Beerensträucher

Himbeersorten ohne Stacheln und mit großen Früchten: 10 Sorten im Vergleich

Glen Ample, Joan J, Tulameen und mehr: 10 Himbeersorten nach Bundessortenamt bewertet – welche wirklich stachellos sind und welche die größten Früchte tragen.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 26. Oktober 20269 Min Lesezeit
Reihe hoher Himbeerruten an einem Drahtspalier im Gemüsegarten, dicht behangen mit großen, reifen roten Himbeeren im Juli

Wer Himbeeren ohne zerkratzte Hände ernten und dabei große Früchte will, nimmt 'Glen Ample' als Sommerhimbeere und 'Joan J' als Herbsthimbeere: Beide sind laut Bundessortenamt stachellos, und ihre Beeren gehören zu den größten aller geprüften Sorten. Nur wenige, kleine Stacheln hat 'Tulameen', die geschmacklich sehr gut abschneidet. Hier sind zehn Sorten in drei Gruppen: stachellos mit großen Früchten, stachellos mit mittelgroßen Früchten und großfrüchtig, aber mit Stacheln.

Die Fruchtgröße hängt stark von Wasser, Boden und Schnitt ab. Wie du eine Himbeerreihe anlegst und Sommer- und Herbstsorten richtig schneidest, steht in unserem Ratgeber Himbeeren anbauen.

Stachellos und großfrüchtig

Diese drei Sorten erfüllen beide Wünsche. Sie sind im Bundessortenamt bei der Bestachelung mit „fehlend oder sehr gering“ oder „schwach“ eingestuft und bei der Beerengröße mit „groß“ bis „sehr groß“.

1. 'Glen Ample' – Sommerhimbeere

Glatte, stachellose grüne Himbeerruten mit langen Fruchttrieben, an denen große, runde, mittelrote Himbeeren hängen📌 Pin it
Ganz ohne Stacheln: Bei 'Glen Ample' lassen sich die Ruten mit bloßer Hand anfassen.

'Glen Ample' ist die Sorte, die beide Wünsche am klarsten erfüllt. Das Bundessortenamt beschreibt sie als „attraktive, sehr großfrüchtige Sommersorte, gesund und stachellos“ mit hohem Ertrag und langer Ernteperiode. Der Züchter, das James Hutton Institute in Schottland, gibt ein mittleres Fruchtgewicht von rund 5 Gramm an. Beim Geschmack gehen die Urteile auseinander: Das Bundessortenamt nennt ihn säuerlich mit schwachem Aroma, die LWG führt 'Glen Ample' dagegen unter ihren empfohlenen Sorten mit „sehr großen, geschmackvollen Früchten“. Die RHS hat sie mit ihrem Award of Garden Merit ausgezeichnet.

  • Stacheln: keine
  • Früchte: sehr groß, rundlich bis herzförmig, fest
  • Reife: mittelfrüh, in Bayern laut LWG gegen Mitte Juli
  • Worauf achten: etwas anfällig für Rutenkrankheiten

2. 'Joan J' – Herbsthimbeere

Glatte, stachellose Himbeerruten am Drahtspalier im späten August mit großen, kegelförmigen, dunkelroten Himbeeren und einigen weißen Blüten📌 Pin it
Lang und kegelförmig: Die Früchte von 'Joan J' wachsen an den Ruten desselben Jahres.

'Joan J' ist das Gegenstück für den Herbst. Das Bundessortenamt nennt sie eine „stachellose Herbstsorte mit dunkelroten, großen Früchten“ und bescheinigt ihr einen sehr gesunden Wuchs und hohen Ertrag. Sie reift früh für eine Herbstsorte, ab Anfang bis Mitte August. Die RHS zeichnet sie ebenfalls mit dem Award of Garden Merit aus und gibt eine Höhe von 1,5 bis 2,5 Metern an. Weil die Ruten laut Bundessortenamt wenig standfest sind und überhängen, braucht sie Drähte zum Anlehnen.

  • Stacheln: keine
  • Früchte: groß bis sehr groß, lang kegelförmig, dunkelrot
  • Reife: ab Anfang bis Mitte August, bis in den September
  • Worauf achten: Früchte empfindlich für Nässe und Grauschimmel – in verregneten Herbsten oft durchpflücken

3. 'Tulameen' – Sommerhimbeere

Überhängende Himbeerrute mit wenigen kleinen dunklen Stacheln, daran große, längliche, glänzend mittelrote Himbeeren im Juli📌 Pin it
Fest, glänzend und lang: 'Tulameen' gilt als eine der aromatischsten Sommersorten.

