Kartoffeln pflanzen – richtig legen & pflegen

Kartoffeln zählen zu den Grundnahrungsmitteln. Wer etwas Platz im Garten hat, kann die köstlichen Knollen problemlos selbst anbauen. Vorgekeimt und rechtzeitig gelegt reifen frühe Sorten rechtzeitig zur Spargelsaison. Späte Lagersorten hingegen lassen sich über den Winter aufbewahren. Hier erfährst Du alles rund um den erfolgreichen Kartoffelanbau.

So gelingt der Anbau von Kartoffeln

Weitergereister Erdapfel

Die Kartoffel (Solanum tuberosum) stammt ursprünglich aus den südamerikanischen Anden, wo sie wahrscheinlich bereits vor 8000 Jahren als Nahrungspflanze kultiviert wurde. Die spanischen Eroberer brachten die nahrhaften Knollen nach Europa. Hier wurde sie anfänglich als Zierpflanze angebaut. Erst ab dem 18. Jahrhundert erfolgte der großflächige Anbau. 

Anfangs war die Bevölkerung skeptisch. Doch die Beliebtheit der sogenannten ”Erdäpfel” wuchs und bald setzten sie sich gegen alte Kulturpflanzen wie Topinambur und Rüben durch. Heute zähen die stärkereichen Knollen zu den Grundnahrungsmitteln und sind aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken.

Erdapfel & Grundbirne

Die Bezeichnung Kartoffel leitet sich von Tartufolo, dem italienischen Wort für Trüffel ab. Im deutschen Sprachraum werden Kartoffeln auch Erdäpfel, Grundbirnen, Erdbirnen oder Potaten genannt.

Nachtschattengewächs mit hohem Ertrag

Wie Tomate, Paprika, Aubergine und Tabak gehört die Kartoffel der großen Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) an. Es handelt sich um krautige Pflanzen, die je nach Sorte Wuchshöhen von bis zu einem Meter erreichen können. Im Sommer erscheinen kleine weiße, rosa- oder lilafarbene Blüten, aus denen sich kirschgroße grüne Beeren entwickeln. Unter der Erde wachsen an den Stolonen Sprossknollen heran. Nach deren Reifung gehen die Ausläufer zugrunde. 

Kartoffeln können sich zwar auch über die in den Beeren heranreifenden Samen vermehren. Unkomplizierter und schneller ist jedoch die vegetative Vermehrung über die Knollen. Die oberirdischen grünen Pflanzenteile weisen hohe Konzentrationen an Alkaloiden, darunter Solanin, welches giftig ist. Auch in den unterirdischen Knollen ist Solanin enthalten. Beim Kochen wird der Solaningehalt stark reduziert, da der Stoff in das Kochwasser übergeht.

Grüne Kartoffel enthalten viel Solanin

Kartoffeln, die über längere Zeit hinweg dem Licht ausgesetzt sind, färben sich grün. Grüne Kartoffeln sind daher nicht zum Verzehr geeignet. Auch unverfärbte Kartoffeln enthalten eine gewisse Menge an Solanin und müssen daher vor dem Verzehr gekocht werden. Schneide zuvor grüne Stellen und Keime aus, um den Solaningehalt zu reduzieren, und schütte das Kochwasser weg.

Legen oder aussäen?

Üblicherweise werden Kartoffelpflanzen nicht aus Samen gezogen, sondern über Knollen vegetativ vermehrt. Dazu werden über den Winter aufbewahrte Kartoffeln im Frühjahr in die Erde gelegt. Aus diesen entwickeln sich die Pflanzen, von denen jede bis zu 35 Tochterknollen bildet. Daher spricht man beim Anbau von Kartoffeln auch vom ”Kartoffeln legen”. Diese Methode ist unkompliziert und führt innerhalb weniger Monate zu einer üppigen Ernte.

Legen oder aussäen?

