Gemüse

10 ausgefallene alte Gemüsesorten, die du dieses Jahr probieren solltest

Vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute sind in Europa rund 75 % der Gemüsesorten verschwunden, die unsere Großeltern noch kannten. In Deutschland erfasst die „Rote Liste der gefährdeten Nutzpflanzen“ inzwischen tausende Sorten, von denen viele nur noch im Bestand kleiner Erhalterinitiativen wie VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt) überleben. Der Verlust ist nicht nur ein Naturschutz-Problem — er ist ein kulinarisches und gärtnerisches Verarmen, das jeder von uns rückgängig machen kann, indem er eine ungewöhnliche Sorte ins eigene Beet bringt.

Alte, samenfeste Sorten haben gegenüber modernen Hybriden drei harte Vorteile: Sie schmecken oft besser, weil sie nicht auf Transportfähigkeit gezüchtet wurden, sie sind nachbaufähig (du kannst Saatgut aus eigener Ernte gewinnen), und sie passen sich nach ein paar Jahren an deinen Garten an. Die folgenden zehn Sorten sind ausdrücklich keine industriellen Norm-Sorten — sondern Hingucker, Geschmacks-Überraschungen oder beides. Saatgut gibt es bei deutschen Bio-Saatgut-Häusern wie Bingenheimer Saatgut, ReinSaat, Sperli, Dreschflegel oder regionalen Erhalter-Initiativen.

1. Blauwschokker — die Erbse mit lila Schoten

Lila Erbsenschoten und rosa-violette Blüten der Sorte Blauwschokker hängen an einem Bambusstab im Bauerngarten.
Die lila Schoten machen aus einem Erbsen-Beet ein Hingucker — und ergeben dunkelgrüne Erbsen darin.

Der Blauwschokker ist eine historische Trockenerbse aus den Niederlanden, dokumentiert seit dem 18. Jahrhundert. Was sie besonders macht: Die Schoten sind nicht grün, sondern dunkel violett bis fast schwarz-purpur — und die Blüten leuchten zweifarbig rosa und lila. Ein Erbsenbeet mit Blauwschokker sieht aus wie ein Zier-Bauerngarten.

Geschmacklich ist sie eine Trockenerbse / Markerbse für später: Die jungen Schoten lassen sich noch zart als Zuckererbsen essen, danach werden die Hülsen ledrig, und du erntest die ausgereiften Erbsen wie Trockenbohnen — zum Einkochen, für Suppen, oder als Saatgut fürs nächste Jahr. Aussaat ab Anfang April, Reihenabstand 30 cm, an einer 1,5 m hohen Rankhilfe.

Bezugsquelle: Bingenheimer Saatgut, ReinSaat, VEN-Sortenliste. Etwa 100 Korn kosten 3–4 €. Selbst aus der eigenen Ernte gewinnst du Saatgut für drei Folgejahre.

2. Romanesco — Fraktal-Geometrie im Beet

Frisch geernteter Romanesco mit fraktaler Spiralstruktur in zarter Limonengrün-Farbe, Hände halten den Kopf vor unscharfem Beet.
Romanesco verbindet Brokkoligeschmack mit der seltsamsten Geometrie, die ein Gemüse haben kann.

Romanesco ist streng genommen eine Karfiol-Variante (oder Blumenkohl-Brokkoli-Hybrid), die in Italien seit dem 16. Jahrhundert bekannt ist. Was ihn besonders macht, ist seine perfekte fraktale Spiralstruktur — jede einzelne Röschenform ist eine Mini-Version der ganzen Pflanze. Mathematiker reden vom Beispiel für die Fibonacci-Spirale.

Geschmacklich ist Romanesco milder und nussiger als Brokkoli, weniger schwefelig als Blumenkohl. Perfekt zum Rösten im Ofen mit Olivenöl, in Suppen, oder einfach gedämpft mit Zitronenbutter. Brauchte 120 bis 130 Tage vom Aussäen bis zur Ernte — vorziehen ab Ende März, Auspflanzen Mitte Mai, Ernte ab Mitte August.

Pflege wie alle Kohlgewächse: durstig, hungrig, windschutz wichtig. Auf gut gedüngtem Boden mit ausreichend Stickstoff bildet er Köpfe von 1,5 bis 2 kg.