'Tulameen' stammt aus Kanada und ist eine der geschmacklich besten großfrüchtigen Sorten: Das Bundessortenamt beschreibt die Früchte als groß, lang kegelförmig, fest bis sehr fest und süß-aromatisch, die LWG als „großfruchtig, geschmacklich sehr gut“. Ganz stachellos ist sie nicht – die Ruten tragen laut Bundessortenamt eine geringe Anzahl mittelgroßer Stacheln. Für die Ernte stört das kaum, beim Schneiden sind Handschuhe sinnvoll. Die LWG nennt als Alternative die Auslese 'TulaMagic', die im Anbau günstiger sein soll und zusätzlich eine schöne Herbsternte bringt.

  • Stacheln: wenige
  • Früchte: groß, lang kegelförmig, fest bis sehr fest
  • Reife: mittelfrüh bis spät, laut LWG ab Mitte Juli
  • Worauf achten: mittelhoch anfällig für Rutenkrankheiten und Grauschimmel, nur mittlere Frosthärte

Stachellos, mittelgroße Früchte

Diese vier Sorten haben ebenfalls glatte Ruten. Ihre Früchte sind kleiner, dafür bieten sie andere Stärken: besonders feste Früchte, frühe Ernte oder hohen Ertrag.

4. 'Glen Prosen' – Sommerhimbeere

Aufrechte, glatte Himbeerruten mit mittelgroßen, ovalen, matt mittelroten Himbeeren mit leichtem Reif📌 Pin it
Sehr fest und matt bereift – so beschreibt das Bundessortenamt die Früchte von 'Glen Prosen'.

'Glen Prosen' kam 1986 aus Schottland in den Handel und hat nach Bundessortenamt lange, unbestachelte Ruten. Ihre Früchte sind mittel bis groß, oval und sehr fest, sie lösen sich sehr gut vom Zapfen. Sie ist zugleich eine Elternsorte von 'Tulameen'. Der Ertrag ist eher gering bis mittelhoch, der Geschmack süßsäuerlich mit mittlerem Aroma.

  • Stacheln: keine
  • Früchte: mittel bis groß, sehr fest
  • Reife: mittelfrüh bis spät
  • Worauf achten: anfällig für Rutensterben und Grauschimmel, mäßig frostempfindlich

5. 'Glen Moy' – frühe Sommerhimbeere

Kompakte, stachellose Himbeerruten Mitte Juni mit hellroten, leicht länglichen Himbeeren mit weißlichem Reif📌 Pin it
Die erste Ernte des Jahres: 'Glen Moy' reift schon im Juni.

'Glen Moy' ist die frühe der stachellosen Sorten: Sie reift laut Bundessortenamt früh bis sehr früh und trägt über einen langen Zeitraum hellrote, mittelgroße bis große Früchte. Frühe Sommersorten haben laut LWG einen Vorteil – die Kirschessigfliege richtet bei ihnen weniger Schaden an als bei späten Sorten. Die Sorte ist aber heikel: Das Bundessortenamt stuft sie als sehr anfällig für Wurzelfäule ein.

  • Stacheln: keine
  • Früchte: mittelgroß bis groß, hellrot, neigen zum Zerfallen
  • Reife: früh bis sehr früh
  • Worauf achten: nur auf lockerem, durchlässigem Boden pflanzen; frostempfindlich

6. 'Framita' – Sommerhimbeere

Himbeerstrauch mit glatten, oben purpurbraunen Ruten und gleichmäßig mittelgroßen, runden, dunkelroten Himbeeren Anfang Juli📌 Pin it
Rund und dunkelrot: 'Framita' ist eine stachellose Form der Schweizer Sorte 'Zefa 2'.

Unter dem Namen 'Framita' ist die Sorte im Handel, das Bundessortenamt führt sie als 'Wilkran'. Sie wurde 1978 in der Schweiz als stachellose Mutante der Sorte 'Zefa 2' gefunden. Die Früchte sind gleichmäßig mittelgroß, rund und dunkelrot, der Geschmack süßsäuerlich und aromatisch. Ertrag mittelhoch bis hoch.