Wer Geduld und Experimentierfreude mitbringt, kann Kartoffeln auch aus Samen ziehen. Dazu musst Du nach der Blüte die kleinen grünen Beeren heranreifen lassen. Ernte die kirschgroßen Früchte, sobald sie weich sind und lass sie im Haus nachreifen. Hole die Samen heraus, reinige und trockne sie und bewahre sie bis ins nächste Frühjahr auf. Ab Februar kannst Du mit der Aussaat auf der Fensterbank beginnen. 

Säe die Kartoffelsamen in Saatschalen aus. Pikiere die Jungpflanzen und verpflanze sie in kleine Töpfe. Mitte Mai setzt Du die jungen Kartoffeln dann ins Beet und zwar zwanzig Zentimeter tief, sodass nur der obere Teil der Pflanzen aus der Erde schaut. Nun entwickeln sie sich ganz normal wie aus Knollen gezogene Kartoffeln. 

Die Ernte kann etwas geringer ausfallen, dafür sind die Pflanzen recht unempfindlich gegen die gefürchtete Kraut- und Knollenfäule sowie gegen andere Viruserkrankungen. Bedenke allerdings, dass aus Saatgut gezogene Kartoffeln keine Klone ihrer Mutterpflanzen sind. Dabei können sich neue Formen und Farben entwickeln und völlig neue Sorten entstehen.

Wann Kartoffeln pflanzen?

Kartoffeln können ab Anfang April gelegt werden. Wenn Du in einer Gegend mit rauerem Klima lebst, solltest Du lieber noch etwas zuwarten. In Höhenlagen geduldest Du dich besser bis Anfang Mai. Solange die Bodentemperatur immer wieder unter neun Grad absinkt, kommen Keimung und Wachstum ohnehin nicht richtig in Fahrt. 

Vorziehen

Beim Kartoffelanbau ist die Pflanzung in Töpfen unter Dach oder im Glashaus unüblich. Allerdings werden die Kartoffeln häufig vorgekeimt, damit sie sofort wachsen, wenn sie einmal im Beet sind. Kartoffel treiben aus, wenn sie aus dem kühlen, dunklen Keller an einen wärmeren, hellen Ort gebracht werden. Ideal ist ein ungeheizter Raum, in dem es maximal 15 Grad hat. 

Platziere die Kartoffeln dazu am besten in flachen Kisten, sodass sie nicht übereinander liegen. Besonders gut sind auch Eierkartons geeignet. Hier kannst Du in jede Vertiefung eine Kartoffel stellen. Noch besser gelingt der Start, wenn Du die Kisten mit Komposterde oder Blumenerde vermischt mit Sand füllst. 

Keime die Kartoffeln drei bis vier Wochen vor dem Legen vor. Insbesondere bei Frühkartoffeln lohnt sich das Vortreiben. Auf diese Weise kannst Du bei einer Pflanzung Anfang April bereits Mitte Mai ernten. 

Ein weiterer Vorteil des Vorziehens ist, dass Du durch die schnelle Entwicklung den Feinden der Kartoffel, der Krautfäule und dem Kartoffelkäfer ein Schnippchen schlagen kannst. Krankheiten und Schädlinge treten meist später im Jahr auf und können den bereits gut entwickelten Pflanzen nicht mehr so viel anhaben.

So pflanzt Du Kartoffeln

Je nachdem wie viele Kartoffeln Du pflanzen möchtest, solltest Du die entsprechend große Fläche einige Tage vor dem Pflanzen vorbereiten. Für ein zehn Quadratmeter großes Areal brauchst Du etwa drei Kilogramm Saatkartoffeln. Auf dieser Fläche kannst Du bei guter Kultur mit etwa dreißig bis fünfunddreißig Kilogramm Ernte rechnen.

