Gurken selbst veredeln – so gelingt es Dir

Gurken veredeln klingt kompliziert? Veredelte Gurkenpflanzen sind kräftiger, robuster und einfacher in der Pflege – und sie bringen höhere Erträge. Da lohnt sich der Versuch. Nur Mut, es ist gar nicht so schwer! Mit unserer Anleitung und etwas Übung gelingt die Gurken-Veredelung auch Dir.

So veredelst Du Deine Gurke

  • säe eine Gurke und einen Kürbis
  • warte, bis die beiden etwa 10 Zentimeter hoch sind
  • entnimm die Pflanzen aus dem Pflanzgefäß
  • säubere ihre Wurzeln mit lauwarmem Wasser
  • schneide die Stängel beider Pflanzen unterhalb der Keimblätter schräg an
  • bei der Gurke erfolgt der Schnitt aufwärts, beim Kürbis abwärts
  • füge die beiden an den Schnittstellen zusammen
  • umwickle die Veredelungsstelle mit Veredelungsband
  • pflanze die beiden verbundenen Pflanzen gemeinsam in einen Topf
  • schneide nach 3 Tagen ein Keimblatt und den Trieb der Kürbispflanze ab
  • nach einer Woche kannst Du das Veredelungsband entfernen
  • kappe nun die Wurzeln der Gurkenpflanze
  • pflanze Deine veredelte Gurke aus

Heiß geliebte, kapriziöse Gurke

Unter allen Gemüsesorten, die der sommerliche Garten zu bieten hat, sind Gurken die Frische-Stars. Ihre kühlende, erfrischende Wirkung und der feine Geschmack machen sie zum Hit an heißen Tagen und bei langen Grillabenden auf der Terrasse.

Leider sind die knackig grünen Köstlichkeiten nicht ganz einfach zu kultivieren. Gurkenpflanzen haben ein äußerst empfindliches Wurzelwerk und regieren auf Temperaturschwankungen und unregelmäßige Wasserversorgung mit Stress, der zu deutlichen Ernteeinbußen führt. 

Die robuste Verwandtschaft

Zum Glück sind die sensiblen Diven mit den robusteren Kürbissen verwandt. Beide gehören sie, wie auch die Zucchini und die Melone zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Im Vergleich zu den Gurken verfügen Kürbisse über ein recht robuste Wurzeln.

Damit die zartbesaitete Gurke von der Widerstandskraft ihres großen Verwandten profitieren kann, nimmst Du die Kürbispflanze als Unterlage und pfropfst die Gurke darauf. Doch wie soll das funktionieren, ohne dass die Pflanzen absterben?, fragst Du Dich. Mit etwas Fingerspitzengefühl klappt das tatsächlich. Hier erfährst Du, wie Du Schritt für Schritt vorgehst.

Vorteile der Gurkenveredelung

Wenn möglich sollten die Gurken Deiner Wahl auch bitterstofffrei sein. Das erspart Dir viel Ärger mit ungenießbaren Früchten. Allerdings können selbst bitterstofffreie Sorten durch Pflegefehler einen leicht bitteren Geschmack annehmen. Versuche daher beim Gurkenanbau folgende Faktoren zu vermeiden:

  • Die Pflanzen wachsen schneller und sind deutlich kräftiger.
  • Sie sind weniger kälteempfindlich und können auch mit kaltem Wasser gegossen werden.
  • Veredelte Gurken sind resistent gegen Mehltau und Fusarium-Welke.
  • Die Kürbisunterlage schützt die Pflanzen auch vor bakterieller Fäulnis.
  • Du kannst mit höheren Erträgen rechnen.
  • Veredelte Gurkenpflanzen sind nicht so anspruchsvoll, die Pflege ist deutlich erleichtert.
  • Die Pflanzen bleiben auch ohne den Einsatz von Pestiziden gesund.

Die beste Unterlage

Besonders als Unterlage für Gurken geeignet ist der Feigenblatt-Kürbis. Die Sorte gilt als resistent gegen die gefürchtete Fusarium-Welke. Diese Pilzerkrankung richtet im Gurkenanbau große Schäden an. Sie führt zu Stängel- und Wurzelfäule und lässt auch die Früchte verfaulen. Es gibt kein wirksames Mittel gegen diese Pflanzenkrankheit.

Befallene Pflanzen müssen vernichtet und die Erde am Pflanzplatz muss ausgetauscht werden. Da der Feigenblatt-Kürbis, der wahrscheinlich aus der Hochebene von Mexiko stammt, in Höhen bis zu 3000 Metern gedeiht und auch tiefe Temperaturen gut verträgt, werden die Gurken durch die Veredelung um 3 ºC kältetoleranter. Sie sind dadurch auch widerstandsfähiger gegen bakteriell bedingte Fäulnis, die den Gurkenpflanzen vor allem bei kühler Witterung gefährlich werden kann.

