Krankheiten & Schädlinge

Echter Mehltau: erkennen, bekämpfen, vorbeugen

Weißer Belag auf den Blättern? So erkennst Du Echten Mehltau am Wischtest, was jetzt sofort hilft und welches Mittel wirklich wirkt.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 24. August 20268 Min Lesezeit
Rosenblätter mit weißgrauem, mehligem Pilzbelag auf der Blattoberseite

Lässt sich der weiße Belag mit dem Finger abwischen, ist es Echter Mehltau. Bleibt er haften und sitzt eher auf der Blattunterseite, hast Du den Falschen Mehltau — ein anderer Erreger, der andere Mittel braucht.

Bei Echtem Mehltau gilt: befallene Teile abschneiden und in den Hausmüll, nicht auf den Kompost. Danach spritzen. Am zuverlässigsten wirkt Kaliumhydrogencarbonat (5 g auf 1 Liter Wasser), als Hausmittel taugt eine Milch-Wasser-Mischung 1:9. Wie beides genau angewendet wird, steht weiter unten.

Ist das Echter Mehltau? Der Wischtest

Ein grünes Blatt, dessen weißer Mehltau-Belag an einer breiten Stelle weggewischt wurde und darunter die blanke Blattfläche zeigt📌 Pin it
Ein grünes Blatt, dessen weißer Mehltau-Belag an einer breiten Stelle weggewischt wurde und darunter die blanke Blattfläche zeigt

Wische mit dem Finger über die weißgrauen Flecken. Beim Echten Mehltau bleibt eine blanke Spur zurück, wie auf dem Bild — der Pilz sitzt nur auf dem Blatt und lebt von den Säften darunter. Er dringt nicht ein.

So fängt es an: einzelne kleine weiße Punkte auf der Blattoberseite.

Ein gesundes grünes Blatt mit wenigen kleinen, runden weißen Mehltau-Flecken als Frühstadium📌 Pin it
Ein gesundes grünes Blatt mit wenigen kleinen, runden weißen Mehltau-Flecken als Frühstadium

Diese Punkte fließen binnen weniger Tage zu einem geschlossenen Belag zusammen. Je früher Du sie findest, desto weniger musst Du wegschneiden — deshalb lohnt der Blick auf die Blattoberseiten bei jedem Gartenrundgang.

Woran Du Echten Mehltau erkennst:

  • kleine mehlige Punkte, zuerst auf den Blattoberseiten
  • daraus wird ein weißgrauer, puderiger Belag auf Blättern, Trieben, Knospen und Früchten
  • der Belag lässt sich abwischen
  • später verfärbt er sich bräunlich
  • Blätter rollen sich ein, werden braun, vertrocknen
  • Knospen fallen ab, Früchte bekommen einen weißen Überzug, vertrocknen oder platzen auf
  • das Wachstum stockt, einzelne Triebe sterben ab

Meist tritt der Pilz im Sommer auf; in warmen Jahren schon ab April, und die Sporen bleiben bis in den frühen Herbst aktiv.

Echter oder Falscher Mehltau?

Blattunterseite mit graulila, pelzigem Belag zwischen den Blattadern — Falscher Mehltau📌 Pin it
Blattunterseite mit graulila, pelzigem Belag zwischen den Blattadern — Falscher Mehltau

Das ist die häufigste Verwechslung, und sie entscheidet über die Behandlung. Drei Unterschiede reichen zur Bestimmung:

Echter MehltauFalscher Mehltau
WoBlattoberseiteBlattunterseite
Abwischbarjanein
Wetterwarm und trockenfeucht und kühl

Der Echte Mehltau heißt deshalb „Schönwetterpilz", der Falsche „Schlechtwetterpilz". Wenn Du unsicher bist, hilft der ausführliche Vergleich von Echtem und Falschem Mehltau weiter. Steht der Verdacht auf den Falschen, findest Du die Behandlung unter Falscher Mehltau.

Was Du jetzt sofort tust

Schneide alle befallenen Teile ab und entsorge sie im Hausmüll oder verbrenne sie. Auf keinen Fall kompostieren — der Pilz überdauert auf abgestorbenen Pflanzenteilen und steht im Frühjahr wieder im Beet.

