Pflanzentipps

Pflanzen durch Absenker vermehren: neue Sträucher aus einem Zweig

Absenker sind die entspannteste Vermehrung im Garten: Ein Zweig wurzelt an der Mutterpflanze, bevor du ihn abtrennst. Bogen-, Schlangen- und Spitzenabsenker erk

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 29. August 202610 Min Lesezeit
Pflanzen durch Absenker vermehren: neue Sträucher aus einem Zweig

Eine der ältesten Vermehrungsmethoden im Garten kommt ganz ohne Topf, Gewächshaus und Fensterbank aus — und ist obendrein die entspannteste, die es gibt. Beim Absenken biegst du einen Zweig deiner Lieblingspflanze zu Boden, lässt ihn dort anwurzeln und trennst ihn erst ab, wenn er eigene Wurzeln gebildet hat. Bis dahin versorgt ihn die Mutterpflanze weiter mit allem, was er braucht. Kein Vertrocknen, kein tägliches Kontrollieren, kaum Ausfälle. Wer schon einmal an Stecklingen verzweifelt ist, wird das Absenken lieben.

Was Absenker so besonders macht

Angehobener Trieb mit weißen jungen Wurzeln an der Kontaktstelle, während er noch mit dem Mutterstrauch verbunden ist.
Solange die Verbindung steht, versorgt die Mutterpflanze den Trieb mit Wasser und Nährstoffen.

Ein Absenker ist ein Trieb, der Wurzeln bildet, während er noch mit der Mutterpflanze verbunden ist. Genau darin liegt der ganze Trick: Ein Steckling muss sich allein durchschlagen und darf in den ersten Wochen weder vertrocknen noch faulen, bevor er eigene Wurzeln hat. Der Absenker dagegen hängt weiter am Saftstrom der Mutter und bekommt Wasser und Nährstoffe frei Haus, bis er selbst versorgungsfähig ist.

Das macht die Methode nicht nur bequem, sondern auch verlässlich. Selbst schwierige Kandidaten wie Rhododendron, Magnolie oder Zaubernuss, die sich über Stecklinge kaum bewegen lassen, bewurzeln als Absenker erstaunlich willig. Und weil der Trieb die ganze Zeit versorgt bleibt, entsteht am Ende keine mickrige Jungpflanze, sondern ein kräftiges, gut durchwurzeltes Exemplar, das im Beet sofort durchstartet.

Der Unterschied zu einem klassischen Steckholz ist wichtig: Das schneidest du komplett von der Pflanze ab und steckst es in die Erde — das ist die richtige Wahl für den Winter und für Massen an gleichartigen Sträuchern. Wenn du dich dafür interessierst, findest du das im Detail im Ratgeber Gehölze über Steckholz vermehren. Der Absenker ist die Methode für die halbe Vegetationsperiode, für heikle Arten und für alle, die sich möglichst wenig Arbeit machen wollen.

Der beste Zeitpunkt zum Absenken

Eine Hand biegt einen jungen, biegsamen Strauchtrieb im späten Frühjahr, im Hintergrund weitere [Sträucher](/pflanzen/zierpflanzen/straeucher/) und eine Gießkanne.
Biegsam, aber schon fest: Genau solche einjährigen Triebe senkst du ab.

Absenken funktioniert über die gesamte Wachstumsphase, weil der Trieb ja versorgt bleibt. Zwei Fenster sind aber ideal: das Frühjahr, wenn die Pflanze voll im Saft steht und die jungen Triebe biegsam sind, und der Spätsommer bis Frühherbst, wenn der Boden noch warm und feucht ist. Im Frühjahr abgesenkte Triebe haben eine ganze Saison Zeit zum Wurzeln; im Herbst gesteckte wurzeln über den Winter langsam an und legen im nächsten Frühjahr los.

