Echter Mehltau: erkennen, bekämpfen, vorbeugen
Weißer Belag auf den Blättern? So erkennst Du Echten Mehltau am Wischtest, was jetzt sofort hilft und welches Mittel wirklich wirkt.

Lässt sich der weiße Belag mit dem Finger abwischen, ist es Echter Mehltau. Bleibt er haften und sitzt eher auf der Blattunterseite, hast Du den Falschen Mehltau — ein anderer Erreger, der andere Mittel braucht.
Bei Echtem Mehltau gilt: befallene Teile abschneiden und in den Hausmüll, nicht auf den Kompost. Danach spritzen. Am zuverlässigsten wirkt Kaliumhydrogencarbonat (5 g auf 1 Liter Wasser), als Hausmittel taugt eine Milch-Wasser-Mischung 1:9. Wie beides genau angewendet wird, steht weiter unten.
Ist das Echter Mehltau? Der Wischtest
📌 Pin itWische mit dem Finger über die weißgrauen Flecken. Beim Echten Mehltau bleibt eine blanke Spur zurück, wie auf dem Bild — der Pilz sitzt nur auf dem Blatt und lebt von den Säften darunter. Er dringt nicht ein.
So fängt es an: einzelne kleine weiße Punkte auf der Blattoberseite.
📌 Pin itDiese Punkte fließen binnen weniger Tage zu einem geschlossenen Belag zusammen. Je früher Du sie findest, desto weniger musst Du wegschneiden — deshalb lohnt der Blick auf die Blattoberseiten bei jedem Gartenrundgang.
Woran Du Echten Mehltau erkennst:
- kleine mehlige Punkte, zuerst auf den Blattoberseiten
- daraus wird ein weißgrauer, puderiger Belag auf Blättern, Trieben, Knospen und Früchten
- der Belag lässt sich abwischen
- später verfärbt er sich bräunlich
- Blätter rollen sich ein, werden braun, vertrocknen
- Knospen fallen ab, Früchte bekommen einen weißen Überzug, vertrocknen oder platzen auf
- das Wachstum stockt, einzelne Triebe sterben ab
Meist tritt der Pilz im Sommer auf; in warmen Jahren schon ab April, und die Sporen bleiben bis in den frühen Herbst aktiv.
Echter oder Falscher Mehltau?
📌 Pin itDas ist die häufigste Verwechslung, und sie entscheidet über die Behandlung. Drei Unterschiede reichen zur Bestimmung:
| Echter Mehltau | Falscher Mehltau | |
|---|---|---|
| Wo | Blattoberseite | Blattunterseite |
| Abwischbar | ja | nein |
| Wetter | warm und trocken | feucht und kühl |
Der Echte Mehltau heißt deshalb „Schönwetterpilz", der Falsche „Schlechtwetterpilz". Wenn Du unsicher bist, hilft der ausführliche Vergleich von Echtem und Falschem Mehltau weiter. Steht der Verdacht auf den Falschen, findest Du die Behandlung unter Falscher Mehltau.
Was Du jetzt sofort tust
Schneide alle befallenen Teile ab und entsorge sie im Hausmüll oder verbrenne sie. Auf keinen Fall kompostieren — der Pilz überdauert auf abgestorbenen Pflanzenteilen und steht im Frühjahr wieder im Beet.
Danach wird gespritzt. Behandle immer die ganze Pflanze, auch die Blattunterseiten, und wiederhole die Anwendung — eine einzelne Spritzung reicht nie.
Kaliumhydrogencarbonat — das wirksamste Mittel
Ein Salz der Kohlensäure, das die keimenden Pilzsporen austrocknen lässt. Es ist im Haus- und Kleingarten für Zier- und Nutzpflanzen zugelassen, wirkt zuverlässiger als jedes Hausmittel und ist trotzdem für Bienen unbedenklich.
