Buttermilch selber machen: zwei Zutaten, ein Schraubglas, 24 Stunden
Buttermilch selber machen mit frischer Milch und einem Rest gekaufter Buttermilch: Mischverhältnis, Temperatur, Reifezeit und wie du die Kultur dauerhaft am Leb

Buttermilch selber machen: zwei Zutaten, ein Schraubglas, 24 Stunden
Buttermilch ist das unterschätzteste Produkt im Kühlregal. Sie macht Rührkuchen locker, ohne dass du mehr Backpulver brauchst, sie bindet Kräuterdips aus dem Beet, und sie ist eins der wenigen Milchprodukte, das lebende Milchsäurebakterien in dein Essen trägt. Das Problem: Du brauchst für ein Rezept 150 Milliliter, der Becher hat 500, und der Rest steht bis zum Verfallsdatum in der Kühlschranktür.
Genau da hilft dieses Rezept. Denn Buttermilch ist nichts anderes als Milch, in der Milchsäurebakterien gearbeitet haben – und diese Bakterien lassen sich weitergeben. Mit einem Rest aus dem alten Becher und frischer Milch hast du am nächsten Tag wieder einen ganzen Liter. Danach kannst du den Vorgang beliebig oft wiederholen, ohne jemals wieder Buttermilch zu kaufen.
Die Arbeitszeit liegt bei fünf Minuten, der Rest ist Warten bei Zimmertemperatur. Es braucht kein Joghurtgerät, kein Thermometer und keine Starterkulturen aus dem Internet. Wichtig sind nur zwei Dinge: ein sauberes Glas und die richtige Milch – dazu unten mehr.
Zutaten für 1 Liter Buttermilch
Das Verhältnis ist vier Teile frische Milch auf einen Teil Buttermilch. Es funktioniert in jeder Größe – halbiere oder verdopple einfach beide Mengen.
- 800 ml frische Vollmilch (pasteurisiert, aus dem Kühlregal)
- 200 ml gekaufte Buttermilch mit lebenden Kulturen, auf Zimmertemperatur gebracht
Bei der Milch gilt: pasteurisierte Frischmilch, keine H-Milch. Ultrahocherhitzte Milch säuert nicht sauber durch, sondern wird eher bitter und muffig, weil ihr die Begleitflora fehlt, die bei der Frischmilch mitarbeitet. Rohmilch vom Hof geht ebenfalls sehr gut, bringt aber ihre eigenen Keime mit und ist dadurch weniger vorhersehbar. Vollmilch mit 3,5 Prozent Fett liefert ein deutlich cremigeres Ergebnis als fettarme Milch – die wird dünn und wässrig.
Beim Starter ist der Blick auf die Zutatenliste entscheidend: Es muss „mit lebenden Kulturen" oder „Milchsäurebakterien" draufstehen. Wärmebehandelte Buttermilch im Becher ist zwar essbar, aber als Starter tot. Reine Buttermilch – die mit höchstens einem Prozent Fett – funktioniert als Starter genauso gut wie ein Buttermilcherzeugnis mit Fruchtzusatz, nur schmeckt letzteres natürlich durch.
Du brauchst außerdem
- 1 Schraubglas mit 1 Liter Inhalt (Bügelglas geht auch)
- kochendes Wasser zum Ausspülen
- ein sauberes Geschirrtuch
- optional: ein Gummiband und ein Zettel fürs Datum
Mehr nicht. Du brauchst keinen Fermentier-Deckel und kein Gärventil – anders als bei Gemüse entsteht hier kaum Gas.
Zubereitung

