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Rhabarber pflanzen – Alles über Anbau & Pflege

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Das großblättrige Gemüse mit den herrlich sauren Stielen ist unkompliziert zu kultivieren. An einem geeigneten Standort gepflanzt und richtig gepflegt erwacht der Rhabarber jedes Frühjahr wieder aus dem Winterschlaf und erfreut Dich mit seinem efrischenden Geschmack.

So gelingt der Anbau von Rhabarber

Ausdauerndes Stielgemüse

Rhabarber (Rheum rhabarbarum) gehört wie der Buchweizen zur Familie der Knöterichgewächse. Er stammt ursprünglich aus dem Himalajagebiet. Gegen Ende des Mittelalters gelangte er nach Russland, im 18. Jahrhundert schließlich nach Mitteleuropa.

Die mehrjährige Staude besitzt große derbe Blätter, die an langen Stängeln sitzen. Die Stiele können bis zu 70 Zentimeter lang und etwa 2 bis 5 Zentimeter breit werden. Je nach Sorte variiert ihre Färbung von grün bis rot. Im Frühsommer öffnet der Rhabarber seine unzähligen kleinen Blüten. Sie sind unscheinbar weißlich, sitzen an einer langen Rispe und werden von Insekten bestäubt.

Wiederaustrieb im Frühjahr

Im Herbst sterben die oberirdischen Pflanzenteile ab. Die Nährstoffe werden in den Rhizomen gespeichert. Sobald es im Frühjahr wärmer wird, treibt der Rhabarber aus unterirdischen Knollen wieder aus.

Rhabarberblätter als Dünger & Pflanzenschutz

Bei der Rhabarberernte fallen viele Blätter an. Daraus kannst Du eine Brühe zubereiten, die Blattläuse und Lauchmotten vertreibt. Ein Auszug aus den Blättern lässt sich gegen Kraut- und Braunfäule einsetzen. Als Jauche vergoren, fungieren Rhabarberblätter als nährstoffreicher Dünger mit hohem Kaliumgehalt.

Gemüse oder Obst?

Laut botanischer Definition zählt der Rhabarber zum Gemüse. Hier werden nicht die Früchte, sondern die jungen Blattstiele verzehrt. Da die Stängel jedoch süß zubereitet werden wie zum Beispiel Erdbeeren oder Pflaumen, bezeichnen ihn manche Menschen als Obst. In den USA gilt er seit Mitte des 20. Jahrhunderts gesetzlich als Obst.

Wann Rhabarber pflanzen?

In Gegenden mit Weinbauklima lässt sich die Pflanze auch in unseren Breiten kultivieren. Die ideale Pflanzzeit ist im Frühjahr nach den Eisheiligen. Da es in unseren Breiten zu kalt für eine Direktsaat ist, werden Rhabarber üblicherweise auf der Fensterbank vorgezogen. 

Säen, teilen oder kaufen?

Die meisten Hobbygärtner erhalten ihren Rhabarber vom Nachbarn oder kaufen die Pflanzen im Gartenmarkt. Weil die Staude spätestens alle 8 bis 10 Jahre geteilt werden sollte, bietet sich immer wieder die Gelegenheit, an Teilstücke zu kommen. Jedes Frühjahr werden beim Gärtner oder im Baumarkt junge Rhabarberpflanzen im Topf angeboten.

Aussaat

Wer Zeit und tiefer gehendes Interesse an Pflanzen hat, kann Rhabarber auch aussäen. Idealerweise erfolgt die Voranzucht im Haus, dort kannst Du schon im Februar loslegen. Zudem sind die zarten Jungpflänzchen auf der Fensterbank vor Schnecken sicher. Raue die Samen mit Schleifpapier etwas auf und weiche sie über Nacht in Wasser ein. 

Lege sie in ausreichend tiefe Anzuchttöpfe, damit die kräftige Wurzelbildung nicht behindert wird. Bei etwa 18 Grad Celsius erfolgt die Keimung innerhalb einer Woche. Ab Mitte April kannst Du die Jungpflanzen ins Beet setzen. 

Einpflanzen

Auch wenn der Rhabarber im Topf noch klein wirkt – plane mindestens einen Quadratmeter für die wuchsgewaltige Staude ein. Bereite das Beet vor der Pflanzung gut auf. Grabe tiefgründig um und arbeite bei Bedarf etwas Humus ein, um die Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen. Kompost und Hornspäne versorgen den Starkzehrer während der folgenden Monate mit Nährstoffen. 