Danach wird gespritzt. Behandle immer die ganze Pflanze, auch die Blattunterseiten, und wiederhole die Anwendung — eine einzelne Spritzung reicht nie.

Kaliumhydrogencarbonat — das wirksamste Mittel

Ein Salz der Kohlensäure, das die keimenden Pilzsporen austrocknen lässt. Es ist im Haus- und Kleingarten für Zier- und Nutzpflanzen zugelassen, wirkt zuverlässiger als jedes Hausmittel und ist trotzdem für Bienen unbedenklich.

  • Dosierung: 5 Gramm auf 1 Liter Wasser (0,5 %), ein paar Tropfen Rapsöl als Haftmittel
  • Anwendung: alle 7 bis 10 Tage, bis kein neuer Belag mehr kommt
  • Wichtig: nicht in praller Mittagssonne spritzen, sonst gibt es Blattverbrennungen. Früh morgens oder abends
  • Fertigpräparate aus dem Handel enthalten denselben Wirkstoff und sind bereits richtig eingestellt

Netzschwefel

Das klassische Mittel gegen Echten Mehltau, ebenfalls im Bio-Anbau erlaubt.

  • Anwendung: nach Herstellerangabe, meist 0,2 bis 0,3 %
  • Grenze: wirkt erst ab etwa 15 °C richtig, und über 28 °C schädigt er die Blätter
  • Nicht bei Stachelbeeren und einigen empfindlichen Sorten — sie reagieren mit Blattfall
Wirkt zuverlässig
Kaliumhydrogencarbonat und Netzschwefel gegen Echten Mehltau

Beide Wirkstoffe gibt es als fertig eingestelltes Präparat — das nimmt Dir das Abwiegen ab und die Zulassung für den Hausgarten steht auf der Packung. Achte darauf, dass die Pflanze, die Du behandeln willst, ausdrücklich genannt ist.

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Hausmittel, die tatsächlich etwas bringen

Milch wird aus einer Flasche gegossen📌 Pin it
Milch wird aus einer Flasche gegossen

Milch-Spritzung. Die Proteine in der Milch wirken im Sonnenlicht gegen den Pilz, dazu liefert sie Calcium und Phosphat und stärkt so das Blatt. Molke oder Buttermilch gehen genauso.

  • 100 Milliliter Milch auf 900 Milliliter Wasser in eine saubere Sprühflasche
  • gut schütteln
  • bei Befall täglich sprühen, zur Nachbehandlung einmal pro Woche
Natron in einer Schale📌 Pin it
Natron in einer Schale

Natron (Natriumhydrogencarbonat). Der kleine Bruder des Kaliumhydrogencarbonats — dieselbe Idee, etwas schwächere Wirkung: 2 Teelöffel Natron, 1 Teelöffel Rapsöl, 1 Liter Wasser.

Niemöl. Ein natürliches Fungizid aus den Samen des Niembaums, im Handel als Fertigpräparat. Selbst angesetzt: 5 Milliliter Niemöl mit 1 Milliliter Emulgator (z. B. Rimulgan) auf 1 Liter Wasser — ohne Emulgator schwimmt das Öl nur obenauf.

Rainfarn mit gelben Blütenköpfen📌 Pin it
Rainfarn mit gelben Blütenköpfen

Rainfarntee. 300 Gramm frisches oder 30 Gramm getrocknetes Kraut auf 1 Liter Wasser, 30 Minuten köcheln, abkühlen, abseihen — und 1:10 mit Wasser verdünnen. Unverdünnt ist die Brühe zu scharf für die Blätter. Rainfarn enthält Thujon: Handschuhe tragen, und kurz vor der Ernte nicht auf Essbares sprühen.

Knoblauchzehen📌 Pin it
Knoblauchzehen

Knoblauchsud. 5 Zehen zerstoßen, mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen, vollständig abkühlen lassen, abseihen und sprühen.

Wenn nichts mehr hilft

Chemische Fungizide aus dem Fachhandel wirken gegen Echten Mehltau auf Schwefel-Basis. Kupferpräparate helfen hier nicht — die wirken gegen den Falschen Mehltau und andere Erreger, gegen den Echten praktisch gar nicht. Ein häufiger und teurer Irrtum.

