Topinambur pflanzen – Alles über Anbau & Pflege

Früher zählte sie zu den Grundnahrungsmitteln, später wurde die Topinambur von der Kartoffel verdrängt. Vor einiger Zeit wurde die schmackhafte Knolle von Feinschmeckern wiederentdeckt. Weil die Pflanze so kinderleicht zu kultivieren ist, eignet sie sich auch für Gartenneulinge. Hier erfährst Du alles, was Du über die Kultur von Topinambur im eigenen Garten wissen musst.

So gelingt der Anbau von Topinambur

Hübsche Blume mit schmackhafter Wurzel

Die Topinambur (Helianthus tuberosus) stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus Mittelamerika, ist aber auch in Nordamerika verbreitet. Anfang des 17. Jahrhunderts gelangte sie nach Europa, wo sie bald zu einem wichtigen Nahrungsmittel wurde. 

Mitte des 18. Jahrhunderts verdrängte die ertragreichere Kartoffel die Topinambur. Vor rund zwanzig Jahren wurde die angenehm süß schmeckende Knolle von Biobauern und Hobbygärtnern wiederentdeckt und erfreut sich mittlerweile wieder steigender Beliebtheit.

Verwandte der Sonnenblume

Aus botanischer Sicht gehört die Topinambur zur Familie der Korbblütler. Dass sie mit der Sonnenblume nahe verwandt ist, lässt sich an ihren leuchtend gelben Blüten erkennen, die im Spätsommer mit der Sonne um die Wette strahlen. 

Auch vom Wuchs her erinnert die Pflanze an eine Sonnenblume. Sie kann bis zu drei Meter hoch werden. Die aufrechten Stängel verzweigen sich mit der Zeit. Sie sind ebenso wie die Blätter rau und behaart. Ab August erscheinen körbchenförmige Blütenstände.

Achtung – wuchernder Neophyt

Topinambur sind ausgesprochen ausbreitungsfreudig. Im Garten kannst Du den Pflanzen durch Wurzelsperren Einhalt gebieten. Achte darauf, dass sie nicht außerhalb Deines Grundstückes gelangen. Bereits ein kleines Teilstück reicht aus, um eine neue Kolonie zu gründen. Die Exoten können sich so in freier Wildbahn etablieren und heimische Arten verdrängen.

Wann Topinambur pflanzen?

Topinambur sind so unkompliziert zu kultivieren, dass Du sie prinzipiell rund ums Jahr anbauen kannst. Optimal ist die Zeitspanne zwischen Ende Februar und Mitte Mai. Ab Bodentemperaturen von sieben Grad treiben die Knollen aus. 

Vorziehen

Es ist nicht notwendig, die wuchsfreudigen Pflanzen vorzuziehen. Wer schnelle Ergebnisse sehen möchte, kann die Knollen jedoch einige Tage auf einer hellen, aber kühlen Fensterbank vortreiben lassen. Sobald sich grüne Spitzen zeigen, kommen die Rhizome ins vorbereitete Beet. 

Einpflanzen

Bereite das Beet auf, indem Du sämtliches Unkraut entfernst, die Erde lockerst und etwas Kompost einarbeitest. Bei schweren Böden empfiehlt sich zudem das Untermischen von Sand. Lege die Knollen im Abstand von etwa 40 mal 40 Zentimetern in die Erde. Größere Rhizome kannst Du bedenkenlos teilen.

Die Pflanztiefe sollte ungefähr 10 bis 12 Zentimeter betragen. Bedecke die Knollen mit Erde, drücke das Substrat mit dem Fuß sanft an und bewässere das Beet gründlich. 

Pflanze Knollen vom Gemüsemarkt

Mittlerweile sind in den meisten Gartenmärkte Saatknollen der Topinambur erhältlich. Du kannst aber auch die für den Verzehr gedachten Rhizome aus dem gut sortierten Supermarkt oder aus dem Bioladen verwenden. Im Kühlschrank oder in einem kühlen Keller lassen sie sich lagern. Auch schrumpelige Knollen treiben noch aus.