Wenn Du Deinen Rhabarber im zeitigen Frühjahr auspflanzt, schützt ein übergestülpter Terracotta-Topf vor Nachtfrösten.

Rhabarber vortreiben

Du willst schon im April die ersten Rhabarber-Desserts genießen? Dann treibe die Pflanze vor, damit sie sich früher entfaltet. Das geht ganz einfach: Sobald Du die ersten jungen Triebe an der Basis entdeckst, stülpst Du ein großes Gefäß über die Staude. Ideal ist ein schwarzer Kübel, ein Terracotta-Gefäß oder ein Weidenkorb. Je dunkler die Abdeckung, desto wärmer wird es darunter. Auf diese Weise entwickeln sich die Stiele schnell und erhalten zudem durch den Lichtmangel einen besonders delikaten Geschmack.

Standort & Erde

Rhabarber liebt tiefgründige Böden mit hohem Humusgehalt und gutem Wasserhaltevermögen, denn er hat einen vergleichsweise hohen Wasserbedarf. Optimal ist ein lehmig-sandiger Untergrund mit einem pH-Wert zwischen 5,6 und 7,2. Als Starkzehrer braucht die Pflanze viele Nährstoffe.  

Am wohlsten fühlt sich der Rhabarber an einem sonnigen Platz. Dort bildet er kräftige Stängel aus. Wenn Dein Gartenboden jedoch sehr trocken ist, empfiehlt sich ein halbschattiger Standort. Denn mit Trockenheit kommt die Staude, die über ihre großen Blätter viel Wasser verdunstet, nur schlecht zurecht. Ein weiterer Punkt, der für ein Plätzchen im Halbschatten spricht, ist die Tatsache, dass sich dort später Blüten ausbilden.

Bedenke, dass Rhabarber viel Raum im Beet einnimmt. Rechne mit mindestens einem Quadratmeter. Es gibt kleinwüchsigere Sorten wie „Lilibarber”, aber auch besonders große Züchtungen wie zum Beispiel die Sorte „Goliath”. Wähle den Pflanzplatz sorgfältig aus, die ausdauernde Staude wird viele Jahre dort verbringen.

Gute & schlechte Nachbarn in der Mischkultur

Bei der Wahl von Beetpartnern für den Rhabarber solltest Du unbedingt den Platzbedarf des Knöterichgewächses berücksichtigen. Junge Pflanzen wirken anfangs noch recht verloren, doch das ändert sich schnell. Bei guten Bedingungen können die Stiele je nach Sorte zwischen 40 und 90 Zentimeter lang werden. 

Über den Winter zieht die Staude ein und ist nur noch bei genauerem Hinsehen zu erkennen. Begehe nicht den Fehler, deine frühen Kulturen zu nahe an der Basis der Rhabarberpflanze zu säen. Wenn der Rhabarber erst einmal erwacht, breitet er sich schnell aus wird zumeist noch größer als im Vorjahr.

Pflanzen, die sich von seinem pompösen Wuchs nicht einschüchtern lassen, sollten zudem ähnliche Ansprüche an der Boden haben. Gewächse wie Zwiebel oder Knoblauch, die sich an einem trockenen Standort wohlfühlen, werden mit dem Rhabarber nicht glücklich. 

Gurken, Zucchini sowie viele Kohlgewächse mögen es wie der Rhabarber feucht und nährstoffreich. Erdbeeren passen nicht nur in der Küche ganz vorzüglich zum Rhabarber. Die ebenfalls mehrjährigen Pflanzen harmonieren mit dem riesenhaften Blattstielgemüse auch im Beet.

Hier erfährst Du alles über die Mischkultur.

Gute Nachbarn

Schlechte Nachbarn

Pflege & Düngen

Viel gießen

Rhabarber gilt als recht durstiges Gewächs. Kein Wunder, über die großen Blätter verdunstet bei sonnigem Wetter schließlich eine Menge Wasser. Vor allem während der Hauptwachstumszeit zwischen Mai und Juni ist regelmäßiges Gießen wichtig. Bei Trockenheit stockt das Wachstum und die Blätter hängen schlapp herab. An einem halbschattigen Standort musst Du seltener wässern, dafür bleiben die Stiele dünner.

Zweimal düngen

Versorge Deinen Rhabarber im Frühjahr mit Kompost und Hornspänen. Auf diese Weise ist ein guter Start in die Vegetationsphase garantiert. Nach der Ernte sorgt eine weitere Düngergabe für Nährstoffnachschub. Wer keinen reifen Kompost zur Hand hat, kann auch organischen Gemüsedünger aus dem Gartenmarkt verwenden.