Achte auf die Bienenverträglichkeit, halte die Abstände zwischen den Spritzungen ein und setze nur so viel an, wie Du brauchst.

Und irgendwann ist Schluss. Wenn eine einjährige Pflanze — Zucchini, Gurke, Aster — im Spätsommer großflächig befallen ist und kaum noch gesunde Blätter hat, lohnt die Behandlung nicht mehr. Räum sie ab, entsorge sie im Hausmüll und rette damit die Nachbarpflanzen. Bei Stauden und Gehölzen sieht es anders aus: Die treiben im nächsten Jahr sauber wieder aus, wenn Du das befallene Holz herausschneidest.

Welche Pflanzen betroffen sind

Zucchinipflanze im Beet mit dick weiß bepuderten Blättern📌 Pin it
Zucchinipflanze im Beet mit dick weiß bepuderten Blättern

Echter Mehltau ist kein einzelner Pilz, sondern eine ganze Familie — und die meisten Arten sind auf eine Wirtspflanze spezialisiert. Der Mehltau Deiner Gurken springt also nicht auf die Rosen über. Innerhalb einer Pflanzenfamilie geht es dagegen schnell: von der Gurke auf Zucchini, Kürbis und Melone.

  • Obst: Apfel, Pfirsich, Wein, Erdbeere, Johannisbeere, Stachelbeere
  • Gemüse: Gurke, Zucchini, Kürbis, Melone, Erbse, Tomate, Feldsalat, Möhre
  • Zierpflanzen: Rose, Aster, Chrysantheme, Phlox, Nelke, Zinnie, Ringelblume, Vergissmeinnicht, Wicke

Für zwei besonders häufige Fälle haben wir eigene Anleitungen: Mehltau an Hortensien und, wenn es die Rosen erwischt hat, Rosenschädlinge und Rosenkrankheiten.

Woher der Pilz kommt

Die Mehltaupilze der Familie Erysiphaceae leben von den Säften ihrer Wirtspflanze. Ein mehliges Geflecht überzieht das Blatt, Saugfortsätze zapfen die Zellen an, und nach kurzer Zeit bilden sich Sporen, die Wind und Insekten weitertragen.

Bei Temperaturen über 20 °C und eher trockener Luft keimen diese Sporen — deshalb der Name Schönwetterpilz. Schwüle und starke Temperaturschwankungen begünstigen ihn ebenfalls. Ein kalter Winter macht ihm nichts aus: Er überdauert an abgestorbenen Pflanzenteilen und an Zweigen und fängt im Frühjahr von vorn an. Das ist der Grund, warum befallenes Material nicht auf den Kompost darf.

So beugst Du nächstes Jahr vor

Für die laufende Saison kommt dieser Abschnitt zu spät — aber er entscheidet darüber, ob Du nächstes Jahr wieder spritzen musst.

1. Resistente Sorten wählen. Bei fast allen anfälligen Arten gibt es mehltautolerante Züchtungen. Der Pilz entwickelt zwar laufend neue Rassen, die Resistenzen überwinden — trotzdem ist es der wirksamste einzelne Hebel.

2. Abstand halten. Zu eng stehende Pflanzen trocknen nach Regen nicht ab, die Luft steht im Blattwerk. Setze Jungpflanzen nie zu dicht und lichte Rosen und Obstgehölze regelmäßig aus.

3. Morgens gießen, und von unten. Dann trocknet das Laub über den Tag ab. Wasser nie über das Blattwerk verteilen.

4. Maßvoll düngen. Stickstoffbetonte Dünger — unreifer Kompost, frischer Stallmist, mineralischer Stickstoff — machen das Gewebe weich und anfällig. Kalium wirkt umgekehrt: Es festigt die Zellwände und erhöht die Widerstandskraft.

5. Pflanzen stärken. Ein Sud aus Ackerschachtelhalm liefert Kieselsäure und härtet die Blattoberfläche. 1 Kilo frisches Kraut (oder 100 Gramm getrocknetes aus der Apotheke) in 10 Liter Wasser 24 Stunden ziehen lassen, 30 Minuten köcheln, abkühlen, abfüllen. 1:5 verdünnt einmal wöchentlich morgens sprühen. Der Sud hält das ganze Gartenjahr.