3. Filderkraut — der schwäbische Spitzkohl

Reihe spitzer Filderkraut-Köpfe in einem schwäbischen Gemüseacker, helle Außenblätter, abendliches Herbstlicht.
Filderkraut ist süß genug für frischen Krautsalat — und Schwabens berühmtestes Kraut.

Filderkraut (auch „Filderspitzkohl“) wächst seit über 400 Jahren auf der Filderebene südlich von Stuttgart und ist die berühmteste deutsche Spitzkohl-Landsorte. Der Kopf wird konisch-spitz, nicht rund — und die Blätter sind so zart und süß, dass sie traditionell für Sauerkraut verwendet werden, weil sie weniger bitter sind als runder Weißkohl.

Anbau ähnlich wie Weißkohl: vorziehen ab Mitte April, auspflanzen Ende Mai, 80 bis 100 Tage Kulturzeit. Ernte erfolgt im September oder Oktober, je nach Aussaattermin. Die Köpfe werden 1 bis 2 kg schwer. Geschmacklich passt Filderkraut roh in Krautsalat mit Apfel und Walnuss, geschmort als Beilage zu Maultaschen, oder klassisch als Filderkraut-Sauerkraut.

Verwandte: Spitzkohl Frühe Brunsbüttel, Steinhuder Filderkraut, Lichtensteiner. Saatgut bei Dreschflegel, Bingenheimer, Bauerngarten-Saatgut-Initiativen.

4. Erdbeerspinat — Blätter und rote Früchte aus einer Pflanze

Erdbeerspinat-Pflanze mit gelappten grünen Blättern und leuchtend roten erdbeerartigen Fruchtdolden am Stiel im Sommer-Gemüsebeet.
Erst Spinat-Ersatz, dann Beeren wie kleine Erdbeeren — zwei Ernten von einer Pflanze.

Erdbeerspinat (Chenopodium foliosum, manchmal auch Blitum virgatum) ist die wahrscheinlich überraschendste Pflanze in dieser Liste. Im Frühjahr wächst sie wie ein hoher, sparsam belaubter Spinat — die gelappten grünen Blätter kannst du wie Spinat ernten und in der Pfanne, als Salat oder gedünstet zubereiten.

Dann passiert etwas Seltsames: Die Pflanze bildet entlang der Stiele leuchtend rote, erdbeerartige Fruchtdolden, die aussehen wie kleine Himbeeren oder Erdbeeren. Sie sind essbar, schmecken aber mild und etwas mehlig — eher ein dekorativer Snack als ein Erdbeer-Ersatz. Vögel lieben sie. In manchen Gärten erntet man die Beeren bis Anfang Oktober.

Aussaat direkt ins Beet ab Mitte April, Reihenabstand 30 cm. Erdbeerspinat versamt sich oft selbst und kommt im Folgejahr automatisch wieder. Robust, kaum krankheitsanfällig, perfekt für Bauerngärten und Permakultur-Beete. Geschmacklich gehört er zur Spinat-Familie, hat aber mehr Eisen und Calcium als kultivierter Spinat — eine fast vergessene Heilpflanze aus der mittelalterlichen Klostermedizin.

5. Pak Choi — der milde Asiat fürs Herbstbeet

Pak-Choi-Pflanzen mit dicken weißen Stielen und dunkelgrünen Löffelblättern wachsen im Hochbeet mit dunkler Erde.
Pak Choi liefert in sieben Wochen knackige Stiele — und schmeckt aus der Pfanne wie aus dem Wok-Restaurant.

Pak Choi (chinesischer Senfkohl, Brassica rapa ssp. chinensis) ist in Deutschland erst seit ein paar Jahrzehnten in den Gärtnereien sichtbar, in China dagegen seit über 1500 Jahren angebaut. Was ihn so wertvoll macht: Er ist schnell (40 bis 50 Tage von Aussaat zur Ernte), mild im Geschmack (kein scharfer Senfton wie Rucola), und er passt perfekt in die zweite Anbaurunde im Spätsommer.

Aussaat ab Mitte Juli direkt ins Beet (für Herbstkultur — im Frühjahr schießt er gerne in den Blütenstand), Pflanzabstand 25 cm. Bevorzugt halbschattige, kühle Standorte und gleichmäßige Feuchtigkeit. Ernte erfolgt im Ganzen (Pflanze knapp über der Erde abschneiden) oder als Schnitt-und-komm-wieder (äußere Blätter zupfen).

