Brennnesseljauche ansetzen – Superdünger selber herstellen

Du wünschst Dir einen hochwertigen Biodünger, der nicht viel kostet? Brennnesseljauche ist ein effektiver Düngemittel, das Deine Pflanzen stärkt und den Boden verbessert. Und das Beste – Du kannst den natürlichen Stickstoffdünger selbst herstellen. Das ist kinderleicht und kostet Dich keinen Cent!

Die Vorteile von Brennnesseljauche

  • kostenlos – Brennnesseln kommen fast überall vor
  • stickstoffreich – dennoch keinerlei Gefahr einer Überdüngung
  • reich an Kieselsäure – stärkt das Pflanzengewebe
  • fördert das Wachstum & erhöht die Widerstandskraft
  • für Obst, Gemüse & Zierpflanzen

Für was ist Brennnesseljauche gut?

Du hast schon öfter von dem angeblichen Wunderelixier gehört und fragst Dich jetzt:  Ist Brennnesseljauche wirklich besser, als Dünger? Nein, das kann man so nicht sagen. Die Jauche hat einen relativ hohen Stickstoffgehalt und enthält auch viel Kalium

Verglichen mit handelsüblichem Kunstdünger ist ihre Düngewirkung jedoch moderat. Dazu kommt noch, dass Du die Jauche nicht pur verwendest, sondern im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnst.

Was macht Brennnesseljauche so besonders?

Dennoch gehört die übelriechende Jauche zu den Must-Haves im Bio-Garten. Warum? Zum Ersten kommen Brennnesseln in fast jedem Garten vor. Der Rohstoff für den Superdünger wächst also direkt vor Deiner Haustür. 

Anstatt Dich über das wehrhafte Unkraut zu ärgern, verarbeitest Du es einfach zu Brennnesseljauche. Es wächst ohne Dein Zutun wieder nach und kann damit mehrmals im Jahr geerntet werden.

Brennnessel enthalten besonders viele Nährstoffe, Mineralistoffe und Spurenelemente.

Zum Zweiten sind Brennnesseln reich an wertvollen Inhaltsstoffen. Sie liefern all das, was Deine Pflanzen zum Wachsen, Blühen und zum Ausbilden gesunder Früchte benötigen.

Welche Nährstoffe sind in Brennnesseljauche?

  • Stickstoff: Als einer der Makronährstoffe ist Stickstoff für Pflanzen lebensnotwendig. Er fördert das Wachstum Deiner Pflanzen.

  • Kieselsäure: Stärkt das Pflanzengewebe und macht so widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge.

  • Kalium: Verbessert die Wasseraufnahme und erhöht die Frostresistenz.

  • Calcium: Spielt eine wichtige Rolle bei der Pflanzenatmung und bei der Zellteilung.

  • Magnesium: Ist für die Photosynthese unerlässlich.

  • Eisen: Ist ebenfalls an der Photosynthese beteiligt.

  • Mangan: Unterstützt die Zellatmung und den Elektronentransport, fördert die Bildung von Seitenwurzeln. 

Wann Brennnesseljauche ansetzen?

Prinzipiell kannst Du während der gesamten Vegetationsperiode Brennnesseljauche herstellen. Im zeitigen Frühjahr fällt die Ernte allerdings noch recht spärlich aus. Von Mitte April bis Ende Mai ist die ideale Zeit zum Ansetzen der Jauche. Später solltest Du darauf achten, dass die Pflanzen noch keine Samen tragen, sonst vermehrst Du das Unkraut in Deinen Beeten.  

Die Blütezeit der Brennnessel beginnt meist etwa Ende Juni und zieht sich bis weit in den Herbst hinein. Bereits im Juli sind damit die ersten Samen reif. Wenn Du die Brennnesseln im Garten regelmäßig erntest, kannst Du die Blüte hinauszögern. Auf diese Weise hast Du stets frische Brennnesseln für Deine Jauche.

Brennnesseljauche herstellen – eine Anleitung

Das Ansetzen von Brennnesseljauche ist keine Hexerei. Ist es Dir gelungen, die wehrhaften Pflanzen zu ernten, ohne Dich dabei zu verbrennen, hast Du den schwierigsten Teil bereits hinter Dir. Nun brauchst Du nur noch etwas Geduld. Es kann bis zu zwei Wochen dauern, bis die Jauche fertig vergoren ist.

1. Sammle Brennnesseln

Zuerst heißt es, die Ärmel hochkrempeln – oder im Falle der Brennnessel wohl eher hinunterrollen. Denn Vorsicht, das stolze Unkraut ist wehrhaft. Da ich regelmäßig Brennnesseln ernte, habe ich bereits Routine im Umgang mit der kratzbürstigen Pflanze. 

Je nachdem, wie groß die Brennnesseln sind, kannst Du sie mit der Schere oder mit einer Sichel abschneiden.

