So ziehst Du Gurken im Gewächshaus

Gurken fühlen sich in einer feuchtwarmen und windgeschützten Umgebung am wohlsten. In unseren Breiten können wir ihnen diese Wünsche nicht immer erfüllen. Manchmal spielt der Sommer einfach nicht mit und zeigt sich von seiner kühlen, regnerischen Seite. Wer auf Nummer sicher gehen will, pflanzt empfindliche Gurkensorten daher besser im Gewächshaus. Was es beim Gurkenanbau unter Glas zu beachten gibt, erfährst Du hier.

Gurkenpflege im Gewächshaus

Ein Dach über dem Kopf

Besonders die anspruchsvollen Schlangengurken sind für einen geschützten Platz im Gewächshaus dankbar. Es gibt aber auch viele andere Sorten, die im Gewächshaus besser gedeihen. Wer ein Gewächshaus besitzt, ist von Wetterkapriolen unabhängig.Ein beheizbares Gewächshaus ermöglicht einen frühen Kulturbeginn und damit auch eine deutlich frühere Ernte.

Doch auch ohne Heizung hast Du einen klaren Startvorteil gegenüber dem Anbau im Freiland. Unter Dach sind Deine Pflanzen bei guter Pflege vor den typischen Krankheiten und Schädlingen, die Freilandgurken gerne heimsuchen, geschützt. Pflegefehler und ein falsches Klima können allerdings zu Pilz- und Schädlingsbefall führen.

Parthenokarpe F1-Hybriden fürs Gewächshaus

Viele Gurken sind speziell für die Kultur unter Glas gezüchtet. Diese F1-Hybriden sind meist rein weiblich blühend, das bedeutet, ihre Blüten müssen nicht befruchtet werden. Da sich ins Gewächshaus nur wenige Insekten verirren, stellt diese Eigenschaft hier einen erheblichen Vorteil dar.

Weil sich bei diesen sogenannten parthenokarpen Gurken aus jeder Blüte eine Frucht entwickelt, bringen die Pflanzen besonders hohe Erträge. Darüber hinaus sind diese modernen Sorten bitterstofffrei und häufig auch kernlos.

  • Adrian F1
    Die Mini-Schlangengurke ist eine höchst ertragreiche Profisorte. Die Pflanze hat einen kräftigen Wuchs, ist krankheitsresistent und trägt 15 bis 20 Zentimeter lange Früchte.
  • Picolino F1
    Eine weitere sehr empfehlenswerte Mini-Schlangengurke mit knackigen Früchten, die etwa 12 bis 14 Zentimeter lang werden und sich durch ihren angenehmen Geschmack auszeichnen. Die Sorte ist bitterfrei, resistent gegen Krätze und widerstandsfähig gegen Mehltau und Viruserkrankungen.
  • Corentine F1
    Die Einlegegurke bringt große Erträge und trägt knackige, bitterfreie Früchte, die sowohl eingelegt als auch roh köstlich schmecken. Corentine ist widerstandsfähig gegen Echten Mehltau, Gurkenkrätze sowie das Gurkenmosaikvirus.
  • Fitness F1
    Eine schnell wachsende Schlangengurke, die eine üppige und frühe Ernte verspricht. Äußerst robust mit gesunden, bis zu 40 Zentimeter langen, dunkelgrünen Früchten.
  • Eiffel F1
    Die äußerst ertragreiche Schlangengurke ist widerstandsfähig gegen Blattbrand, Gurkenkrätze und den Echten Mehltau. Sie trägt bitterfreie etwa 30 Zentimeter lange Früchte mit leicht gerillter Schale. Sie haben einen Durchmesser von etwa 4 Zentimetern und wiegen bis zu 400 Gramm.

Samenfeste zweigeschlechtliche Sorten fürs Gewächshaus

Wenn Du lieber samenfeste, gemischtblühende Sorten anbauen möchtest, solltest Du Dein Gewächshaus zur Blütezeit regelmäßig lüften. Tummeln sich dennoch zu wenige Bienen und Hummeln auf Deinen Gurkenpflanzen, kannst Du die Blüten von Hand mit einem Pinsel bestäuben.

  • Arola
    Diese Schlangengurke trägt ihre Früchte hauptsächlich an den Seitentrieben und sollte daher nicht ausgegeizt werden. Erst nach der Fruchtanlage werden die Triebe eingekürzt. Aroma gilt als unempfindlich gegenüber Gurkenkrankheiten und trägt lange, leicht bestachelte, mittelgrüne Früchte.

