Kräuter

Liebstöckel pflanzen und pflegen: das Maggikraut im eigenen Garten

Liebstöckel riecht wie Maggi, ist aber nicht drin. Wie Du das Maggikraut pflanzt, wie viel Platz es wirklich braucht und wann Du erntest.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 28. August 20268 Min Lesezeit
Große buschige Liebstöckelstaude mit dunkelgrünen gefiederten Blättern in einem Kräuterbeet am Holzzaun

Ja, es riecht wirklich nach Maggi — und nein, in der Flasche steckt es nicht. Liebstöckel heißt im Volksmund Maggikraut, weil sein Aroma der bekannten Würzsoße verblüffend ähnlich ist. Julius Maggi hat die Pflanze für sein Produkt allerdings nie verwendet.

Drei Dinge solltest Du wissen, bevor Du eine kaufst: Sie wird bis zu zwei Meter hoch und einen Meter breit, sie wird bis zu 15 Jahre alt, und eine einzige Pflanze reicht für die ganze Küche. Liebstöckel ist kein Kraut für den Balkonkasten — er ist eine Staude, die einen festen Platz bekommt.

Nahaufnahme der tief eingeschnittenen, glänzend dunkelgrünen Fiederblätter von Liebstöckel📌 Pin it
Nahaufnahme der tief eingeschnittenen, glänzend dunkelgrünen Fiederblätter von Liebstöckel

Steckbrief

BotanischLevisticum officinale, Doldenblütler
AussaatMärz/April oder September/Oktober, direkt ins Beet
Standortsonnig bis halbschattig, verträgt auch Schatten
Bodentiefgründig, humos, nährstoffreich, gleichmäßig feucht
Größebis 200 cm hoch, bis 100 cm breit
Lebensdauer10 bis 15 Jahre
Winterhartja, ohne Schutz
ErnteMai bis September

Wie viel Platz Liebstöckel wirklich braucht

Ausgewachsene Liebstöckelstaude, fast zwei Meter hoch, neben einem Gartenzaun als Größenvergleich📌 Pin it
Ausgewachsene Liebstöckelstaude, fast zwei Meter hoch, neben einem Gartenzaun als Größenvergleich

Das ist der Punkt, den fast alle unterschätzen. Im ersten Jahr sieht Liebstöckel aus wie ein etwas kräftiger Sellerie. Nach fünf Jahren steht dort eine Staude, die höher ist als ein Gartenzaun und alles im Umkreis von einem Meter beschattet.

Plane von Anfang an 70 bis 100 Zentimeter Abstand in alle Richtungen ein. Niedrige Kräuter wie Thymian, Oregano oder Schnittlauch haben daneben keine Chance — nicht nur wegen des Schattens: Die ätherischen Öle des Liebstöckels hemmen das Wachstum benachbarter Pflanzen. Als Nachbar kommt eigentlich nur Estragon in Frage, und auch der mit Abstand.

Der beste Platz ist die Nordseite des Kräuterbeets oder eine Ecke am Rand, wo die Höhe nicht stört. Viele setzen ihn auch bewusst als Sichtschutz.

Standort und Boden

Liebstöckel gedeiht am besten sonnig bis halbschattig, kommt aber auch im Schatten zurecht — er wächst dort nur langsamer. Das macht ihn zu einem der wenigen Küchenkräuter für halbschattige Gärten.

Der Boden soll tiefgründig, humos und nährstoffreich sein und Feuchtigkeit halten können. Auf kargem Sandboden bleibt die Staude klein; arbeite dort vor dem Pflanzen reichlich Kompost ein. Kalk verträgt sie gut.

Pflanzen oder säen?

Die Jungpflanze ist der schnellere Weg und für die meisten der richtige. Setze sie zwischen April und September; im ersten Jahr erntest Du schon, ab dem zweiten hast Du mehr, als Du brauchst.

Aussäen lohnt, wenn Du mehrere Pflanzen willst oder eigenes Saatgut hast. Zwei Zeitfenster funktionieren:

  • März bis April — sobald der Boden abgetrocknet ist
  • September bis Oktober — die Samen keimen dann im Frühjahr

Liebstöckel ist Lichtkeimer: Das Saatgut nur andrücken, nicht mit Erde bedecken. Beet vorher wässern, danach gleichmäßig feucht halten. Bis sich das erste Grün zeigt, dauert es zwei bis drei Wochen.

Pflege: fast nichts zu tun

Liebstöckel ist so pflegeleicht, wie eine Staude nur sein kann. Zwei Dinge braucht er:

Wasser bei Trockenheit. Längere Trockenperioden mag er nicht — dann werden die Blätter hart und das Aroma bitter. Im Beet reicht Gießen in Hitzeperioden, im Topf muss es regelmäßig sein.

Einmal im Jahr Kompost. Eine Schaufel im Herbst, nachdem die Pflanze eingezogen ist, genügt für die ganze Saison. Wer mag, gibt im Frühjahr verdünnte Brennnesseljauche ins Gießwasser.

