Hochbeete

Engerlinge im Hochbeet: erst bestimmen, dann handeln

Im Hochbeet sitzen meist Rosenkäferlarven — die sind nützlich und geschützt. So erkennst Du in zehn Sekunden, welche Larve Du hast, und was dann zu tun ist.

AVon AlexZuletzt aktualisiert: 18. August 20267 Min Lesezeit
Zwei Engerlinge auf einer Handfläche über der dunklen Erde eines Hochbeets

Beim Umgraben kommen dicke weiße Larven zum Vorschein, gekrümmt wie ein C, mit braunem Kopf. Die erste Frage ist immer dieselbe: Muss ich jetzt etwas tun?

Meistens lautet die Antwort: nein. Denn im Hochbeet sitzen ganz überwiegend die Larven des Rosenkäfers — und die fressen keine Wurzeln, sondern totes Pflanzenmaterial. Sie sind Kompostarbeiter, keine Schädlinge. Dazu kommt: Rosenkäfer stehen in Deutschland unter besonderem Artenschutz. Sie einzusammeln und zu töten ist verboten.

Die schädlichen Wurzelfresser — Larven von Mai-, Juni- und Gartenlaubkäfer — sitzen dagegen typischerweise im Rasen und in magerer, mineralischer Erde, nicht im humusreichen Hochbeet.

Deshalb steht am Anfang nicht die Bekämpfung, sondern der Blick auf die Larve.

Der Zehn-Sekunden-Test: Welche Larve hast Du?

Setz die Larve auf eine flache, feste Unterlage — einen Stein, den Rand des Hochbeets, Deine Handfläche.

Kriecht sie auf dem Rücken? Dann ist es eine Rosenkäferlarve. Sie hat nur winzige Beinchen und bewegt sich mit Wellen ihrer Rückenmuskulatur vorwärts, den Bauch nach oben. Das kann keine andere heimische Engerlingsart, und man vergisst den Anblick nicht wieder.

Krabbelt sie auf dem Bauch, mit deutlich sichtbaren Beinen? Dann hast Du einen Wurzelfresser vor Dir — Mai-, Juni- oder Gartenlaubkäfer.

Drei helle Engerlinge im Mulchmaterial am Rand eines Hochbeets📌 Pin it
Drei helle Engerlinge im Mulchmaterial am Rand eines Hochbeets

Wenn Du es genauer wissen willst, helfen diese Merkmale:

MerkmalRosenkäfer (nützlich, geschützt)Mai-, Juni-, Gartenlaubkäfer (Wurzelfresser)
Fortbewegungauf dem Rückenauf dem Bauch
Beinesehr klein, kaum zu sehenkräftig, deutlich sichtbar
Körperhinten dicker, plump, walzenförmiggleichmäßig C-förmig
Kopfklein im Verhältnis zum Körperkräftig, breit
FundortKompost, Hochbeet, Mulchschicht, LaubhaufenRasen, Wiese, mineralische Erde
Frissttotes Pflanzenmaterial, Kompostlebende Wurzeln

Ein zweiter Anhaltspunkt ist der Ort selbst: Ein Hochbeet ist im Grunde ein großer Komposthaufen. Genau das ist der Lebensraum der Rosenkäferlarve. Findest Du Dutzende dicke Larven in gut verrottetem Material und den Pflanzen darüber geht es gut, spricht praktisch alles für den Nützling.

Rosenkäferlarven: bitte liegen lassen

Der Rosenkäfer (Cetonia aurata) ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Larven abzusammeln und zu töten ist damit nicht nur schade, sondern verboten. Dasselbe gilt für den Nashornkäfer, dessen Larven ebenfalls in Kompost und Mulch leben.

Und es gibt keinen Grund dazu: Die Larven zersetzen Pflanzenreste zu feinem Humus. Wer sie im Hochbeet hat, hat einen funktionierenden Boden.

Was Du tun kannst, wenn Dich die Menge stört: Verlege einen Teil des Materials samt Larven auf den Komposthaufen. Dort arbeiten sie weiter, und Du hast sie nicht mehr unter den Wurzeln Deiner Salatpflanzen.

Wenn es doch Wurzelfresser sind

Für Mai-, Juni- und Gartenlaubkäferlarven gilt das Gegenteil: Sie fressen Feinwurzeln, und die Pflanzen darüber zeigen es. Typisch ist, dass eine Pflanze mitten in der Saison ohne erkennbaren Grund welkt und sich mit zwei Fingern aus der Erde ziehen lässt — die Wurzeln sind weg.

Zwei Engerlinge an einer Pflanzenwurzel in sandiger Erde📌 Pin it
Zwei Engerlinge an einer Pflanzenwurzel in sandiger Erde

Steht die Bestimmung fest und es sind wirklich Wurzelfresser, hast Du zwei wirksame Wege: absammeln, oder Nematoden ausbringen. Was womit geht, steht gleich darunter — hier vorweg das Mittel, um das es dabei geht:

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Nur bei Wurzelfressern
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Wirkt gegen Gartenlaubkäfer- und Junikäferlarven, nicht gegen Maikäferlarven und nicht gegen die geschützten Rosenkäferlarven. Ausbringen ab 12 °C Bodentemperatur bis September.

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Absammeln — im Hochbeet die beste Methode

Weil ein Hochbeet überschaubar ist, kommst Du hier weiter als im Rasen: Erde abschnittsweise durchgehen, Larven herausnehmen. Wer Hühner hat, hat gleich die Verwertung; ansonsten weit entfernt vom Beet aussetzen.