  • Tanja
    Die äußerst robuste Schlangengurke trägt völlig bitterfreie, bis zu 35 Zentimeter lange Früchte und bringt hohe Erträge.Viruserkrankungen.

  • Shintokiwa
    Die festfleischige Schlangengurke hat nur wenige Kerne und überzeugt mit ihrem köstlichen Geschmack. Die Früchte haben eine dunkelgrüne glatte Schale und sind gerade, schlank und werden sehr lang.

"Zum händischen Befruchten von Gurkenblüten bürstest Du mit einem kleinen weichen Pinsel jeweils erst über das Innere einer männlichen Blüte und dann über die Staubgefäße einer weiblichen. Männliche Blüten sitzen an einem einfachen, schmalen Stiel. An den weiblichen Blüten ist die winzige Frucht bereits erkennbar."
Mein Tipp

Veredelte Gurkenpflanzen

Wenn Du gekaufte Jungpflanzen setzen möchtest, stehen Dir heute auch veredelte Gurken zur Wahl. Bei diesen Pflanzen wurde die Gurke auf einen Feigenblattkürbis gepfropft. Die widerstandsfähige Unterlage verfügt über unempfindliche, robuste Wurzeln und gilt als sehr resistent gegenüber typischen Gurkenkrankheiten.

Mach das Gewächshaus startklar

Bereits im zeitigen Frühjahr kannst Du mit den Vorbereitungen für den Gurkenanbau loslegen. Reinige das Gewächshaus nach der Winterpause, damit Deine Pflanzen später genügend Licht bekommen. Es ist sinnvoll, darüber hinaus alle Rankhilfen und Werkzeuge zu desinfizieren, damit überwinternde Krankheitserreger und die Eier von Schädlingen abgetötet werden.

Je nachdem, wie Du planst, Deine Gurkenpflanzen hochzulegen, kannst Du Drähte spannen, Netze anbringen oder Seile entsprechend dem Pflanzabstand an den Dachstreben anbringen. An Standorten mit hoher Sonneneinstrahlung solltest Du rechtzeitig Schattiergewebe an den entsprechenden Teilflächen – innen oder außen – anbringen.

Der perfekte Boden

Damit Gurkenpflanzen gut gedeihen, muss die Bodenbeschaffenheit stimmen. Das Erdreich sollte humusreich und locker sein und darüber hinaus Wasser gut speichern können. Zu dichte Böden müssen gut aufgelockert und mit Rindenmulch und Kompost versetzt werden.

Auch strohiger Stallmist fördert die Durchlüftung. Magere Erde wird mit Kompost und Stalldung aufgebessert. Saurer Boden lässt sich mit kohlensaurem Kalk neutralisieren, der die Pflanzen gleichzeitig mit Magnesium versorgt. Gurken sollten jedes Jahr an einem anderen Standort wachsen.

Als Starkzehrer laugen sie den Boden ziemlich aus und gelten außerdem als mit sich selbst unverträglich. Wechsle also den Pflanzplatz oder tausche das Substrat aus. Erst nach vier Jahren kannst Du Deine Gurken wieder an die gleiche Stelle pflanzen.

Gurken selbst vorziehen

Wenn Du Deine Gurken aus Samen ziehen möchtest, kannst Du im geheizten Gewächshaus bereits ab Mitte März mit der Aussaat beginnen. Wer keine Heizung im Gewächshaus hat, zieht die Pflänzchen im Haus vor und pflanzt sie Anfang bis Mitte Mai ins Gewächshaus.

Die Jungpflanzen sollten beim Umpflanzen noch nicht zu groß sein. Eine Höhe zwischen 20 und 25 Zentimetern ist optimal. Größere Pflanzen haben oft Schwierigkeiten, sich an den neuen Standort zu gewöhnen. Säe daher nicht zu früh. Bereits drei Wochen nach der Aussaat sind die Jungpflanzen bereit zum Auspflanzen.

