Knoblauch vermehren – so ziehst Du neue Pflanzen aus Deiner Ernte

Die Vermehrung von Knoblauch ist gar nicht schwer. Du kannst sowohl gekauften als auch selbst geernteten Knoblauch vegetativ vermehren. Die Anzucht aus Samen ist zwar unüblich, aber durchaus möglich. Hier stellen wir Dir die verschiedenen Möglichkeiten der Knoblauchvermehrung vor – für Anfänger und für passionierte Hobbygärtner.

So gelingt die Knoblauch-Vermehrung

Alte Kulturpflanze mit vegetativer Vermehrung

Bereits in der Antike war Knoblauch (Allium sativum) ein beliebtes Nahrungsmittel, Gewürz und Heilmittel. In Ägypten soll er die Pyramiden-Arbeiter bei Kräften gehalten haben. Die Römer und Griechen nutzten ihn Medizin, selbst in der Bibel wird er im Alten Testament erwähnt. 

Im Mittelalter gelangte er dann über die Klostergärten auch zu uns. Neben der Verwendung als Arzneipflanze wurde er auch als Gemüse und Gewürz immer beliebter. Heute ist das Lauchgewächs mit der gesunden Schärfe auf der ganzen Welt bekannt und beliebt. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Zentralasien bis in den Iran. 

Hier erfährst Du alles über den Anbau und die Pflege von Knoblauch.

Evolutionäre Sackgasse?

Im Laufe seine lange Kulturgeschichte ist die ursprüngliche Wildform verloren gegangen. Knoblauch kommt heute ausschließlich als Kulturpflanze vor. Durch die laufende Weiterzüchtung hat die Pflanze ihre Fähigkeit zur sexuellen Vermehrung nach und nach eingebüßt. Knoblauch wird heute rein vegetativ vermehrt. Lediglich zur Erhaltung alter Sorten wird noch auf die Vermehrung über Samen zurückgegriffen.

Von Zwiebeln, Knollen, Zehen und Samen

Knoblauchpflanzen können je nach Sorte zwischen 30 und 80 Zentimeter hoch werden. Interessant für die Küche sind die Zwiebeln, mit deren Hilfe die Pflanze während der kalten Jahreszeit im Boden überdauert. Eine Knoblauchzwiebel besteht aus etwa fünf bis zwanzig Zehen, welche von Hüllenblättern umgeben sind. Rund um alle Zehen liegt noch einmal eine papierartige Hülle.

Wird die Pflanze einfach im Boden belassen, ist sie in der Lage, Tochterzwiebeln auszubilden und sich so zu vermehren. Außerdem entwickelt der Knoblauch während der warmen Jahreszeit einen Blütenstand, an dem sich weiß-grüne, manchmal auch leicht rosafarbene Blüten öffnen. Die meisten Blüten sind unfruchtbar. Dazwischen gibt es meist einige fertile Blüten. Diese bilden kleine Kapselfrüchte, in denen schwarze Samen heranreifen.

Außerdem entstehen am Blütenstand kleine Brutzwiebeln (Bulbillen). Diese sitzen dich an dicht, umhüllt von einem dünnen, trockenen Hütchen, ganz ähnlich wie die Knoblauchzwiebeln in der Erde.

Sieh dir die Blatthütchen genau an

Du kannst die Hütchen am Ende des Stängels behutsam öffnen. In ihrem Inneren entwickeln sich neben den Bulbillen auch Knospen. Oft entwickeln sich die Blüten nicht und fallen einfach ab. Manchmal bilden sie aber auch Samenkapseln. Die darin enthaltenen Knoblauchsamen sehen ganz ähnlich wie Zwiebelsamen aus.

Knoblauch aus Zehen ziehen

Für Gartenneulinge ist es am einfachsten, Knoblauch über Knoblauchzehen zu vermehren. Bei dieser vegetativen Art der Vermehrung erhältst Du Knoblauchpflanzen, die mit der Mutterpflanze identisch sind. Diese Methode der Knoblauchvermehrung ist die Gängigste– nicht nur im Hausgarten, sondern auch im professionellen Anbau.

Optimal ist das Stecken im Herbst, da so höhere Erträge erzielt werden. Die ausdauernden und frosttoleranten Pflanzen überwintern im Beet und reifen ab Juni. Geerntet wird, sobald ein Drittel des Grüns vergilbt ist. Wer diesen Termin verabsäumt hat, kann die Zehen auch im sehr zeitigen Frühjahr stecken. Von Mitte Februar bis Ende März gepflanzt, ist Knoblauch ab August erntereif.

Für den Anbau kannst Du sowohl selbst geernteten als auch gekauften Knoblauch verwenden. Bei Knoblauch aus dem Supermarkt ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass die Knollen nicht von weither stammen. Die daraus entstehenden Pflanzen würden mit unserem Klima nicht gut zurechtkommen. Knoblauch aus dem Gartenmarkt oder vom Bauer Deines Vertrauens hingegen entwickelt sich hierzulande zuverlässig.

