Immergrüne Kletterpflanzen, die winterhart sind: 7 Arten im Faktencheck
Efeu, Kaukasus-Efeu, Kletterspindel und vier Arten für milde Lagen: Welche Kletterpflanzen wirklich immergrün und winterhart sind – mit Frostgrenzen.

Wirklich immergrün und zuverlässig winterhart sind bei uns nur wenige Kletterpflanzen: der heimische Efeu, der großblättrige Kaukasus-Efeu und die Kletterspindel. Vier weitere Arten bleiben ebenfalls grün – Immergrüne Waldrebe, Winter-Waldrebe, Sternjasmin und Immergrüne Kletterhortensie –, vertragen laut Royal Horticultural Society (RHS) aber nur etwa −5 bis −10 °C. Sie gehören an eine geschützte Hauswand in einer milden Gegend. Hier sind alle sieben, mit dem, was du vor dem Pflanzen wissen solltest.
Diese Liste haben wir im Oktober 2026 komplett überarbeitet. Die Frostgrenzen stammen aus den Pflanzenprofilen der RHS (H5: bis etwa −15 °C, H4: bis etwa −10 °C), Angaben zu Akebie und Efeu-Schäden von der LWG Veitshöchheim, die Einstufung invasiver Arten aus den BfN-Schriften 731 (2025), die Giftigkeit von der Giftinformationszentrale Bonn und CliniTox (Universität Zürich). Einen Überblick über alle Kletterpflanzen findest du in unserem Kletterpflanzen-Ratgeber.
Zuverlässig winterhart: für jede Lage
Diese drei klettern ohne Gerüst mit Haftwurzeln und wachsen auch im Schatten – an Mauern, Holzwänden und Zäunen.
1. Efeu (Hedera helix)
📌 Pin itDer Efeu ist unsere heimische immergrüne Kletterpflanze. Er klettert mit Haftwurzeln ohne jede Hilfe an Mauer, Baum oder Zaun hoch und wächst in voller Sonne ebenso wie im tiefen Schatten. Erst ältere Pflanzen bilden oben buschige, nicht mehr kletternde Triebe mit ungelappten Blättern – nur dort erscheinen im Herbst die nektarreichen Blüten und im Winter die schwarzen Beeren. Die RHS nennt ihn deshalb eine wichtige Pflanze für Vögel und Insekten, die darin Nahrung, Schutz und Nistplätze finden.
- Höhe: 8–12 m
- Blüte: Herbst, nur an älteren Pflanzen
- Standort: Sonne bis Vollschatten
- Winterhart: ja, heimisch
- Giftig: alle Teile gering giftig bis giftig (GIZ Bonn); der Saft kann die Haut reizen, Handschuhe tragen (RHS)
- Worauf achten: von Dach und Dachrinne fernhalten – bei „vergessenem“ Efeu sind laut LWG Schäden am Dach vorprogrammiert
2. Kaukasus-Efeu (Hedera colchica)
📌 Pin itDer Kaukasus-Efeu hat ledrige Blätter von bis zu 20 cm Länge und wirkt dadurch ruhiger als der heimische Efeu. Die RHS empfiehlt ihn ausdrücklich für saure Böden, auf denen der Gemeine Efeu schlechter wächst. Er bildet weniger Haftwurzeln und wird mit der Zeit kopflastig: Binde ihn an und schneide ihn regelmäßig, sonst kann der Wind ihn von der Wand lösen. Die gelbgrün gezeichnete Sorte 'Sulphur Heart' ist ebenso hart wie die grüne Art.
- Höhe: 8–12 m
- Blüte: unscheinbar gelbgrün, danach schwarze Beeren
- Standort: Sonne bis Vollschatten, auch auf saurem Boden
- Winterhart: bis etwa −15 °C (RHS H5)
- Giftig: beim Verzehr giftig, reizt die Haut (RHS)
3. Kletterspindel (Euonymus fortunei var. radicans)
📌 Pin itDie Kletterspindel bleibt viel kleiner als Efeu: An einer Mauer erreicht sie laut RHS etwa 2 m, ohne Halt wächst sie als Bodendecker. Ihre ledrigen, fein gezähnten Blätter bleiben das ganze Jahr grün; es gibt auch weiß- und gelbbunte Sorten. Damit ist sie die passende Wahl für niedrige Mauern, Sockel und Zäune, an denen Efeu zu mächtig würde.
- Höhe: an einer Stütze bis etwa 2 m
- Blüte: Sommer, unscheinbar grünlich, danach rosa Kapseln mit orangen Samen
- Standort: Sonne bis Vollschatten
- Winterhart: bis etwa −15 °C (RHS H5)
- Giftig: die RHS warnt vor dem Verzehr; verwandte Spindelsträucher wie das Pfaffenhütchen führt CliniTox als stark giftig
Nur für milde Lagen: an der geschützten Hauswand
Die folgenden vier Arten stuft die RHS in die Härtezone H4 ein: Sie vertragen etwa −5 bis −10 °C. In Weinbaugebieten, in Städten und an einer warmen Süd- oder Westwand kommen sie meist gut durch den Winter, in rauen Lagen frieren sie zurück oder gehen ein. Frisch gepflanzte Exemplare sind laut RHS empfindlicher als eingewachsene.
