So ziehst Du Zucchini am Balkon

Du liebst frisches Gemüse, hast aber keinen Garten? Am Balkon kannst Du nicht nur relaxen, sondern auch gärtnern. Zucchini sind ausgesprochen unkompliziert und lassen sich problemlos im Topf kultivieren. Dafür brauchst Du weder ein Beet noch Erfahrung – ein großes Pflanzgefäß und die Liebe zur Natur reichen vollkommen aus. Mit unseren Tipps erntest Du bald die ersten vitaminreichen Zucchini auf Deinem Balkon.

Zucchini-Anbau im Topf

  • Zucchini brauchen einen sonnigen Standort
  • eine Pflanze benötigt mindestens 80 cm² Platz
  • 1 bis 2 Pflanzen reichen für 2 Personen völlig aus
  • kompakt wachsende Sorten sind praktisch für kleine Balkone
  • Kletterzucchini lassen sich platzsparend hochleiten
  • parthenokarpe Sorten sind nicht auf Bestäubung angewiesen, sie bringen sichere und höhere Erträge
  • das Pflanzgefäß sollte mindestens 15 Liter fassen
  • verwende nährstoffreiche Gemüseerde
  • reichere das Substrat mit Hornspänen an
  • gieße regelmäßig
  • dünge maßvoll mit organischem Flüssigdünger
  • eine Mulchschicht hält das Substrat feucht
  • hilf bei zweigeschlechtlich blühenden Sorten händisch bei der Bestäubung nach
  • ernte die jungen Früchte regelmäßig ab

Das perfekte Gemüse für Anfänger

Zucchini wachsen wie Unkraut. Selbst wenn Du nicht mit einem grünen Daumen gesegnet bist, kannst Du mit diesem pflegeleichten Gewächs kaum etwas falsch machen. Selbst für ungeduldige Balkongärtner ist das feine Gemüse bestens geeignet. Nicht einmal zwei Monate dauert es von der Aussaat bis zur Ernte. Die Pflanze wächst schnell und bringt üppige Erträge. Im Sommer kannst Du wöchentlich mehrere Früchte ernten – bis weit in den Herbst hinein.

Zugegeben, mit ihrer stattlichen Größe sind Zucchinipflanzen nicht gerade handlich. Doch im Gegensatz zu ihren Verwandten, den Gartenkürbissen, breiten sie sich nicht rankend aus, sondern bleiben brav auf dem ihnen zugewiesenen Platz. Im Topf gezogen erreichen sie meist nicht die üppige Wuchsform, für die sie im Garten berühmt sind.

Wenn Du nur wenig Platz zur Verfügung hast, empfiehlt es sich, eine kompakt wachsende Sorte zu wählen. Um den Eigenbedarf von zwei Personen zu decken, genügt eine Pflanze völlig. Du wirst sehen, dass sie – einmal in Fahrt gekommen – am laufenden Band neue Früchte produziert. Lies Punkt für Punkt, was Du für eine reiche Zucchiniernte am Balkon beachten solltest.

Standort für Topf-Zucchini

Zucchini mögen sonnige, geschützte Lagen. Am Balkon ist allerdings auch ein Standort im Halbschatten kein Nachteil. Über die großen Blätter verdunstet viel Wasser, zusätzlich trocknet das Substrat im Pflanzgefäß schnell aus. Das steigert den Wasserbedarf derart, dass Du bald mit dem Gießen nicht mehr nachkommst. Du kannst Deine Zucchinipflanze also durchaus an einem schattigeren Plätzchen ziehen.

Einige Sonnenstunden täglich sollte sie jedoch abbekommen. Auf heißen Südbalkonen hilft es, die Pflanze nicht direkt an der Hauswand zu platzieren und im Hochsommer für Beschattung während der Mittagszeit zu sorgen.

Der richtige Topf

Ein ausreichend großes Pflanzgefäß sorgt dafür, dass sich die Pflanze am Balkon genauso wohlfühlt, wie im Gartenbeet. Je größer, desto besser: Mindestens 15 Liter sollte der Topf fassen, nach oben hin sind Dir keine Grenzen gesetzt. Damit Deine Zucchini nicht im Nassen stehen muss, sollte das Gefäß über Abzugslöcher im Boden verfügen. Staut sich nämlich das Gießwasser, können die Wurzeln faulen.

Gut genährt ist halb gewonnen

Verwende nährstoffreiches Substrat zum Pflanzen Deiner Balkon-Zucchini. Optimal ist reifer Kompost vermischt mit guter Gartenerde. Da auf dem Balkon meist kein Kompost zur Verfügung steht, bietet sich spezielle Gemüseerde aus dem Gartenmarkt an. Du kannst das Substrat zusätzlich mit Hornspänen anreichern. Lege Tonscherben oder größere Kieselsteine über die Abzugslöcher des Pflanzgefäßes, bevor Du die Erde in den einfüllst.

