Petersilie verwenden: 15 Ideen jenseits der Garnitur
Petersilie landet zu oft als Deko am Tellerrand. 15 Ideen, wie du sie zur Hauptzutat machst - von Tabouleh und Gremolata bis Kraeuterbutter, Tee und Vorrat.

Petersilie ist das meistverwendete Küchenkraut in Deutschland - und landet trotzdem viel zu oft nur als grünes Sträußchen am Tellerrand, das am Ende keiner isst. Dabei ist das Kraut viel zu gut und viel zu gesund, um es zur Deko zu degradieren. Wenn du Petersilie selbst anbaust und im Sommer satzweise erntest, hast du ohnehin regelmäßig mehr, als frisch weggeht. Höchste Zeit, sie zur Hauptzutat zu machen. Hier kommen die Ideen, die ich in meiner eigenen Küche wirklich nutze - von herzhaft bis flüssig, von sofort verputzt bis in den Vorrat gerettet.
Was Petersilie kann - und warum sie zu oft am Tellerrand endet

Petersilie ist keine leere Deko-Kalorie, sondern ein kleines Nährstoffpaket. In 100 Gramm frischen Blättern stecken rund 160 Milligramm Vitamin C - mehr, als eine Zitrone liefert. Dazu kommen reichlich Beta-Carotin, Vitamin K, Eisen und Folsäure. Ihr typisches Aroma verdankt sie den ätherischen Ölen Apiol und Myristicin, und davon hat die glatte Petersilie deutlich mehr als die krause. Deshalb nehme ich zum Kochen fast immer glatte Sorten; die krause kommt bei mir höchstens dorthin, wo die dekorative Form zählt.
Der wichtigste Küchentipp steckt genau in diesen Ölen: Petersilie ist hitzeempfindlich. Kochst du sie mit, verpuffen Aroma und ein Großteil des Vitamin C. Gib sie deshalb möglichst erst am Ende dazu oder verwende sie gleich roh. In normalen Küchenmengen ist Petersilie völlig unbedenklich - nur von konzentrierten Auszügen und sehr großen Mengen als Hausmittel wird in der Schwangerschaft abgeraten, weil das enthaltene Apiol wehenfördernd wirken kann. Für das Sträußchen im Salat gilt das nicht.
Erst die Stiele - hier landet nichts im Müll

Die meisten zupfen nur die Blättchen ab und werfen die Stiele weg - dabei sitzt im Stiel oft noch mehr Aroma als im Blatt. Wenn du die Stiele einfach fein genug hackst, kannst du sie fast überall mitverwenden, wo die Petersilie ohnehin klein geschnitten wird: in Tabouleh, Pesto oder Kräuterbutter merkt niemand den Unterschied.
Was zu grob für den rohen Einsatz ist, wandert bei mir gebündelt in Brühe, Fond oder Suppe. Ein Bund Stiele mitgekocht und vor dem Servieren wieder herausgezogen gibt jedem Gemüsefond eine grüne Tiefe. So nutzt du die ganze Pflanze - vom Blatt bis zum Strunk - und wirfst am Ende nur noch das weg, was wirklich holzig ist. Selbst leicht welke Reste, die für den Teller nicht mehr schön genug sind, taugen noch prima für Tee oder Pesto.
Tabouleh - Petersilie als Salat, nicht als Beilage

Im echten levantinischen Tabouleh ist Petersilie die Hauptzutat, nicht der Bulgur. Für eine große Schüssel hackst du ein bis zwei ganze Bunde glatte Petersilie fein, dazu kommen eine Handvoll Minze, klein gewürfelte Tomaten, Frühlingszwiebeln und nur wenig eingeweichter Bulgur. Angemacht wird alles mit Olivenöl, viel Zitronensaft und Salz - fertig ist ein Salat, der komplett aus dem Kräuterbeet kommt.
Ein Detail entscheidet über Gelingen oder Matsch: Hack die Petersilie mit einem scharfen Messer, nicht im Wiegemesser oder Mixer. Stumpfe Klingen quetschen die Blätter, sie verlieren Saft und werden dunkel. Trocken gewaschen und sauber geschnitten bleibt das Tabouleh dagegen leuchtend grün und knackig - und schmeckt am nächsten Tag durchgezogen fast noch besser.
Grüne Saucen: Gremolata, Chimichurri und Salsa Verde

Rohe grüne Saucen sind die eleganteste Art, Petersilie unterzubringen - keine Hitze, volles Aroma, in fünf Minuten fertig. Die schlichteste ist die italienische Gremolata: nur fein gehackte Petersilie, Knoblauch und abgeriebene Zitronenschale, ganz ohne Kochen. Über geschmortes Fleisch, Ossobuco oder einfach über Ofengemüse gestreut, bringt sie eine frische, zitronige Spitze auf den Teller.
Etwas kräftiger wird es mit Chimichurri, der argentinischen Sauce zu Gegrilltem: Petersilie, Knoblauch, etwas Oregano, Chili, Rotweinessig und Olivenöl. Sie passt zu Steak genauso wie zu gegrilltem Gemüse oder gebratenem Halloumi. Und die norditalienische Salsa Verde mischt Petersilie mit Kapern, Sardellen und Essig zu einer würzigen Sauce für Pellkartoffeln oder gekochtes Rind. Alle drei halten sich im Glas ein paar Tage im Kühlschrank, wenn du sie mit Öl bedeckst.
Frankfurter Grüne Sauce und herzhafte Kräuterküche

