Außergewöhnliche Kletterpflanzen, die winterhart sind: 10 Raritäten
Amur-Rebe, Pfeifenwinde, Baumschlinge und Spalthortensie: 10 seltene Kletterpflanzen, die unsere Winter überstehen – mit Frostgrenzen und Kletterhilfe.

Wer mehr will als Efeu, Wilden Wein und Blauregen, findet winterharte Raritäten: Die Amur-Rebe übersteht laut LWG Veitshöchheim bis −40 °C, Pfeifenwinde und Gold-Waldrebe stuft die Royal Horticultural Society (RHS) als hart für ganz Nordeuropa ein. Hier sind zehn Kletterpflanzen, die man selten sieht, die bei uns aber durch den Winter kommen – gruppiert nach dem, was sie besonders macht: Laub, Blüte oder Wuchskraft.
Diese Liste haben wir im Oktober 2026 komplett überarbeitet. Grundlage sind die Pflanzenprofile der RHS, der Fachbeitrag „Mit Seil und Haken an der Wand“ der LWG Veitshöchheim, die Invasivitätsbewertung des BfN (BfN-Schriften 731, 2025) sowie CliniTox (Universität Zürich) zur Giftigkeit. Kletterpflanzen mit essbaren Früchten wie Kiwibeere und Akebie stellen wir ausführlicher bei den essbaren Kletterpflanzen vor, einen Überblick gibt der Kletterpflanzen-Ratgeber.
Für Laub und Herbstfarbe
Diese vier pflanzt man vor allem wegen ihrer Blätter: riesig, ungewöhnlich gefärbt oder im Herbst leuchtend rot.
1. Amur-Rebe (Vitis amurensis)
📌 Pin itDie Amur-Rebe stammt aus dem Grenzgebiet von Russland und China und gilt als extrem frosthart – die LWG nennt Temperaturen bis −40 °C. Sie klettert im Schnitt 6 m hoch, kann aber bis 15 m erreichen. Ihre bis zu 25 cm großen Blätter färben sich an sonnigen Plätzen im Herbst rot bis purpurrot, die etwa 1 cm kleinen schwarzen Trauben sind essbar. In einem Langzeitversuch der LWG hat sie sich an einer Lärmschutzwand hervorragend bewährt; Rebenzüchter schätzen sie wegen ihrer Widerstandskraft gegen Echten und Falschen Mehltau.
- Höhe: meist 6 m, bis 15 m
- Blüte: Juni bis Juli, unscheinbar
- Standort: sonnig bis halbschattig, gern kalkhaltiger Boden
- Winterhart: bis −40 °C (LWG)
- Kletterhilfe: waagerechte Drähte oder ein Gitter, laut LWG etwa 10 cm Abstand
2. Scharlachwein (Vitis coignetiae)
📌 Pin itDer Scharlachwein aus Japan und Korea hat laut RHS Blätter von bis zu 30 cm. Im Herbst färben sie sich laut LWG intensiv scharlach- bis karminrot. Er wächst deutlich stärker als die Amur-Rebe, auch am Stammfuß, und braucht entsprechend kräftige Kletterhilfen – eine große Pergola oder eine hohe Mauer mit Drahtseilen. Die kleinen blauschwarzen Beeren sind essbar, laut LWG aber kein Genuss.
- Höhe: über 12 m (RHS)
- Blüte: unscheinbar
- Standort: Sonne bis Halbschatten, geschützt, Süd- oder Westseite
- Winterhart: bis etwa −20 °C (LWG), RHS H5
- Giftig: Beeren laut RHS schädlich für Hunde
3. Kolomikta-Strahlengriffel (Actinidia kolomikta)
📌 Pin itDer Kolomikta-Strahlengriffel ist mit der Kiwi verwandt, wird aber wegen seines Laubs gepflanzt: Bei älteren Pflanzen sind die Blattspitzen erst silbrig, später rosa (RHS). Die RHS empfiehlt dafür volle Sonne an einer geschützten Südwand. Männliche und weibliche Blüten sitzen auf getrennten Pflanzen; essbare Früchte tragen nur weibliche oder zwittrige Pflanzen. Wer vor allem ernten will, ist mit der Kiwibeere besser bedient – sie steht bei den essbaren Kletterpflanzen.