Samen oder Jungpflanzen?

Ob Du Deine Zucchini aussäen möchtest oder lieber fertige Jungpflanzen kaufst, ist Geschmacksache. Wer selbst sät, hat eine größere Auswahl bei den Sorten. Beim Kauf von vorgezogenen Pflanzen lohnt es sich, nach veredelten Jungpflanzen Ausschau zu halten. Diese sind weniger kälteempfindlich und haben besonders kräftige Wurzeln, welche sie gut mit Wasser versorgen, was beim Anbau am Balkon von Vorteil ist.

Die besten Sorten für den Balkon

Rein weiblich blühende (parthenokarpe) Züchtungen garantieren eine reibungslose Fruchtentwicklung auch ohne Befruchtung. Üblicherweise trägt eine Zucchinipflanze weibliche und männliche Blüten. Nur aus bestäubten weiblichen Blüten entstehen Früchte. Meist ist am Balkon nur für eine Pflanze Platz – das bedeutet weniger Blüten und damit weniger Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung. Einige neue Sorten sind parthenokarp. Sie tragen ausschließlich weibliche Blüten, aus jeder von ihnen entwickelt sich ganz ohne Bestäubung eine Frucht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Pflanzung am Balkon ist ein kompakter Wuchs. Viele Zucchinisorten nehmen locker eineinhalb Quadratmeter ein. Vitale Wuchskraft ist ja schön und gut, doch wo sollst Du Deinen Eiskaffee genießen, wenn Dein gesamter Outdoor-Bereich von dichtem Blattwerk überwuchert ist? Wähle daher eine Sorte, die nicht so groß wird, damit Dir Platz zum Relaxen am Balkon bleibt.

Folgende Sorten eignen sich aus gut für die Kultur am Balkon:

‘Kimber‘ F1
Diese Sorte erhältst Du häufig auch als veredelte Jungpflanze. Kimber ist parthenokarp, sodass Du Dir keine Sorgen um die Bestäubung am Balkon machen musst. Die ersten Früchte reifen früh. Die Pflanze bringt üppige Erträge und weist eine gute Kältetoleranz auf. Allerdings wird sie relativ groß. Plane einen Platzbedarf von bis zu einem Quadratmeter ein.

Topfzucchini ‘Patiostar‘ F1
Die kompakte Sorte hat einen offenen Wuchs, was für eine gute Luftzirkulation sorgt und die Entstehung von Pilzkrankheiten verhindert. Sie bildet herrliche dunkelgrüne Früchte, die im ganz jungen Zustand mit der Blüte besonders aromatisch schmecken.

Mini-Zucchini ‘Piccolo‘ F1
Wie der Name andeutet, bildet die Pflanze kleine Früchte, die sich durch ihre hübsche runde Form und das dekorative Streifenmuster auszeichnen. Du kannst sie ernten, sobald sie die Größe eines Hühnereis erreicht haben. Nicht nur die Früchte, auch die Zucchinipflanze selbst bleibt angenehm klein.

Kletterzucchini ‘Black Forrest‘ F1
Diese Zucchinisorte wächst rankend und kann besonders platzsparend hochgeleitet werden. Sie bildet bis zum Frost immer wieder neue Früchte in sattem Grün.

‘Partenon‘ F1
Die parthenokarpe Sorte garantiert eine sichere Fruchtbildung und hohe Erträge. Die appetitlich glänzenden Früchte sind dunkelgrün und können bereits ab Anfang Juli geerntet werden.

Vom richtigen Zeitpunkt

Wenn Du Dich entschlossen hast, Deine Zucchini selbst aus Samen zu ziehen, darfst Du bereits Mitte April loslegen. Lege zwei Samen in einen Topf mit Saaterde und bedecke sie zwei Zentimeter dick mit Substrat. Halte die Töpfe leicht feucht, aber nicht zu nass. Nach etwa einer Woche keimen die Samen. Lass die stärkere Pflanze der beiden stehen.

Gewöhne die Jungpflanzen an die Bedingungen im Freien, indem Du sie bei gutem Wetter täglich für einige Zeit auf den Balkon stellst. Mitte Mai darfst Du die Pflanzen schließlich im Freiland auspflanzen. Auch gekaufte Jungpflanzen dürfen nach den Eisheiligen auf den Balkon. Stelle die Pflanzen anfangs in den Halbschatten, damit sie sich keinen Sonnenbrand auf den empfindlichen Blättern zuziehen.

So pflegst Du Zucchini am Balkon

Regelmäßig gießen

Um sich rundum wohlfühlen brauchen Zucchini Sonne und viel Wasser. Besonders bei der Kultur im Topf ist eine regelmäßige Bewässerung essenziell. Achte darauf, dass das Gießwasser nicht eiskalt ist, sondern lass es in der Gießkanne am Balkon stehen, damit es sich auf Lufttemperatur erwärmen kann. Gieße die Pflanze behutsam im Wurzelbereich und achte darauf, dass dabei die Blätter nicht nass werden.