Grabe das Beet mit dem Spaten um und entferne das Unkraut gründlich. Arbeite reifen Kompost oder abgelagerten Stallmist und eventuell etwas Hornmehl ein. Ziehe im Abstand von fünfzig Zentimetern mit einer Hacke Pflanzrillen in die Erde. Diese sollten je nach Kartoffelsorte und Größe der Pflanzkartoffeln 10 bis 20 Zentimeter tief sein. Lege die Knollen im Abstand von 30 bis 35 Zentimetern in die Rillen und bedecke sie mit Erde.

Halte das Beet am Anfang feucht. Wenn die Kartoffeln vorgetrieben wurden, zeigt sich das erste Grün relativ rasch. Muss die Keimung erst unter der Erde in Gang kommen, brauchst Du etwas Geduld.

Standort & Erde

Kartoffeln gedeihen am besten an einem vollsonnigen, warmen Standort. Der Boden sollte tiefgründig und leicht bis mittelschwer sein. Ein hoher Nährstoffgehalt garantiert eine reiche Ernte. Pflanzen entwickeln sich auch auf nährstoffarmen Beeten, bilden aber nur kleine Knollen. Daher empfiehlt es sich, karge Böden vor der Pflanzung mit Kompost und Hornmehl oder reifem Stallmist aufzubessern.

Mit Trockenheit kommt die Kartoffel deutlich besser zurecht als mit Staunässe. Kann das Regenwasser nicht abfließen, faulen die Knollen und Pilzkrankheiten haben ein leichtes Spiel.

Verbessern Kartoffeln den Boden?

Eine Bauernweisheit besagt, dass der Anbau von Kartoffeln den Boden verbessert. Grundsätzlich stimmt das auch, denn das Erdreich wird tiefgründig aufgelockert. Das dichte Grün der Pflanzen hält das Beet bedeckt. Die Erde trocknet nicht so schnell aus, das Unkrautwachstum wird unterdrückt und das Bodenleben gefördert. Damit sind Kartoffeln eine gute Vorkultur für viele Gemüsesorten. Als Starkzehrer entziehen sie dem Boden jedoch viele Nährstoffe.

Gute & schlechte Nachbarn in der Mischkultur

Kartoffeln gelten als gute Vorfrucht für viele Gemüsearten. Grünkohl zum Beispiel wird gerne nach Frühkartoffeln gepflanzt. Zu anderen Nachtschattengewächsen wie Auberginen, Paprika und Tomaten gilt es Abstand zu halten, da die Krautfäule unter den Verwandten übertragen werden kann. Andere Starkzehrer wie Kürbisgewächse kommen zwar grundsätzlich mit der Kartoffel zurecht, konkurrieren jedoch mit ihr um Nährstoffe. 

Viele Kohlarten haben zwar ebenfalls einen hohen Nährstoffbedarf, profitieren aber dennoch von der Nähe zu Kartoffelpflanzen. In diesem Fall solltest Du auf eine gute Versorgung mit organischem Dünger achten. Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Puffbohnen hingegen bringen mithilfe der Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln Stickstoff in den Boden ein, wovon die Kartoffel profitiert.

Wechsle beim Kartoffelanbau jedes Jahr das Beet. Erst nach einer Pause von vier Jahren solltest Du an derselben Stelle wieder Kartoffeln kultivieren.

Hier erfährst Du alles über die Mischkultur.

 

Gute Nachbarn

Schlechte Nachbarn

Pflege & Düngen

Halte die Erde im Beet durch Hacken schön locker, damit die Pflanzen dicke Kartoffeln entwickeln können. Gib allerdings Acht, die unterirdischen Knollen dabei nicht zu verletzen. Sobald die Jungpflanzen eine Höhe von etwa 20 Zentimetern erreicht haben, werden sie bis zur Hälfte ihrer Wuchshöhe angehäufelt. Auf diese Weise förderst Du die Bildung neuer Knollen im oberen Bereich der Pflanze und kannst den Ertrag deutlich steigern.