Entscheidend ist weniger der Kalender als der Trieb selbst. Am besten eignen sich einjährige, biegsame Triebe aus dem unteren Bereich der Pflanze — alt genug, um stabil zu sein, jung genug, um sich ohne Bruch zum Boden biegen zu lassen. Verholzte, starre Äste knicken beim Herunterbiegen; ganz weiche Neutriebe sind noch zu instabil. Der ideale Trieb lässt sich zum Boden ziehen, federt aber nicht sofort zurück.

Wie lange die Bewurzelung dauert, hängt von der Art ab: Kletterpflanzen und Beerensträucher zeigen oft nach vier bis sechs Wochen erste Wurzeln, Sträucher brauchen mehrere Monate, größere Gehölze schon mal eine volle Saison. Gib der Pflanze diese Zeit — die Mutter hält den Absenker so lange am Leben, es eilt nicht.

Bogenabsenker: die Standardmethode Schritt für Schritt

Ein biegsamer Zweig liegt in einer flachen Erdrille, ist an der Unterseite angeritzt, mit einem Drahthaken fixiert und wird mit dunkler Erde bedeckt.
Anritzen, fixieren, anhäufeln — mehr braucht der Bogenabsenker nicht.

Der Bogenabsenker ist die klassische Variante und die, mit der du anfangen solltest. Such dir einen gesunden, biegsamen Trieb aus, der sich bequem bis zum Boden ziehen lässt, und geh dann so vor:

  1. Kontaktstelle vorbereiten: Zupf an der Stelle, die später in der Erde liegt, alle Blätter ab. Ritz die Unterseite des Triebs mit einem sauberen Messer leicht an oder schneide sie schräg ein Stück ein — durch die Verletzung tritt Wundgewebe aus, und genau dort bilden sich die Wurzeln. Wer mag, bestäubt die Wunde mit etwas Bewurzelungshilfe; nötig ist das bei den meisten Arten nicht.
  2. Trieb fixieren: Zieh den Trieb in eine flache Rille von etwa fünf bis zehn Zentimetern Tiefe und halte ihn dort mit einem gebogenen Draht, einem Zelthering oder einem gegabelten Ast fest. Die belaubte Triebspitze muss oben aus der Erde herausschauen und weiter Licht bekommen.
  3. Anhäufeln und angießen: Bedeck die Kontaktstelle mit lockerer, humoser Erde und drück sie leicht an. Ein flacher Stein oder eine kleine Erdkuppe darüber hält die Stelle feucht und beschwert den Trieb zusätzlich.

Danach ist deine wichtigste Aufgabe, die Stelle gleichmäßig feucht zu halten — trockener Boden ist der häufigste Grund fürs Scheitern. Zieh den Trieb auf keinen Fall zur Kontrolle hoch; ob er wurzelt, erkennst du später am frischen Austrieb der Spitze.

Schlangenabsenker: mehrere Pflanzen aus einer Ranke

Eine lange Kletterranke liegt in Wellen am Boden, mehrere Abschnitte sind mit kleinen Erdhügeln bedeckt, dazwischen ragen belaubte Stücke heraus.
Aus einer einzigen langen Ranke werden so gleich mehrere Jungpflanzen.

Bei langen, flexiblen Kletterpflanzen wäre es Verschwendung, aus einer meterlangen Ranke nur eine einzige Pflanze zu ziehen. Der Schlangenabsenker — auch Wellenabsenker genannt — löst das elegant: Du legst die Ranke in Wellen auf den Boden und vergräbst abwechselnd ein Stück in der Erde, während das nächste mit Blättern oben herausschaut.

An jedem vergrabenen Abschnitt gehst du vor wie beim Bogenabsenker: Blätter entfernen, Trieb leicht anritzen, mit Erde bedecken. Wichtig ist, dass zwischen zwei Erdstellen immer ein belaubtes Stück mit mindestens einer Knospe frei bleibt — daraus wird später der Trieb der neuen Pflanze. So entstehen aus einer einzigen Ranke schnell fünf oder sechs bewurzelte Jungpflanzen.