- Höhe: 4–8 m
- Blüte: klein, weiß
- Standort: vollsonnig, geschützt, Südseite
- Winterhart: bis etwa −15 °C (RHS H5)
- Kletterhilfe: Schlinger: senkrechte Drähte oder Stäbe
4. Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla)
📌 Pin itDie Pfeifenwinde aus dem Osten Nordamerikas bildet mit ihren großen, herzförmigen Blättern einen dichten grünen Vorhang – passend für Pergola und Laube, die im Sommer Schatten spenden sollen. Ihre 3–4 cm langen Blüten sind S-förmig gebogen wie eine Tabakpfeife, grünlich und gelb-purpurn gefleckt. Die RHS stuft sie als hart für ganz Großbritannien und Nordeuropa ein. Sie ist giftig: Beim Schneiden Handschuhe tragen und Kinder nicht an die Pflanze lassen.
- Höhe: 8–12 m
- Blüte: grünlich, gelb und purpurn gefleckt, unter dem Laub
- Standort: Sonne bis Halbschatten, feuchter, durchlässiger Boden
- Winterhart: bis etwa −20 °C (RHS H6)
- Giftig: ja, beim Verzehr, auch für Hunde (RHS)
Für besondere Blüten und Früchte
5. Gold-Waldrebe (Clematis tangutica)
📌 Pin itDie Gold-Waldrebe hat mit den großblumigen Clematis-Sorten wenig gemein: Sie trägt nickende, laternenförmige goldgelbe Blüten von etwa 4 cm, laut RHS im Frühsommer und noch einmal im Herbst. Sie gehört zu den härtesten Waldreben und wird jedes Jahr im Spätwinter kräftig zurückgeschnitten (Schnittgruppe 3). Die LWG empfiehlt sie ausdrücklich für Hausgärten, auch zusammen mit Rosen. Wie die Schnittgruppen funktionieren, steht in unserem Clematis-Ratgeber.
- Höhe: 4–8 m
- Blüte: Frühsommer und Herbst, goldgelb
- Standort: Sonne bis Halbschatten, neutraler bis kalkhaltiger Boden
- Winterhart: bis etwa −20 °C (RHS H6)
- Giftig: ja (CliniTox), der Saft reizt die Haut (RHS)
6. Mandel-Waldrebe (Clematis × triternata 'Rubromarginata')
📌 Pin itDiese englische Züchtung von 1883 ist eine Kreuzung aus Brennender und Italienischer Waldrebe. Von Juli bis September öffnet sie unzählige kleine weiße Blüten mit violettrotem Saum, die laut LWG an Waldmeister erinnernd duften. Sie klettert locker bis etwa 3,5 m und wird von der gefürchteten Clematiswelke selten befallen. Treibt sie im Frühjahr erst spät aus, ist das laut LWG kein Grund zur Sorge.
- Höhe: bis etwa 3,5 m
- Blüte: Juli bis September, duftend
- Standort: sonnig bis halbschattig, humoser, frischer Boden
- Winterhart: bis etwa −10 °C (RHS H4); sie blüht an neuen Trieben, Rückfrieren kostet also keine Blüte
- Schnitt: jährlich kräftig zurückschneiden – laut LWG im November oder Dezember, laut RHS im Spätwinter
7. Spalthortensie (Schizophragma hydrangeoides)
📌 Pin itDie Spalthortensie aus Japan sieht der Kletterhortensie ähnlich und klettert ebenfalls mit Haftwurzeln, bis etwa 12 m hoch. Im Sommer trägt sie flache Dolden kleiner cremeweißer Blüten. Laut RHS verträgt sie Schatten, blüht in der Sonne aber am besten, und sie bietet Bienen und anderen Bestäubern Nektar und Pollen. Setze sie etwa 60 cm vor Wand oder Baum und binde sie an, bis die Haftwurzeln greifen. Die Sorte 'Rose Sensation' hat rosa überhauchte Hochblätter.
- Höhe: bis etwa 12 m
- Blüte: Sommer, cremeweiß
- Standort: Sonne bis Halbschatten
- Winterhart: bis etwa −15 °C (RHS H5)
- Giftig: für Hund und Katze schädlich beim Verzehr, kann Hautallergien auslösen (RHS)
8. Chinesisches Spaltkörbchen (Schisandra chinensis)
📌 Pin itDas Spaltkörbchen ist eine schlingende Liane aus Ostasien. Im späten Frühjahr erscheinen kleine, schalenförmige cremeweiße bis blassrosa Blüten, im Spätsommer hängen leuchtend rote Beeren in langen Trauben – allerdings nur an weiblichen Pflanzen und nur, wenn deren Blüten bestäubt wurden. Die RHS rät deshalb, männliche und weibliche Pflanzen zusammen zu setzen. Es mag einen geschützten Platz und Boden, der feucht bleibt, aber gut abläuft.
