Pflanzentipps

Außergewöhnliche Kletterpflanzen, die winterhart sind: 10 Raritäten

Amur-Rebe, Pfeifenwinde, Baumschlinge und Spalthortensie: 10 seltene Kletterpflanzen, die unsere Winter überstehen – mit Frostgrenzen und Kletterhilfe.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 26. Oktober 20269 Min Lesezeit
Holzpergola im Herbst mit scharlachrot gefärbtem Scharlachwein, großen herzförmigen Blättern der Pfeifenwinde und gelben Glockenblüten einer Waldrebe

Wer mehr will als Efeu, Wilden Wein und Blauregen, findet winterharte Raritäten: Die Amur-Rebe übersteht laut LWG Veitshöchheim bis −40 °C, Pfeifenwinde und Gold-Waldrebe stuft die Royal Horticultural Society (RHS) als hart für ganz Nordeuropa ein. Hier sind zehn Kletterpflanzen, die man selten sieht, die bei uns aber durch den Winter kommen – gruppiert nach dem, was sie besonders macht: Laub, Blüte oder Wuchskraft.

Diese Liste haben wir im Oktober 2026 komplett überarbeitet. Grundlage sind die Pflanzenprofile der RHS, der Fachbeitrag „Mit Seil und Haken an der Wand“ der LWG Veitshöchheim, die Invasivitätsbewertung des BfN (BfN-Schriften 731, 2025) sowie CliniTox (Universität Zürich) zur Giftigkeit. Kletterpflanzen mit essbaren Früchten wie Kiwibeere und Akebie stellen wir ausführlicher bei den essbaren Kletterpflanzen vor, einen Überblick gibt der Kletterpflanzen-Ratgeber.

Für Laub und Herbstfarbe

Diese vier pflanzt man vor allem wegen ihrer Blätter: riesig, ungewöhnlich gefärbt oder im Herbst leuchtend rot.

1. Amur-Rebe (Vitis amurensis)

Amur-Rebe an einer Pergola mit rot bis purpurn gefärbtem Weinlaub und kleinen schwarzen Trauben📌 Pin it
Die Wildrebe aus dem Amur-Tal färbt sich in der Sonne prächtig rot.

Die Amur-Rebe stammt aus dem Grenzgebiet von Russland und China und gilt als extrem frosthart – die LWG nennt Temperaturen bis −40 °C. Sie klettert im Schnitt 6 m hoch, kann aber bis 15 m erreichen. Ihre bis zu 25 cm großen Blätter färben sich an sonnigen Plätzen im Herbst rot bis purpurrot, die etwa 1 cm kleinen schwarzen Trauben sind essbar. In einem Langzeitversuch der LWG hat sie sich an einer Lärmschutzwand hervorragend bewährt; Rebenzüchter schätzen sie wegen ihrer Widerstandskraft gegen Echten und Falschen Mehltau.

  • Höhe: meist 6 m, bis 15 m
  • Blüte: Juni bis Juli, unscheinbar
  • Standort: sonnig bis halbschattig, gern kalkhaltiger Boden
  • Winterhart: bis −40 °C (LWG)
  • Kletterhilfe: waagerechte Drähte oder ein Gitter, laut LWG etwa 10 cm Abstand

2. Scharlachwein (Vitis coignetiae)

Gartenmauer, bedeckt mit den riesigen, rundlichen Blättern des Scharlachweins in leuchtendem Scharlachrot📌 Pin it
Blätter so groß wie ein Teller – und im Herbst scharlachrot.

Der Scharlachwein aus Japan und Korea hat laut RHS Blätter von bis zu 30 cm. Im Herbst färben sie sich laut LWG intensiv scharlach- bis karminrot. Er wächst deutlich stärker als die Amur-Rebe, auch am Stammfuß, und braucht entsprechend kräftige Kletterhilfen – eine große Pergola oder eine hohe Mauer mit Drahtseilen. Die kleinen blauschwarzen Beeren sind essbar, laut LWG aber kein Genuss.

  • Höhe: über 12 m (RHS)
  • Blüte: unscheinbar
  • Standort: Sonne bis Halbschatten, geschützt, Süd- oder Westseite
  • Winterhart: bis etwa −20 °C (LWG), RHS H5
  • Giftig: Beeren laut RHS schädlich für Hunde

3. Kolomikta-Strahlengriffel (Actinidia kolomikta)

Kolomikta-Strahlengriffel an einer sonnigen Wand, die herzförmigen Blätter an der Spitze weiß und rosa gefärbt📌 Pin it
Die weiß-rosa Blattspitzen zeigen sich erst an älteren Pflanzen.