Kulinarisch ist Pak Choi ein Wok-Star: kurz in heißem Sesamöl angebraten mit Knoblauch, Ingwer, Sojasauce und Reisessig — fertig. Auch roh in feinen Streifen für Asia-Salate. Wer chinesisch oder vietnamesisch kochen mag, wird ohne Pak Choi nicht mehr auskommen.

6. Apfel-Gurke (Crystal Apple) — die runde Schwester der Schlangengurke

Mehrere blassgelbe runde Apfel-Gurken Crystal Apple hängen mit gelben Blüten an einer Holzrankhilfe im Sommer-Gemüsegarten.
Runde, apfelgroße Gurken ohne Bitterstoff — und das Auge isst beim Salat mit.

Die Apfel-Gurke oder Crystal Apple ist eine alte neuseeländisch-australische Sorte, die im 19. Jahrhundert nach Europa kam. Statt der bekannten länglichen Form wächst sie kugelrund, etwa apfelgroß und ist im reifen Zustand blassgelb mit leichten grünen Flecken.

Geschmacklich ist sie mild, knackig und ohne Bitterstoffe — was sie vor allem für empfindliche Mägen interessant macht. Schale dünn, Kerne klein, das Fruchtfleisch saftig wie eine Honigmelone. Manche Gärtner berichten, dass Kinder, die normale Gurken ablehnen, Apfel-Gurken gerne essen.

Anbau wie andere Gurken: vorziehen ab Mitte April, auspflanzen nach den Eisheiligen, mit Rankhilfe (sie wird zwei Meter hoch), windgeschützt, gleichmäßig feucht. Erste Ernte ab Mitte Juli, eine Pflanze liefert über die Saison 40 bis 60 Früchte. Wenn dir Crystal Apple gefällt, schau dir auch die persischen Snackgurken an — eine weitere ungewöhnliche Gurkensorte mit milder Schale.

7. Rote Garten-Melde — der vergessene Sommerspinat

Rote Garten-Melde mit purpurroten älteren und smaragdgrünen jungen Blättern wächst hoch im sonnigen Kräuterbeet.
Rote Garten-Melde liefert spinatzarte Blätter den ganzen Sommer — und ist gleichzeitig Zierpflanze.

Garten-Melde (Atriplex hortensis) war im Mittelalter eines der wichtigsten Blattgemüse Europas — bis der Spinat im 17. Jahrhundert sie verdrängte. Die rote Variante ‚Rubra‘ ist neben ihrem Geschmack ein Hingucker im Garten: zwei Meter hoch, mit purpurroten Blättern an den älteren Trieben und smaragdgrünen frischen Spitzen.

Im Unterschied zu Spinat hat Garten-Melde einen großen Vorteil: Sie schießt nicht in der Sommerhitze. Während Spinat Ende Juni in den Blütenstand geht, liefert Garten-Melde bis in den September zarte Blätter zum Pflücken. Geschmacklich ist sie milder als Spinat, leicht nussig, mit einem Hauch Bittergeschmack in den älteren Blättern.

Aussaat direkt ab Anfang April, Reihenabstand 40 cm. Versamt sich gerne selbst — Garten-Melde im Beet zu haben heißt, sie ab dem zweiten Jahr automatisch jedes Frühjahr zu haben. Verwendung: jung roh in Salaten, älter wie Spinat in der Pfanne oder als Füllung für Lasagne, Quiche oder Spätzle. Die roten Blätter färben das Kochwasser pink — sieht erstmal alarmierend aus, ist aber harmlos.

8. Hakurei-Rübchen — die süße japanische Rübe

Bund frisch geernteter Hakurei-Rübchen mit weißen tennisball-großen Wurzeln und grünen Blattbüscheln auf einem Holztisch.
Hakurei-Rüben schmecken roh fast wie ein Rettich-Apfel-Hybrid — süß, knackig, ohne Schärfe.

Wer Mairübchen kennt und ihren erdig-scharfen Geschmack nicht mag, sollte Hakurei-Rüben probieren. Diese japanische Sorte, in den 1950er Jahren in Tokio gezüchtet, hat fast keinen Rettich-Ton, dafür eine süße, fast obstige Note — manche sagen „wie ein Wasserrettich-Apfel-Hybrid“.

Die Knolle ist rund, schneeweiß, etwa golfballgroß (manche werden tennisballgroß, dann bleiben sie immer noch zart). Die Blätter sind ebenfalls essbar wie Spinat oder als Suppengrün. Du erntest also zwei Gemüse aus einer Pflanze.