Brich die Blüte aus

Für eine reiche Ernte empfiehlt es sich die Blüte auszubrechen, insbesondere wenn sie sich früh zeigt. Solltest Du jedoch vorhaben, den Rhabarber über Samen zu vermehren, darf die Staude blühen, auch wenn dann die Ernte geringer ausfällt. Bienen und andere Insekten finden an den unscheinbaren cremeweißen Rispen Gefallen.

Mit den eigenen Blättern mulchen

Da ausschließlich die Stiele geerntet werden, fällt im Frühsommer viel Blattmasse an. Die riesigen Blätter eignen sich perfekt, um das Beet zu mulchen. Breite sie im Wurzelbereich des Rhabarbers aus. Auf diese Weise dämmst Du die Verdunstung ein und musst seltener gießen. Und ganz nebenbei hemmt die Mulchschicht das Unkrautwachstum.

Teilen und umpflanzen

Nach spätestens 10 Jahren ist es Zeit, die Staude zu teilen und eines der Teilstücke in einem anderen Beet einzupflanzen. Damit sich der Boden erholen kann, solltest Du für fünf Jahre an der alten Stelle keinen Rhabarber anbauen.

Schädlinge & Krankheiten

Generell ist Rhabarber ziemlich robust. Bei ungünstiger Witterung kann die Staude jedoch von Pilzerkrankungen befallen werden. In regnerischen Sommern treten zum Beispiel Blattfleckenpilze und manchmal auch Mehltau auf. Selten kommt es zu einer Infektion mit dem Mosaik-Virus. In diesem Fall bleibt Dir nichts anderes übrig, als die Pflanze zu entfernen und im Müll zu entsorgen.

Unter den tierischen Schädlingen sind im Frühjahr hin und wieder Blattläuse an den Rhabarberblättern anzutreffen. Das Problem gibt sich meist von selbst, allerdings können die Läuse Viruserkrankungen übertragen und sollten daher besser abgewaschen werden. 

Besonderheiten

Rhabarber gilt grundsätzlich als gesund, allerdings enthält er, ebenso wie Spinat, Mangold, Rote Bete und Sauerampfer größere Mengen an Oxalsäure. Dieser Inhaltsstoff ist zwar nicht giftig, entzieht dem Körper jedoch Kalzium und tauscht es gegen Kalzium-Oxalat aus. Damit ist er für Menschen, die an einer Nierenerkrankung leiden oder zur Bildung von Nierensteinen neigen nicht geeignet. 

Vor allem im Sommer steigt der Oxalsäuregehalt an. Daher endet die Erntezeit traditionellerweise am 24. Juni. Für gesunde Personen ist das zwar unbedenklich, allerdings schmecken die Stiele nun unangenehm sauer und herb.

Welche Sorte wählen?

Weltweit sind über 100 Rhabarbersorten erhältlich. Wenn Du nach einer passenden Züchtung für Deinen Garten suchst, sollten neben Ertrag, Geschmack und Stangenfarbe auch die Wuchsgröße sowie die Schosserneigung eine Rolle spielen. 

Es gibt frühe Sorten, die zeitgleich mit den ersten Erdbeeren geerntet werden können, als auch spätreife Sommersorten. Diese können noch weit nach dem Johannistag, dem Stichtag für die Rhabarberernte, verzehrt werden.

Einige Sorten müssen nicht geschält werden, was die Zubereitung erleichtert. Sie bilden keine Fäden und Verholzen kaum. Andere zeichnen sich durch tiefrotes Fleisch aus, welches auf dem Teller besonders attraktiv und appetitlich wirkt. Bekannte Sorten sind unter anderem ’Goliath’, ’Holsteiner Blut’, ’Elmsjuwel’, ’Mira’ oder ’Valentine’.

Foto des Autors

Meine Leidenschaft für die Pflanzenwelt habe ich als Kind bei mendelschen Kreuzungsversuchen entdeckt. Seither bin ich fasziniert von allem, was wächst und blüht. Ich liebe historische Rosen, experimentiere mit dem Anbau exotischer Früchte und interessiere mich für die Wildkräuterküche. Mit meinen Artikeln möchte ich Dir Lust aufs Gärtnern machen und Deine Fragen rund ums Thema Pflanzenpflege beantworten.

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