Krankheiten & Schädlinge

Stinkwanzen im Haus: Was jetzt im Herbst wirklich hilft

Stinkwanzen suchen ab Ende September ein Winterquartier. Welche Art bei dir sitzt, ob sie schaden und wie du sie ohne Gestank und ohne Gift loswirst.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 29. September 20268 Min Lesezeit
Marmorierte Baumwanze mit weiß gebänderten Fühlern auf einem weißen Fensterrahmen in der Herbstsonne

Ab Ende September sitzen sie plötzlich am Fensterrahmen, an der Gardine oder an der Zimmerdecke: Stinkwanzen suchen ein Winterquartier. Die gute Nachricht vorweg: Sie stechen nicht, beißen nicht, übertragen keine Krankheiten und vermehren sich nicht im Haus. Lästig sind sie trotzdem – und wer sie falsch anfasst, hat den Geruch im Zimmer.

Hier erfährst du, welche Wanze bei dir sitzt, warum sie gerade jetzt kommt und was laut Pflanzenschutzdiensten und Umweltbundesamt wirklich hilft. Alle Aussagen haben wir im September 2026 gegen die Merkblätter von LTZ Augustenberg, LfL Bayern, LAVES Niedersachsen, Agroscope und dem Umweltbundesamt geprüft.

Welche Wanze sitzt da?

„Stinkwanze“ ist kein Artname, sondern ein Sammelbegriff für Baumwanzen, die bei Gefahr ein übel riechendes Sekret abgeben. Im Herbst tauchen in deutschen Häusern vor allem diese fünf auf:

  • Marmorierte Baumwanze · 12–17 mm · eingeschleppt aus Ostasien, in Deutschland seit 2011
    grau-braun marmoriert, 4–5 helle Punkte hinter dem Halsschild, Fühler weiß gebändert, Unterseite hell ohne Dorn.
    Kommt ins Haus, oft in Mengen.
  • Graue Gartenwanze · ca. 15 mm · heimisch
    dunkler, keine hellen Punkte, Unterseite schwarz gepunktet mit Dorn zwischen den Beinen.
    Kommt ins Haus.
  • Grüne Stinkwanze · ca. 12–14 mm · heimisch
    grün, im Herbst braun, gedrungen, keine Punkte.
    Kommt ins Haus.
  • Grüne Reiswanze · ca. 16 mm · eingeschleppt, vor allem am Rhein und im Neckarraum
    grün, drei weiße Punkte am Vorderrand des Schildchens auf dem Rücken.
    Kommt nur selten ins Haus.
  • Amerikanische Kiefernwanze · knapp 20 mm · eingeschleppt aus Nordamerika, seit 2006
    schlank, braun, Hinterbeine blattartig verbreitert.
    Kommt im Oktober und November ins Haus.

Der häufigste Irrtum: Nicht jede graue Wanze ist die eingeschleppte Marmorierte Baumwanze. Sehr oft ist es die heimische Graue Gartenwanze. Sitzt die Wanze am Fenster, kannst du ihr durch die Scheibe auf den Bauch schauen: Ist die Unterseite schwarz gepunktet und sitzt zwischen den Beinen ein kleiner Dorn, ist es die heimische Art. Fehlen Punkte und Dorn, ist es die Marmorierte.

Ähnlich bei den grünen Wanzen: Eine grüne Wanze im Wohnzimmer ist meist die heimische Grüne Stinkwanze. Die eingeschleppte Reiswanze überwintert fast immer draußen im Laub.

Warum kommen Stinkwanzen gerade jetzt?

Sobald die Temperatur unter etwa 9 °C fällt und die Tage kürzer als 14 Stunden werden, gehen Baumwanzen in die Winterruhe. Dafür suchen sie ab Ende September geschützte Spalten – in der Natur unter Baumrinde, am Haus in Mauerritzen, Fensterfugen, hinter Verkleidungen und auf Dachböden.

Besonders gern sammeln sie sich an sonnigen, warmen Hauswänden. Von dort ist der Weg durch ein gekipptes Fenster oder eine undichte Fuge kurz. Stehen Obstbäume oder Gemüsebeete nah am Haus, kommen meist mehr.

Die Winterruhe dauert etwa von November bis Januar. An warmen Wintertagen und im Frühjahr ab etwa 10 °C werden die Tiere wieder munter und wollen hinaus – deshalb siehst du sie dann manchmal plötzlich im Zimmer, obwohl im Herbst keine hereingekommen schien.

Sind Stinkwanzen gefährlich?