Diese Methode ist wie gemacht für Clematis, Geißblatt, Blauregen, Trauben und Kletterrosen. Gerade bei Rosen lohnt sich der Blick auf die verschiedenen Wege — welche Methode wann passt, steht ausführlich unter Rosen aus Stecklingen vermehren. Beim Abtrennen später schneidest du die Ranke einfach zwischen den bewurzelten Stellen in Einzelpflanzen.

Spitzenabsenker: der Trick für Beerensträucher

Die überhängende Spitze einer Brombeerrute ist in den Boden gebogen und eingegraben, ein Bambusstab hält sie fest, darüber die belaubte Rute.
Bei Brombeeren und Himbeeren wurzelt schon die eingegrabene Triebspitze.

Manche Pflanzen erledigen das Absenken fast von allein — man muss nur mitspielen. Brombeeren, Himbeeren und andere rankende Beeren bilden an der Spitze ihrer überhängenden Ruten ganz natürlich Wurzeln, sobald diese den Boden berühren. Wer im Spätsommer eine Brombeerhecke sich selbst überlässt, hat im Frühjahr rundherum neue Pflanzen.

Beim Spitzenabsenker machst du dir das gezielt zunutze: Du biegst das Ende einer kräftigen Rute nach unten und vergräbst die oberen fünf bis zehn Zentimeter der Triebspitze in einem kleinen Erdloch. Ein Bambusstab oder ein Haken hält alles an Ort und Stelle. Anders als beim Bogenabsenker wurzelt hier nicht die Mitte, sondern die Spitze — aus ihr wächst ein völlig neuer, aufrechter Trieb.

Der beste Zeitpunkt dafür ist der Spätsommer von etwa August bis September. Bis zum Frost hat die Spitze angewurzelt und übersteht den Winter im Boden. Im Frühjahr trennst du die junge Pflanze von der Mutterrute und setzt sie um. Neben Brombeere und Himbeere klappt das auch mit Hartriegel und einigen Felsenbirnen.

Anhäufeln und Abmoosen: wenn der Trieb nicht auf den Boden kommt

An einem dicken Holztrieb ist ein Rindenring entfernt und die Stelle mit feuchtem Moos umhüllt, das in durchsichtige Folie gewickelt und oben und unten abgebunden ist.
Beim Abmoosen kommt das feuchte Moos zum Trieb — nicht der Trieb zur Erde.

Nicht jede Pflanze hat biegsame Triebe, die sich zum Boden ziehen lassen. Für starre, aufrecht wachsende Sträucher gibt es das Anhäufeln: Statt den Trieb zur Erde zu bringen, bringst du die Erde zum Trieb. Im Frühjahr schneidest du den Strauch bodennah zurück, sodass er viele neue Bodentriebe bildet. Sobald diese etwa 20 Zentimeter hoch sind, häufelst du sie mit lockerer Erde an — nur die Spitzen schauen heraus. Im Herbst haben die verschütteten Triebbasen Wurzeln gebildet, und du kannst sie einzeln abtrennen. Diese alte Gärtnermethode steckt hinter der Massenvermehrung von Unterlagen für Obstbäume und funktioniert prima bei Quitte, Johannisbeere und Haselnuss.

Wenn selbst das nicht geht — etwa bei einem hohen Gehölz oder einer großen Zimmerpflanze wie Gummibaum oder Ficus — hilft das Abmoosen. Hier ziehst du die Wurzeln mitten in der Luft am Trieb. Am gewählten Punkt entfernst du rundum einen zwei bis drei Zentimeter breiten Rindenring bis aufs Holz oder ritzt den Trieb keilförmig an. Diese Stelle umhüllst du mit einer Handvoll feuchtem, ausgedrücktem Sphagnum-Moos und wickelst eine durchsichtige Folie darum, die du oben und unten fest abbindest. Das Moos hält die Feuchtigkeit, die Folie lässt dich die Wurzelbildung beobachten. Nach zwei bis fünf Monaten ist das Moos durchwurzelt — dann sägst du den Trieb unterhalb der Wurzeln ab und topfst die neue, schon ansehnliche Pflanze ein.