Besonders schnell entwickelt sich Knoblauch, der bereits begonnen hat zu keimen. Stecke die Zehen im Abstand von 10 Zentimetern etwa 5 Zentimeter tief in die Erde. Der Reihenabstand sollte etwa 20 Zentimeter betragen.

Vorteile

Nachteile

Knoblauch aus Brutzwiebeln ziehen

Wer Geduld mitbringt, kann die Brutzwiebeln für die Vermehrung nutzen. Auf diese Weise musst kannst Du die gesamte Ernte in der Küche nutzen, anstatt einen Teil für den Anbau aufzusparen. Die Bulbillen wachsen in den papierenen Hütchen, die sich am Ende des Blütenschaftes bilden, heran. Mit der Zeit platzt die dünne Hülle, die sie umgibt, auf und die Zwiebelnden reifen aus.

Schneide die Hütchen nach dem Aufplatzen ab. Dies geschieht meist im Juni, ist jedoch vom Pflanztermin abhängig. Lass sie noch ein wenig nachreifen, indem Du sie gut trocknest. Lagere sie an einem trockenen, dunklen Ort. Nimm sie im Februar aus dem Lager und bringe sie kurzfristig ins Freie. Dabei sollten sie einer Temperatur von etwa null Grad Celsius ausgesetzt werden.

Nun löst Du die Brutzwiebel aus den Knollen. Wähle die Größeren aus. Die Kleineren können zwar auch angepflanzt werden, bringen jedoch im ersten Jahr nur einzehige Zwiebeln, die sogenannten Rundlinge hervor, die im folgenden Jahr noch einmal eingepflanzt werden müssen, um viele Zehen zu bilden. 

Manchmal bilden sich auch aus den größeren Bulbillen lediglich Rundlinge. Trotzdem lohnt sich die Mühe. Die Knollen, die Du spätestens im zweiten Anbaujahr erhältst, sind schön groß und gesund. Wer sich die Lagerung über den Winter ersparen möchte, kann die Brutzwiebel auch im Juni, direkt nach dem Heranreifen an der Pflanze, in die Erde stecken und sie im Boden überwintern lassen. Die Brutzwiebeln werden nicht so tief gesteckt wie die Zehen – hier reicht eine Tiefe von zwei Zentimetern aus.

Vorteile

Nachteile

Vegetative Vermehrung

Sowohl beim Anbau von Zehen als auch von Brutzwiebeln handelt es sich um eine vegetative Vermehrung oder Klonung. Dabei entstehen neue Pflanzen durch Abspaltung von Zellen der Mutterpflanze. Es findet keine Verschmelzung von Geschlechtszellen statt. Die Nachkommen sind mit der Mutterpflanze genetisch identisch.

Knoblauch aus Samen ziehen

Die Anzucht aus Samen ist im professionellen Gemüsebau nicht üblich. Auch im Hausgarten beschäftigen sich lediglich leidenschaftliche Gärtner mit diesem nicht ganz unkomplizierten Unterfangen. Wenn Du Interesse an Botanik und Pflanzenzucht mitbringst und Dich von einem Misserfolg nicht sofort abschrecken lässt, ist das ein spannendes Unterfangen.

Wie gesagt beim Knoblauch durch die jahrtausendelange vegetative Vermehrung die Fähigkeit zur Bildung fruchtbarer Samen stark nachgelassen. Einerseits ist das Klonen zwar angenehm, andererseits können sich so keine neuen Sorten bilden. Die Pflanzen haben auch kaum Möglichkeiten, eine Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen zu entwickeln.

Um Samen zu gewinnen, gehst Du folgendermaßen vor. Öffne im Frühsommer die Hüllen der Hütchen, in denen die Bulbillen heranwachsen, behutsam mit den Fingern. Zwischen den den Brutzwiebeln sind meist einzelne Knospen sichtbar. Das Öffnen der Hütchen sollte nicht zu früh geschehen, sondern erst, wenn die Knospen kurz vor dem Aufblühen stehen.

Entferne nun die Brutzwiebeln ganz vorsichtig mit den Fingernägeln, sodass nur noch die Blüten stehen bleiben. Wenn Du Glück hast, öffnen sich die Knospen zu blasslila oder weißen Blüten. Es scheint so, dass lila blühende Varianten leichter Samen ausbilden. Nach erfolgter Befruchtung entwickeln sich grüne Samenkapseln. Diese färben sich bei Reifen bräunlich oder gelb. Sie enthalten schwarze Samen, die ganz ähnlich wie Zwiebelsamen aussehen.

Bewahre die Samen an einem dunklen, trockenen Ort auf und unterziehe sie vor der Aussaat im zeitigen Frühjahr einer Kältebehandlung um die Keimung zu fördern.

Beim Bärlauch (Allium ursinum) und beim Schnittknoblauch (Allium tuberosum) ist die Vermehrung über Samen gang und gäbe.

 

Vorteile

Nachteile

Generative Vermehrung

Bei der generativen oder sexuellen Vermehrung entsteht durch die Kombination des Erbgutes verschiedener Individuen Pflanzen, die sich genetisch von den Elternteilen unterscheiden. Nur bei dieser geschlechtlichen Art der Pflanzenvermehrung werden Samen gebildet.

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