Für Menschen nicht. Das bestätigen Umweltbundesamt, LfL Bayern und LAVES Niedersachsen übereinstimmend:

  • Sie stechen und beißen nicht und übertragen keine Krankheiten.
  • Sie vermehren sich nicht im Haus – ihre Eier legen sie im Freien auf Blätter.
  • Sie fressen nichts in der Wohnung und beschädigen weder Möbel noch Vorräte.

Einschränkungen: Der Geruch des Sekrets erinnert an Koriander und hält sich eine Weile. Bei sehr starkem Befall können Wanzen bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen – eine kleine US-Studie fand das bei Menschen mit allergischem Schnupfen, die sehr viele Wanzen im Haus hatten. Das ist aber die Ausnahme.

Tote Wanzen nicht liegen lassen: Sie können Teppichkäfer anlocken, und deren Larven fressen dann tatsächlich an Wolle und Textilien.

So hältst du Stinkwanzen draußen

Am wirksamsten ist, was die Tiere gar nicht erst hereinlässt. Und zwar jetzt, bevor die Hauptflugzeit vorbei ist.

Infografik mit vier Schritten, um Stinkwanzen draußen zu halten📌 Pin it
Vier Schritte, die laut Pflanzenschutzdiensten wirklich helfen – und zwei, die du dir sparen kannst.

1. Fliegengitter vor die Fenster

Ein Insektenschutzgitter hält Wanzen zuverlässig draußen, und du kannst trotzdem lüften. Das empfehlen LAVES Niedersachsen und Agroscope. Normale Fliegengitter sind fein genug: Eine Marmorierte Baumwanze ist über einen Zentimeter groß.

Fliegengitter wird mit Klettband an einem Fensterrahmen befestigt📌 Pin it
Klettband auf den Rahmen, Gitter andrücken, Rest abschneiden – in zehn Minuten erledigt und ohne Bohren.

Für die Schlafzimmer- und Wohnzimmerfenster, die du im Herbst am häufigsten kippst, reicht ein Klett-Fliegengitter zum Zuschneiden:

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Die schnelle Lösung ohne Bohren: zuschneiden, mit dem beiliegenden Klettband innen an den Rahmen, im Frühjahr waschbar.

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Wer die Fenster ganzjährig schützen will, ist mit einem Rahmen besser bedient – er hält dichter und sieht ordentlicher aus:

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Die dauerhafte Lösung: Alurahmen mit nur 10 mm Einbautiefe, passt zwischen Fenster und Rollo und wird ohne Bohren eingehängt – auch für Mietwohnungen.

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2. Ritzen und Fugen abdichten

Wanzen kriechen durch erstaunlich schmale Spalten. Prüfe von außen die Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauer, Rohr- und Kabeldurchführungen und lose Verkleidungen. Undichte Stellen schließt du mit Dichtmasse aus dem Baumarkt.

Fuge zwischen Fensterrahmen und Hauswand wird mit Dichtmasse abgedichtet📌 Pin it
Wer ohnehin vor dem Winter Fugen nachdichtet, schließt damit auch den Wanzen den Weg – Nebeneffekt: weniger Zugluft.

3. An sonnigen Herbsttagen Fenster zu

Die Tiere fliegen vor allem an warmen, sonnigen Tagen und sammeln sich dann an der Hauswand. Lüfte an solchen Tagen lieber kurz und stoß statt stundenlang mit gekipptem Fenster.

4. Nichts hereintragen

Kaminholz, Kübelpflanzen und Gartenmöbel, die du jetzt ins Haus holst, sind beliebte Verstecke. Schau sie vorher kurz ab und schüttele Polster aus.

Wanze im Zimmer: so wirst du sie los, ohne dass es stinkt

Wanzen geben ihr Sekret ab, wenn sie sich bedroht fühlen. Also: ruhig bleiben, nicht zerdrücken.

Wanze wird am Fenster mit einem Glas und einem Stück Karton eingefangen📌 Pin it
Glas drüber, Karton drunter, raustragen – die Methode, die auch das Umweltbundesamt empfiehlt.

Mit Glas und Karton – die Methode des Umweltbundesamts:

  1. Ein Glas über die Wanze stülpen.
  2. Ein Stück dünnen Karton langsam darunter schieben.
  3. Draußen an einer Hecke oder unter einem Busch freilassen – dort findet sie ein Winterquartier.

Mit dem Staubsauger, wenn es viele sind oder sie an der Decke sitzen: einfach absaugen. Der Sauger kann danach eine Weile nach Wanze riechen. Ein Tipp aus der Praxis, der nicht amtlich belegt ist, aber nichts kostet: einen alten Nylonstrumpf über die Fugendüse ziehen und mit einem Gummi sichern. Die Wanzen landen im Strumpf statt im Beutel, und du kannst sie draußen ausschütteln.

