Was darf nicht auf den Kompost? Die 11 Dinge, die rausbleiben müssen
Wurzelunkraut, kranke Pflanzen, Bioplastik: Was im Gartenkompost wirklich Schaden anrichtet, was nur als Verbot gilt – und wohin die Reste gehören.

Was darf nicht auf den Kompost? Die 11 Dinge, die rausbleiben müssen
Kompostieren ist die bequemste gute Tat im Garten: Du wirfst Abfall auf einen Haufen und bekommst nach ein paar Monaten das beste Bodenverbesserungsmittel, das es gibt — kostenlos, torffrei und ohne Transportweg. Genau deshalb landet aber auch zu viel auf dem Haufen. Die Logik "ist ja organisch, wird schon verrotten" stimmt nämlich nur zur Hälfte.
Ein Teil der Dinge, die du besser aussortierst, macht dir den Kompost selbst kaputt: Gestank, Ratten, Fliegenmaden, ein Haufen, der nach einem Jahr noch genauso aussieht wie am Anfang. Der andere, unangenehmere Teil macht dir den Garten kaputt — weil du mit dem fertigen Kompost Unkrautsamen, Krankheitserreger oder Herbizidreste in jedes Beet verteilst, das du damit versorgst.
Und dann gibt es noch die dritte Gruppe: Verbote, die sich zäh halten, obwohl sie nicht stimmen. Die hänge ich am Ende dran, damit du nicht aus Vorsicht Material wegwirfst, das deinem Kompost sogar guttut.
Warum im Hausgarten andere Regeln gelten als in der Kompostieranlage

Fast alle Verbote auf dieser Liste lassen sich auf eine einzige Zahl zurückführen: die Temperatur.
In einer kommunalen Kompostieranlage läuft die Biotonne durch eine kontrollierte Heißphase — über Wochen hinweg deutlich über 55 °C, in der Spitze bis 70 °C. Das nennt sich Hygienisierung, und sie erledigt genau das, was wir fürchten: Unkrautsamen verlieren ihre Keimfähigkeit, Pilzsporen und Bakterien sterben ab, Wurzelstücke werden gegart.
Dein Komposthaufen schafft das nicht. Ein gut aufgesetzter, großer Haufen erreicht im Kern für ein paar Tage 50 bis 60 °C — der Großteil des Materials am Rand und oben bleibt aber deutlich darunter, und nach dem ersten Absinken dümpelt er bei 20 bis 40 °C vor sich hin. Fachlich heißt das Kaltkompostierung, und sie ist für die Humusbildung hervorragend, für die Desinfektion aber nahezu wirkungslos.
Das ist keine Kritik an deinem Kompost, sondern einfach Physik: Für eine echte Heißrotte brauchst du mindestens einen Kubikmeter Material auf einmal, das richtige Verhältnis aus Grün und Braun und regelmäßiges Umsetzen. Wer das hinbekommt, verschiebt ein paar Grenzen auf dieser Liste — alle anderen rechnen besser damit, dass alles, was sie einwerfen, den Haufen auch wieder lebend verlässt.
Die Faustregel für alles Weitere: Wenn ein Material nur deshalb harmlos wäre, weil es heiß wird, gehört es nicht in den Gartenkompost.
Wurzelunkräuter und alles, was schon Samen angesetzt hat