"Verwende eine mit einer Bewässerungsspitze versehene PET-Flasche, um Deine durstige Zucchinipflanze im Hochsommer ausreichend mit Wasser zu versorgen. Sobald die Flasche leer ist, füllst Du sie wieder auf."
Mein Tipp

Mulch schützt

Eine Mulchschicht verhindert, dass das erdige Gießwasser auf die Pflanze hochspritzt, und bewahrt gleichzeitig das Substrat vor dem Austrocknen. Stroh, Tomatenblätter oder Brennnesselblätter eignen sich perfekt zum Mulchen Deiner Zucchini.

"Wer auch Tomaten am Balkon zieht, hat ein hervorragendes Mulchmaterial zur Hand: Lege abgeschnittene Blätter und ausgegeizte Triebe als Mulch aus."
Mein Tipp

Wohldosiert düngen

Im Pflanzgefäß sind die im Substrat vorhandenen Nährstoffe schnell verbraucht. Als wachsfreudiger Starkzehrer freut sich Deine Zucchini über regelmäßige Düngergaben. Flüssigdünger lässt sich gut dosieren und muss nicht eingearbeitet werden.

Setze auf organischen Bio-Dünger, schließlich möchtest Du die Früchte Deiner Pflanze verzehren. Mineraldünger sind problematisch in der Herstellung und führen bei unsachgemäßer Anwendung schnell zur Überdüngung. Die konzentrierten Salze können die Wurzeln Deiner Pflanze nachhaltig schädigen.

"Ein höherer Einsatz von Düngemitteln bringt nicht automatisch eine reichere Ernte. Überdüngte Pflanzen bilden vor allem viel Blattmasse und werden anfällig für Krankheiten. Halte Dich daher bei der Dosierung an die Angaben des Herstellers."
Mein Tipp

So klappt die Bestäubung am Balkon

Wer zwei Zucchinipflanzen oder mehr hat, braucht sich um die Befruchtung weniger Gedanken machen. Auf kleineren Balkonen ist jedoch oft nur Platz für eine einzige Pflanze. Da die Zucchini bei Stress durch Hitze, Kälte oder Trockenheit vor allem männliche Blüten bildet, kann es mit der Bestäubung der wenigen weiblichen Blüten eng werden.

Wähle daher für den Balkon nach Möglichkeit eine rein weiblich blühende (parthenokarpe) Sorte. Bei zweigeschlechtlich blühenden Sorten, kannst Du händisch bei der Bestäubung nachhelfen:

  • Sieh Dir die Blüten genau an: Die männlichen Blüten sitzen an langen geraden Stielen. Die weiblichen Blüten haben kürzere Stiele. Selbst im Knospenstadium ist mir schon eine winzige Frucht erkennbar.
  • Schneide eine männliche Blüte ab und entferne vorsichtig die Blütenblätter, sodass der Stempel freiliegt.
  • Übertrage nun den Pollen vom Stempel auf die Narbe, die sich im Zentrum der weiblichen Blüten befindet.
  • Du kannst auch einen kleinen weichen Pinsel verwenden.
"Zucchiniblüten schmecken köstlich. Verwende die überzähligen männlichen Blüten in der Küche. Du kannst sie füllen und überbacken oder frittieren."
Mein Tipp

Genieße Deine Ernte

Sobald sich die ersten kleinen Früchte zeigen, darfst Du mit der Ernte beginnen. Nur keine Scheu – ein regelmäßiges Abernten regt die Bildung neuer Früchte an. Zucchini schmecken jung und zart am besten. Selbst wenn sich die Blüte noch an der Frucht befindet, kannst Du das feine Gemüse bereits genießen. So zart eignen sich Zucchini auch für den Rohverzehr und schmecken köstlich in Salaten und auf kalten Platten.

Lass die Früchte je nach Sorte nicht größer als etwa 20 bis 25 Zentimeter werden. Mit der Zeit verlieren sie an Aroma, bekommen eine unangenehm harte Schale und trockenes, schwammiges Fruchtfleisch. Lagere Deine geernteten Zucchini in einem kühlen Keller oder im Kühlschrank und verbrauche sie innerhalb einer Woche.

"Sollten einmal mehr Früchte anfallen, als Du essen kannst, lege sie mit feinen Kräutern in Essig oder Öl ein."
Mein Tipp

Fazit

Angenehm anspruchslos gedeihen Zucchini auch auf Deinem Balkon wunderbar. Du musst kein erfahrener Gärtner sein, um innerhalb kürzester Zeit Deine eigenen Zucchini zu ernten.

Sie wachsen sogar mitten in der Großstadt. Alles, was Du brauchst, sind ein Platz an der Sonne, ein großer Topf, eine Gießkanne und ein paar Samen. Dann steht Deinem kleinen grünen Genussgarten hoch über den Dächern nichts mehr im Wege.

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