Der Kolomikta-Strahlengriffel ist mit der Kiwi verwandt, wird aber wegen seines Laubs gepflanzt: Bei älteren Pflanzen sind die Blattspitzen erst silbrig, später rosa (RHS). Die RHS empfiehlt dafür volle Sonne an einer geschützten Südwand. Männliche und weibliche Blüten sitzen auf getrennten Pflanzen; essbare Früchte tragen nur weibliche oder zwittrige Pflanzen. Wer vor allem ernten will, ist mit der Kiwibeere besser bedient – sie steht bei den essbaren Kletterpflanzen.

  • Höhe: 4–8 m
  • Blüte: klein, weiß
  • Standort: vollsonnig, geschützt, Südseite
  • Winterhart: bis etwa −15 °C (RHS H5)
  • Kletterhilfe: Schlinger: senkrechte Drähte oder Stäbe

4. Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla)

Dichter Vorhang aus großen herzförmigen Blättern der Pfeifenwinde, darunter kleine, pfeifenförmig gebogene grün-purpurne Blüten📌 Pin it
Die pfeifenförmigen Blüten verstecken sich gern unter dem Laub.

Die Pfeifenwinde aus dem Osten Nordamerikas bildet mit ihren großen, herzförmigen Blättern einen dichten grünen Vorhang – passend für Pergola und Laube, die im Sommer Schatten spenden sollen. Ihre 3–4 cm langen Blüten sind S-förmig gebogen wie eine Tabakpfeife, grünlich und gelb-purpurn gefleckt. Die RHS stuft sie als hart für ganz Großbritannien und Nordeuropa ein. Sie ist giftig: Beim Schneiden Handschuhe tragen und Kinder nicht an die Pflanze lassen.

  • Höhe: 8–12 m
  • Blüte: grünlich, gelb und purpurn gefleckt, unter dem Laub
  • Standort: Sonne bis Halbschatten, feuchter, durchlässiger Boden
  • Winterhart: bis etwa −20 °C (RHS H6)
  • Giftig: ja, beim Verzehr, auch für Hunde (RHS)

Für besondere Blüten und Früchte

5. Gold-Waldrebe (Clematis tangutica)

Gold-Waldrebe am Gartenzaun mit vielen nickenden, laternenförmigen goldgelben Blüten📌 Pin it
Gelbe Laternen statt großer Schalen: Die Gold-Waldrebe ist eine Wildart.

Die Gold-Waldrebe hat mit den großblumigen Clematis-Sorten wenig gemein: Sie trägt nickende, laternenförmige goldgelbe Blüten von etwa 4 cm, laut RHS im Frühsommer und noch einmal im Herbst. Sie gehört zu den härtesten Waldreben und wird jedes Jahr im Spätwinter kräftig zurückgeschnitten (Schnittgruppe 3). Die LWG empfiehlt sie ausdrücklich für Hausgärten, auch zusammen mit Rosen. Wie die Schnittgruppen funktionieren, steht in unserem Clematis-Ratgeber.

  • Höhe: 4–8 m
  • Blüte: Frühsommer und Herbst, goldgelb
  • Standort: Sonne bis Halbschatten, neutraler bis kalkhaltiger Boden
  • Winterhart: bis etwa −20 °C (RHS H6)
  • Giftig: ja (CliniTox), der Saft reizt die Haut (RHS)

6. Mandel-Waldrebe (Clematis × triternata 'Rubromarginata')

Mandel-Waldrebe am Zaun, übersät mit unzähligen kleinen weißen Sternblüten mit rotviolettem Rand📌 Pin it
Wie ein Wasserfall aus kleinen Sternen – mit Duft nach Waldmeister.

Diese englische Züchtung von 1883 ist eine Kreuzung aus Brennender und Italienischer Waldrebe. Von Juli bis September öffnet sie unzählige kleine weiße Blüten mit violettrotem Saum, die laut LWG an Waldmeister erinnernd duften. Sie klettert locker bis etwa 3,5 m und wird von der gefürchteten Clematiswelke selten befallen. Treibt sie im Frühjahr erst spät aus, ist das laut LWG kein Grund zur Sorge.

