Stachelbeeren vermehren – so gelingt es im eigenen Garten

Wie die verwandten Johannisbeeren lassen sich auch Stachelbeeren kinderleicht vermehren. Wir verraten Dir, wie die vegetative Vermehrung der beliebten Beerensträucher gelingt.

So vermehrst Du Stachelbeeresträucher

Stachelbeeren selbst vermehren

Stachelbeeren sind einfach zu kultivieren. An einem geeigneten Standort im lichten Halbschatten erweisen sie sich als pflegeleicht und bringen zuverlässige Erträge. Das lange Erntefenster und ihr geringer Platzbedarf macht die Beerensträucher zu beliebten Obstgehölzen, die in keinem Garten fehlen sollten. Genauso unkompliziert wie ihre Kultur ist auch ihre vegetative Vermehrung.

Du musst kein Gartenfachmann sein, um aus einem Stachelbeerstrauch neue Pflanzen zu gewinnen. Durch das Schneiden von Steckhölzern oder Stecklingen gelingt es auch Gartenneulingen, aus einem Stachelbeerbusch mehrere zu ziehen. 

Stachelbeeren über Stecklingen vermehren

Stecklinge werden während im Frühjahr oder im Sommer geschnitten und sofort in die Erde gesteckt. Das funktioniert in einem halbschattigen Vorziehbeet ebenso wie in mit Anzuchterde gefüllten Töpfen. Schneide einen Trieb vom Strauch ab und teile ihn in mehrere Segmente. Jeder Abschnitt sollte mindestens 20 Zentimeter lang sein. 

Ob Triebspitze, Mittelteil oder unterer Abschnitt – Du kannst jedes Teilstück verwenden. Entferne im unteren Bereich der Stecklinge die Blätter und stecke die Abschnitte so tief in die Erde, dass nur die obersten zwei oder drei Augen herausschauen. Halte das Substrat während der folgenden Wochen feucht. 

Wer nicht so häufig gießen möchte, kann abgeschnittene PET-Flaschen über die Stecklinge stülpen. Diese mindern die Verdunstung und fungieren zugleich als Mini-Treibhaus. Ob mit oder ohne Abdeckung – die Stecklinge bilden rasch Wurzeln. Im Herbst können sie zumeist bereits an den vorgesehenen Standort verpflanzt werden. Im nächsten Frühjahr wird der neue Austrieb kräftig zurückgeschnitten, um die Verzweigung anzuregen.

Trage bei der Arbeit Handschuhe

Vorsicht, die meisten Stachelbeersorten besitzen spitze Dornen. Daher empfiehlt es sich, vor dem Schneiden und Stecken der Stecklinge und Steckhölzer feste Handschuhe anzuziehen. Mittlerweile gibt es auch dornenlose Züchtungen zu kaufen. Diese bringen zwar etwas weniger Ertrag, sind aber einfacher zu pflegen.

Stachelbeeren über Steckhölzer vermehren

Auch die Gewinnung von Steckhölzern ist nicht schwierig. Greife im Spätherbst, sobald der Strauch seine Blätter abgeworfen hat, zur Schere. Wähle einen einjährigen, verholzten Trieb aus. Schneide ihn in etwa 15 Zentimeter lange Abschnitte. Achte darauf, dass jedes Stück oben und unten ein Auge besitzt. Die Triebspitze kommt auf den Kompost. 

Bündle die Steckhölzer mit einer Schnur oder mit einem Gummiring. Achte dabei darauf, dass bei allen Teilstücken die Knospen nach oben zeigen. Vergrabe das Bündel in einem schattigen Beet so tief, dass nur die obersten Zentimeter aus der Erde schauen. Sobald im Frühjahr der Garten zu neuem Leben erwacht, kannst Du nach Deinen Steckhölzern sehen. An den meisten werden sich bereits zarte Wurzeln gebildet haben.