Aussaat direkt ab Mitte März für Frühjahrsernte und ab Mitte August für Herbsternte — wie bei Mairübchen. Reihenabstand 25 cm, Pflanzabstand 8 cm. 45 bis 55 Tage bis zur Ernte. Ernte am besten, wenn die Knolle Tischtennisball-Größe hat — größer wird sie holzig.

Kulinarisch: roh in Scheiben mit Salz und Olivenöl, geröstet im Ofen, eingelegt in Reisessig, oder als Pickle in einer fermentierten Wokpfanne. Ein deutscher Klassiker mit ähnlichem Geist: Teltower Rübchen — auch eine alte Sorte, etwas erdiger, aber genauso unterschätzt.

9. Green Zebra — die grün gestreifte Tomate

Trauben von Green-Zebra-Tomaten mit gelben Streifen auf grünem Grund hängen erntereif an der Pflanze im Sommer.
Reife Green-Zebra-Tomaten bleiben grün — der Reife-Test geht über Druck und Streifenfarbe.

Green Zebra ist eine neuere Heirloom-Tomate (gezüchtet 1985 von Tom Wagner aus alten Sorten), die heute zur Stamm-Sammlung jedes ernsthaften Tomatengärtners gehört. Die Frucht ist tennisball-groß, gelblich-grün mit dunkelgrünen Längsstreifen — und sie bleibt grün, wenn sie reif ist. Das macht den Reifetest ungewohnt: man drückt sanft auf die Frucht, sie soll leicht nachgeben, und die Streifen werden gold-grün statt dunkelgrün.

Geschmacklich liegt Green Zebra zwischen den klassischen rot-süßen Sorten und den herbsäuerlichen wie ‚Black Krim‘: süß-säuerlich, sehr fruchtig, etwas zitronig. Hervorragend in Tomatensalat mit Mozzarella und Basilikum (die Optik allein lohnt sich), in Salsa, oder als Roh-Snack vom Strauch.

Anbau wie jede Stab-Tomate: vorziehen ab Anfang März, auspflanzen Mitte Mai nach den Eisheiligen, Ausgeizen, Düngerstöße alle drei Wochen. Pflanzen werden 1,5 bis 2 m hoch, brauchen Rankhilfe. 75 bis 80 Tage von der Pflanzung zur ersten reifen Frucht. Mittelfrüh, also Erntestart Ende Juli bis Anfang August.

10. Muscade de Provence — der süße Moschus-Kürbis

Großer Muscade-de-Provence-Kürbis mit tiefen Rippen und beige-grüner Schale liegt auf goldenem Stroh, daneben ein Schnitt mit leuchtend orangefarbenem Fleisch.
Muscade de Provence liefert leuchtend orangefarbenes, süßes Fleisch — und schmückt nebenbei den Garten.

Muscade de Provence (oder „Muscat de Provence“) ist die berühmteste französische Speisekürbis-Sorte, aus dem 19. Jahrhundert. Die Frucht ist flach-rund mit tiefen Rippen, hat eine charakteristisch graugrün-beige bis ockerfarbene Schale und wird im Reife-Endstadium großzügig groß (8 bis 15 kg sind normal, Rekorde gehen bis 50 kg).

Das Fruchtfleisch ist leuchtend orange, dicht, süß und leicht aromatisch — das Wort „muscade“ verweist auf Muskatnuss-Noten, die in reifen Früchten tatsächlich spürbar werden. Perfekt für Suppen, Risotto, Pürees, Kürbis-Tarte oder einfach im Ofen gebacken mit etwas Salz und Honig.

Anbau braucht Platz und Geduld: vorziehen ab Mitte April, auspflanzen nach den Eisheiligen mit mindestens 2 m² pro Pflanze, sehr humoser Boden, viel Kompost, gleichmäßig feucht. Eine Pflanze trägt drei bis fünf große Früchte. Erntereif sind sie, wenn der Stiel verkorkt ist und die Schale beim Klopfen hohl klingt — meist Anfang bis Mitte Oktober.

Nach der Ernte zwei Wochen warm und sonnig nachreifen lassen, dann hält der Kürbis bis Februar bei 10 bis 15 °C trocken gelagert. Eine einzige Frucht reicht für drei bis vier Familien-Mahlzeiten.

Wo bekommt man Saatgut für alte Sorten?