Im Winter passiert nichts. Die oberirdischen Teile sterben im Herbst ab — das ist normal und kein Pflegefehler. Kein Winterschutz nötig, kein Rückschnitt zwingend. Im Frühjahr treibt die Staude aus dem Wurzelstock wieder aus.

Ernten

Frisch geschnittene Liebstöckelstängel und -blätter auf einem Holzbrett neben einer Schüssel Suppe📌 Pin it
Frisch geschnittene Liebstöckelstängel und -blätter auf einem Holzbrett neben einer Schüssel Suppe

Von Mai bis September kannst Du laufend ernten. Schneide einzelne Stängel bodennah heraus, statt die Pflanze oben abzuschneiden — sie treibt dann sauberer nach.

Das Aroma ist vor der Blüte am kräftigsten. Wenn Dir Blätter wichtiger sind als Samen, schneide die Blütendolden ab, sobald sie erscheinen: Die Pflanze steckt ihre Kraft dann weiter ins Laub.

Für den Winter lässt sich Liebstöckel gut trocknen oder einfrieren — wie das geht, steht in Kräuter trocknen. Getrocknet verliert er allerdings deutlich an Kraft; eingefroren bleibt mehr Aroma erhalten.

In der Küche: sparsam dosieren

Der Geschmack lässt sich am ehesten als umami beschreiben — herzhaft, würzig, ähnlich wie Sellerie, nur intensiver. Und genau da liegt die Falle: Liebstöckel überwürzt schnell alles.

Faustregel: ein bis zwei Blätter für einen Topf Suppe, nicht mehr. Wer die Blätter nach zehn Minuten Kochzeit wieder herausnimmt, bekommt das Aroma ohne die Penetranz.

Gut passt er zu:

  • Suppen und Eintöpfen — der klassische Einsatz, besonders in Brühen
  • Eierspeisen und Pilzgerichten
  • Aufstrichen und Kräuterquark
  • Pesto aus den jungen Blättern, als Grundwürze für Pasta
  • Brot und Gebäck — dafür die getrockneten Samen

Samen ernten und aufbewahren

Reife braune Liebstöckelsamen an getrockneten Dolden, ein Teil davon in einer kleinen Papiertüte📌 Pin it
Reife braune Liebstöckelsamen an getrockneten Dolden, ein Teil davon in einer kleinen Papiertüte

Wenn Du eigenes Saatgut möchtest, lass einige Blütendolden stehen. Nach der Bestäubung bilden sich kleine Früchte, die braun werden müssen, bevor Du sie schneidest.

Schneide die ganze Dolde ab, lass sie kopfüber in einer Papiertüte eine Woche nachtrocknen und schüttle die Samen dann heraus. Aufbewahrt werden sie trocken und dunkel im Schraubglas.

Den größten Teil kannst Du übrigens in der Küche verwenden — für die Aussaat reichen ein paar Körner. Die Samen schmecken wie eine mildere Version des Krauts und passen an Brot, Reis und Käse.

Grünlich-gelbe Blütendolden einer Liebstöckelstaude vor dunkelgrünem Laub📌 Pin it
Grünlich-gelbe Blütendolden einer Liebstöckelstaude vor dunkelgrünem Laub

Vermehren durch Teilung

Ausgegrabener Liebstöckel-Wurzelstock, mit dem Spaten geteilt, daneben auf der Beeterde liegend📌 Pin it
Ausgegrabener Liebstöckel-Wurzelstock, mit dem Spaten geteilt, daneben auf der Beeterde liegend

Der einfachste Weg zu neuen Pflanzen — und gleichzeitig die Verjüngungskur, die eine alte Staude braucht. Ohne Teilung stirbt Liebstöckel nach etwa 15 Jahren von innen heraus ab.

So geht es: Im Frühjahr oder Herbst mit dem Spaten ein Stück vom Rand des Wurzelstocks abstechen. Jedes Teilstück braucht mindestens eine kräftige Knospe. An neuer Stelle wieder einpflanzen und gut angießen.

Bei jüngeren Pflanzen ist das leicht — die Wurzel sitzt noch nicht tief. Bei einer zehn Jahre alten Staude brauchst Du Kraft und einen scharfen Spaten.

Krankheiten und Schädlinge

Liebstöckel ist robust. Zwei Dinge kommen vor:

Blattläuse an den jungen Trieben im Frühjahr. Meist reicht Abspritzen mit dem Gartenschlauch; im Lauf des Jahres übernehmen Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen. Weil Du das Kraut isst, gehört hier ohnehin kein Mittel dran.

Blattflecken und Rostpilze treten selten auf, meist bei zu dichtem Stand oder anhaltender Nässe. Befallene Blätter abschneiden und in den Hausmüll geben, nicht auf den Kompost. Bei starkem Befall hilft ein kräftiger Rückschnitt — die Staude treibt zuverlässig wieder aus. Vorbeugend stärkt Schachtelhalmbrühe das Gewebe.

Was steckt drin

Für den typischen Maggi-Duft ist Sotolon verantwortlich, ein Bestandteil des ätherischen Öls. Dazu kommen Phthalide, die auch dem Sellerie sein Aroma geben — daher die geschmackliche Verwandtschaft.

