Johannisbeeren schneiden: wann und wie, für rote, weiße und schwarze
Johannisbeeren richtig schneiden: bester Zeitpunkt, wie viele Äste bleiben, was bei schwarzen anders ist, Hochstamm, Spalier und Gallmilbe – nach LWG und RHS.

Johannisbeeren schneidest du am besten direkt nach der Ernte im Sommer, alternativ im Winter bis zum Austrieb. Das Prinzip ist einfach: Jedes Jahr kommen die ältesten Äste bodennah heraus, und ein paar kräftige junge Triebe dürfen nachrücken. So bleibt der Strauch jung, luftig und trägt Jahr für Jahr gut. Rote und weiße Johannisbeeren unterscheiden sich dabei von schwarzen in einem entscheidenden Punkt: Sie tragen an älterem Holz.
Wann schneidest du Johannisbeeren?
Laut LWG liegt der beste Schnittzeitpunkt nach der Ernte, also je nach Sorte im Juli oder August. Dann siehst du gut, welche Äste viel getragen haben und welche jungen Triebe kräftig sind, und die Wunden schließen sich noch vor dem Winter.
📌 Pin itWer im Sommer keine Zeit hatte, schneidet im Winter bis zum Austrieb. Die Sächsische Gartenakademie und die britische Gartenbaugesellschaft RHS beschreiben den Winterschnitt als gleichwertigen Weg. Schneide an einem frostfreien Tag. Eine feste Temperaturgrenze nennt keine der Fachstellen, bei Dauerfrost ist das Holz aber spröde. Bei schwarzen Johannisbeeren hat der Winterschnitt einen Zusatznutzen: Du siehst die runden, aufgeblähten Knospen der Gallmilbe und kannst sie gleich mit entfernen.
Rote und weiße Johannisbeeren schneiden
📌 Pin itRote und weiße Johannisbeeren fruchten laut LWG bevorzugt an zwei- und dreijährigem Holz. Ein gut aufgebauter Strauch hat deshalb 10 bis 12 Gerüstäste unterschiedlichen Alters.
So gehst du jedes Jahr vor:
- Alte Äste raus: Schneide 3 bis 4 Äste, die älter als vier bis fünf Jahre sind, direkt am Boden ab. Du erkennst sie am dunklen, rissigen Holz und an der starken Verzweigung.
- Junge Triebe auswählen: Lass 3 bis 4 kräftige neue Bodentriebe stehen, am besten gut verteilt. Alle übrigen Neutriebe kommen an der Basis weg.
- Nichts einkürzen: Die verbleibenden Äste schneidest du nicht zurück. Nur bei schlecht verzweigenden Sorten wie 'Jonkheer van Tets', 'Red Lake' oder 'Stanza' rät die LWG, die Spitzen um ein Drittel und die Seitentriebe auf drei bis vier Knospen zu kürzen.
- Innen auslichten: Triebe, die nach innen wachsen oder am Boden liegen, ebenfalls entfernen.
📌 Pin itSo erneuert sich der Strauch ständig, ohne dass ein Jahr die Ernte ausfällt. Ein lichter Strauch trocknet nach Regen schneller ab, und das senkt laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) die Gefahr der Blattfallkrankheit.
Schwarze Johannisbeeren schneiden
📌 Pin itSchwarze Johannisbeeren tragen laut LWG an ein- und zweijährigem Holz. Ältere Äste bringen kaum noch Beeren. Deshalb schneidest du sie kräftiger als die roten:
- Alles über drei Jahre raus: Entferne jedes Jahr alle Gerüstäste, die älter als drei Jahre sind, am Boden. Die RHS formuliert es als Faustregel: bis zu ein Drittel der ältesten Triebe.
- Junge Triebe nachziehen: Lass 3 bis 4 kräftige Neutriebe stehen.
- Auf Seitentrieb ableiten: Hängt ein zweijähriger Ast zu weit über, kannst du ihn auf einen kräftigen, nach außen zeigenden Jungtrieb zurücknehmen.