Man muss gar nicht in die Ferne schweifen: Die Frankfurter Grüne Sauce ist der deutsche Klassiker der Kräuterküche, und Petersilie gehört zum klassischen Septett aus sieben Kräutern - neben Schnittlauch, Kerbel, Kresse, Sauerampfer, Pimpinelle und Borretsch. Die Kräuter werden fein gehackt und mit Quark, saurer Sahne und hart gekochten Eiern zu einer kalten Sauce verrührt, die traditionell zu Pellkartoffeln und Ei kommt. Wer nicht alle sieben Kräuter im Beet hat, kann den Petersilie-Anteil ruhig etwas großzügiger halten.
Petersilie trägt aber auch warme Gerichte, wenn du sie richtig einsetzt. Ein Kräuteromelett mit einer ordentlichen Handvoll Petersilie, Schnittlauch und Dill wird durch die Kräuter fast schon grün - ähnlich der persischen Kuku Sabzi, bei der die Kräuter mehr Volumen haben als das Ei. Auch in Kräuterküchlein, Bratlingen oder einer schnellen Kräuter-Pfannkuchenrolle darf Petersilie die tragende Rolle spielen statt nur zu garnieren.
Pesto und Kräuterbutter: zwei Vorräte aus einer Ernte

Wenn im Sommer richtig viel Petersilie nachwächst, verarbeite ich sie am liebsten zu Pesto - aber nicht mit teuren Pinienkernen, sondern mit heimischen Walnüssen. Die sind regional zu haben, deutlich günstiger und geben dem Petersilien-Pesto einen kräftigeren, leicht herben Biss. Dazu kommen Knoblauch, geriebener Hartkäse, gutes Öl und Salz. Auf Pasta, Röstbrot oder Pizza ist das eine willkommene Abwechslung zum Basilikum-Pesto - und es wächst zuverlässiger nach.
Genauso einfach ist Kräuterbutter: weiche Butter mit reichlich fein gehackter Petersilie, Schnittlauch, etwas Knoblauch und einer Prise Salz verkneten. Zu einer Rolle geformt und in Pergament gewickelt, lässt sie sich portionsweise abschneiden und wandert direkt ins Gefrierfach. So hast du für Grillabende oder eine schnelle Scheibe Brot immer selbst gemachte Kräuterbutter parat, ohne Zusatzstoffe.
Dips und Aufstriche mit ordentlich Grün

Eine große Handvoll Petersilie hebt fast jeden Dip auf ein anderes Niveau - optisch und geschmacklich. Rühr sie in klassischen Hummus ein, und aus dem beigen Kichererbsen-Aufstrich wird ein frischer, grüner Dip für Pita, Gemüsesticks oder aufs Brot. Wer es cremig-vegan mag, mixt Petersilie mit reifer Avocado, etwas Zitrone, Frühlingszwiebel und Wasser zu einem Avocado-Dressing ganz ohne Milch und Öl, das über Salat, Nudeln oder Ofenkartoffeln passt.
Und der deutsche Alltagsklassiker fehlt natürlich auch nicht: Kräuterquark. Magerquark oder Skyr mit einem guten Schuss Mineralwasser cremig rühren, viel gehackte Petersilie plus Schnittlauch unterheben, salzen - fertig ist der Aufstrich zu Pellkartoffeln, der bei uns im Sommer fast wöchentlich auf den Tisch kommt.
Petersilie trinken: Tee, Saft und grüne Smoothies

Dass man Petersilie auch trinken kann, überrascht viele. Für Petersilientee übergießt du zwei Handvoll gehackte Blätter und Stiele mit einem Liter heißem, nicht mehr kochendem Wasser und lässt das Ganze fünf bis zehn Minuten ziehen. Abgeseiht, mit einer Scheibe Zitrone und etwas Honig, schmeckt er warm wie kalt. Petersilie gilt traditionell als leicht harntreibend - der Tee ist also mehr als nur eine Resteverwertung für Blätter, die sonst welken würden.
Für grüne Smoothies und Säfte ist Petersilie ein perfekter Partner: Ein kleiner Bund zusammen mit Apfel, etwas Zitrone und einem Stück Ingwer durch den Entsafter oder in den Mixer, und du hast ein herrlich frisches Getränk mit einer ordentlichen Portion Vitamin C. Frisch gepresst schmeckt es am besten; gut verschlossen im Kühlschrank hält sich der Saft rund einen Tag.
Haltbar machen: einfrieren, Salz und Öl

Petersilie wächst schneller nach, als man sie manchmal frisch verbrauchen kann - und lässt sich zum Glück gut konservieren. Am besten gelingt das Einfrieren: Blätter (und die feinen Stiele) waschen, gründlich trocken tupfen, hacken und in eine Eiswürfelform füllen. Mit Wasser aufgießen, wenn die Würfel später in Suppen sollen, oder mit Öl, wenn sie in die Pfanne wandern - Öl schützt das Aroma und die Petersilie wird nicht matschig. So bleibt sie rund sechs Monate haltbar und kommt gefroren direkt gegen Ende der Garzeit ins Gericht, ganz ohne Auftauen.
Trocknen ist dagegen nur eine Notlösung: Petersilie verliert dabei einen Großteil ihres Aromas, getrocknet schmeckt sie erstaunlich fad. Wenn du sie trotzdem im Schrank haben willst, ist Petersiliensalz die clevere Alternative - frische Blätter mit grobem Meersalz im Mixer zerkleinern, dünn ausstreichen und trocknen lassen. Das Salz konserviert die Kräuter und würzt später gleich mit. Und für die nächsten Tage im Kühlschrank hält sich ein Bund am längsten, wenn du ihn wie einen kleinen Blumenstrauß in ein Glas Wasser stellst und locker mit einem Beutel abdeckst.