Je nach Größe der Pflanzen und nach Verwendungszweck (Smoothie, Spinat, Mulch oder Jauche) ernte ich das Kraut mit der Schere, mit der Sichel oder gleich mit der Sense. Wenn Du dicke Handschuhe besitzt, kannst Du die Brennnesseln auch einfach mit der Hand pflücken. Du benötigst etwa ein Kilo frische Brennnessel. Ich wiege das Kraut nicht ab, sondern schichte die Pflanzen einfach ganz lose in den Eimer, bis dieser zu etwa zwei Drittel voll ist.

Wer bei der Ernte lieber kräftig zupacken möchte, sollte dicke Handschuhe benutzen.

2. Ab in den Eimer

Nimm einen simplen Baueimer, der mindestens 12 Liter fasst, zur Hand. Wer es plastikfrei und etwas stilvoller möchte, kann auch ein Holzfass oder einen Tonkrug verwenden.

Zerkleinere die Brennnesseln, damit sie in den Eimer passen. Dieser Schritt ist bei jüngeren Pflanzen noch nicht notwendig. Wachsen die Nesseln allerdings bereits hüfthoch, solltest Du sie etwas zerteilen. Mühsames Kleinschneiden ist jedoch nicht erforderlich – sonst wird es schwierig, die Pflanzenteile am Ende wieder herauszufischen.

Grobes Zerkleinern reicht, sonst verstopfen später feine Pflanzenteile Deine Gießkanne.

3. Fülle den Eimer mit Wasser auf

Nun füllst Du den Eimer mit 10 Litern Wasser auf. Du kannst dazu Leitungswasser oder Regenwasser verwenden. Das weiche Wasser aus der Regentonne wissen vor allem Pflanzen zu schätzen, die keinen Kalk vertragen.

Ideal zum Ansetzen von Brennnesseljauche ist Regenwasser.

4. Jetzt heißt es abwarten & umrühren

Stell den Eimer an einen warmen, sonnigen Ort. Je wärmer der Standort, desto schneller kommt die Gärung in Gang. Wenn Du verhindern möchtest, dass Kleintiere in die Jauche fallen, kannst Du den Eimer mit einem Gitter abdecken. Rühre Deine Brennnesseljauche täglich um. Dazu eignet sich ein Holzstab oder ein alter Kochlöffel. 

Keine Sorge, Du merkst es sofort, wenn sich im Eimer was tut. Während der Gärung entwickelt die Brennnesseljauche einen sehr unangenehmen Geruch.

Ein Gitter oder ein Netz verhindert, dass Tiere in den Eimer fallen.

Vorsicht Stinkbombe!

Platziere Deinen Brennnesseleimer so, dass die Nachbarn vom üblen Geruch verschont werden. Die Zugabe von Gesteinsmehl kann dazu beitragen, die Geruchsbelästigung etwas abzumildern.

5. Die Jauche gärt

Mit jedem Tag, der vergeht, wirst Du Veränderungen an Deiner Jauche feststellen. Die Brennnesseln werden matschig und beginnen, sich aufzulösen. Gleichzeitig wird das Wasser trüb. An der Oberfläche bildet sich Schaum und kleine Bläschen steigen auf. Die Mischung gärt und blubbert dabei fröhlich vor sich hin. 

Wenn Du Dich nun dem Eimer näherst, kannst Du den zukünftigen Dünger schon von Weitem riechen. Rühre weiterhin täglich tapfer in der stinkenden Brühe. Sobald keine Bläschen mehr aufsteigen und die Flüssigkeit dunkel und trüb geworden ist, ist Deine Brennnesseljauche endlich einsatzbereit. Meist ist die Gärung nach etwa 10 bis 14 Tagen abgeschlossen.

Bald steigen Luftbläschen auf – die Jauche beginnt zu gären.

6. Die richtige Dosierung

Gieße die Jauche durch ein Sieb. Nun kannst Du sie Deinen Zöglingen verabreichen. Für die meisten Pflanzen wird die Brennnesslejauche im Verhältnis 1:10 mit Wasser gemischt. Starkzehrer wie Tomaten und Kürbisse vertragen sie auch in etwas höherer Konzentration. 

Bei Jungpflanzen hingegen solltest Du anfangs noch etwas zurückhaltender sein. Hier ist das Verhältnis 1:20 optimal. Auch zum Düngen des Rasens eignet sich Brennnesseljauche gut. Dazu verdünnst Du einen Teil Jauche mit 50 Teilen Wasser.

Die vergorenen Pflanzenreste sind ein guter Dünger für Obstbäume oder Beerensträucher.

Wenn die Sonne vom Himmel brennt, ist es nicht empfehlenswert, die Blätter beim Gießen zu benetzen. Ideal ist die Anwendung am Abend. Beim Düngen mit Brennnesseljauche musst Du Dich nicht zurückhalten. 

Du kannst diesen sanften Stickstoffdünger bedenkenlos regelmäßig anwenden. Schmetterlingsblütler wie Erbsen und Bohnen leben in Symbiose mit Bakterien, die den Stickstoff aus der Luft binden, und brauchen daher keinen zusätzliche Stickstoffzufuhr.

Bei Pflanzen, deren Blätter Du essen möchtest, solltest Du die Jauche ausschließlich im Wurzelbereich ausbringen.

Wann ist die Jauche fertig?