Das ist der Klassiker, und es ist der Fehler, der am längsten nachwirkt. Wurzelunkräuter vermehren sich über unterirdische Ausläufer, und jedes einzelne Bruchstück davon ist eine komplette, vermehrungsfähige Pflanze. Im feuchten, nährstoffreichen Kompost finden sie geradezu Idealbedingungen.
Die Kandidaten, die du kennen solltest:
- Giersch — kriechende weiße Rhizome, treibt aus jedem Stückchen mit einer Knospe
- Quecke — spitze, drahtige weiße Ausläufer, die sich sogar durch Kartoffeln bohren
- Ackerwinde — Wurzeln bis in zwei Meter Tiefe, bricht beim Jäten fast immer ab
- Löwenzahn und Schachtelhalm — regenerieren zuverlässig aus Wurzelresten
- Winden-Knöterich und Zaunwinde — gleiche Mechanik, gleicher Ärger
Bei der Ackerwinde reicht Aussortieren allein übrigens nicht, da hilft nur eine mehrjährige Strategie — wie du die hinbekommst, steht in unserem Ratgeber zur Ackerwinde bekämpfen.
Die zweite Gruppe sind Samenunkräuter, die es schon zur Blüte gebracht haben. Vogelmiere, Franzosenkraut, Melde, Hirtentäschel und Kreuzkraut produzieren pro Pflanze tausende Samen, die jahrelang keimfähig bleiben. Wenn du solches Material kompostierst, legst du dir eine Samenbank an und verteilst sie später gleichmäßig über alle Beete.
Die Grenze ist einfach: Blüht es schon, ist es zu spät. Vorher gejätetes Beikraut ohne Wurzelausläufer ist dagegen wertvolles, stickstoffreiches Kompostmaterial — das kannst du bedenkenlos einwerfen.
Für die problematischen Reste gibt es zwei sinnvolle Wege. Der bequeme: Restmüll. Der nachhaltigere: ein Eimer oder Fass mit Wasser, Wurzelunkraut hinein, Deckel drauf und vier bis sechs Wochen stehen lassen. Was danach herauskommt, ist tot und zersetzt — die Brühe ist ein guter stickstoffbetonter Flüssigdünger (stark verdünnt, 1:10), die Reste können jetzt auf den Kompost. Es riecht in dieser Zeit erbärmlich, deshalb: weit weg von der Terrasse.
Neophyten gehören in den Restmüll, nicht in den Grünschnitt

Eine Sonderkategorie, bei der es nicht nur um deinen Garten geht. Invasive eingewanderte Arten verbreiten sich über Gartenabfälle so effektiv, dass falsch entsorgter Grünschnitt einer der Hauptverbreitungswege überhaupt ist.
Der Japanische Staudenknöterich ist der härteste Fall: Aus einem Rhizom- oder Stängelstück von wenigen Zentimetern wächst ein neuer Bestand, und die Stängel treiben sogar aus abgeschnittenem, scheinbar trockenem Material wieder aus. Er sprengt Asphalt und Fundamente und ist auf Grundstücken kaum wieder loszuwerden.
Dazu kommen Riesen-Bärenklau (Herkulesstaude, dessen Saft in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautverbrennungen verursacht — hier gehören Handschuhe und langärmelige Kleidung dazu) und das Drüsige Springkraut, die beide auf der EU-Liste invasiver Arten stehen. Auch Kanadische und Riesen-Goldrute solltest du nicht mit Samenständen kompostieren.
Für alle gilt derselbe Weg: Restmüll, also thermische Verwertung. Nicht die Biotonne, nicht der Komposthaufen und ausdrücklich auch nicht die Grünschnitt-Sammelstelle oder der Waldrand — genau dort entstehen die neuen Bestände. Bei größeren Mengen Staudenknöterich lohnt ein Anruf beim Bauhof oder der Unteren Naturschutzbehörde, manche Kommunen haben eigene Annahmeregelungen.
Kranke Pflanzen — und warum nicht jedes braune Blatt gemeint ist

"Kranke Pflanzen nicht kompostieren" steht in jedem Ratgeber, führt aber zu viel unnötigem Wegwerfen. Entscheidend ist, wie die Erreger überdauern — und da gibt es gewaltige Unterschiede.
Diese Fälle gehören konsequent in den Restmüll:
- Kohlhernie an Kohl, Radieschen und Rucola. Die Dauersporen bleiben im Boden bis zu zwei Jahrzehnte infektiös und überleben jede Kaltrotte problemlos. Das ist der wichtigste Fall auf der ganzen Liste.
- Kraut- und Braunfäule an Tomaten und Kartoffeln — vor allem infizierte Kartoffelknollen, in denen der Erreger überwintert. Wie du die Krankheit überhaupt erkennst und im Folgejahr abwehrst, steht in unserem Ratgeber zu Kraut- und Braunfäule an Tomaten.
- Buchsbaum-Triebsterben — Sporen halten sich an abgefallenem Laub über Jahre.
- Monilia-Fruchtmumien an Kirsche, Zwetschge und Apfel. Die eingetrockneten Früchte sind reine Sporenlager; abnehmen und entsorgen, nicht liegen lassen.
- Weißstängeligkeit (Sclerotinia) an Bohnen, Salat und Sonnenblumen — die schwarzen Sklerotien im Stängelinneren bleiben jahrelang keimfähig.
- Feuerbrand an Obstbäumen, Weiß- und Rotdorn. Hier gilt in mehreren Bundesländern eine Meldepflicht, und das Schnittgut wird verbrannt — niemals kompostiert, nicht einmal gehäckselt.
Und jetzt der Teil, den die meisten Listen weglassen: Echter Mehltau auf Zucchini, Gurke oder Rose ist streng wirtsspezifisch und überlebt auf abgestorbenem Laub praktisch nicht. Dasselbe gilt für die meisten harmlosen Blattflecken. Auch Sonnenbrand, Nährstoffmangel, Trockenstress und Schneckenfraß sind überhaupt keine Krankheiten. Dieses Material darf auf den Kompost — und das ist gut, denn ein Zucchinibeet im September liefert sonst erstaunliche Mengen Restmüll.
Im Zweifel die Zwischenlösung: zweifelhaftes Material in die Biotonne. Die kommunale Anlage schafft die Temperaturen, die dein Haufen nicht hinbekommt.
Rasenschnitt, Mist und Stroh mit Herbizid-Rückständen