- Glas vorbereiten: Glas und Deckel mit kochendem Wasser ausspülen und kopfüber auf dem Geschirrtuch abtropfen lassen. Nicht abtrocknen – das Tuch bringt mehr Keime hinein, als es entfernt.
- Starter antemperieren: Die Buttermilch eine halbe Stunde vorher aus dem Kühlschrank nehmen. Kalte Kulturen brauchen Stunden, bis sie überhaupt anlaufen.
- Mischen: Buttermilch ins Glas gießen, frische Milch dazu, locker verschließen und eine halbe Minute kräftig schütteln. Das verteilt die Bakterien in der ganzen Milch – ohne Schütteln reift nur die untere Hälfte.
- Reifen lassen: Das Glas bei 20 bis 25 Grad an einen zugfreien, dunklen Platz stellen. Küchenschrank, Vorratsregal oder die Ecke neben dem Kühlschrank sind gut. Nicht in die Sonne und nicht auf die Heizung: Über 30 Grad kippt das Aroma ins Scharfe.
- Nach 12 Stunden prüfen: Glas vorsichtig kippen. Bleibt die Milch als Film an der Wand hängen und fließt zäh nach, ist sie fertig. Läuft sie noch wie Milch, gib ihr 6 bis 12 Stunden mehr. Im kühlen Herbstzimmer dauert es länger als im Sommer.
- Kalt stellen: Einmal glatt schütteln, fest verschließen, in den Kühlschrank. Das stoppt die Säurebildung.
- Ruhen lassen: Mindestens 6 Stunden kalt stehen lassen, bevor du sie verwendest. Die Säure rundet sich dabei ab und die Konsistenz wird samtig statt grob.
Woran du erkennst, ob die Kultur arbeitet
Gelungene Buttermilch riecht frisch-säuerlich wie Joghurt, nie stechend oder hefig. Sie ist gleichmäßig cremig und bleibt am Löffel hängen. Dass sich oben ein paar Milliliter klare, gelbliche Molke absetzen, ist völlig normal – einfach unterrühren.
Problematisch wird es bei drei Zeichen: ein bitterer oder muffiger Geschmack (typisch für H-Milch oder zu alte Milch), ein unangenehmer, nicht-säuerlicher Geruch, oder jede Art von Farbe – rosa, grau, grünlich, pelzig. Dann sind nicht die Milchsäurebakterien durchgekommen, sondern Fremdkeime. Der Unterschied ist leicht zu merken: Saure Milch ist ein Produkt, verdorbene Milch riecht nach Verderb. Bei Zweifeln wegschütten und mit sauberem Glas neu ansetzen – der Einsatz liegt bei einem Liter Milch.
Wird die Masse auch nach 36 Stunden nicht dicker, war der Starter wärmebehandelt oder zu alt. Ein neuer Becher aus dem Kühlregal löst das.
Haltbarkeit & Aufbewahrung
Im Kühlschrank hält die selbst angesetzte Buttermilch eine bis zwei Wochen. Wie lange genau, hängt fast ausschließlich an der Hygiene beim Ansetzen: heiß ausgespültes Glas, saubere Löffel, nie direkt aus dem Glas trinken.
Mit der Zeit wird sie sauer und säuerlicher – das ist kein Verderb, sondern nur die fortgesetzte Arbeit der Bakterien in der Kälte. Zum Trinken ist sie dann irgendwann zu scharf, für Teige aber ideal, weil die höhere Säure das Natron im Backpulver kräftiger treibt. Nimm die altgewordene Buttermilch also fürs Backen und setze fürs Trinken neu an.
Einfrieren funktioniert, aber nur zum Backen: Die Masse trennt sich beim Auftauen in Molke und Flocken. Als Starter ist eingefrorene Buttermilch kaum noch zu gebrauchen, weil der Frost einen Großteil der Kulturen tötet.
Nachziehen: eine Kultur, die mitwächst
Hier liegt der eigentliche Gewinn. Behalte von jedem Glas 200 Milliliter zurück und setze damit das nächste an – nach dem gleichen Verhältnis, mit dem gleichen Ablauf. Du kaufst dann einmal einen Becher Buttermilch und hast daraus monatelang Nachschub.
Zwei Regeln halten die Kultur stabil: Nimm den Starter aus einem Glas, das nicht älter als eine Woche ist, sonst sind die Bakterien zu erschöpft für einen zügigen Start. Und entnimm ihn mit einem frisch abgespülten Löffel, bevor du überhaupt zum ersten Mal etwas abgießt – so kommt nichts in den Starter, was nicht hineingehört.
Nach fünf bis acht Durchgängen verschiebt sich das Bakterienverhältnis merklich: Die Buttermilch wird dünner, säuert langsamer oder schmeckt flacher. Dann ist kein Fehler passiert, die Kultur hat nur ihre Zusammensetzung verloren. Ein neuer Becher als Starter setzt alles zurück.
Varianten & Tipps
Mit demselben Prinzip entstehen zwei verwandte Produkte. Für Crème fraîche nimmst du 1 bis 2 Esslöffel Buttermilch auf 150 Milliliter Sahne und lässt die Mischung 12 bis 48 Stunden bei 20 bis 25 Grad stehen, danach mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank. Die Sahne darf hier sogar H-Sahne sein – nur der Starter muss leben. Achte auf Sahne ohne Zusätze wie Carrageen, die bindet sonst gummig statt cremig.
Für Quark hängst du fertige Buttermilch in einem Mulltuch über eine Schüssel und lässt sie 6 bis 12 Stunden im Kühlschrank abtropfen. Was im Tuch bleibt, ist ein milder Frischkäse; die ablaufende Molke ersetzt in Brotteigen einen Teil des Wassers und macht die Krume weicher.
Und wenn gerade Kräuter im Beet stehen: Buttermilch, eine Prise Salz und eine große Handvoll fein geschnittener Schnittlauch, Dill oder Petersilie ergeben in zwei Minuten ein Dressing, das jeden Pflücksalat trägt. Ein Teelöffel Senf hilft dabei, dass es nicht absetzt.
Buttermilch im Garten: die 1:8-Brühe gegen Echten Mehltau

Buttermilch, die zum Trinken zu sauer geworden ist, hat im Garten noch eine zweite Karriere. Milchsäurebakterien, auf das Blatt gesprüht, siedeln sich dort an und bremsen das Wachstum von Echtem Mehltau – dem weißen, abwischbaren Belag auf Zucchini, Gurken, Rosen und Phlox. Das ist kein Gartenmythos, sondern ein seit Jahren etabliertes Hausmittel.
Das Mischverhältnis ist ein Teil Milch oder Buttermilch auf acht Teile Wasser, also etwa 100 Milliliter auf 800 Milliliter in der Sprühflasche. Bei schon sichtbarem Befall darf es 1:5 sein, bei empfindlichen Pflanzen wie Oleander lieber 1:10. Sprühe die Blätter morgens von oben und von unten gründlich ein, damit die Brühe über den Tag abtrocknet.
Wiederhol das wöchentlich, in nassen Phasen alle zehn Tage, in trockenen alle vier Wochen – und zwar auch noch ein paar Wochen, nachdem die Flecken verschwunden sind. Zwei Grenzen solltest du kennen: Gegen einen schon weit fortgeschrittenen Befall kommt die Brühe nicht mehr an, da hilft nur das Entfernen der befallenen Blätter. Und gegen Falschen Mehltau, der sich als gelbe Flecken oben und grauer Flaum unten zeigt, wirkt sie nicht. Bei warmem Wetter kann die Spritzbrühe außerdem leicht riechen – deshalb lieber dünn und regelmäßig als dick und selten.