Topinambur im Kübel pflanzen

Wer keinen Garten besitzt, muss trotzdem nicht auf den delikaten Geschmack der gesunden Knollen verzichten. Der robuste Korbblütler mit den dekorativen Blüten gedeiht auch im Kübel auf der Terrasse. Voraussetzung ist ein ausreichend großes Pflanzgefäß. Der Topf sollte mindesten 40 Liter fassen, optimal ist ein Gefäß mit einem Volumen von 60 Liter. 

In einem kleineren Kübel finden die sich stark vermehrenden Rhizome keinen Platz. Zudem kippen die rasch in die Höhe schießenden Pflanzen bei windigem Wetter, wenn der Blumenkübel nicht schwer genug ist. 

Wenn dir die Optik nicht so wichtig ist, kannst Du für wenig Geld einen Mörteleimer aus dem Baumarkt besorgen. In diesem Fall solltest Du unbedingt Abzugslöcher in den Boden des Behältnisses bohren. Denn Staunässe bringt die sonst so widerstandsfähige Topinambur rasch zum Absterben.

Zwei bis vier Knollen pro Topf

Fülle das Pflanzgefäß mit einer Mischung aus Gartenerde, Sand und Kompost. Je nach Topfgröße und Form reichen zwei bis vier Knollen völlig aus. Pflanze das Rhizom etwa zehn Zentimeter tief und stelle den Kübel im Halbschatten auf. 

Während die Pflanzen im Garten gut mit vollsonnigen Standorten zurechtkommen, sollten sie auf Terrasse und Balkon während der heißen Mittagsstunden beschattet sein. In der prallen Mittagssonne vertrocknet das Substrat und die Topinambur ziehen sich Verbrennungen an den Blättern zu.

Problemloser im Pflanzgefäß

Topinambur neigen zum Wuchern und können mit ihren schmackhaften süßen Knollen zudem Wühlmäuse in Deinen Garten locken. Das sind zwei gute Gründe, um die Korbblütler trotz ausreichend Platz im Garten lieber im Topf zu halten.

Standort & Erde

Topinambur gelten als anspruchsloses Wurzelgemüse. Besonders wohl führen sich die Pflanzen an einem Platz an der Sonne. Zur Not gedeihen sie aber auch im Halbschatten. Der Boden sollte locker und gerne leicht sandig sein. Schwere Böden sind nicht ideal. In diesem Fall empfiehlt es sich, den Untergrund durch das Untermischen von Sand und Humus zu verbessern. 

Allzu nährstoffreich muss die Erde nicht sein. Gegen einen gewissen Humusanteil haben die Korbblütler jedoch nichts einzuwenden. Wichtig ist eine gute Durchlässigkeit, denn Staunässe wird nicht vertragen.

Wenn Dein Garten an eine Straße grenzt, kannst Du Topinambur bedenkenlos am Zaun pflanzen. Die hohen Stauden sind ein guter Sichtschutz. Befinden sich Nachbarstädten oder Grünland neben Deiner Grundstücksgrenze, solltest Du mit einer Wurzelsperre dafür sorgen, dass der Neophyt sich nicht ungebeten ausbreitet oder ”ausbüxt”.

Gute & schlechte Nachbarn in der Mischkultur

Topinambur können Wuchshöhen von bis zu drei Metern erreichen. Daher sollten sie generell nicht zu nahe an andere Kulturen gepflanzt werden. Setze die Knollen an die nördliche Seite des Beetes, damit sie ihren Pflanznachbarn nicht die Sonne nehmen. 

Anders als bei vielen anderen Gemüsen muss der Standort nicht jährlich gewechselt werden. Die mehrjährigen Schwachzehrer dürfen einige Jahre an Ort und Stelle bleiben. Sie müssen im Folgejahr nicht erneut ausgesät werden, da sie selbst aus kleinsten Teilstückchen, die auch bei gründlicher Ernte im Boden verbleiben, wieder austreiben.