Wie funktioniert die Veredelung?

Kurz gesagt werden ein junger Feigenblatt-Kürbis und eine junge Gurke Deiner Wahl ganz dicht nebeneinander gepflanzt, an ihren Stängeln schräg angeschnitten, zusammengesteckt und fixiert. Bald wird der Kürbistrieb gekappt. Sobald die beiden verwachsen sind, trennst Du die Wurzeln der Gurke ab. Damit Deine Veredelung auch gelingt, erklären wir Dir die einzelnen Punkte genauer.

"Im Gartenfachhandel sind praktische Veredelungssets erhältlich, die einige Samen von Kürbis und Gurke sowie Veredelungsbänder oder Clips enthalten. Perfekt für Gartenneulinge, die keinen Anbau im großen Stil betreiben, sondern die Methode einfach mal ausprobieren wollen."
Mein Tipp

Was Du zum Veredeln brauchst

2 Anzuchttöpfe

Aussaaterde

Kürbissamen, Gurkensamen

ein scharfes Messer

Isopropylalkohol 70%

Veredelungsband

Gurken veredeln in 10 Schritten

Bereite zwei mittelgroße Blumentöpfe mit Abzugsloch vor. Desinfiziere die Töpfe und fülle zwei davon zur Hälfte mit feiner Anzuchterde, die Du zuvor im Backofen oder in der Mikrowelle sterilisiert hast.

  1. Säe zuerst die Gurke. Stelle den Topf an einen hellen, warmen Ort und halte das Substrat feucht.

  2. Sobald sich das erste Grün der sprießenden Keimblätter zeigt, säest Du den Kürbis im zweiten Topf.

  3. Gedulde Dich, bis beide Pflanzen eine Höhe von ungefähr acht Zentimetern erreicht haben.  Entnimm die Pflanzen nun mithilfe eines Pikierholzes oder eines Holzstäbchens vorsichtig aus der Erde und spüle die Wurzeln mit lauwarmem Wasser ab.

  4. Nimm ein scharfes Messer zur Hand – zum Beispiel ein Teppichmesser oder ein Rasiermesser. Desinfiziere es mit 70%igem Isopropylalkohol. Desinfiziere auch Deine Hände gründlich.

  5. Schneide beide Stängel unter dem jeweiligen Keimblatt auf derselben Höhe schräg an. Bei der Gurke wird aufwärts geschnitten, beim Feigenblatt-Kürbis abwärts. Schneide die Stängel dabei nicht ganz durch. Mindestens ein Viertel des Stängels muss intakt bleiben.

  6. Stecke die beiden Stängel nun so zusammen, dass die beiden Schnittstellen einander möglichst vollständig abdecken.

  7. Umwickle die Veredelungsstelle mit einem Stück Veredelungsband oder mit transparenter Folie.

  8. Fülle einen der Töpfe mit frisch sterilisierter Anzuchterde auf und pflanze die beiden verbundenen Pflänzchen in dieses Gefäß.

  9. Gieße sie gut an und stütze sie mit einem dünnen Stab, den Du zuvor ebenfalls sterilisiert hast.

Nachsorge

Kümmere Dich in den folgenden Tagen gut um die Pflanzen, damit sie schnell miteinander verwachsen. Stelle den Topf an einen hellen, warmen Ort und halte das Substrat feucht. Entferne nach etwa 3 Tagen eines der Keimblätter und die Triebspitze der Kürbispflanze. Etwa eine Woche bis 10 Tage nach der Veredelung kannst Du das Veredelungsband abnehmen und die Wurzeln der Gurke kappen. 

"Sieh beim Kappen von Kürbistrieb und Gurkenwurzeln genau hin, sonst erntest Du im Sommer voluminöse Feigenblatt-Kübisse statt langer, schlanker Gurken."
Mein Tipp

Gewöhne die Jungpflanze schrittweise an die Lichtstärke im Freiland, indem Du den Topf täglich für einige Zeit nach draußen bringst. Beginne im Halbschatten, bald schon verträgt die Gurkenpflanze auch ausgiebige Sonnenbäder. Jetzt darf Deine veredelte Junggurke endlich ins Freiland.

Fazit

Die Veredelung von Gurkenpflanzen ist leichter machbar, als Du denkst. Wer sauber arbeitet und behutsam vorgeht, kann gar nicht viel falsch machen. Hat es geklappt, kannst Du stolz auf Dich sein – Du hast aus einer kälteempfindlichen Mimose eine robuste, gesunde und kräftig wachsende Pflanze gemacht, die Dich mit einer reichen Ernte belohnen wird.

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