Wie lange der Gärprozess tatsächlich braucht, hängt stark vom Wetter und von der Temperatur ab. Bei mir hat es bisher mindestens 5 und maximal 12 Tage gedauert, bis ich die Brennnesseljauche verwenden konnte.

Warum stinkt Brennnesseljauche so?

Puh, das stinkt! Wenn sich das Eiweiß zersetzt, entsteht ein übler Geruch.

Wenn die Jauche zu gären beginnt, verströmt sie einen sehr intensiven Geruch, den man auch mit viel Wohlwollen und Liebe zur Natur nur als Gestank bezeichnen kann. Auch wenn alle Pflanzenjauchen stinken, gehört Brennnesseljauche eindeutig zu den fiesesten Stinkbomben, die der naturnahe Garten zu bieten hat.

Brennnesseln enthalten verhältnismäßig viel Eiweiß und entwickeln daher bei der Zersetzung einen stechenden Ammoniakgeruch, an eine Mistgrube erinnert und scharenweise Fliegen anzieht. 

Was Du gegen die Geruchsentwicklung tun kannst

  • Platziere den Jaucheeimer in möglichst großer Entfernung zu Haus und Terrasse.
  • Nimm auch auf Deine Nachbarn Rücksicht!
  • Erkläre Deinen Nachbarn, was Du da braust, und gib ihnen ein wenig von Deinem fertigen Wundermittel ab.
  • Durch die Zugabe von Gesteinsmehl lässt sich der penetrante Gestank etwas mindern.
  • Trage beim Umfüllen, Dosieren und Ausbringen der Jauche Handschuhe, denn der Geruch lässt sich nicht so einfach abwaschen.
Für empfindliche Nasen ist die Jauche eine olfaktorische Herausforderung.

Muss es unbedingt Brennnesseljauche sein?

Nein – theoretisch lassen sich aus den meisten Pflanzen mehr oder weniger nährstoffreiche Jauchen herstellen. Wenn Du Lust hast, kannst Du gerne Deine eigene Versuchsreihe starten. Zwei Dinge solltest Du jedoch beachten: Verwende keine Giftpflanzen und ernte die Blätter, bevor die Pflanzen Samen bilden.

Weitere tolle Pflanzenjauchen

Dir hat die Herstellung von Brennnesseljauche Spaß gemacht? Dann bleib dabei und versorge Deine Pflanzen regelmäßig mit dem stinkenden Wunderelixier. Zusätzlich kannst Du auch aus anderen Pflanzen nährstoffreiche Jauchen brauen. Wer möchte, kann die verschiedenen Zutaten auch mischen. Hier ein paar Anregungen für Dich:

  • Ackerschachtelhalmjauche: Reich an Kieselsäure, gute Düngewirkung, für fast alle Pflanzen geeignet. Allerdings nicht für Bohnen und Erbsen. Optimal für Rosen. Hilft, Pilzkrankheiten vorzubeugen.

  • Beinwelljauche: Pflanzenstärkend und düngend durch hohen Stickstoff, Phosphor- und Kaliumgehalt. Fördert das Wurzelwachstum und die Fruchtbildung. Beinwell und Brennnessel werden gerne zusammen angesetzt.

  • Löwenzahnjauche: Aus blühenden Löwenzahnpflanzen mitsamt der Wurzel, fördert das Wachstum und die Fruchtqualität von Obstbäumen und Beerensträuchern. Auch für Tomaten und Erdbeeren.

  • Ringelblumenjauche: Schwacher Düngeeeffekt, stärkt die Gesundheit & die Widerstandsfähigkeit, für alle Obst- und Gemüsesorten, besonders für Kohl, Tomaten und Petersilie.

  • Tomatenblätterjauche: Aus den Geiztrieben die beim Ausgeizen anfallen. Fördert das Wachstum von Tomatenpflanzen, Gurken, Kürbis, Paprika, Bohnen, Zwiebeln, Petersilie und Sellerie. Kann bei Kohlgewächsen auch gegen den Kohlweißling eingesetzt werden.

  • Zwiebeljauche: Aus Zwiebelschalen, Blättern und eventuell auch aus den Früchten. Kräftigt die Pflanzen und beugt Blattfall vor. Schütz Bäume und Sträucher vor Pilzkrankheiten, Kartoffeln vor Krautfäule. Der Geruch soll die Möhrenfliege von Möhren fernhalten.

  • Gemischte Jauche zur Pflanzenstärkung: Brennnessel, Beinwell, Salbei, Zwiebelschalen gemeinsam ansetzen. Ideal für Jungpflanzen – 1: 10 verdünnen.

Fazit

Brennnesseljauche selbst herzustellen ist wirklich einfach, allerdings allerdings solltest Du nicht allzu zartbesaitet sein. 

Vor den Brennhaaren kannst Du Dich zwar gut schützen, doch die Jauche entwickelt bei der Gärung einen sehr unangenehmen Geruch. Wer durchhält, wird mit einem gesunden und kostenlosen Naturdünger belohnt, der Deine Pflanzen prächtig gedeihen lässt. 

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