Pflanzentipps

Gehölze über Steckholz vermehren: Neue Sträucher aus einem Winterschnitt

Aus einem Zweig ein neuer Strauch: Wie du Johannisbeeren, Weiden, Forsythie und Co. im Winter kostenlos über Steckholz vermehrst.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 6. August 20267 Min Lesezeit
Gehölze über Steckholz vermehren: Neue Sträucher aus einem Winterschnitt

Ein kahler Strauch, ein scharfer Schnitt, ein Stück Zweig in die Erde — und ein Jahr später steht dort eine neue Pflanze. Das klingt nach Zauberei, ist aber eine der ältesten und verlässlichsten Vermehrungsmethoden im Garten. Über Steckholz vermehrst du viele Gehölze im Winter, wenn ohnehin gerade wenig zu tun ist und beim Rückschnitt Material anfällt. Kein Gewächshaus, keine teure Ausrüstung, kaum Pflege. Was du brauchst, wächst schon im Garten.

Was ein Steckholz kann

Behandschuhte Finger halten ein bleistiftdickes, blattloses Steckholz mit deutlich sichtbaren ruhenden Knospen vor einem winterlichen Garten.
Ein Steckholz ist nichts anderes als ein Stück ausgereifter Trieb mit schlafenden Knospen.

Ein Steckholz ist ein Stück eines ausgereiften, verholzten Triebs, den du in der blattlosen Zeit schneidest und bewurzeln lässt. Anders als ein grüner Steckling im Sommer trägt es keine Blätter, über die es Wasser verlieren könnte, und die Knospen schlafen. Genau das macht die Methode so entspannt: Das Holz vertrocknet nicht in Tagen, sondern hat Wochen und Monate Zeit, in aller Ruhe Wurzeln zu bilden.

Der Reiz liegt im Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Ein einziger kräftiger Trieb liefert oft drei bis fünf Steckhölzer, und weil du das Material beim winterlichen Auslichten sowieso in der Hand hast, kostet dich eine ganze Reihe neuer Sträucher nichts außer Geduld. Für eine neue Hecke, einen Windschutz oder ein paar Beerensträucher mehr ist das der günstigste Weg, den es gibt — und der nachhaltigste, weil kein Topf, kein Transport und kein Torf im Spiel sind.

Der richtige Moment: die Winterruhe nutzen

Kahler Johannisbeerstrauch mit reifbedeckten einjährigen Trieben steht in einem winterlichen Gartenbeet in tiefer Sonne.
Solange das Gehölz ohne Blätter ruht, verliert ein Schnitt es kaum etwas.

Steckhölzer schneidest du, während das Gehölz ruht — grob von November bis Februar, an einem frostfreien, trockenen Tag. In dieser Zeit stecken alle Reserven im Holz, die Knospen sind fest angelegt, und die Pflanze steckt einen Schnitt locker weg. Ideal ist der Zeitraum kurz nach dem Laubfall bis kurz vor dem Austrieb.

Vermeide klirrenden Frost: Gefrorenes Holz splittert am Schnitt und die Zellen nehmen Schaden. Warte lieber auf einen milden Tag, an dem die Gartenschere sauber durchgeht. In rauen Lagen im Bergland oder im Alpenvorland verschiebt sich das Fenster eher in den Spätwinter, in milden Weinbaulagen am Rhein kannst du schon im November loslegen. Der Trieb selbst verrät dir den richtigen Moment besser als der Kalender: Er soll komplett ausgereift und fest sein, nicht mehr weich und grün.

Diese Gehölze machen es dir leicht

Auf Jute liegen nach Art sortierte blattlose Zweige von [Johannisbeere](/pflanzen/obst-beeren/johannisbeeren/), Weide, [Forsythie](/pflanzen/zierpflanzen/forsythien/) und Hartriegel in verschiedenen Rindenfarben.
Weide und Johannisbeere wurzeln fast von selbst — ein guter Start für die erste Runde.

Nicht jedes Gehölz bewurzelt gleich willig, aber die Liste der dankbaren Kandidaten ist lang. Fang mit den sicheren Bänken an, dann hast du schnell Erfolgserlebnisse.

GehölzWas daraus wird
Johannisbeere, StachelbeereBeerensträucher fürs Naschbeet
Weide, PappelSichtschutz, Uferbepflanzung, Flechtmaterial
Forsythie, Deutzie, Weigeliefrühe Blüte und lockere Blütensträucher
Hartriegel (Cornus)farbige Winterrinde, Hecke
Sommerflieder, HolunderNahrung für Insekten und Vögel
Feige, Kornelkirscheessbare Früchte für milde Lagen
Ligusterdichte, schnittfeste Hecke

Besonders leicht tun sich Weiden, Pappeln und Johannisbeeren — die wurzeln fast ohne Zutun. Etwas mehr Geduld verlangen Feige oder Kornelkirsche. Auch Rosen lassen sich über verholzte Triebe ziehen, folgen aber eigenen Regeln; wenn du dich daran versuchen willst, hilft dir die ausführliche Anleitung zum Rosen aus Stecklingen vermehren weiter. Für den Einstieg gilt: Nimm ein Gehölz, das schon in deinem Garten steht und dort gut wächst — dann passt es garantiert zu Boden und Klima.