Gießen und warten

Engerlinge wandern bei Nässe nach oben. Wässere das Beet kräftig und sieh nach ein bis zwei Stunden noch einmal nach — dann liegen viele direkt unter der Oberfläche.

Nematoden — aber die richtigen, zur richtigen Zeit

Gegen die Larven von Gartenlaubkäfer und Junikäfer wirken HM-Nematoden (Heterorhabditis bacteriophora) zuverlässig. Sie dringen in die Larve ein und töten sie über Bakterien.

Drei Bedingungen entscheiden über den Erfolg:

  • Bodentemperatur über 12 °C — deshalb ist der Zeitraum Juli bis September der richtige, nicht das Frühjahr
  • feuchter Boden vor und nach dem Ausbringen, sonst sterben die Nematoden, bevor sie ankommen
  • frische Ware — sie sind lebendig, gehören in den Kühlschrank und sollten innerhalb weniger Tage ausgebracht werden

Gegen Maikäferlarven wirken sie dagegen kaum — das ist in der Praxis der häufigste Grund für Enttäuschung. Und gegen Rosenkäferlarven sollst Du sie schon deshalb nicht einsetzen, weil die nützlich und geschützt sind.

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Heterorhabditis bacteriophora — genau die Art, die gegen Gartenlaubkäfer- und Junikäferlarven wirkt. Ausbringen ab 12 °C Bodentemperatur bis September, Boden vorher und nachher feucht halten.

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Zwei Hinweise zum Kauf, die den Unterschied machen:

  • Bei einem Spezialversender bestellen, nicht nebenbei im Kaufhaus. Nematoden sind lebende Tiere. Sie gehören gekühlt verschickt und innerhalb weniger Tage ausgebracht — bei einem Händler, der nur Nützlinge verschickt, ist die Ware schlicht frischer.
  • Die Packung reicht für 20 Quadratmeter, ein Hochbeet hat zwei bis drei. Kleiner gibt es sie kaum, und das ist kein Nachteil: Bring den Rest auf dem Rasen aus, wo die Käfer ihre Eier ablegen. Genau dort entstehen die Engerlinge, die später im Beet sitzen.

Erde austauschen — nur im Notfall

Bei einem unbepflanzten Hochbeet und massivem Befall ist der Austausch der oberen Schicht möglich. Aufwändig, teuer und für den Bodenaufbau ein Rückschritt — deshalb wirklich nur, wenn nichts anderes greift.

Vorbeugen: Eiablage verhindern

Die Käfer fliegen von Mai bis Juli und legen ihre Eier in offene, warme Erde. Genau da setzt die Vorbeugung an:

  • Feinmaschiges Netz über das Hochbeet in der Flugzeit. Ein grobes Vogelschutznetz reicht nicht, die Maschen müssen den Käfer aufhalten.
  • Boden bedeckt halten. Eine Mulchschicht oder eine dichte Bepflanzung macht die Eiablage unattraktiv — wie Mulchen richtig geht, steht in Was ist Mulchen und wie es richtig funktioniert.
  • Kompost durchsehen, bevor er ins Hochbeet kommt. Rosenkäferlarven dürfen bleiben, alles mit kräftigen Beinen kommt zurück auf den Haufen.
Feinmaschiges Kulturschutznetz, 2 × 5 m
Feinmaschiges Kulturschutznetz, 2 × 5 m

Auf die Maschenweite achten: Gegen Käfer reicht ein grobes Vogelschutznetz nicht. Von Mai bis Juli auflegen, dann kommen die Weibchen gar nicht erst an die Erde.

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Was im Garten hilft, ohne dass Du etwas tun musst

Vögel, Igel und Spitzmäuse fressen Engerlinge. Ein Reisighaufen in einer Ecke, eine Trockenmauer mit Fugen und ein paar Nistkästen kosten nichts und arbeiten das ganze Jahr. Bei einem Hochbeet ist das die bequemste Form der Schädlingsbekämpfung, die es gibt.

Welche Pflanzen besonders leiden

Wenn Du wissen willst, wo Du zuerst nachsehen solltest: Erdbeeren, Salat, Kartoffeln und alle frisch gesetzten Jungpflanzen haben feine, flache Wurzeln und reagieren als Erste. Bei ihnen fällt ein Befall am schnellsten auf — ein kurzer Zug an der Pflanze zeigt, ob die Wurzeln noch halten.

Was aus den Engerlingen wird

Alle genannten Larven gehören zur Familie der Blatthornkäfer. Je nach Art leben sie zwei bis vier Jahre in der Erde, bevor sie sich verpuppen. Aus der Rosenkäferlarve wird der metallisch grün glänzende Käfer, den man im Sommer auf Doldenblüten sitzen sieht — einer der auffälligsten Käfer, die wir hier haben.

Das erklärt auch, warum Absammeln nie eine einmalige Aktion ist: Was Du heute findest, ist ein Jahrgang von mehreren, die gleichzeitig im Boden stecken.

Kurz zusammengefasst

  • Im Hochbeet sind es meistens Rosenkäferlarven — nützlich, geschützt, bitte liegen lassen
  • Rückentest: kriecht sie auf dem Rücken, ist es der Nützling
  • Wurzelfresser erkennst Du an kräftigen Beinen und daran, dass Pflanzen ohne Grund welken
  • Nematoden nur gegen Gartenlaubkäfer- und Junikäferlarven, ab 12 °C Bodentemperatur, Juli bis September
  • Netz von Mai bis Juli verhindert die Eiablage von vornherein