An Nährstoffen liefert Liebstöckel B-Vitamine, Vitamin C und A sowie Kalzium, Eisen und Kalium. In der Volksmedizin wird er als Tee bei Harnwegsbeschwerden und zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt.

Lieferbar
SPERLI Liebstöckel-Samen „Maggikraut“

Eine Tüte reicht für mehrere Pflanzen, und mehr als eine brauchst Du nicht. Aussaat März bis April oder September bis Oktober, nur andrücken statt bedecken — Liebstöckel ist Lichtkeimer.

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Und noch einmal, weil es der häufigste Fehler ist: Setze Liebstöckel nicht neben niedrige Kräuter. Er beschattet nach zwei Jahren alles im Umkreis von einem Meter.

Woher der Name kommt

Mit Liebe hat der Name nichts zu tun, auch wenn das Kraut lange als Aphrodisiakum galt. „Liebstöckel" ist eine über Jahrhunderte verschliffene Form von ligusticum — der lateinischen Bezeichnung für die Pflanze, die auf die italienische Region Ligurien zurückgeht.

Die Heimat liegt vermutlich im Vorderen Orient. Über den Mittelmeerraum kam die Pflanze nach Europa, und ab dem 8. Jahrhundert wurde sie in mitteleuropäischen Kloster- und Bauerngärten angebaut. In Karls des Großen Landgüterverordnung steht sie namentlich als anzubauende Pflanze.

Passt gut dazu

Liebstöckel ist eine von wenigen Stauden, die jedes Jahr von allein wiederkommen — mehr davon in winterharte Kräuter. Wenn Du gerade ein Kräuterbeet planst, hilft die häufigsten Fehler beim Kräuteranbau — der Platzbedarf von Liebstöckel ist einer davon.

Schmeckt Liebstöckel wirklich wie Maggi?
Ja, das Aroma ist der bekannten Würzsoße verblüffend ähnlich — daher der Name Maggikraut. In der Flasche steckt die Pflanze allerdings nicht: Julius Maggi hat für seine Würze nie Liebstöckel verwendet. Verantwortlich für den Duft ist Sotolon, ein Bestandteil des ätherischen Öls.
Wie viel Platz braucht eine Liebstöckelpflanze?
Deutlich mehr, als die meisten einplanen. Eine ausgewachsene Staude wird bis zu zwei Meter hoch und einen Meter breit und bleibt zehn bis fünfzehn Jahre am selben Ort. Rechne mit 70 bis 100 Zentimetern Abstand in alle Richtungen und setze sie an den Rand oder die Nordseite des Beets, damit sie nichts beschattet.
Wann sät man Liebstöckel aus?
In zwei Zeitfenstern: März bis April, sobald der Boden abgetrocknet ist, oder September bis Oktober für die Keimung im folgenden Frühjahr. Liebstöckel ist Lichtkeimer — das Saatgut nur andrücken, nicht mit Erde bedecken. Bis das erste Grün erscheint, dauert es zwei bis drei Wochen.
Ist Liebstöckel winterhart?
Ja, vollständig, und er braucht keinerlei Winterschutz. Dass die Blätter im Spätsommer welken und die Pflanze im Herbst ganz einzieht, ist normal und kein Pflegefehler. Im Frühjahr treibt sie aus dem Wurzelstock neu aus.
Welche Pflanzen verträgt Liebstöckel als Nachbarn?
Am liebsten gar keine in der Nähe. Seine ätherischen Öle hemmen das Wachstum benachbarter Pflanzen, und nach zwei Jahren beschattet er alles im Umkreis von einem Meter. Niedrige Kräuter wie Thymian oder Oregano haben daneben keine Chance. Estragon kommt als Nachbar in Frage — mit Abstand.
Wie erntet man Liebstöckel richtig?
Von Mai bis September laufend einzelne Stängel bodennah herausschneiden, statt die Pflanze oben abzuschneiden — so treibt sie sauberer nach. Das Aroma ist vor der Blüte am kräftigsten. Wer vor allem Blätter will, schneidet die Blütendolden ab, sobald sie erscheinen.
Warum wird mein Liebstöckel gelb oder bitter?
Meist steckt Trockenheit dahinter. Längere Trockenperioden sind das Einzige, was die Staude wirklich übelnimmt: Die Blätter werden hart und das Aroma bitter. Gieße in Hitzeperioden durchdringend, im Topf regelmäßig. Gelbe Blätter im Spätsommer sind dagegen normal — die Pflanze zieht ein.
Kann man Liebstöckel im Topf halten?
Ja, aber nur in einem großen. Mindestens 30 Liter Volumen und ein Abzugsloch, besser mehr. Im Kübel bleibt die Staude kleiner, etwa einen Meter, was durchaus erwünscht sein kann. Dafür musst Du deutlich häufiger gießen, weil der Topf schneller austrocknet.

Quellen

  1. Hortipendium: Liebstöckel
  2. Wochenblatt: Hilfe, Rost am Liebstöckel
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