Gallmilbe: Rundknospen gleich mit ausbrechen
📌 Pin itDie Johannisbeergallmilbe befällt vor allem schwarze Johannisbeeren. Befallene Knospen sind kugelrund und viel dicker als gesunde. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein rät, sie schon im Winter auszubrechen oder die betroffenen Triebe abzuschneiden. Dieses Material gehört in den Hausmüll, nicht auf den Kompost. Behandeln lassen sich Rundknospen nicht. Bei starkem Befall hilft nur ein radikaler Rückschnitt. Als wenig anfällig gelten die Sorten 'Ometa', 'Titania', 'Ben Tirran' und 'Ben Alder'.
Keine Stummel stehen lassen
📌 Pin itSchneide alte Äste so tief wie möglich ab. Stummel treiben schlecht aus und sterben ab. Dazu kommt ein Schädling: Der Johannisbeerglasflügler legt seine Eier laut Pflanzenschutzamt Berlin bevorzugt an Schnittstellen und Zapfen ab. Seine Raupen fressen sich durchs Mark, die Triebe welken im Frühjahr. Solche welken Triebe schneidest du tief ins gesunde Holz zurück, solange die Raupe noch darin ist. Rotpustelkrankheit erkennst du an kleinen orangeroten Pusteln, auch hier gilt: bis ins gesunde Holz zurückschneiden.
Mehr zu Blattfallkrankheit, Säulenrost und Mehltau steht in unserem Artikel zu Krankheiten an Johannisbeeren.
Pflanzschnitt und die ersten Jahre
- Beim Pflanzen: Bei wurzelnackten Sträuchern lässt du laut LWG die 4 bis 5 stärksten Triebe stehen und kürzt sie auf eine nach außen zeigende Knospe ein. Pflanzen aus dem Topf brauchen keinen Rückschnitt.
- Im 2. und 3. Jahr: Jedes Jahr die 3 bis 4 kräftigsten neuen Bodentriebe stehen lassen, schwache und krumme entfernen, bis 10 bis 12 Gerüstäste erreicht sind. Bestehende Äste nicht einkürzen.
Wo der Strauch am besten steht, erklärt unser Artikel zum Johannisbeeren-Standort.
Johannisbeer-Hochstamm schneiden
📌 Pin itBeim Hochstamm entsteht die Krone aus 5 bis 6 Trieben an der Veredlungsstelle. Nach dem Pflanzen kürzt du sie laut LWG um die Hälfte. In den Folgejahren entfernst du zu dicht stehende Seitentriebe. Ab dem vierten Standjahr nimmst du jedes Jahr 1 bis 2 der ältesten Gerüstäste auf einen jungen Trieb nahe der Veredlungsstelle zurück. So verjüngt sich die Krone von innen. Der Stamm bleibt an einem Pfahl angebunden. Bei schwerem Behang stützt du die Äste, damit sie nicht ausbrechen.
Johannisbeeren am Spalier
📌 Pin itRote und weiße Johannisbeeren lassen sich als Schnurbaum mit einem Trieb oder als Fächer am Draht ziehen. Die Sächsische Gartenakademie nennt dafür 0,5 bis 1 Meter Pflanzabstand. Laut RHS bekommen solche Formen zusätzlich zum Winterschnitt einen Sommerschnitt: Die Seitentriebe werden im Frühsommer gekürzt, damit sich kurze Fruchtspieße bilden. Jeder Arm wird wie ein eigener Schnurbaum behandelt.
Alte Sträucher verjüngen
Ist ein Strauch über Jahre nicht geschnitten worden, steht er voller dunkler, verzweigter Äste und trägt nur noch außen. Am schonendsten verjüngst du ihn schrittweise: Nimm jedes Jahr 3 bis 4 der ältesten Äste heraus, bis nach einigen Jahren der ganze Strauch erneuert ist. Ein radikaler Rückschnitt aller Äste kurz über dem Boden ist laut LfL vor allem bei starkem Krankheitsbefall angebracht. Sehr alte, kranke Sträucher ersetzt du besser durch neue. Welche Sorten sich lohnen, steht bei den alten Johannisbeersorten.
Aktualisiert im Oktober 2026: nach LWG, LfL und RHS neu geschrieben, Schnittzeitpunkt, Fruchtholz, Hochstamm und Pflanzschnitt korrigiert, Gallmilbe, Glasflügler und Spalier ergänzt.