Was nicht hilft

Rund um Stinkwanzen kursieren viele Ratschläge. Diese halten einer Prüfung nicht stand:

  • Insektenspray: Das Umweltbundesamt rät ausdrücklich ab, Wanzen im Haus oder draußen mit Insektiziden zu bekämpfen. Die Marmorierte Baumwanze ist zudem recht unempfindlich gegen gängige Wirkstoffe, und tote Tiere in Ritzen locken Teppichkäfer an.
  • Pheromon- und Duftfallen: Sie sind laut LTZ Augustenberg nur zum Beobachten gedacht, nicht zum Wegfangen. Im Herbst reagieren die Tiere ohnehin kaum auf den Lockstoff.
  • Ätherische Öle, Minz- oder Knoblauchspray: Einzelne Öle haben im Labor abgeschreckt. Dass sie in einer Wohnung Wanzen fernhalten, ist nicht belegt.
  • Klebe- und Lichtfallen: Keine Fachstelle empfiehlt sie. Sie fangen wahllos auch harmlose und nützliche Insekten.
  • „Eine Wanze lockt die anderen an“: Wird oft behauptet, ist aber nicht belegt. Bei überwinternden Tieren wurde kein Sammel-Lockstoff gefunden.

Und was ist mit dem Garten?

Draußen ist die Marmorierte Baumwanze tatsächlich ein Problem. Sie saugt an über 300 Pflanzenarten, darunter Äpfel, Birnen, Kirschen, Beeren, Tomaten, Paprika und Bohnen. Die Früchte bekommen eingesunkene Stellen, darunter wird das Fruchtfleisch korkig oder schwammig. Auch die Grüne Reiswanze kann an Tomaten, Paprika und Beeren schaden. Die heimischen Arten richten dagegen kaum Schaden an.

Was im Garten hilft:

  • Netze: Ein Kulturschutznetz mit höchstens 4 × 2 mm Maschenweite, bis zum Boden dicht und im Frühjahr aufgelegt, bevor die Wanzen zufliegen.
  • Eigelege absammeln: Die Eier sitzen in kleinen Paketen auf der Blattunterseite. Wer sie früh im Sommer entfernt, bremst die Vermehrung.
  • Nützlinge fördern: Blühende Pflanzen locken Schlupfwespen an.

Mehr zu Schadbildern an einzelnen Kulturen findest du bei den Schädlingen an Paprika und den Problemen an Tomaten.

Hoffnung macht die Samurai-Wespe: Diese winzige Schlupfwespe aus Asien parasitiert die Eier der Marmorierten Baumwanze – in einem Gelege oft fast alle. Sie ist 2020 von selbst in Deutschland aufgetaucht und breitet sich seitdem aus, inzwischen in mindestens sechs Bundesländern. Aussetzen darfst du sie nicht, das ist in Deutschland derzeit nicht erlaubt.

Weitere Wege, Schädlinge ohne Gift in Schach zu halten, findest du in unserer Übersicht zu Pflanzen gegen Schädlinge und im Bereich Schädlinge im Garten.

Häufige Fragen zu Stinkwanzen

Sind Stinkwanzen gefährlich?
Nein. Sie stechen und beißen nicht, übertragen keine Krankheiten und vermehren sich nicht im Haus. Lästig ist nur der Geruch, wenn man sie zerdrückt.
Warum kommen Stinkwanzen im Herbst ins Haus?
Ab Ende September, wenn es unter etwa 9 °C wird und die Tage kürzer als 14 Stunden sind, suchen sie ein Winterquartier. Dafür nutzen sie Ritzen und Spalten, auch an und in Häusern.
Wie werde ich Stinkwanzen los, ohne dass es stinkt?
Mit einem Glas und einem Stück Karton einfangen und draußen freilassen, oder absaugen. Nie zerdrücken – dann geben sie ihr Sekret ab.
Was hält Stinkwanzen fern?
Fliegengitter vor den Fenstern und abgedichtete Fugen, am besten bevor die Tiere Ende September kommen. An sonnigen Herbsttagen die Fenster geschlossen halten.
Hilft Insektenspray gegen Stinkwanzen?
Nein. Das Umweltbundesamt rät davon ab, die Marmorierte Baumwanze ist gegen viele Wirkstoffe robust, und tote Tiere in Ritzen können Teppichkäfer anlocken.
Muss ich die Marmorierte Baumwanze melden?
Nein, es gibt keine Meldepflicht, sie ist auch kein Quarantäneschädling. Die LfL Bayern nimmt Fundmeldungen aber gern für ihr Monitoring entgegen.