Unbehandelter Rasenschnitt ist eines der besten Kompostmaterialien überhaupt — stickstoffreich, schnell verfügbar, in dünnen Lagen zwischen grobem Material ein Rottebeschleuniger. Nach einer Behandlung mit Rasen-Unkrautvernichter oder Moosentferner wartest du dagegen besser mehrere Schnitte ab und richtest dich nach der Wartezeit auf der Packung. Die Wirkstoffe schädigen das Bodenleben, auf das der ganze Prozess angewiesen ist.
Deutlich tückischer ist ein Problem, das viele erst merken, wenn der Schaden schon da ist: Dauerherbizide. Wirkstoffe aus der Gruppe der Pyridincarbonsäuren — Aminopyralid und Clopyralid — werden im Grünland gegen Disteln und Ampfer eingesetzt. Sie überstehen den Verdauungstrakt von Pferden und Rindern, sie überstehen das Silieren, und sie überstehen auch die Kompostierung weitgehend unverändert. Über Heu, Stroh, Pferdemist und Pferdeapfel-Einstreu wandern sie in den Kompost und von dort ins Beet.
Schon winzige Restmengen reichen, um Tomaten, Bohnen, Erbsen und Kartoffeln massiv zu schädigen. Das typische Bild: eingerollte, löffel- oder farnartig verkrümmte Blätter, verkümmerte Triebspitzen, Pflanzen, die einfach nicht loswachsen — oft nur in einem Beet, nämlich dem, das den Kompost bekommen hat. Nachtschatten- und Hülsenfrüchte reagieren am empfindlichsten, Gräser und Kohl zeigen fast nichts.
Wenn du Mist, Stroh oder Heu aus fremder Quelle bekommst, lohnt der Topftest, bevor du es in großem Stil einarbeitest:
- Verdächtiges Material oder den fertigen Kompost im Verhältnis 1:1 mit Gartenerde mischen und in zwei Töpfe füllen.
- Einen Kontrolltopf nur mit gekaufter, torffreier Anzuchterde befüllen.
- In jeden Topf drei Buschbohnen oder Erbsen säen, gleich gießen, gleich hell stellen.
- Zwei bis drei Wochen beobachten und die ersten echten Blätter vergleichen.
Kräuseln sich die Blätter im Testtopf, während die Kontrolle normal aussieht, nutzt du diesen Kompost nur für Zierbeete, Hecken und Rasen — und fragst beim Lieferanten nach, was auf der Wiese ausgebracht wurde. Am sichersten fährst du mit Mist aus Betrieben, die ihr Grünland nicht chemisch behandeln; viele Bio-Höfe und kleine Pensionsstallungen geben darüber bereitwillig Auskunft.
Fleisch, Milchprodukte, gekochte Reste und Öl