Die bewurzelten Steckhölzer werden nun in ein Beet im Halbschatten gepflanzt. Stecke sie so weit in die aufgelockerte Erde, dass nur noch die ersten beiden Augen zu sehen sind. Der Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte etwa 30 Zentimeter betragen. Gieße die Steckhölzer ordentlich an und achte fortan darauf, dass der Boden nicht austrocknet.

Um eine kompaktere Wuchsform zu erzielen, empfiehlt es sich Ende Mai den frischen Austrieb zurückzuschneiden. Lass an jedem Trieb nur die untersten drei Blätter stehen, damit sich die Jungpflanzen verzweigen.   

Stachelbeeren durch Aussaat vermehren

Natürlich ist es auch möglich, Stachelbeeren über die Kerne, die ihre süßsauren Früchte enthalten, zu vermehren. Allerdings braucht es viel Zeit, bis aus einem kleinen Samen ein fruchtender Strauch gewachsen ist. Zudem ist bei der sexuellen Vermehrung das Ergebnis ungewiss. Es lässt sich nicht im Vorhinein sagen, welche Eigenschaften die neu entstehenden Pflanzen haben werden.

Damit die Samen keimen, musst Du sie einem Kältereiz aussetzen. Das kann entweder in Anzuchttöpfen im Freien erfolgen oder unter kontrollierten Bedingungen im Kühlschrank. Fülle einen Beutel mit feuchtem Sand und lege die Stachelbeerkerne hinein. Lagere die Tüte für etwa drei Monate an der kältesten Stelle des Kühlschranks. 

Danach kannst Du die Samen in mit Anzuchterde gefüllte Schalen pflanzen. Stelle die Gefäße draußen an einer geschützten Stelle ohne direkte Sonneneinstrahlung auf. Jetzt brauchst Du Geduld. Es können einige Monate vergehen, bis die Samen keimen. Achte darauf, dass das Substrat nicht austrocknet.

Manchmal sorgen auch die Gartenvögel für die Vermehrung der Pflanzen. Wenn Du genug Platz hast, kannst Du die Sämlinge heranwachsen lassen, um zu sehen, wie sie sich entwickeln. Da sich bei der generativen Vermehrung die Erbanlagen aufspalten, ist vom totalen Fehlschlag bis zu einer tollen neuen Sorte alles möglich.

Stachelbeere-Hochstamm durch Veredelung ziehen

Hochstämmchen sehen hübsch aus und sind beim Ernten sehr praktisch. Du musst Dich nicht neben der stechenden Pflanze auf den Boden kauern, um an ihre Früchte zu kommen. Wer selbst einen Stachelbeer-Hochstamm ziehen möchte, braucht etwas gärtnerische Erfahrung und eine Gold-Johannisbeere (Ribes aureum) als Unterlage. 

Diese kannst Du selbst heranziehen oder in einer gut sortierten Gärtnerei kaufen. Wer sich dafür entscheidet, die Unterlage aus einem Steckholz zu ziehen, muss mit einer Vorlaufzeit von zwei Jahren rechnen. Erst dann ist die Gold-Johannisbeere so weit gediehen, dass Du sie veredeln kannst.

Wähle nun einen Trieb von Deiner Stachelbeere, die Du auf den Hochstamm veredeln möchtest. Sieh Dir die Rute der Gold Johannisbeere an und entscheide, auf welcher Höhe sich die Krone befinden soll. Schneide die Rute an dieser Stelle mit einem sauberen, scharfen Messer schräg ab. 

Nun nimmst Du den Stachelbeertrieb zu Hand. Schneide ihn an einer Stelle ab, die in etwa so dick ist wie die Unterlage. Der Schnitt sollte im selben Winkel erfolgen, damit Edelreis und Unterlage genau aufeinanderpassen. Lege sie Schnittflächen aufeinander, umwickle die Veredelungsstelle mit Bast und bestreiche den Stachelbeertrieb bis über die Veredelungsstelle mit Baumwachs.

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