Zimmerpflanzen

Aloe vera Gel selber machen: vom Blatt zum reinen Gel

Aloe vera Gel selber machen: welches Blatt du schneidest, warum das Aloin ablaufen muss und wie das Gel wochenlang frisch bleibt.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 20. Oktober 20269 Min Lesezeit
Aloe vera Gel selber machen: vom Blatt zum reinen Gel

Aloe vera Gel selber machen: vom Blatt zum reinen Gel

Gekauftes Aloe-vera-Gel besteht oft zu großen Teilen aus Wasser, Verdickungsmittel und Konservierung — und steht in einer Plastiktube, die nach drei Wochen im Müll landet. Wenn auf deiner Fensterbank eine ausgewachsene Aloe steht, hast du die bessere Variante längst da: ein einzelnes Blatt liefert ungefähr 100 bis 150 Milliliter klares Gel, und das kostet dich zehn Minuten Arbeit.

Der Haken liegt nicht im Schneiden, sondern in dem Schritt dazwischen, den fast alle Anleitungen unterschlagen: zwischen Blattrand und Gel sitzt eine gelbe Schicht, die auf der Haut brennt und im Magen noch unangenehmer wird. Wer die rausbekommt, hat am Ende ein Gel, das neutral riecht, sich schnell einzieht und zwei Wochen hält. Wer sie drin lässt, wundert sich über Zwiebelgeruch und gerötete Haut.

Wann die Pflanze erntereif ist

Eine Aloe vera darf erst dann Blätter abgeben, wenn sie genug Reserven hat — und das dauert. Als Faustregel gilt: ab dem dritten Standjahr, bei langsam gewachsenen Pflanzen eher ab dem vierten oder fünften. Eine Aloe, die du im Frühjahr im Baumarkt gekauft hast und die gerade zwölf dünne Blätter trägt, ist noch keine Erntepflanze. Sie wächst dann nur Blattmasse nach statt Wurzeln, und das schwächt sie über Jahre.

Woran du Erntereife erkennst: die Rosette hat mindestens zwölf bis fünfzehn Blätter, die äußeren sind am Ansatz gut fünf Zentimeter breit und fühlen sich beim Drücken prall an wie eine Gurke. Ein voll entwickeltes Blatt wird 30 bis 40 Zentimeter lang. Bleibt deine Pflanze deutlich darunter und schiebt nur blasse, schlappe Blätter, liegt das meist am Licht — Aloe vera will vollsonnig stehen, Südfenster ist Pflicht, und bei zu wenig Sonne bildet sie weniger Gel ein. Was die Pflanze sonst braucht, steht ausführlich in unserem Ratgeber zur Aloe vera Pflege.

Hand hält ein dickes, breites Außenblatt einer Aloe vera, im Rosettenzentrum stehen dünnere junge Blätter.
Die dicken Außenblätter sind die ältesten — und die einzigen, die sich lohnen

Ernten kannst du im Prinzip das ganze Jahr über, solange die Pflanze gesund ist. Im Winter, wenn sie bei 5 bis 15 Grad hell und trocken überwintert, nimm höchstens ein Blatt — in der Ruhephase schließt sich die Wunde langsamer.

Das richtige Blatt auswählen und schneiden

Du nimmst immer die äußeren, unteren Blätter. Die sind die ältesten, haben den dicksten Gelkern und werden von der Pflanze sowieso irgendwann abgestoßen. Die zarten Blätter in der Mitte sind der Nachwuchs — lässt du die stehen, wächst die Rosette weiter.

Mehr als zwei Blätter auf einmal solltest du nicht abnehmen, auch nicht von einer großen Pflanze. Jedes Blatt ist ein Wasserspeicher, und eine Aloe ohne Speicher reagiert auf den nächsten Trockenstress mit schrumpeligen Blattspitzen.

So gehst du vor:

  1. Messer desinfizieren. Ein schmales, scharfes Küchen- oder Filetiermesser, kurz mit Spiritus oder heißem Wasser abgewischt. Über eine schmutzige Schnittfläche wandern Fäulniserreger direkt in die Rosette.
  2. Blatt freilegen. Die Nachbarblätter mit der freien Hand vorsichtig zur Seite drücken, sonst schneidest du sie an.
  3. Flach am Ansatz schneiden. Das Messer möglichst dicht an der Rosette ansetzen, in einem Zug durchziehen. Einen Blattstummel stehen zu lassen ist der häufigste Fehler — er trocknet nicht richtig ab, sondern wird weich und fault von innen.
  4. Nicht reißen. Abdrehen oder abziehen reißt die Blattbasis ein und hinterlässt eine große, offene Wundfläche.
Ein schmales Messer trennt ein Außenblatt der Aloe vera direkt am Rosettenansatz ab.
Flach am Ansatz schneiden — ein Stummel fault später von innen

Aloin ablaufen lassen: der Schritt, den die meisten überspringen

Direkt unter der grünen Blatthaut verläuft eine Schicht Leitgewebe, aus der ein gelblich-brauner Saft austritt. Der enthält Aloin, einen bitteren Abführstoff. Auf der Haut reizt er, innerlich wirkt er stark abführend, und er bringt den charakteristischen Geruch mit, den viele als zwiebelig oder scharf beschreiben. Genau deshalb wird industrielles Aloe-Gel entbittert.