Schneiden: unten gerade, oben schräg

Hände schneiden mit einer Gartenschere ein Steckholz oben schräg über einer Knospe, daneben ein Steckholz mit geradem Schnitt am unteren Ende.
Unten gerade, oben schräg — so weißt du immer, welches Ende in die Erde gehört.

Wähl einen gesunden, einjährigen Trieb — also das Holz, das in der letzten Saison gewachsen ist. Es sollte etwa bleistiftdick und gut ausgereift sein, weder dünn und schlapp noch schon mehrjährig und knorrig. Schneide den Trieb in Stücke von 15 bis 25 Zentimetern, jedes mit mindestens drei bis vier Knospen.

Jetzt kommt der einzige Kniff, den du dir merken musst: Am unteren Ende schneidest du gerade, dicht unter einer Knospe — dort bilden sich später die Wurzeln. Am oberen Ende schneidest du schräg, dicht über einer Knospe. Der schräge Schnitt hat zwei Aufgaben: Regenwasser läuft ab statt in den Trieb zu ziehen, und du erkennst auf einen Blick, welches Ende nach oben gehört. Nichts ist ärgerlicher als ein verkehrt herum gestecktes Holz, das nie treibt. Arbeite mit einer sauberen, scharfen Schere, damit die Schnittflächen glatt sind und nicht quetschen.

Der Bewurzelung nachhelfen — Weidenwasser statt Chemie

Einmachglas mit trübem Weidenwasser und gehackten grünen Weidenstücken, in das die unteren Enden mehrerer Steckhölzer eingetaucht sind.
Weidenwasser liefert die Wurzelhilfe gratis aus dem eigenen Garten.

Die meisten der genannten Gehölze bewurzeln ganz ohne Hilfsmittel. Wer den etwas störrischeren Arten unter die Arme greifen will, braucht keine gekauften Bewurzelungspulver: Der Garten liefert die Wurzelhilfe selbst.

Weidenwasser ist der Klassiker. Schneide junge, dünne Weidentriebe in etwa fingerlange Stücke, übergieße zwei Teile davon mit einem Teil heißem Wasser und lass das Ganze mindestens einen Tag ziehen. Weide enthält von Natur aus Stoffe, die die Wurzelbildung anregen. Stell die unteren Enden deiner Steckhölzer für ein paar Stunden hinein, bevor du sie steckst. Alternativ tut ein Löffel Honig in einer Tasse abgekochtem, abgekühltem Wasser ähnliche Dienste — Honig wirkt leicht keimhemmend und schützt die Schnittstelle. Beides ist torffrei, günstig und ohne Rückstände. Übertreib es nicht: Bei Weide, Johannisbeere und Pappel kannst du dir den Schritt komplett sparen.

Stecken und über den Winter bringen

Reihe blattloser Steckhölzer steckt zu zwei Dritteln in einem sandigen Anzuchtbeet, nur das obere Drittel schaut mit einer Knospe heraus.
Zwei Drittel in die Erde, ein Drittel heraus — mehr Geheimnis steckt nicht dahinter.

Such dir eine geschützte, nicht zu sonnige Ecke im Garten oder leg ein kleines Anzuchtbeet an. Lockere den Boden und arbeite bei schweren, lehmigen Böden etwas Sand ein, damit keine Staunässe entsteht. Steck die Hölzer so tief, dass nur rund ein Drittel mit einer Knospe herausschaut — der größere Teil sitzt in der Erde. Halte etwa 10 bis 15 Zentimeter Abstand, damit sich später die jungen Wurzeln nicht ins Gehege kommen.

Drück die Erde ringsum gut an, damit das Holz Bodenschluss hat und nicht in einem Luftloch hängt. Danach einmal durchdringend gießen. Über den Winter brauchen die Steckhölzer kaum Pflege — sie ruhen mit. In sehr rauen Lagen schützt eine Schicht Laub oder Reisig vor dem tiefsten Frost und dem Hochfrieren des Bodens. Ein Frühbeetkasten oder eine Haube ist nett, aber für die robusten Arten nicht nötig.

Durchs Jahr pflegen und umsetzen

Über einem Spaten liegt ein bewurzeltes Jungsträuchchen mit weißen neuen Wurzeln am unteren Ende und frischen grünen Trieben oben.
Nach einem Jahr im Beet hat aus dem Zweig eine umzugsfertige Jungpflanze geworden.

Ab dem Frühjahr passiert das eigentliche Wunder: Unter der Erde bilden sich Wurzeln, oben treiben die Knospen aus. Lass dich vom ersten Grün nicht täuschen — ein Trieb heißt noch nicht, dass unten schon Wurzeln sitzen. Zieh die Hölzer auf keinen Fall zur Kontrolle heraus, das reißt die feinen jungen Wurzeln ab. Gib der Pflanze das volle Jahr.

Im Sommer ist gleichmäßige Feuchtigkeit das Wichtigste, gerade in Trockenphasen. Gieß morgens und durchdringend statt oft und wenig; wer die Hölzer in Töpfen zieht, muss häufiger wässern als im offenen Beet. Rechne von Anfang an mit ein paar Ausfällen und steck lieber ein paar Hölzer mehr — die Reserve kostet dich nichts. Im Herbst nach etwa zwölf Monaten haben die kräftigsten Jungpflanzen ein ordentliches Wurzelwerk gebildet. Dann kannst du sie vorsichtig ausgraben und an ihren endgültigen Platz setzen. Aus einem Stück Winterschnitt ist ein fertiger Strauch geworden.

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