  • Stacheln: keine
  • Früchte: mittelgroß, rund, dunkelrot
  • Reife: früh bis mittelfrüh
  • Worauf achten: mittel anfällig für Rutenkrankheiten

7. 'Joan Squire' – Herbsthimbeere

Herbsthimbeeren im September mit langen, dünnen, glatten Ruten, die sich unter vielen dunkelroten, glänzenden Früchten neigen📌 Pin it
Sehr ertragreich, aber nicht standfest – ohne Drähte liegen die Ruten bald am Boden.

'Joan Squire' ist die Muttersorte von 'Joan J' und laut Bundessortenamt ebenfalls stachellos. Sie trägt sehr viel: Der Ertrag ist hoch bis sehr hoch, die Früchte sind mittel bis groß, kegelförmig, dunkelrot und gleichmäßig gefärbt. Geschmacklich ist sie süßlich und ausgewogen. Die dünnen Ruten sind nicht standfest – ohne Drähte geht es nicht.

  • Stacheln: keine
  • Früchte: mittel bis groß, kegelförmig, dunkelrot
  • Reife: Mitte August, kurzer Erntezeitraum
  • Worauf achten: anfällig für Rutenkrankheiten, etwas anfällig für Grauschimmel

Großfrüchtig, aber mit Stacheln

Wer vor allem große Früchte will und Stacheln in Kauf nimmt, hat mehr Auswahl. Diese drei Sorten tragen nach Bundessortenamt große bis sehr große Früchte, sind aber deutlich bestachelt.

8. 'Glen Magna' – Sommerhimbeere

Kräftige, überhängende Himbeerruten mit kleinen grünlichen Stacheln und sehr großen, ovalen, mittelroten Himbeeren📌 Pin it
Sehr große Beeren an kräftigen Ruten – Stacheln sitzen vor allem unten.

'Glen Magna' stammt wie 'Glen Ample' aus Schottland und trägt große bis sehr große Früchte. Der Züchter gibt rund 6 Gramm je Beere an. Die Ruten sind laut James Hutton Institute vor allem am Grund dicht bestachelt, zur Spitze hin weniger. Beim Geschmack ist das Bundessortenamt zurückhaltend und schreibt, sie erreiche 'Glen Ample' in der Fruchtqualität nicht. Die RHS dagegen lobt die süßen, dunkelroten Beeren und hat sie ausgezeichnet.

  • Stacheln: mittel
  • Früchte: groß bis sehr groß, oval
  • Reife: mittelfrüh bis spät
  • Worauf achten: mittel anfällig für Rutenkrankheiten und Grauschimmel

9. 'Octavia' – späte Sommerhimbeere

Himbeerreihe Ende Juli mit kräftigen, bestachelten Ruten und großen, breit kegelförmigen, mittelroten Himbeeren mit leichtem Reif📌 Pin it
Spät dran: 'Octavia' trägt, wenn die meisten Sommersorten abgeerntet sind.

'Octavia' ist eine englische Züchtung aus 'Glen Ample' und reift sehr spät. Laut Bundessortenamt füllt sie damit die Lücke zwischen Sommer- und Herbstsorten. Die Früchte sind groß und breit kegelförmig, der Ertrag ist hoch. Die RHS nennt große, gleichmäßige Beeren im Spätsommer und hat sie ausgezeichnet. Die Ruten sind mittel bis stark bestachelt.

  • Stacheln: mittel bis stark
  • Früchte: groß, breit kegelförmig
  • Reife: spät
  • Worauf achten: späte Früchte sind stärker durch die Kirschessigfliege gefährdet

10. 'Himbo Top' – Herbsthimbeere

Herbsthimbeere im September mit halbaufrechten, purpurbraun bestachelten Ruten und runden, gleichmäßig mittelroten Himbeeren📌 Pin it
Beliebt im Herbst, aber nicht stachellos – die Ruten sind deutlich bestachelt.

'Himbo Top' wird oft als stachellos verkauft, ist es aber nicht: Das Bundessortenamt beschreibt die Ruten als „mittelstark mit dunkelpurpurbraunen Stacheln besetzt“. Sie gehört trotzdem auf die Liste, weil die LWG sie neben 'Polka' und 'Aromaqueen' als Herbstsorte mit sehr guter Fruchtqualität empfiehlt – geschmacklich besser als den Klassiker 'Autumn Bliss'. Die Früchte sind mittel bis groß und rund, sie reifen deutlich nach 'Autumn Bliss' ab Mitte August.