Bei dir übernimmt das die Schwerkraft. Stell das Blatt mit der Schnittfläche nach unten in ein hohes Glas oder einen Messbecher und lass es stehen. Eine Stunde ist das Minimum, bei dicken Blättern sind zwei bis drei Stunden besser. Du siehst den Erfolg: am Glasboden sammelt sich eine gelbbraune Pfütze.

Aloe-vera-Blatt steht mit der Schnittfläche nach unten in einem Glas, am Boden sammelt sich gelbbrauner Saft.
Diese gelbe Pfütze im Glas ist der Grund für die Wartezeit

Danach das Blatt unter kaltem Wasser rundum abspülen und mit einem Tuch trocken tupfen. Den abgelaufenen Saft kannst du wegspülen — in den Kompost gehört er nicht, Bitterstoffe in größerer Menge sind für Bodenlebewesen kein Gewinn.

Blatt filetieren: Gel sauber vom Blattrand trennen

Jetzt kommt die Feinarbeit. Ziel ist klares Gel ohne grüne Fasern und ohne gelbe Schlieren.

  1. Stacheln kappen. Mit dem Messer die beiden dornigen Längskanten als schmale Streifen abschneiden.
  2. Blattspitze und -basis entfernen. Die letzten zwei bis drei Zentimeter sind faserig und liefern kaum Gel.
  3. Oberseite abschälen. Das Blatt mit der flachen Seite nach unten auflegen und die gewölbte Oberhaut flach abschneiden — wie beim Filetieren eines Fisches. Darunter liegt das Gel frei.
  4. Gel ausschaben. Mit einem Esslöffel das klare Gel aus der Blattwanne schaben. Schaben ist besser als Würfeln: du nimmst nur den klaren Kern mit und lässt die grünliche Innenschicht sitzen, in der noch Aloin steckt.
  5. Kurz nachspülen. Das Gel in einem Sieb mit kaltem Wasser abbrausen, wenn es noch gelbliche Stellen hat.
Ein Löffel schabt klares Gel aus einem geschälten Aloe-vera-Blatt in eine kleine Schale.
Schaben statt schneiden: so bleibt die grüne Blattschicht im Blatt

Aus drei bis vier mittelgroßen Blättern bekommst du so rund 150 Milliliter Gel. Für eine glatte, streichfähige Konsistenz kannst du es kurz mit dem Stabmixer aufschlagen — dann wird es milchig-trüb statt stückig, was für die Haut keinen Unterschied macht, aber angenehmer aufzutragen ist.

Die abgeschnittenen Blattränder und Schalen sind unbedenklich kompostierbar, sofern du vorher den Bittersaft abgespült hast.

Haltbar machen: Kühlschrank, Eiswürfel, Vitamin C

Frisches Aloe-Gel ist ein unkonserviertes Naturprodukt und verhält sich auch so.

  • Kühlschrank: im sauberen, luftdicht verschlossenen Schraubglas etwa zwei Wochen. Immer mit einem sauberen Löffel entnehmen, nie mit dem Finger — das verkürzt die Haltbarkeit drastisch.
  • Gefrierfach: die bessere Lösung für größere Mengen. Gel in eine Eiswürfelform gießen, durchfrieren lassen, die Würfel in ein Glas oder eine wiederverwendbare Dose umfüllen. Haltbar bleibt es so viele Monate, und ein Würfel ist genau eine Anwendung.
  • Vitamin C: eine Messerspitze Ascorbinsäure auf 100 Milliliter Gel bremst die Oxidation, das Gel bleibt länger klar statt bräunlich. Ein Konservierungsmittel ist es nicht — die zwei Wochen im Kühlschrank verlängert es nur geringfügig.
Eiswürfelform mit Aloe-vera-Gel, daneben ein beschriftetes Schraubglas mit frischem Gel.
Portionsweise einfrieren schlägt jedes Konservierungsmittel

Beschrifte das Glas mit dem Datum. Verdorbenes Gel erkennst du am säuerlichen Geruch, an einer rosa- bis bräunlichen Verfärbung oder daran, dass es sich verflüssigt und eine wässrige Schicht absetzt. Dann wegwerfen, nicht abschöpfen.