Wenn Du bei der Beetvorbereitung für eine Grunddüngung gesorgt hast, musst Du nicht nachdüngen. Wer Brennnesseljauche ansetzt, kann diese mit dem Gießwasser verabreichen. Das steigert die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen und versorgt sie zugleich mit Nährstoffen.

Kartoffel kommen eine Zeit lang gut ohne Wasser aus. Bei längeren Trockenperioden solltest Du jedoch unbedingt zum Gartenschlauch greifen. Insbesondere kurz nach der Blütezeit, wenn sich die Knollen bilden, ist eine gute Wasserversorgung essenziell für den Ernteerfolg. Eine Mulchschicht am Beet wirkt der Verdunstung entgegen. Zu viel Feuchtigkeit kann jedoch auch kontraproduktiv sein, da dies den Befall mit Krautfäule sowie die Entstehung anderer Pilzkrankheiten fördert.

Schädlinge & Krankheiten

Eine Pilzkrankheit macht der Kartoffel besonders zu schaffen – die Kraut- und Knollenfäule. Der Pilz sitzt an den Blattunterseiten und macht sich durch braune Flecken am Laub bemerkbar. Nach und nach stirbt die Pflanze ab. Feuchte Witterung begünstigt einen Befall. Durch einen möglichst frühen Anbau und durch das Pflanzen vorgetriebener Kartoffeln kannst Du der Krankheit, die sich vor allem im Sommer ausbreitet, teilweise ausweichen. 

Achte auf ausreichend Abstand zu Tomaten, welche ebenfalls befallen werden, und halte eine Anbaupause von mindestens vier Jahren ein. Ausreichend große Pflanzabstände lassen zudem das Laub nach einem Regenguss schneller abtrocknen.

Unter den tierischen Schädlingen stellt neben Blattläusen und Nematoden vor allem der Kartoffelkäfer ein Problem dar. Die gestreiften Käfer legen ihre orangefarbenen Eier an den Unterseiten der Blätter ab. Sowohl die ausgewachsenen Insekten als auch ihre Larven richten durch ihre Fraßtätigkeit große Schäden an. Sie können die oberirdischen Pflanzenteile so weit abfressen, dass die Knollenbildung gehemmt wird.

Auf einer kleinen Fläche ist es durchaus möglich, die Käfer abzusammeln und ihre Gelege zu vernichten, sodass sich der Befall gut in den Griff bekommen lässt.

Besonderheiten

Kartoffeln klingen nicht nach einem besonders aufregenden Gemüse, oder? Weit gefehlt. Weltweit gibt es über 5.000 Kartoffelsorten. Sie unterscheiden sich bezüglich ihrer Größe, ihrer Form und ihrer Farbe. Es gibt gelbfleischige, rötliche, violette, blaue und sogar marmorierte Sorten. 

Bezüglich ihrer Kocheigenschaften wird zwischen mehligen, vorwiegend festkochenden und festkochenden Kartoffeln differenziert. Auch geschmacklich gibt es eine große Bandbreite. Manche Sorten sind besonders zart und fein, andere schmecken würzig, erdig oder nussig.

Neben den persönlichen Vorlieben solltest Du bei der Auswahl der passenden Sorte vor allem auf folgende Kriterien achten: Der Zeitpunkt des Anbaus beziehungsweise der Reifezeitpunkt: Frühe Sorten können bereits im März gelegt werde und sind gerade rechtzeitig zur Spargelsaison erntereif. Späte Sorten sind häufig gut lagerfähig.  

In kleineren Gärten spielt auch der Ertrag eine wichtige Rolle. Wer wenig Platz hat, sollte sich für eine Sorte entscheiden, die möglichst viele große Knollen bildet. Die wichtigste Eigenschaft ist aber sicherlich eine gute Resistenz gegenüber Pflanzenkrankheiten und Schädlingen. Denn nur eine gesunde, robuste Sorte lässt sich ohne viel Aufwand kultivieren und bringt Dir zuverlässig eine reiche Ernte. 

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