Mehrere Bio-Saatgut-Päckchen mit Illustrationen alter Sorten liegen auf einem Holztisch neben Notizheft und Bleistift im Winterlicht.
Saatgut für alte Sorten kommt selten aus dem Baumarkt — sondern aus spezialisierten Bio-Häusern.

Die kommerziellen Hybrid-Riesen führen alte Sorten kaum noch. Wer sie sucht, geht zu spezialisierten Saatgut-Häusern mit Schwerpunkt auf samenfeste, biologische, oft auch demeter-zertifizierte Sorten:

  • Bingenheimer Saatgut (Hessen) — größtes deutsches Bio-Sortenhaus, viele alte Gemüsesorten
  • ReinSaat (Niederösterreich) — biodynamische Sorten, online lieferbar nach DE
  • Sperli Bio-Saatgut — Discounter-Variante der wichtigsten Bio-Sorten
  • Dreschflegel — Saatgut-Gemeinschaft aus Sorten-Erhalterhöfen
  • Saatzucht VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt) — Tausch- und Versand-Netzwerk, Mitgliedschaft ab ~30 € pro Jahr
  • ProSpecieRara (Schweiz) — gefährdete Schweizer Sorten, viele auch in DE anbaubar
  • Arche Noah (Österreich) — österreichische Erhalterinitiative mit großem Sortiment
  • Saatgut-Tauschbörsen im Frühjahr — meist in städtischen Gartenbau-Vereinen oder Volkshochschulen, oft kostenlos

Tipp: Bestell früh. Beliebte alte Sorten sind ab Februar oft ausverkauft.

Häufige Fragen

Sind alle alten Sorten gleichzeitig auch samenfest? Praktisch ja — alle hier vorgestellten Sorten sind samenfest, das heißt: Du kannst Saatgut aus eigener Ernte gewinnen, die Tochterpflanzen sind sortenecht. Hybriden (F1) dagegen werfen genetisch zerfallende Nachkommen, deshalb ist die Saatgut-Industrie auf F1 ausgewichen — sie verdient an jedem Tütchen neu.

Schmecken alte Sorten wirklich besser? Meistens ja, aber nicht immer. Alte Sorten wurden auf Geschmack, Lager- und Verarbeitungsfähigkeit gezüchtet, moderne Hybriden auf Ertrag, Krankheitsresistenz und Transport. Geschmacklich gewinnen alte Sorten in fast allen Blindverkostungen — sie haben aber oft auch mehr Streuung in Größe und Form, weniger einheitliche Ernten, und einzelne Sorten können krankheitsanfällig sein. Mein Tipp: in jeder Saison eine neue alte Sorte testen, statt das ganze Beet umzukrempeln.

Wann lohnt sich F1-Hybridsaatgut trotzdem? Wenn du gezielt hohe Krankheitsresistenz brauchst (z. B. Tomaten in feuchten Regionen mit Krautfäule-Druck) oder besonders gleichmäßig große Köpfe für Verkauf oder Einkochen willst. Im Hobbygarten überwiegen aber die Vorteile alter, samenfester Sorten — vor allem die Möglichkeit, eigenes Saatgut zu vermehren.

Wie tausche ich Saatgut mit anderen? Über VEN, Arche Noah, ProSpecieRara, oder über lokale Saatgut-Tauschbörsen (im Frühjahr meist im Februar oder März, organisiert von Bürgerinitiativen, Gartenbauvereinen, manchmal auch Volkshochschulen). Wichtig: Saatgut ohne Sortenschutz-Eintrag im Bundessortenamt darfst du frei tauschen — alle hier genannten Sorten fallen darunter.

Quellen und weiterführende Infos

  • VEN — Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt: Rote Liste der gefährdeten Nutzpflanzen
  • Bundessortenamt: Liste der zugelassenen Sorten und Erhaltungssorten
  • Bingenheimer Saatgut: Anbau-Anleitungen für die hier genannten Sorten
  • Plantopedia: Erdbeerspinat Chenopodium foliosum
  • Mein schöner Garten: Filderkraut und andere historische Kohlsorten
  • ProSpecieRara Schweiz: Sortenarchiv und Kulturhinweise

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Ich habe das Projekt Pflanzentanzen ins Leben gerufen, weil ich mich gerne im Garten & auf dem Balkon als Hobby-Gemüse-Gärtner austobe. Am liebsten nerve ich meine Freundin damit, unseren Balkon mit Tomaten, Chillies und Snackgurken zu verwuchern.

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