  • Stacheln: mittel
  • Früchte: mittel bis groß, rund
  • Reife: ab Mitte August bis in den Oktober
  • Worauf achten: vollsonniger Standort; wenig anfällig für Rutenkrankheiten

Welche Sorte für welchen Garten?

Wenig Zeit, wenig Ärger mit Krankheiten: Eine Herbstsorte wie 'Joan J'. Du schneidest im Februar alle Ruten bodennah ab, die Rutenkrankheit hat dann keine Chance. Die LWG rät bei Herbstsorten zu einem vollsonnigen Platz.

Größte Früchte, klassischer Geschmack: 'Glen Ample' oder 'Tulameen' als Sommersorte. Beide brauchen einen lichten Bestand, einen Boden ohne Staunässe und den richtigen Schnitt direkt nach der Ernte.

Sommer und Herbst kombinieren: Eine frühe Sommersorte wie 'Glen Moy' oder 'Glen Ample' plus eine Herbstsorte verlängert die Ernte von Juni bis in den Oktober.

Trägt eine Sorte trotzdem kaum, liegt das selten an ihr selbst. Die häufigsten Gründe haben wir unter Himbeeren tragen nicht zusammengestellt. Wie du eine bewährte Sorte über Ausläufer weitergibst, steht bei Himbeeren vermehren, und Ideen für eine große Ernte findest du unter Himbeeren verwerten.

Aktualisiert im Oktober 2026: aus zwei Listen zusammengeführt; Stacheln und Fruchtgröße nach Bundessortenamt korrigiert, unter anderem bei 'Malahat', 'Himbo Top', 'Autumn Bliss' und 'Korbfüller' (bestachelt) sowie 'Preußen' und 'Schönemann' (kleine bis mittelgroße Früchte).

Häufige Fragen

Welche Himbeersorte hat keine Stacheln?
Laut Bundessortenamt sind unter anderem 'Glen Ample', 'Glen Prosen', 'Glen Moy' und 'Framita' (amtlich 'Wilkran') als Sommerhimbeeren sowie 'Joan J' und 'Joan Squire' als Herbsthimbeeren stachellos. 'Tulameen' hat nur wenige Stacheln. Viele Sorten, die im Handel als dornenlos beworben werden, sind es nicht – etwa 'Himbo Top', 'Malahat' oder 'Autumn Bliss'.
Welche Himbeersorte hat die größten Früchte?
In der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamts erreichen 'Glen Ample' die Stufe sehr groß sowie 'Joan J', 'Tulameen' und 'Glen Magna' groß bis sehr groß. Der Züchter gibt für 'Glen Ample' rund 5 Gramm und für 'Glen Magna' rund 6 Gramm je Beere an. Wie groß die Früchte im Garten werden, hängt aber auch von Wasser, Boden und einem lichten Bestand ab.
Sind Himbeeren ohne Stacheln weniger aromatisch?
Nicht grundsätzlich. Die stachellose 'Glen Ample' schneidet beim Geschmack unterschiedlich ab: Das Bundessortenamt nennt sie säuerlich mit schwachem Aroma, die Bayerische Gartenakademie empfiehlt sie wegen ihrer geschmackvollen Früchte. Wer vor allem Aroma will, greift zu 'Tulameen', die nur wenige Stacheln hat.
Was ist besser: Sommer- oder Herbsthimbeere?
Herbsthimbeeren sind einfacher: Du schneidest im Februar alle Ruten bodennah ab, und die Rutenkrankheit wird laut Bayerischer Gartenakademie nicht übertragen. Dafür können ihre Früchte stärker von der Kirschessigfliege befallen sein. Sommerhimbeeren tragen im Juni und Juli, brauchen aber einen genaueren Schnitt und leiden häufiger unter Rutenkrankheiten. Mit je einer Sorte von beiden erntest du von Juni bis Oktober.
Sind 'Autumn Bliss' und 'Schönemann' noch empfehlenswert?
Ja, als robuste Klassiker, aber nicht für diese Liste: Beide sind laut Bundessortenamt deutlich bestachelt und tragen mittelgroße Früchte. 'Autumn Bliss' nennt die Bayerische Gartenakademie die bewährte Hauptsorte unter den Herbsthimbeeren; 'Schönemann' schmeckt kräftig aromatisch, kann aber Probleme mit Wurzelkrankheiten bekommen.