- Dosierung: 5 Gramm auf 1 Liter Wasser (0,5 %), ein paar Tropfen Rapsöl als Haftmittel
- Anwendung: alle 7 bis 10 Tage, bis kein neuer Belag mehr kommt
- Wichtig: nicht in praller Mittagssonne spritzen, sonst gibt es Blattverbrennungen. Früh morgens oder abends
- Fertigpräparate aus dem Handel enthalten denselben Wirkstoff und sind bereits richtig eingestellt
Netzschwefel
Das klassische Mittel gegen Echten Mehltau, ebenfalls im Bio-Anbau erlaubt.
- Anwendung: nach Herstellerangabe, meist 0,2 bis 0,3 %
- Grenze: wirkt erst ab etwa 15 °C richtig, und über 28 °C schädigt er die Blätter
- Nicht bei Stachelbeeren und einigen empfindlichen Sorten — sie reagieren mit Blattfall
Beide Wirkstoffe gibt es als fertig eingestelltes Präparat — das nimmt Dir das Abwiegen ab und die Zulassung für den Hausgarten steht auf der Packung. Achte darauf, dass die Pflanze, die Du behandeln willst, ausdrücklich genannt ist.
Hausmittel, die tatsächlich etwas bringen
📌 Pin itMilch-Spritzung. Die Proteine in der Milch wirken im Sonnenlicht gegen den Pilz, dazu liefert sie Calcium und Phosphat und stärkt so das Blatt. Molke oder Buttermilch gehen genauso.
- 100 Milliliter Milch auf 900 Milliliter Wasser in eine saubere Sprühflasche
- gut schütteln
- bei Befall täglich sprühen, zur Nachbehandlung einmal pro Woche
📌 Pin itNatron (Natriumhydrogencarbonat). Der kleine Bruder des Kaliumhydrogencarbonats — dieselbe Idee, etwas schwächere Wirkung: 2 Teelöffel Natron, 1 Teelöffel Rapsöl, 1 Liter Wasser.
Niemöl. Ein natürliches Fungizid aus den Samen des Niembaums, im Handel als Fertigpräparat. Selbst angesetzt: 5 Milliliter Niemöl mit 1 Milliliter Emulgator (z. B. Rimulgan) auf 1 Liter Wasser — ohne Emulgator schwimmt das Öl nur obenauf.
📌 Pin itRainfarntee. 300 Gramm frisches oder 30 Gramm getrocknetes Kraut auf 1 Liter Wasser, 30 Minuten köcheln, abkühlen, abseihen — und 1:10 mit Wasser verdünnen. Unverdünnt ist die Brühe zu scharf für die Blätter. Rainfarn enthält Thujon: Handschuhe tragen, und kurz vor der Ernte nicht auf Essbares sprühen.
📌 Pin itKnoblauchsud. 5 Zehen zerstoßen, mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen, vollständig abkühlen lassen, abseihen und sprühen.
Wenn nichts mehr hilft
Chemische Fungizide aus dem Fachhandel wirken gegen Echten Mehltau auf Schwefel-Basis. Kupferpräparate helfen hier nicht — die wirken gegen den Falschen Mehltau und andere Erreger, gegen den Echten praktisch gar nicht. Ein häufiger und teurer Irrtum.
Achte auf die Bienenverträglichkeit, halte die Abstände zwischen den Spritzungen ein und setze nur so viel an, wie Du brauchst.
Und irgendwann ist Schluss. Wenn eine einjährige Pflanze — Zucchini, Gurke, Aster — im Spätsommer großflächig befallen ist und kaum noch gesunde Blätter hat, lohnt die Behandlung nicht mehr. Räum sie ab, entsorge sie im Hausmüll und rette damit die Nachbarpflanzen. Bei Stauden und Gehölzen sieht es anders aus: Die treiben im nächsten Jahr sauber wieder aus, wenn Du das befallene Holz herausschneidest.