6. Auf die Nachbarschaft achten. Setze anfällige Verwandte nicht nebeneinander. Basilikum neben Kürbisgewächse, Pfefferminze zu Kohl, Salat und Kartoffeln, Kerbel und Schnittlauch als Untersaat — alle drei gelten als vorbeugend. Baumscheiben lassen sich mit Knoblauch bepflanzen.

7. Unkraut entfernen. Auch Wildkräuter tragen Mehltau und geben ihn weiter. Befallenes nicht liegen lassen, sondern in den Hausmüll.

8. Mulchen. Eine Decke aus Rindenmulch dämpft die Temperaturschwankungen im Boden und hält die Pflanzen gleichmäßiger versorgt.

Woran erkenne ich Echten Mehltau sicher?
Am Wischtest. Der weiße Belag sitzt beim Echten Mehltau auf der Blattoberseite und lässt sich mit dem Finger abwischen, weil der Pilz nur außen aufliegt. Bleibt der Belag haften und sitzt eher auf der Blattunterseite, ist es Falscher Mehltau — ein anderer Erreger, der andere Mittel braucht.
Was hilft am besten gegen Echten Mehltau?
Kaliumhydrogencarbonat, 5 Gramm auf 1 Liter Wasser mit ein paar Tropfen Rapsöl, alle 7 bis 10 Tage. Es ist im Hausgarten zugelassen, bienenunbedenklich und wirkt zuverlässiger als jedes Hausmittel. Unter den Hausmitteln ist eine Milch-Wasser-Mischung 1:9 das beste. Vor jeder Spritzung befallene Teile abschneiden und in den Hausmüll geben.
Hilft Kupfer gegen Echten Mehltau?
Nein. Kupferpräparate wirken gegen den Falschen Mehltau und gegen andere Erreger, gegen den Echten Mehltau praktisch gar nicht. Das richtige Mittel ist hier Schwefel beziehungsweise Netzschwefel oder Kaliumhydrogencarbonat.
Darf befallenes Laub auf den Kompost?
Nein. Der Pilz überdauert den Winter auf abgestorbenen Pflanzenteilen und an Zweigen. Landet befallenes Material auf dem Kompost, verteilst Du ihn im nächsten Frühjahr mit der Erde wieder im Garten. Alles Befallene gehört in den Hausmüll oder ins Feuer.
Springt Mehltau von einer Pflanze auf jede andere über?
Meist nicht. Die meisten Mehltau-Arten sind auf eine Wirtspflanze spezialisiert — der Mehltau der Gurken geht nicht auf Rosen über. Innerhalb einer Pflanzenfamilie verbreitet er sich dagegen schnell, etwa von der Gurke auf Zucchini, Kürbis und Melone.
Kann man Mehltau mit Salz bekämpfen?
Davon ist abzuraten. Kochsalz wirkt nicht gezielt gegen den Pilz, sondern entzieht allem Wasser: dem Pilz, dem Blatt und dem Bodenleben. Anders als Natron oder Kaliumhydrogencarbonat wird es im Boden nicht abgebaut, sondern reichert sich an.
Wann sollte ich eine befallene Pflanze aufgeben?
Wenn eine einjährige Pflanze wie Zucchini, Gurke oder Aster im Spätsommer großflächig befallen ist und kaum noch gesunde Blätter hat, lohnt die Behandlung nicht mehr. Abräumen und im Hausmüll entsorgen schützt die Nachbarpflanzen. Stauden und Gehölze treiben dagegen im nächsten Jahr sauber wieder aus, wenn Du das befallene Holz herausschneidest.
Warum bekomme ich jedes Jahr wieder Mehltau?
Weil der Pilz an abgestorbenen Pflanzenteilen und Zweigen überwintert und weil die Bedingungen gleich bleiben. Die wirksamsten Hebel sind resistente Sorten, größere Pflanzabstände, morgendliches Gießen von unten und eine kaliumbetonte statt stickstoffbetonte Düngung.

Quellen

  1. Hortipendium: Echter Mehltau
  2. Gartenlexikon: Mehltau
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