Diese Gruppe schadet nicht dem Garten, sondern dem Kompost — und deiner Nachbarschaft.
Fleisch, Fisch und Wurstreste riechen beim Verwesen so intensiv, dass sie zuverlässig Ratten, Marder, Waschbären und Krähen anziehen. Ein Komposthaufen ist für Ratten ohnehin attraktiv: warm, trocken im Kern, mit Futter. Tierische Eiweißreste machen aus "attraktiv" ein Nistplatz-Angebot. Knochen kommen obendrein hinzu, weil sie im Gartenkompost überhaupt nicht zersetzt werden — die liegen nach Jahren noch erkennbar drin.
Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Käserinden faulen eher, als dass sie rotten: Sie verkleben das Material, drücken die Luft heraus und schaffen anaerobe Nester, die dann nach faulen Eiern riechen. Kleine Mengen Joghurtreste verträgt ein gut durchlüfteter Haufen, Käsereste eher nicht.
Gekochte Speisereste bringen zusätzlich Salz, Fett und Soße mit, und genau das Dreierpack ist Rattenfutter. Die Soße ist dabei das eigentliche Problem, nicht die Nudeln.
Speiseöl und Fett wirken anders, aber nicht besser: Sie legen einen wasserabweisenden Film um das Material, durch den weder Wasser noch Luft dringt. Mikroorganismen stellen in dieser Zone ihre Arbeit einfach ein. Ein mit Öl vollgesaugtes Küchenpapier ist unkritisch, eine Pfanne Bratfett ausgießen nicht.
Falls dein Kompost schon Besuch hat oder bereits riecht: Gestank, Maden und Nagerspuren haben jeweils eine klare Ursache und eine Gegenmaßnahme, die wir in Kompost-Probleme lösen einzeln durchgehen.
Die gute Nachricht: Wegwerfen musst du das alles nicht. Die Biotonne ist für genau diese Fraktion gemacht, weil die Anlage hygienisiert und geschlossen arbeitet. Und wer gekochte Reste wirklich im eigenen Garten verwerten will, nimmt Bokashi: Im luftdichten Eimer mit Fermentationsmittel werden auch Fleisch- und Milchreste milchsauer vergoren und nach etwa zwei Wochen im Beet vergraben — nicht offen auf den Haufen gelegt.
Hunde- und Katzenkot — und welcher Mist in Ordnung ist

Hier geht es um Gesundheit, nicht um Rottequalität. Der Kot von Fleischfressern — Hund, Katze — enthält Parasiten und Erreger, die im Kaltkompost nicht abgetötet werden und über das Gemüsebeet auf den Teller wandern können.
Konkret sind das vor allem Spulwurmeier (Toxocara), die mehrere Jahre im Boden infektiös bleiben und besonders für Kinder, die im Beet spielen, ein Risiko sind, sowie Toxoplasma gondii aus Katzenkot, der für Schwangere und immungeschwächte Menschen gefährlich ist. Eine Erhitzung, die diese Stadien zerstört, erreichst du im Garten nicht.
Mineralische Katzenstreu ist zusätzlich ein mechanisches Problem: Bentonit ist Ton und rottet nicht, er verdichtet nur. Also: Restmüll, auch bei Streu, die als pflanzlich oder kompostierbar verkauft wird — der Inhalt bleibt das Problem.
Mist von Pflanzenfressern ist dagegen hervorragendes Kompostmaterial, und das ist der Teil, der oft untergeht:
- Kaninchen, Meerschweinchen und Nager — samt Heu- und Strohstreu direkt auf den Kompost, ideales Gemisch aus Stickstoff und Struktur
- Hühnermist — sehr stickstoffreich und ätzend, deshalb nur dünn verteilt und gut mit Kohlenstoffmaterial gemischt
- Pferde- und Rindermist — gut, aber frisch erst abliegen lassen; und hier gilt die Dauerherbizid-Frage aus dem vorigen Abschnitt
- Sägespan- oder Hobelspan-Einstreu — nur in Maßen, sonst kippt das Verhältnis zu stark ins Kohlenstoffreiche und die Rotte bremst
Hochglanzpapier, Kassenbons und Staubsaugerbeutel