Welche Pflanzen sich fürs Absenken eignen

Gartenbeet mit einem Blütenstrauch, einer Kletterpflanze am Spalier, einem Beerenstrauch und Lavendel im Sommer.
Von Strauch bis Kletterpflanze — die meisten biegsamen Triebe lassen sich absenken.

Grundsätzlich lässt sich fast alles absenken, was biegsame Triebe mit der Fähigkeit zur Wurzelbildung hat. Manche Arten machen es dir aber besonders leicht. Die folgende Übersicht hilft dir bei der Wahl der passenden Methode.

PflanzengruppeBeispielePassende Methode
BlütensträucherForsythie, Weigelie, Deutzie, Spierstrauch, FliederBogenabsenker
Heikle GehölzeRhododendron, Magnolie, Zaubernuss, KamelieBogenabsenker
KletterpflanzenClematis, Geißblatt, Blauregen, Trauben, KletterroseSchlangenabsenker
BeerensträucherBrombeere, Himbeere, FelsenbirneSpitzenabsenker
Kräuter und HalbsträucherLavendel, Rosmarin, Salbei, Thymian, BohnenkrautBogenabsenker
Starre SträucherJohannisbeere, Quitte, HaselnussAnhäufeln
Zimmerpflanzen und hohe GehölzeGummibaum, Ficus, Feige, MagnolieAbmoosen

Ein guter Anfängertipp: Fang mit etwas an, das ohnehin in deinem Garten wächst und dort gut gedeiht. Dann passt die Jungpflanze garantiert zu deinem Boden und Klima — und du siehst schnell erste Erfolge, die Lust auf die nächste Runde machen.

Abtrennen, umsetzen und weiterpflegen

Eine Gartenschere durchtrennt die Verbindung zwischen einem bewurzelten Absenker und dem Mutterstrauch, daneben die junge Pflanze mit Erdballen.
Erst wenn eigene Wurzeln sitzen, kappst du die Nabelschnur zur Mutterpflanze.

Der häufigste Fehler ist Ungeduld. Trenn den Absenker erst ab, wenn er wirklich eigene Wurzeln hat — sonst nimmst du ihm die Versorgung, bevor er sich selbst tragen kann. Sichere Zeichen sind kräftiger neuer Austrieb an der Triebspitze und ein spürbarer Widerstand, wenn du ganz vorsichtig am Trieb ziehst. Im Zweifel gibst du lieber ein paar Wochen mehr Zeit.

Zum Abtrennen kappst du die Verbindung zur Mutterpflanze mit einer scharfen, sauberen Schere direkt vor der bewurzelten Stelle. Lass die frisch getrennte Pflanze danach am besten noch zwei bis vier Wochen an Ort und Stelle stehen, damit sie sich an die Selbstversorgung gewöhnt, bevor du sie ausgräbst. So übersteht sie den Umzug deutlich besser.

Beim Ausgraben nimmst du reichlich Erde mit, damit die feinen jungen Wurzeln nicht abreißen. Setz die Pflanze an ihren neuen Platz, gieß sie durchdringend an und halte sie die erste Zeit gleichmäßig feucht. Eine Schicht Mulch aus Laub oder Rasenschnitt schützt die Wurzeln und spart Gießwasser. Im ersten Standjahr investiert die junge Pflanze vor allem in Wurzeln — mit üppiger Blüte oder reicher Ernte rechne erst im zweiten Jahr. Dann aber hast du eine vollwertige, kostenlose Kopie deiner Lieblingspflanze, ganz ohne Topf, Torf und Transport.

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