Welche Pflanzen betroffen sind
📌 Pin itEchter Mehltau ist kein einzelner Pilz, sondern eine ganze Familie — und die meisten Arten sind auf eine Wirtspflanze spezialisiert. Der Mehltau Deiner Gurken springt also nicht auf die Rosen über. Innerhalb einer Pflanzenfamilie geht es dagegen schnell: von der Gurke auf Zucchini, Kürbis und Melone.
- Obst: Apfel, Pfirsich, Wein, Erdbeere, Johannisbeere, Stachelbeere
- Gemüse: Gurke, Zucchini, Kürbis, Melone, Erbse, Tomate, Feldsalat, Möhre
- Zierpflanzen: Rose, Aster, Chrysantheme, Phlox, Nelke, Zinnie, Ringelblume, Vergissmeinnicht, Wicke
Für zwei besonders häufige Fälle haben wir eigene Anleitungen: Mehltau an Hortensien und, wenn es die Rosen erwischt hat, Rosenschädlinge und Rosenkrankheiten.
Woher der Pilz kommt
Die Mehltaupilze der Familie Erysiphaceae leben von den Säften ihrer Wirtspflanze. Ein mehliges Geflecht überzieht das Blatt, Saugfortsätze zapfen die Zellen an, und nach kurzer Zeit bilden sich Sporen, die Wind und Insekten weitertragen.
Bei Temperaturen über 20 °C und eher trockener Luft keimen diese Sporen — deshalb der Name Schönwetterpilz. Schwüle und starke Temperaturschwankungen begünstigen ihn ebenfalls. Ein kalter Winter macht ihm nichts aus: Er überdauert an abgestorbenen Pflanzenteilen und an Zweigen und fängt im Frühjahr von vorn an. Das ist der Grund, warum befallenes Material nicht auf den Kompost darf.
So beugst Du nächstes Jahr vor
Für die laufende Saison kommt dieser Abschnitt zu spät — aber er entscheidet darüber, ob Du nächstes Jahr wieder spritzen musst.
1. Resistente Sorten wählen. Bei fast allen anfälligen Arten gibt es mehltautolerante Züchtungen. Der Pilz entwickelt zwar laufend neue Rassen, die Resistenzen überwinden — trotzdem ist es der wirksamste einzelne Hebel.
2. Abstand halten. Zu eng stehende Pflanzen trocknen nach Regen nicht ab, die Luft steht im Blattwerk. Setze Jungpflanzen nie zu dicht und lichte Rosen und Obstgehölze regelmäßig aus.
3. Morgens gießen, und von unten. Dann trocknet das Laub über den Tag ab. Wasser nie über das Blattwerk verteilen.
4. Maßvoll düngen. Stickstoffbetonte Dünger — unreifer Kompost, frischer Stallmist, mineralischer Stickstoff — machen das Gewebe weich und anfällig. Kalium wirkt umgekehrt: Es festigt die Zellwände und erhöht die Widerstandskraft.
5. Pflanzen stärken. Ein Sud aus Ackerschachtelhalm liefert Kieselsäure und härtet die Blattoberfläche. 1 Kilo frisches Kraut (oder 100 Gramm getrocknetes aus der Apotheke) in 10 Liter Wasser 24 Stunden ziehen lassen, 30 Minuten köcheln, abkühlen, abfüllen. 1:5 verdünnt einmal wöchentlich morgens sprühen. Der Sud hält das ganze Gartenjahr.
6. Auf die Nachbarschaft achten. Setze anfällige Verwandte nicht nebeneinander. Basilikum neben Kürbisgewächse, Pfefferminze zu Kohl, Salat und Kartoffeln, Kerbel und Schnittlauch als Untersaat — alle drei gelten als vorbeugend. Baumscheiben lassen sich mit Knoblauch bepflanzen.
7. Unkraut entfernen. Auch Wildkräuter tragen Mehltau und geben ihn weiter. Befallenes nicht liegen lassen, sondern in den Hausmüll.
8. Mulchen. Eine Decke aus Rindenmulch dämpft die Temperaturschwankungen im Boden und hält die Pflanzen gleichmäßiger versorgt.