"Der Platz zu Füßen Deiner Gurken muss nicht frei bleiben. Hier kannst Du Spinat oder Salat anpflanzen. Auch Dill gilt als guter Nachbar für Gurkenpflanzen. "
Mein Tipp

Gewächshausgurken ausgeizen

Indem Du Deine Gurkenpflanzen ausgeizt, machst Du sie besser lenkbar. Sie brauchen weniger Platz und können ihre gesamte Energie für die Fruchtentwicklung verwenden, anstatt sie für üppiges Blattwachstum und die Bildung unzähliger Seitentriebe zu verschwenden.

Die Gurken wachsen übersichtlicher und profitieren von der verbesserten Luftzirkulation. Das Laub kann gut abtrocknen, damit sind die Pflanzen weniger anfällig für Pilzerkrankungen. 

So gehst Du beim Ausgeizen vor:

Das richtige Klima

Bei Temperaturen zwischen 20 und 25 ºC fühlen sich Gurken am wohlsten. Es darf auch gerne etwas wärmer sein, allerdings sollten die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht nicht zu groß sein. Auch wenn Gurkenpflanzen ein feuchtes Klima lieben, sollte die Luftfeuchtigkeit nicht extrem hoch sein.

Nachts bildet sich sonst Tau an der Pflanze, was die Ausbreitung von Pilzsporen stark begünstigt. Lüfte Dein Gewächshaus täglich, vermeide dabei aber starke Zugluft.

Gurkenpflege unter Dach

Gewächshausgurken gießen

Um knackige Früchte ernten zu können, musst Du Deine Gurken regelmäßig gießen. Lass das Erdreich nie austrocknen. Die Pflanzen reagieren mit Wachstumsstörungen und bitteren Früchten auf eine unzureichende oder unregelmäßige Wasserversorgung.

Bei längerer Trockenheit kann es passieren, dass sie die Früchte abstoßen. Verwende nach Möglichkeit Regenwasser zum Gießen oder lass das Leitungswasser stehen, damit es sich erwärmen kann. Kaltes Wasser vertragen die empfindsamen Gewächse nämlich gar nicht gut.

"Eine Mulchschicht aus Stroh oder schwarze Mulchfolie sorgt dafür, dass der Boden nicht so schnell austrocknet, und hält den Wurzelbereich schön warm."
Mein Tipp

Gewächshausgurken düngen

Den hohen Nährstoffbedarf Deiner Pflanzen kannst Du mit regelmäßigen Kompostgaben oder organischem Flüssigdünger decken. Urgesteinsmehl versorgt die Gurken mit wichtigen Mineralstoffen. Anfangs reicht eine Düngergabe alle zwei Wochen aus. Sobald die Pflanzen blühen und Früchte bilden, brauchen sie wöchentlich eine kleine Portion organischen Dünger.

Krankheiten und Schädlinge im Gewächshaus

Um den typischen Gurkenkrankheiten vorzubeugen, solltest Du einerseits resistente Sorten pflanzen, andererseits auf ein möglichst gleichbleibendes Gewächshausklima achten. Achte darauf, dass die Bodentemperatur nicht unter 10 ºC sinkt. Die Luft im Gewächshaus muss zirkulieren können und die Luftfeuchtigkeit sollte möglichst konstant gehalten werden.

Öffne tagsüber die Lüftungsklappen und schließe sie abends wieder. Halte ausreichend große Pflanzabstände ein und erhöhe die Widerstandskraft Deiner Pflanzen durch eine Düngung mit Brennnesseljauche oder durch eine Spritzung mit einem Sud aus Ackerschachtelhalm.

Schädlinge, die Deinen Gurken im Gewächshaus lästig werden können, sind neben Blattläusen und Spinnmilben auch Thripse und die Weiße Fliege. Nützlinge wie Marienkäfer, Raubmilben und Florfliegen können Dir helfen, den Befall in den Griff zu bekommen.

"Spinnmilbenbefall tritt vor allem bei hohen Temperaturen und gleichzeitig niedriger Luftfeuchtigkeit auf. Halte daher die Luftfeuchtigkeit stets über 60 Prozent."
Mein Tipp

Fazit

Ein Gewächshaus bietet Gurken ideale Bedingungen. Bei fachgerechter Pflege gedeihen die Pflanzen im feuchtwarmen Klima prächtig und bringen frühere und reichere Erträge als im Freiland. Wähle krankheitsresistente, bitterfreie Sorten, die für den Anbau unter Glas geeignet sind. So ersparst Du Dir viel Ärger und kannst bald die ersten knackigen Gurken genießen.

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