Was du mit dem Gel machen kannst

Der naheliegendste Einsatz ist Hautpflege, und dafür ist das selbst gewonnene Gel tatsächlich gut geeignet:

  • Nach Sonne und bei kleinen Hautreizungen: dünn auftragen, antrocknen lassen. Das Gel kühlt durch Verdunstung und zieht schnell ein. Ein Würfel aus dem Gefrierfach direkt auf die Stelle wirkt noch angenehmer.
  • Nach Insektenstichen und bei Juckreiz: punktuell auftupfen.
  • Als leichte Feuchtigkeitspflege: eine haselnussgroße Menge aufs feuchte Gesicht, danach bei trockener Haut eine Creme darüber. Pur ersetzt Aloe keine fetthaltige Pflege, sie bindet nur Wasser.
  • Als Rasiergel: eine dünne Schicht statt Schaum, hält die Klinge gleiten und spart eine Dose Treibgas.
  • Als Haarmaske: ins feuchte Haar und in die Kopfhaut einmassieren, 20 Minuten einwirken lassen, mit kühlem Wasser ausspülen. Sparsam dosieren, sonst wirkt feines Haar beschwert.
  • Gegen fliegende Haare: eine winzige Menge zwischen den Handflächen verteilen und über die Haarlängen streichen.
Zwei Fingerspitzen verteilen eine dünne Schicht Aloe-vera-Gel auf leicht gerötete Haut am Unterarm.
Dünn auftragen reicht — dicke Schichten trocknen nur zu einem Film

Was Aloe vera nicht ist: ein Mittel für offene oder nässende Wunden, für Verbrennungen mit Blasenbildung oder für großflächige Sonnenbrände. Da gehört medizinische Versorgung hin, kein Fensterbank-Gel.

Wo Vorsicht gilt

Zwei Punkte, die man bei einem Hausmittel leicht übergeht.

Auf der Haut: Mach vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest. Ein Tupfen Gel in die Armbeuge, 24 Stunden abwarten. Bleibt die Stelle reizlos, ist das Gel für dich in Ordnung. Rötung, Brennen oder Bläschen deuten entweder auf eine echte Aloe-Empfindlichkeit hin oder darauf, dass noch Aloin im Gel steckt.

Kleiner Tupfen Aloe-vera-Gel als Verträglichkeitstest auf der Innenseite eines Unterarms.
Ein Tupfen in der Armbeuge, 24 Stunden warten — mehr braucht der Test nicht

Innerlich: Hier ist die Antwort kurz — lass es. Selbst gewonnenes Gel lässt sich zu Hause nicht zuverlässig von Aloin befreien, und die Abführwirkung ist kein Nebeneffekt, sondern der Hauptgrund, warum das Bundesinstitut für Risikobewertung bei Aloe-Zubereitungen zum Verzehr zurückhaltend ist. Für Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit Darmerkrankungen gilt das besonders. Wenn du Aloe trinken willst, kauf ein entbittertes Produkt aus der Apotheke und halte dich an die Dosierung auf der Packung.

Nach der Ernte: die Pflanze wieder in Form bringen

Die Schnittstelle an der Rosette bleibt offen und sollte sich innerhalb von ein bis zwei Tagen zu einem trockenen, hellen Kallus schließen. Damit das klappt:

  • Zwei Wochen nicht gießen. Feuchtigkeit an der frischen Wunde ist der direkte Weg zu Fäulnis. Die Pflanze hat genug Wasser im Rest der Blätter.
  • Hell und luftig stellen, nicht in die pralle Mittagssonne hinter Glas — der Rand kann sonst nachtrocknen und einreißen.
  • Nicht düngen. Die Aloe braucht jetzt keinen Wachstumsschub, sondern Ruhe. Falls du düngst, dann erst nach vier Wochen und mit Kakteendünger in halber Konzentration.
  • Nicht umtopfen. Zwei Belastungen gleichzeitig verträgt keine Sukkulente gut. Wenn Umtopfen fällig ist, nimm dafür den nächsten Frühling.
Aloe vera im Tontopf nach der Ernte, an einer Stelle ist eine trockene Schnittfläche am Blattansatz sichtbar.
Zwei Wochen nicht gießen — die Wunde schließt sich von allein

Bis die Pflanze das abgenommene Blatt ersetzt hat, dauert es je nach Licht sechs bis zwölf Monate. Wer regelmäßig Gel braucht, hält deshalb besser zwei oder drei Pflanzen im Wechsel — zum Beispiel aus den Kindeln, die eine gesunde Aloe am Topfrand von selbst nachschiebt. Die trennst du ab, sobald sie fünf Zentimeter hoch sind und eigene Wurzeln haben, und hast nach drei Jahren die nächste Erntepflanze.