Papier ist Zellulose, also theoretisch perfektes Kohlenstoffmaterial. Entscheidend ist aber, was draufsitzt.
Hochglanzpapier — Magazine, Kataloge, Werbeprospekte, beschichtete Lebensmittelverpackungen — ist mit Kaolin, Kunststoffdispersionen oder einer Polyethylenschicht versehen. Diese Beschichtung rottet nicht, sie zerfällt in Fetzen und Partikel, die als Mikroplastik im Beet bleiben. Dazu kommen Druckfarben in erheblicher Menge. Gehört ins Altpapier, nicht auf den Haufen.
Kassenbons sind der Fall, der am häufigsten übersehen wird. Das meiste Thermopapier enthält Entwicklersubstanzen wie Bisphenol A oder dessen Ersatzstoff Bisphenol S — hormonell wirksame Chemikalien, die man definitiv nicht im Gemüsebeet haben will. Thermopapier gehört nicht einmal ins Altpapier, sondern in den Restmüll. Erkennen kannst du es am glatten, leicht glänzenden Griff und daran, dass ein Kratzer mit dem Fingernagel eine dunkle Spur hinterlässt.
Staubsaugerbeutel bestehen innen aus Hausstaub, und der ist heute zu einem guten Teil Mikroplastik aus Teppichfasern und Polstern, dazu Schuhabrieb von der Straße, Flammschutzmittel und Weichmacher. Der Beutel selbst ist meist Vliesstoff, also auch Kunststoff. Restmüll.
Was dagegen gut funktioniert:
- Schwarz-weiß bedrucktes Zeitungspapier in Maßen, am besten zerrissen oder als Mulchlage unter Rasenschnitt
- Brauner, unbeschichteter Karton ohne Klebeband, Etiketten und Metallklammern — grob zerkleinert ein prima Strukturgeber
- Eierkartons aus Pressfaser, zerrissen
- Küchenpapier und Papiertaschentücher, sofern sie keine Fettreste oder Reinigungsmittel aufgesaugt haben
"Kompostierbar" heißt nicht gartentauglich

Der Aufdruck "kompostierbar" auf einem Biobeutel ist eine der irreführendsten Angaben im ganzen Haushalt — nicht weil er falsch wäre, sondern weil er sich auf eine Anlage bezieht, die du nicht hast.
Der Prüfmaßstab hinter den meisten dieser Produkte ist die industrielle Kompostierbarkeit: definierter Abbau bei etwa 58 °C unter kontrollierten Bedingungen innerhalb einer festgelegten Zeitspanne. Dein Gartenkompost erfüllt davon keine einzige Bedingung. In der Praxis findest du Stärkebeutel beim Umsetzen ein Jahr später als zerknitterte, nahezu vollständige Tüte wieder — ich hole regelmäßig welche aus dem Sieb.
Worauf du wirklich achten musst, wenn ein Produkt in den eigenen Kompost soll, ist das Zeichen für Heimkompostierbarkeit — meist als "OK compost HOME" oder mit dem Hinweis auf eine Gartenkompost-Prüfung ausgewiesen. Das sind spürbar weniger Produkte, als man denkt.
Zwei Nebenbemerkungen, die Geld sparen:
- "Biobasiert" heißt nicht "abbaubar". Ein Becher aus Zuckerrohr-Polyethylen ist chemisch normales Plastik, nur aus anderer Rohstoffquelle.
- Auch für die Biotonne sind Biobeutel vielerorts verboten, weil die Anlagen sie nicht von konventionellem Plastik unterscheiden können und Fremdstoffgrenzen einhalten müssen. Frag im Zweifel bei deinem Abfallbetrieb nach — in vielen Kommunen ist eine Tüte aus Zeitungspapier die einzige zugelassene Variante, und die kostet nichts.
Für den Küchenabfall-Sammler im Haus ist der unaufgeregteste Weg ohnehin: Behälter ohne Beutel nutzen, nach dem Entleeren ausspülen, fertig.
Kerzenreste, falsche Asche und behandeltes Holz

Drei Materialien, die vom Gefühl her "irgendwie natürlich" wirken und es nicht sind.
Kerzenreste aus Paraffin sind ein Erdölprodukt. Sie bauen sich nicht ab, sondern schmelzen bei Wärme und legen sich — wie Speiseöl, nur dauerhafter — als wasserabweisender Überzug um das Material. Restmüll. Reste aus Bienenwachs oder Sojawachs sind tatsächlich kompostierbar, aber nur klein geschnitten und in kleinen Mengen; sinnvoller ist, sie einzuschmelzen und neu zu gießen.
Bei Asche lohnt eine Unterscheidung. Reine Holzasche aus unbehandeltem Brennholz enthält Kalium, Kalk und Phosphor und darf in kleinen Mengen auf den Kompost — allerdings reichern Bäume Schwermetalle wie Cadmium in der Rinde an, und die bleiben in der Asche konzentriert zurück. Für Gemüsebeete raten viele Fachstellen deshalb ganz davon ab; für Zierpflanzen und Obstbäume reicht eine Handvoll pro Kubikmeter. Gar nichts verloren haben:
- Asche von Kohle, Briketts und Grillkohle, besonders mit Anzündflüssigkeit
- Asche von lackiertem, imprägniertem oder verleimtem Holz
- Asche aus Papier- und Verpackungsverbrennung
Behandeltes und verleimtes Holz ist die dritte Gruppe: druckimprägnierte Zaunlatten (oft grünlich), Sperrholz, OSB, Spanplatten und MDF enthalten Holzschutzmittel beziehungsweise Formaldehyd-Harze. Sägemehl davon wandert mit dem Kompost direkt ins Beet. Auch gestrichenes, lackiertes oder lasiertes Holz bleibt draußen. Späne und Häckselgut von unbehandeltem Holz sind dagegen ein guter, langsam arbeitender Strukturgeber — sparsam dosiert, weil sie beim Abbau Stickstoff binden.
Was halb so wild ist: die überschätzten Verbote