  • Höhe: bis etwa 3,5 m
  • Blüte: Juli bis September, duftend
  • Standort: sonnig bis halbschattig, humoser, frischer Boden
  • Winterhart: bis etwa −10 °C (RHS H4); sie blüht an neuen Trieben, Rückfrieren kostet also keine Blüte
  • Schnitt: jährlich kräftig zurückschneiden – laut LWG im November oder Dezember, laut RHS im Spätwinter

7. Spalthortensie (Schizophragma hydrangeoides)

Spalthortensie an einem Baumstamm mit flachen cremeweißen Blütendolden, an deren Rand einzelne große Hochblätter hängen📌 Pin it
Klettert mit Haftwurzeln wie die Kletterhortensie, ist aber viel seltener zu sehen.

Die Spalthortensie aus Japan sieht der Kletterhortensie ähnlich und klettert ebenfalls mit Haftwurzeln, bis etwa 12 m hoch. Im Sommer trägt sie flache Dolden kleiner cremeweißer Blüten. Laut RHS verträgt sie Schatten, blüht in der Sonne aber am besten, und sie bietet Bienen und anderen Bestäubern Nektar und Pollen. Setze sie etwa 60 cm vor Wand oder Baum und binde sie an, bis die Haftwurzeln greifen. Die Sorte 'Rose Sensation' hat rosa überhauchte Hochblätter.

  • Höhe: bis etwa 12 m
  • Blüte: Sommer, cremeweiß
  • Standort: Sonne bis Halbschatten
  • Winterhart: bis etwa −15 °C (RHS H5)
  • Giftig: für Hund und Katze schädlich beim Verzehr, kann Hautallergien auslösen (RHS)

8. Chinesisches Spaltkörbchen (Schisandra chinensis)

Chinesisches Spaltkörbchen am Holzspalier mit langen, hängenden Trauben glänzend roter Beeren📌 Pin it
Beeren gibt es nur an weiblichen Pflanzen – und nur mit Bestäuber.

Das Spaltkörbchen ist eine schlingende Liane aus Ostasien. Im späten Frühjahr erscheinen kleine, schalenförmige cremeweiße bis blassrosa Blüten, im Spätsommer hängen leuchtend rote Beeren in langen Trauben – allerdings nur an weiblichen Pflanzen und nur, wenn deren Blüten bestäubt wurden. Die RHS rät deshalb, männliche und weibliche Pflanzen zusammen zu setzen. Es mag einen geschützten Platz und Boden, der feucht bleibt, aber gut abläuft.

  • Höhe: 8–12 m (RHS)
  • Blüte: spätes Frühjahr bis Frühsommer, cremeweiß bis blassrosa
  • Standort: Sonne bis Halbschatten, geschützt
  • Winterhart: bis etwa −15 °C (RHS H5)
  • Worauf achten: männliche und weibliche Pflanze setzen, sonst keine Beeren

Für starke Gerüste und große Flächen

Die letzten beiden wachsen kräftig und schnell. Die LWG hat beide über 15 Jahre an Lärmschutzwänden getestet.

9. Akebie (Akebia quinata)

Akebie am Gartenzaun mit fünfteiligen Blättern und hängenden Blütentrauben in Dunkelrot und Rosa📌 Pin it
Die großen dunklen Blüten sind weiblich, die kleinen rosa Blüten männlich.

Die Akebie ist ein starkwüchsiger, aber leichter Schlinger, der bis 10 m hoch klettert. Ende April bis Mitte Mai hängen an ihr dunkelrot-violette weibliche und rosa männliche Blüten, deren würziger Duft ihr den Namen Schokoladenwein eingebracht hat. Früchte bildet sie laut LWG nur bei ausreichender Sommerwärme; ihr Fruchtfleisch ist essbar, die Samen nicht. Sie verträgt bis −20 °C, Spätfröste können aber die Blüten schädigen. Für Früchte brauchst du zwei genetisch verschiedene Pflanzen – mehr dazu bei den essbaren Kletterpflanzen.

  • Höhe: bis 10 m
  • Blüte: Ende April bis Mitte Mai
  • Standort: sonnig bis lichtschattig, warm und geschützt
  • Winterhart: bis −20 °C (LWG), Blüten spätfrostgefährdet
  • Worauf achten: ältere Pflanzen treiben am Fuß 3–4 m lange, bewurzelnde Triebe – regelmäßig kontrollieren (LWG)

10. Orientalische Baumschlinge (Periploca graeca)

Orientalische Baumschlinge an senkrechten Stahlseilen mit glänzend dunkelgrünen Blättern und kleinen violettbraunen Sternblüten📌 Pin it
Robust und anspruchslos – aber mit giftigem Milchsaft.