Gemüsearten, die sich unterirdisch ausbreiten wie Kartoffeln sind keine gute Gesellschaft für Topinambur. Weil die Topinambur wie gesagt zu unkontrolliertem Wuchern neigt, solltest Du eine Rhizomsperre verwenden, um die Pflanze im Zaum zu halten.

Topinambur harmonieren vor allem mit größeren Gewächsen. Johannisbeeren, Himbeeren oder Brombeeren sind geeignete Nachbarn. Setze die Knollen so in die Erde, dass die Pflanzen später keinen Schatten auf die Beerensträucher werfen.

Hier erfährst Du alles über die Mischkultur.

 

Gute Nachbarn

Schlechte Nachbarn

Pflege & Düngen

Die Pflanzen kommen ohne regelmäßige Bewässerung aus. Nur an sehr sandigen Standorten oder während länger anhaltender Trockenperioden solltest Du doch zur Gießkanne greifen.

Die Topinambur gehört zu den Schwachzehrern und gedeiht selbst auf nährstoffarmen Böden. Allerdings lässt sich durch das Untermischen von reifem Kompost der Ertrag etwas steigern. Verzichte aber auf eine stickstofflastige Düngung, da dadurch lediglich die oberirdischen Pflanzenteile in die Höhe schießen. Auf die Größe der Knollen hat eine erhöhte Stickstoffzufuhr keinen positiven Effekt.

Solange die Pflanzen noch klein sind, gilt es das Beet unkrautfrei zu halten. Später können Beikräuter den stattlichen Korbblütlern nichts mehr anhaben. Wer möchte, kann die Topinambur ganz ähnlich wie Kartoffeln anhäufeln. Notwendig ist das nicht unbedingt. 

Durch das Abknipsen der Blüten lässt sich die Erntemenge erhöhen. Schneide aber nicht die ganze Pflanze zurück, denn dadurch bleiben die Knollen klein.

Schädlinge & Krankheiten

Bei ungünstiger Witterung können Pilzerkrankungen wie Echter Mehltau oder Grauschimmel auftreten. Mit ausreichend großen Pflanzabständen lässt sich einem Befall vorbeugen. 

Der junge Austrieb wird gerne von Schnecken angefressen. Davon lässt sich die wuchsfreudige Topinambur jedoch nicht beirren. Sie treibt einfach so lange neu aus, bis sich die jungen Blätter schließlich gegen die gefräßigen Kriechtiere durchsetzen.

Ein deutlich problematischerer Schädling ist die Wühlmaus. Das süße Aroma der nahrhaften Rhizome lockt die Nagetiere in den Garten, wo sie es sich dann gerne gemütlich machen. Weil die wuchernden Topinambur den Mäusen ständig Futternachschub liefern, wirst Du die kleinen Plagegeister auch nicht so schnell wieder los. Aus diesem Grund ist es klüger, die Korbblütler in einem großen Pflanzgefäß zu halten.

Besonderheiten

Topinambur sind besonders bei Diabetikern beliebt, da die Knollen etwa 16 Prozent Inulin enthalten. Wie einige andere Arten aus der Familie der Korbblütler und Doldenblütler lagert die Pflanze dieses Gemisch aus Polysacchariden aus Fructosebausteinen als Reserve ein. Weil Inulin für den Menschen unverdaulich ist, hat es kaum Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Daher können Topinambur von Menschen, die unter Diabetes leiden, bedenkenlos verzehrt werden.

Aber auch für alle anderen ist das köstliche Gemüse eine gesunde Bereicherung für den Speiseplan. Der nussige Geschmack der Knollen lässt Feinschmeckerherzen höherschlagen. Sie sind reich an Vitaminen und Eiweiß und dabei fett- und kalorienarm. Zudem fördert der Genuss von Topinambur eine gesunde Darmflora. 

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