- Höhe: 8–12 m (RHS)
- Blüte: spätes Frühjahr bis Frühsommer, cremeweiß bis blassrosa
- Standort: Sonne bis Halbschatten, geschützt
- Winterhart: bis etwa −15 °C (RHS H5)
- Worauf achten: männliche und weibliche Pflanze setzen, sonst keine Beeren
Für starke Gerüste und große Flächen
Die letzten beiden wachsen kräftig und schnell. Die LWG hat beide über 15 Jahre an Lärmschutzwänden getestet.
9. Akebie (Akebia quinata)
📌 Pin itDie Akebie ist ein starkwüchsiger, aber leichter Schlinger, der bis 10 m hoch klettert. Ende April bis Mitte Mai hängen an ihr dunkelrot-violette weibliche und rosa männliche Blüten, deren würziger Duft ihr den Namen Schokoladenwein eingebracht hat. Früchte bildet sie laut LWG nur bei ausreichender Sommerwärme; ihr Fruchtfleisch ist essbar, die Samen nicht. Sie verträgt bis −20 °C, Spätfröste können aber die Blüten schädigen. Für Früchte brauchst du zwei genetisch verschiedene Pflanzen – mehr dazu bei den essbaren Kletterpflanzen.
- Höhe: bis 10 m
- Blüte: Ende April bis Mitte Mai
- Standort: sonnig bis lichtschattig, warm und geschützt
- Winterhart: bis −20 °C (LWG), Blüten spätfrostgefährdet
- Worauf achten: ältere Pflanzen treiben am Fuß 3–4 m lange, bewurzelnde Triebe – regelmäßig kontrollieren (LWG)
10. Orientalische Baumschlinge (Periploca graeca)
📌 Pin itDie Baumschlinge aus dem östlichen Mittelmeerraum erwies sich in der LWG-Versuchsreihe an Lärmschutzwänden als eine der besten und dauerhaftesten Arten – ohne Krankheiten oder Schädlinge. Der schnellwüchsige Schlinger wird 5 bis 15 m hoch und trägt glänzend dunkelgrüne Blätter; die kleinen Blüten von Juni bis August duften. Die Triebe führen einen giftigen Milchsaft. Junge Bäume kann sie laut LWG buchstäblich erwürgen – lass sie deshalb nur an Seilen oder Gittern wachsen, nicht an Gehölzen.
- Höhe: 5–15 m
- Blüte: Juni bis August, duftend
- Standort: sonnig bis lichtschattig, warm
- Winterhart: im LWG-Versuch über 15 Jahre ausdauernd; junge Pflanzen in den ersten Jahren am Fuß schützen
- Kletterhilfe: senkrechte Seile oder Stäbe, je Element nur ein Trieb, 15–20 cm Wandabstand (LWG)
Welche Kletterhilfe welche Art braucht
- Schlinger (Akebie, Baumschlinge, Pfeifenwinde, Kolomikta, Spaltkörbchen) winden sich um senkrechte Seile, Stäbe oder Gittermatten. Für die Akebie empfiehlt die LWG Elemente bis 3 cm Stärke im Abstand von 20 bis 40 cm.
- Sprossranker (Amur-Rebe, Scharlachwein) brauchen waagerechte Drähte oder ein Gitter; die Triebe werden anfangs daran entlanggeführt.
- Blattstielranker (alle Waldreben) halten sich nur an dünnen Elementen fest – laut LWG ideal sind etwa 4 mm Stärke und 10 cm Abstand.
- Selbstklimmer (Spalthortensie) halten sich mit Haftwurzeln und brauchen nur anfangs Halt.
Aktualisiert im Oktober 2026: Auswahl auf zehn geprüft winterharte Arten gekürzt, Frostgrenzen nach RHS und LWG ergänzt; Rundblättriger Baumwürger (laut BfN invasiv) gestrichen, ebenso nicht zuverlässig winterharte Arten wie Jiaogulan, Stauntonie, Sternjasmin und Passionsblume sowie der Winterjasmin, der ein Strauch ist.