4. Immergrüne Waldrebe (Clematis armandii)
📌 Pin itDie Immergrüne Waldrebe trägt ledrige, glänzend dunkelgrüne Blätter von bis zu 15 cm Länge und blüht im zeitigen Frühjahr mit duftenden, cremeweißen Sternen. Die RHS rät zu voller Sonne an einer geschützten Süd- oder Westwand, abgeschirmt vom kalten Wind. Die Sorte 'Apple Blossom' blüht zart rosaweiß. Als Blattstielranker braucht sie laut LWG feine Kletterhilfen wie dünne Drähte oder ein engmaschiges Gitter.
- Höhe: 4–8 m
- Blüte: zeitiges bis mittleres Frühjahr, weiß, duftend
- Standort: vollsonnig und windgeschützt
- Winterhart: bis etwa −10 °C (RHS H4)
- Giftig: Waldreben sind giftig (CliniTox), der Saft reizt die Haut (RHS)
5. Winter-Waldrebe (Clematis cirrhosa)
📌 Pin itDie Winter-Waldrebe stammt aus Südeuropa und dem Mittelmeerraum und blüht zur ungewöhnlichsten Zeit: vom Spätwinter bis ins zeitige Frühjahr, mit nickenden blassgelben bis cremefarbenen Glocken. Bei der Sorte 'Freckles' sind sie innen rot gesprenkelt. Sie wird etwa 3 m hoch und braucht einen sonnigen, windgeschützten Platz, die Wurzeln aber kühl und beschattet. Für kalte Gegenden empfiehlt die RHS, sie im Kübel zu ziehen und im Gewächshaus oder Wintergarten zu überwintern.
- Höhe: etwa 3 m, 'Freckles' bis 3,5 m
- Blüte: Spätwinter bis Vorfrühling
- Standort: sonnig, West- oder Südseite, geschützt; Wurzelbereich beschattet
- Winterhart: bis etwa −10 °C (RHS H4)
- Schnitt: falls nötig direkt nach der Blüte (Schnittgruppe 1)
6. Sternjasmin (Trachelospermum jasminoides)
📌 Pin itDer Sternjasmin ist kein echter Jasmin, duftet aber ähnlich stark: Im Sommer trägt er Büschel weißer Blüten. Die glänzenden Blätter färben sich im Winter oft tief bronzerot. Laut RHS kommt er dort nicht gut zurecht, wo es im Winter immer wieder kälter als −5 °C wird, und er verträgt weder nassen Boden noch windige Lagen. In rauen Gegenden ist er deshalb eine Kübelpflanze, die frostfrei überwintert.
- Höhe: ausgepflanzt bis etwa 9 m
- Blüte: Sommer, weiß, stark duftend
- Standort: Sonne bis Halbschatten, warm und geschützt
- Winterhart: RHS H4 (bis etwa −10 °C), anhaltender Frost unter −5 °C schadet
7. Immergrüne Kletterhortensie (Hydrangea seemannii)
📌 Pin itDie Immergrüne Kletterhortensie klettert wie ihre bekannte, laubabwerfende Verwandte mit Haftwurzeln und blüht im Sommer mit gewölbten, grünlich-weißen Dolden. Sie verträgt Schatten und eignet sich laut RHS für Ost- und Nordwände. Ihr Schwachpunkt ist die Kälte: Die RHS warnt, dass sie nur wenige Grad Frost verträgt und einen warmen, geschützten Platz braucht. Für die meisten Gärten ist die laubabwerfende Kletterhortensie die sichere Wahl – wie du sie vermehrst, steht in Kletterhortensie vermehren.
- Höhe: auf Dauer 8–12 m
- Blüte: Sommer, grünlich-weiß
- Standort: Sonne bis Schatten, warm und geschützt
- Winterhart: nur wenige Grad Frost (RHS H4)
- Giftig: Hortensien sind schwach giftig (CliniTox)
So wird die Wand oder der Zaun immergrün
Selbstklimmer oder Rankhilfe? Efeu, Kaukasus-Efeu, Kletterspindel und Immergrüne Kletterhortensie halten sich mit Haftwurzeln selbst. Die beiden Waldreben und der Sternjasmin brauchen Drähte oder ein Gitter; Waldreben ranken mit den Blattstielen und kommen laut LWG mit dünnen Stäben oder Drähten am besten zurecht.
Pflege einplanen. Eine flächige Begrünung mit Selbstklimmern erfordert laut LWG regelmäßig aufwendige Pflegegänge. Halte Efeu & Co. von Dach, Dachrinne und Fenstern fern, solange er noch klein ist.
Sichtschutz am Zaun. Für einen Zaun, der im Winter blickdicht bleibt, ist Efeu die robusteste Lösung, für niedrige Zäune die Kletterspindel. Wenn es schneller gehen soll, sind Sträucher eine Alternative: Schnellwachsende Sträucher als Sichtschutz.
Brutzeit beachten. In dichtem Efeu brüten Vögel. Starke Rückschnitte gehören deshalb in die Zeit von Oktober bis Februar; besetzte Nester sind ganzjährig geschützt (§ 44 Bundesnaturschutzgesetz).
Aktualisiert im Oktober 2026: Auswahl auf echte immergrüne Arten gekürzt und Frostgrenzen nach RHS ergänzt; Immergrünes und Japanisches Geißblatt sowie die Brombeere 'Thornless Evergreen' (laut BfN potenziell invasiv) gestrichen, Akebie (laut LWG sommergrün) und Kriechmispel (keine Kletterpflanze) herausgenommen.