Die Baumschlinge aus dem östlichen Mittelmeerraum erwies sich in der LWG-Versuchsreihe an Lärmschutzwänden als eine der besten und dauerhaftesten Arten – ohne Krankheiten oder Schädlinge. Der schnellwüchsige Schlinger wird 5 bis 15 m hoch und trägt glänzend dunkelgrüne Blätter; die kleinen Blüten von Juni bis August duften. Die Triebe führen einen giftigen Milchsaft. Junge Bäume kann sie laut LWG buchstäblich erwürgen – lass sie deshalb nur an Seilen oder Gittern wachsen, nicht an Gehölzen.

  • Höhe: 5–15 m
  • Blüte: Juni bis August, duftend
  • Standort: sonnig bis lichtschattig, warm
  • Winterhart: im LWG-Versuch über 15 Jahre ausdauernd; junge Pflanzen in den ersten Jahren am Fuß schützen
  • Kletterhilfe: senkrechte Seile oder Stäbe, je Element nur ein Trieb, 15–20 cm Wandabstand (LWG)

Welche Kletterhilfe welche Art braucht

  • Schlinger (Akebie, Baumschlinge, Pfeifenwinde, Kolomikta, Spaltkörbchen) winden sich um senkrechte Seile, Stäbe oder Gittermatten. Für die Akebie empfiehlt die LWG Elemente bis 3 cm Stärke im Abstand von 20 bis 40 cm.
  • Sprossranker (Amur-Rebe, Scharlachwein) brauchen waagerechte Drähte oder ein Gitter; die Triebe werden anfangs daran entlanggeführt.
  • Blattstielranker (alle Waldreben) halten sich nur an dünnen Elementen fest – laut LWG ideal sind etwa 4 mm Stärke und 10 cm Abstand.
  • Selbstklimmer (Spalthortensie) halten sich mit Haftwurzeln und brauchen nur anfangs Halt.

Aktualisiert im Oktober 2026: Auswahl auf zehn geprüft winterharte Arten gekürzt, Frostgrenzen nach RHS und LWG ergänzt; Rundblättriger Baumwürger (laut BfN invasiv) gestrichen, ebenso nicht zuverlässig winterharte Arten wie Jiaogulan, Stauntonie, Sternjasmin und Passionsblume sowie der Winterjasmin, der ein Strauch ist.

Häufige Fragen

Welche Kletterpflanze ist am frosthärtesten?
Unter den hier vorgestellten Arten die Amur-Rebe (Vitis amurensis): Die LWG Veitshöchheim nennt eine Frosthärte bis −40 °C. Pfeifenwinde und Gold-Waldrebe stuft die Royal Horticultural Society in Zone H6 ein, also bis etwa −20 °C.
Welche außergewöhnliche Kletterpflanze wächst im Halbschatten?
Die Spalthortensie verträgt laut RHS Schatten, blüht in der Sonne aber am besten. Pfeifenwinde, Gold-Waldrebe, Spaltkörbchen und Scharlachwein wachsen in Sonne bis Halbschatten. Der Kolomikta-Strahlengriffel braucht dagegen volle Sonne für seine Blattfärbung.
Warum trägt mein Spaltkörbchen keine Beeren?
Beim Chinesischen Spaltkörbchen tragen nur weibliche Pflanzen Beeren, und auch nur, wenn ihre Blüten bestäubt wurden. Die RHS rät deshalb, männliche und weibliche Pflanzen zusammen zu setzen. Dasselbe gilt für den Kolomikta-Strahlengriffel; bei der Akebie braucht es zwei genetisch verschiedene Pflanzen.
Darf ich den Rundblättrigen Baumwürger pflanzen?
Davon raten wir ab. Das Bundesamt für Naturschutz stuft ihn als invasiv ein, und ab dem 2. August 2027 steht er auf der EU-Liste invasiver Arten. Dann sind Verkauf, Haltung und Anpflanzung verboten.
Welche Kletterhilfe brauchen Wildreben wie die Amur-Rebe?
Reben klettern mit Sprossranken und brauchen deshalb waagerechte Drähte oder ein Gitter. Die LWG empfiehlt für die Amur-Rebe Elemente von etwa 1,4 cm Durchmesser im Abstand von etwa 10 cm; der stark wachsende Scharlachwein braucht noch kräftigere Kletterhilfen.