Und jetzt die Gegenrichtung. Diese Dinge landen regelmäßig im Restmüll, obwohl sie auf den Kompost dürfen — oft steht ein halbwahres Verbot im Weg.
Walnussblätter. Der hartnäckigste Mythos. Ja, Walnussbäume enthalten Juglon, das andere Pflanzen hemmt. Aber Juglon ist bei Luftzufuhr nicht stabil: Es wird in einem aerob arbeitenden Kompost innerhalb von Wochen mikrobiell abgebaut. Das echte Problem der Blätter ist ein anderes und viel banaleres — sie sind derb und gerbstoffreich und rotten deshalb langsam. Gut zerkleinert, mit Rasenschnitt gemischt und nicht als reiner Walnusshaufen aufgesetzt, sind sie völlig in Ordnung. Nur als Mulch frisch unter empfindlichen Kulturen würde ich sie nicht ausbringen.
Zitrusschalen. Die Schale selbst ist unproblematisch. Konventionelle Importware wird allerdings häufig mit Konservierungsmitteln gegen Schimmel behandelt, und die willst du nicht im Kompost. Schalen von unbehandelten oder Bio-Früchten also gern, klein geschnitten, weil die dicken Schalen sonst lange liegen. Von behandelter Ware eher wenig — ein ganzer Eimer Orangenschalen nach Weihnachten geht besser in die Biotonne.
Eierschalen. Dürfen rein, bringen Kalk mit und lockern das Gefüge. Zwei Hinweise: Sie zersetzen sich extrem langsam, also vorher zerdrücken oder im Mörser zerstoßen, sonst findest du sie jahrelang. Und wegen möglicher Salmonellen auf der Außenseite nimmst du sie am besten getrocknet oder von gekochten Eiern — ein paar Tage auf der Fensterbank reichen.
Kaffeesatz und Teeblätter. Beides gutes, stickstoffreiches Material. Kaffeesatz neigt zum Verklumpen, also mit Struktur mischen statt als dicke Schicht auftragen. Beim Teebeutel kommt der einzige Haken: Viele Beutel sind mit Polypropylen verschweißt oder bestehen aus Nylongewebe. Also aufschneiden, Inhalt auf den Kompost, Hülle und Klammer in den Restmüll — es sei denn, auf der Packung steht ausdrücklich, dass der Beutel kompostierbar ist.
Zwiebel- und Kartoffelschalen. Beide dürfen rein, da ist nichts dran am Verbot. Kartoffelschalen mit kräftigen Augen können im Kompost austreiben — kein Schaden, einfach etwas tiefer einarbeiten oder die Triebe beim Umsetzen abziehen.
Rhabarberblätter. Für uns giftig, für den Kompost kein Thema: Die Oxalsäure wird beim Abbau zersetzt. Die großen Blätter sind sogar brauchbares Volumen — und als flache Mulchlage im Beet funktionieren sie ebenfalls.
Verblühtes, nicht aussaatreifes Beikraut, Laub, Strauchschnitt, Gemüseputz, Gras, Stroh, Heu ohne Herbizidgeschichte, Haare und Nagelschnipsel sind ohnehin erlaubt — das ist das Rückgrat jedes guten Haufens.
Wenn du die elf Problemfälle von oben aussortierst und dich bei den Zweifelsfällen für die Biotonne entscheidest, hast du in zwei Jahren einen Kompost, den du bedenkenlos ins Gemüsebeet geben kannst. Das ist der ganze Trick: nicht mehr Arbeit, nur eine Entscheidung mehr beim Einwerfen.