe tagsüber nach draußen zu stellen. Auf diese Weise lernen die kleinen Artischocken nach und nach mit Sonne und Wind zurechtzukommen.

Standort & Erde

Ausschlaggebend für den Kulturerfolg ist ein geeigneter Standort. Die mediterranen Gewächse benötigen unbedingt einen Platz an der Sonne. Optimal ist eine schützende Mauer im Rücken, die die Sonnenwärme speichert und kalte Winde abhält. 

Anders als viele andere Pflanzen aus dem Mittelmeerraum gibt sich die Artischocke nicht mit kargem, sandigem Untergrund zufrieden. Um ihre opulenten Blütenstände auszubilden, ist sie auf nährstoffreiche Erde mit gutem Wasserhaltevermögen angewiesen. Staunässe allerdings bekommt dem Korbblütler gar nicht. 

Als Tiefwurzler profitieren Artischocken von einem lockeren, tiefgründigen Beet mit hohem Humusanteil. Arbeite reifen Kompost ein, um den Boden zu verbessern.

Gute & schlechte Nachbarn in der Mischkultur

Artischocken haben einen hohen Nährstoffbedarf und brauchen viel Platz. Sie passen sowohl in Blumenbeete und Rabatten als auch ins Gemüsebeet. Wichtig ist eine gute Wasserversorgung. Als Pflanznachbarn eignen sich Gewächse mit ähnlichen Standortansprüchen – einem nährstoffreichen und eher feuchten Untergrund.

Im ersten Standjahr lassen sich die Lücken zwischen den Artischocken mit Salat, Fenchel, Spinat und diversen Kohlarten füllen. Wenig kompatibel zeigen sich die mediterranen Korbblütler mit Lauchgewächsen wie Zwiebel, Knoblauch und Schnittlauch. Auch zu Sellerie wahren sie lieber Distanz. 

Hier erfährst Du alles über die Mischkultur.

 

Gute Nachbarn

Schlechte Nachbarn

Pflege & Düngen

Reichlich gießen für eine üppige Ernte

Mit ihrem mistelartigen Äußeren wirken Artischocken sehr genügsam. Doch die Königin des Gemüsebeets stellt einige Ansprüche an den Hobbygärtner. Anders als die asketischen Disteln am Wegesrand möchte sie während der Sommermonate gut mit Wasser versorgt sein. 

Gieße in den Morgen- oder Abendstunden und achte darauf, das Wasser in Bodennähe auszubringen, anstatt das Laub der Pflanze zu benetzen.

Nährstoffhungrige Riesen

Artischocken sind Starkzehrer. Um ihre gigantischen Blüten anzulegen und auszubilden, benötigen sie reichlich Pflanzennährstoffe. Für einen gelungenen Start sorgt ein mit Kompost oder Hornspänen angereichertes Beet. Dünge zwei Mal im Jahr nach. Dazu eignen sich reifer Kompost, gut abgelagerter Stallmist oder organischer Bio-Dünger. 

Wer regelmäßig mit verdünnter Brennnesseljauche gießt, spart sich zusätzliche Düngergaben.

Artischocken durch den Winter bringen

Bis zu minus zehn Grad überstehen die meisten Artischockensorten problemlos. Dennoch ist es wichtig, vor allem im ersten Jahr für einen passenden Winterschutz zu sorgen. Ein vor Ostwinden geschützter Standort verbessert die Überlebenschancen der Pflanzen erheblich. 

Binde im Herbst den Blattschopf mit einer Schnur zusammen und häufle die Pflanzen mit Stroh und Reisig an. Alternativ kannst Du die Blätter abschneiden und einen mit Stroh oder Laub gefüllten Korb mit der Öffnung nach unten über die Basis legen.

In Gegenden mit rauem Klima empfiehlt es sich, den Wurzelstock auszugraben. Bette die Staude in eine Kiste mit Sand und bringe sie in einem kühlen Keller unter. Im Frühjahr ist ein guter Zeitpunkt, die Pflanze zu teilen. Mit einer Vliesabdeckung vor Frost geschützt, kann das Auspflanzen der überwinterten Artischocken bereits Anfang April erfolgen.

Schädlinge & Krankheiten

Gegenüber Pflanzenkrankheiten zeigt sich die wehrhafte Artischocke weitgehend resistent. Im Jungstadium können den zu diesem Zeitpunkt noch relativ weichen Blättern Schnecken gefährlich werden. Später werden die Stauden manchmal von Blattläusen, Weißen Fliegen oder Minierfliegen befallen. Die Wurzeln werden hin und wieder von Wühlmäusen angeknabbert. 

Besonderheiten

Der Anbau von Artischocken lohnt sich vor allem in Gegenden mit Weinbauklima. Wenn in Deiner Umgebung wärmeliebende Pflanzen wie Wein, Pfirsich- und Walnussbäume und Auberginen gedeihen, kannst Du Dir die schönen Korbblütler bedenkenlos in den Garten holen. Wer in einer raueren Lage lebt und sich dennoch eine Artischocke wünscht, sollte auf die einjährige Kultur setzen.  

Welche Sorte wählen?

Bei der Entscheidung für eine passende Artischockensorte solltest Du überlegen, ob für Dich der Zierwert der Pflanze oder der Ertrag im Vordergrund steht. Achte zudem auf Kältetoleranz, damit sich die Artischocke im hierzulande vorherrschenden Klima wohlfühlt. Hier ist es sinnvoll, zugunsten einer hohen Widerstandskraft gegen Frost Abstriche bei der Fruchtgröße zu machen. 

Weitere bedenkenswerte Aspekte sind der Platzbedarf, der Blütenreichtum, sowie die Kopfqualität. Züchtungen mit dornendlosen Stielen erleichtern die Ernte. 

Bekannte Sorten sind ’Kardy’, eine reichblühende Zierartischocke, ’Green Globe’, eine großfruchtige Züchtung oder ’Große von Laon’. Zu den Sorten, die bereits im ersten Jahr viele Knospen bilden, gehören ’Vert Globe’ oder ’Imperial Star’. Diese eignen auch sich für den einjährigen Anbau in ungünstigen Lagen.

Foto des Autors

Meine Leidenschaft für die Pflanzenwelt habe ich als Kind bei mendelschen Kreuzungsversuchen entdeckt. Seither bin ich fasziniert von allem, was wächst und blüht. Ich liebe historische Rosen, experimentiere mit dem Anbau exotischer Früchte und interessiere mich für die Wildkräuterküche. Mit meinen Artikeln möchte ich Dir Lust aufs Gärtnern machen und Deine Fragen rund ums Thema Pflanzenpflege beantworten.

Folge uns auf:

Schreibe einen Kommentar